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Zum Ausstieg aus dem Schnabelkürzen

Pressemitteilung

Die Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt begrüßt die Vereinbarung zum Ausstieg aus dem Schnabelkürzen, die heute von Bundesminister Schmidt und der Geflügelwirtschaft vorgestellt wurde. »Die Vereinbarung ist vielversprechend, jedoch ist die Art und Weise der Umsetzung enorm wichtig, damit sie wirklich ein Erfolg wird«, betont Mahi Klosterhalfen, geschäftsführender Vorstand der Albert Schweitzer Stiftung.

Legehenne und Ei
© Tsekhmister – Shutterstock

Mit ihrer heute vorgestellten Vereinbarung verpflichten sich deutsche Geflügelhalter, ab dem 1. August 2016 auf das Kürzen von Schnäbeln bei Legehennen und Mastputen zu verzichten (Nachtrag: Mastputen erst später) und ab 2017 keine schnabelgekürzten Junghennen mehr einzustallen. Für die Albert Schweitzer Stiftung ist dies ein wichtiger Meilenstein in ihrer seit fünf Jahren andauernden Kampagnenarbeit zum Ausstieg aus dem Schnabelkürzen: »Die Geflügelindustrie hat endlich ihren Widerstand aufgegeben und will jetzt einen Dauerverstoß gegen das Tierschutzgesetz abstellen«, erklärt Mahi Klosterhalfen, geschäftsführender Vorstand der Stiftung. »Wir werden genau beobachten, wie die Vereinbarung realisiert wird, denn die Art und Weise des Ausstiegs ist enorm wichtig.«

Dem ambitionierten Zeitplan der Vereinbarung steht Klosterhalfen skeptisch gegenüber: »Gerade bei den Puten sind gravierende Änderungen nötig, unter anderem bei den Besatzdichten. Da sich die Puten-Industrie bisher nicht auf entsprechende Vorschläge eingelassen hat, würde es mich wundern, wenn sie dies jetzt auf einmal täte.«

Bei den Legehennen gibt sich Klosterhalfen optimistischer. Damit der Ausstieg ein Erfolg wird, müssten jedoch Aufzucht- und Haltungsbedingungen deutlich verbessert werden. Die Albert Schweitzer Stiftung fordert unter anderem ausreichendes Beschäftigungsmaterial, höherwertiges Futter und eine Reduktion der Besatzdichte. »Klar ist, dass die notwendigen Verbesserungen Kosten verursachen. Ohne Preiserhöhungen ist ein Ausstieg aus dem Schnabelkürzen aus unserer Sicht nicht zu realisieren, wenn man es richtig machen will«, erklärt Klosterhalfen. Er geht davon aus, dass der Preis um mindestens 3 Cent pro Ei steigen muss.

Der Ausstieg aus dem Schnabelkürzen wird die Leiden der Legehennen bei richtiger Umsetzung vermindern, doch gravierende Mängel bleiben nach wie vor bestehen: »Dazu gehören zum Beispiel die qualvolle Überzüchtung und das frühe Töten nach nur rund einem Legejahr«, schließt Klosterhalfen.

Legehennen & Schnabelkürzen

Lesen Sie auch unsere Informationen zur Haltung von Legehennen und Puten. Erfahren Sie außerdem mehr über unsere Kampagne zum Ausstieg aus dem Schnabelkürzen.

Nachtrag (17. Juli 2015): Kritik an der Vereinbarung

Dr. Cornelie Jäger, die Landestierschutzbeauftragte von Baden-Württemberg, kritisiert die Vereinbarung zwischen Geflügelwirtschaft und Bundeslandwirtschaftsministerium. Sie befürchtet, dass ein Großteil der Legehennenhalter dazu übergehen wird, die Hennen im Dunkeln zu halten. Der Hintergrund dabei ist, dass Hennen sich bei (weitgehender) Dunkelheit deutlich ruhiger verhalten als bei hellem Licht. Verdunklungsmaßnahmen sind allerdings sehr kritisch zu sehen, da dadurch der für die Hennen sehr wichtige Tag-Nacht-Rhythmus weitgehend verloren gehen würde.

In der Vereinbarung ist das Verdunkeln zwar nur als Maßnahme »in Ausnahmesituationen« vorgesehen (S. 6), um Schlimmeres zu verhindern, wenn es zu Federpicken und/oder Kannibalismus kommt. Allerdings ist es in der sog. Nutztierhaltung durchaus üblich, die Ausnahme zur Regel zu machen. Insofern teilen wir die Sorge der Landestierschutzbeauftragten.

Wie in unserer ursprünglichen Meldung (s. o.) schon beschrieben, wird die Frage der Umsetzung des Schnabelkürz-Ausstiegs extrem wichtig werden. Damit dieser aus Tierschutzsicht ein Erfolg wird, müssen die Haltungsbedingungen deutlich stärker an die Bedürfnisse der Hennen angepasst werden als das derzeit der Fall ist. Das verursacht Mehrkosten, die von allen Beteiligten bis hin zum Verbraucher getragen werden müssen.

Ausstieg bei Puten erst später

Die Pressemitteilung des BMEL erweckt den Eindruck, der Schnabelkürz-Ausstieg bei Puten solle gleichzeitig zum Ausstieg bei Legehennen erfolgen, was uns Sorgen bereitet hat. Aus der Vereinbarung wird jedoch klar, dass der Ausstieg bei Puten später erfolgen soll (S. 13).

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