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Legehennen

Legehennen im Gras
© Leonsbox – iStock

Legehennen sind neugierige, lernfähige und intelligente Vögel, die bevorzugt in kleinen Gruppen von 5 bis 20 Hennen und einem Hahn leben. In Freiheit verbringen sie viel Zeit mit dem Erkunden der Umgebung und dem Aufspüren ihrer vielfältigen Nahrung, die von Insekten und Würmern bis hin zu Samen oder Früchten reicht. Dabei bewegt sich die Gruppe in einem festen Revier, das durch den leitenden Hahn vor Artgenossen anderer Gruppen verteidigt wird. Während der Brut- und Aufzuchtphase sondern sich die Hennen vom Rest der Gruppe ab, um an geschützter Stelle ein Nest zu bauen, ihre Eier auszubrüten und den geschlüpften Nachwuchs großzuziehen. Werden die Mütter und ihr Nachwuchs jedoch einmal getrennt, stoßen beide spezielle Rufe aus, bis sie sich wieder gefunden haben. In der heutigen Legehennenhaltung hat das Eierlegen nichts mehr mit der Fortpflanzung von Hühnern zu tun, sondern allein mit der massenhaften Produktion von Eiern für den Nahrungsmittelmarkt.

Legehennen-Haltungsformen

In Deutschland werden derzeit über 39 Millionen Hühner* zum Zweck der Eierproduktion gehalten. Die Haltungsformen der sogenannten Legehennen haben in den letzten Jahren einen Strukturwandel durchlaufen

Käfighaltung

Legehenne in Kleingruppenhaltung
© SOKO Tierschutz

Seit dem 1. Januar 2010 ist es in Deutschland verboten, die Hennen in konventionellen Käfigen (Legebatterien) zu halten – erlaubt sind seitdem allein noch die ausgestalteten Käfige nach EU-Norm, die in Deutschland kaum verbreitet sind, sowie das hierzulande dominierende Nachfolgemodell der konventionellen Käfige, die sogenannten Kleingruppenkäfige (oft auch als Kleinvolièren bezeichnet). Für letztere wird ab 2025 ein vollständiges Verbot greifen (für genau definierte Ausnahmefälle 2028), neue Käfighaltungen werden bis dahin nicht mehr genehmigt.

In Käfighaltung leben heute nur noch etwa 13 % aller Legehennen. Der größte Anteil der Käfighennen wird in Betrieben mit mindestens 200.000 Hennen gehalten. Die Bedingungen in den Kleingruppenkäfigen ähneln denen der konventionellen Käfighaltung stark: Während einem Huhn in der Legebatterie 550 cm² (= weniger als ein DIN A4 Blatt) Platz zur Verfügung standen, hat sich das Platzangebot pro Tier in der Kleingruppenhaltung unwesentlich auf 800 cm² (= ein DIN A4 Blatt plus fünf EC-Karten) pro Tier vergrößert. In den Kleingruppen-Käfigen leben Legehennen bei einer nutzbaren Stallgesamtgrundfläche von 2,5 m² in Gruppen von bis zu 60 Hennen und nach wie vor in großer Enge. Anders als die alten Legebatteriekäfige, enthalten die in mindestens drei Etagen übereinander angeordneten neuen Käfige verschiedene Funktionsbereiche mit Sitzstangen, Nestern und Einstreu, der Boden der Käfige ist aber weiterhin überwiegend perforiert. Den Tieren bleiben viele Grundbedürfnisse weitgehend unerfüllt, da die Angebote bei der herrschenden Enge nicht im Sinne eines artgerechten Verhaltens genutzt werden können (s. u).

Bodenhaltung (inkl. Volierenhaltung)

Legehennen in einem Bodenhaltungs-Stall
© www.tierschutzbilder.de

Etwa 63 % der Legehennen – und damit der bei weitem größte Teil ‒ leben heute in Bodenhaltung. Dabei sind Betriebe mit mehr als 200.000 Hennenhaltungsplätzen keine Seltenheit. In der klassischen Form der Bodenhaltung werden die Hennen in großen Hallen in Gruppen von bis zu 6.000 Tieren und bei einem Platzangebot von 9 Hennen pro m² (bzw. 1.111 cm² je Huhn) gehalten. Wie bei den Käfighennen findet sich auch der größte Anteil der Bodenhaltungshennen in Betrieben mit mindestens 200.000 Legehennen. In Bodenhaltung sind die Hallen lediglich zu einem Drittel der begehbaren Gesamtfläche mit Einstreu ausgestattet, da mehr Einstreu mit zusätzlichen Kosten und Aufwand für die Entsorgung verbunden ist. Der Rest des Bodens besteht aus Gittern aus Holz oder Plastik an denen sich die Tiere schmerzhafte Verletzungen zuziehen können, wenn sie ungünstig konstruiert wurden (z. B. mit mangelhafter Auftrittsbreite). Über den Gittern sind Sitzstangen, Nester (mit Böden aus Gummi- oder Kunstrasen) sowie Trink- und Fressvorrichtungen angebracht. Stellt man die angebotenen Nestflächen der Tierzahl gegenüber, so wird ersichtlich, dass sich über 100 Tiere einen Quadratmeter Nestfläche teilen müssen.

Auch die Bodenhaltung mit Volierengestellen ist für Legehennen erlaubt. Dabei dienen die Volieren (Etagensysteme mit Zwischenböden) als separate Funktionsbereiche und die Stallgrundfläche wird als Scharraum genutzt. Dadurch wird einerseits eine Strukturierung des Stalls ermöglicht, es führt aber auch zu noch höheren Besatzdichten, obwohl bekannt ist, dass sich eine hohe Besatzdichte negativ auf die artspezifischen Verhaltensweisen der Hühner auswirkt. Die Etagen der Volieren sind nicht eingestreut, sondern haben größtenteils perforierte Draht- oder Plastikböden.

Alles in allem zeichnet sich auch die Bodenhaltung durch eine sehr künstliche Umgebung für die Tiere aus.

Freiland- und Biohaltung

Legehennen in Freilandhaltung
© www.tierschutzbilder.de

Knapp 17,5 % der Legehennen leben in Freilandhaltung und weitere 8,5 % in ökologischer Erzeugung. Der größte Anteil dieser Hennen wird in Betrieben mit bis zu 30.000 Tieren gehalten. In der Freilandhaltung sind die Hennen im Stall denselben Bedingungen ausgesetzt wie in der Bodenhaltung. Allerdings wird ihnen tagsüber Zugang zu einem Auslauf im Freien zugestanden, der vom Tierhalter jedoch zeitlich beschränkt werden kann. Der Auslauf umfasst 4 m² pro Tier und ist im Idealfall überwiegend bewachsen und verfügt ebenfalls im Idealfall über Unterschlupfmöglichkeiten wie Unterstände oder Büsche (als Schutz z. B. vor Raubtieren). Fehlen solche Unterschlupfmöglichkeiten, so wird der Auslauf von den Tieren kaum ausgenutzt. Stattdessen bleiben sie auf einer kleinen Fläche, bevorzugt im stallnahen Bereich, zusammen.

Die Nutzung des Auslaufes hängt von verschiedenen Faktoren ab. Sie wird bestimmt von der Bauweise der Zugänge, der Tageszeit, dem Wetter, den darin lebenden Legehybriden und auch der Gruppengröße. Denn je größer die Gruppe ist, desto weniger Tiere laufen die weiten Strecken bis zu einem noch nicht von Hennen besetzten Bereich. In der Freilandhaltung ermöglicht ein größerer Bewegungsraum das Ausleben einiger artgemäßen Verhaltensweisen, dennoch dient die Henne hier ebenso nur der Eierzeugung.

Die biologische Erzeugung unterscheidet sich von der Freilandhaltung bezüglich der Haltungsvorschriften lediglich darin, dass die Tiere dort in geringeren Besatzdichten (6 statt 9 Tiere pro m²) und geringeren Gruppengrößen (maximal 3.000 statt 6.000 Tiere pro Gruppe) gehalten werden, was aber nur begrenzte Vorteile für die Tiere bewirkt, da auch diese Bedingungen der natürlichen Lebensweise von Hühnern nicht nahe kommen.

Gemeinsamkeiten der Haltungsformen

Aufgrund verschiedener Faktoren der Haltung (v. a. hohe Besatzdichten und Gruppengrößen) sind die Legehennen aller Haltungsformen – insbesondere jedoch der alternativen Haltungssysteme – häufig von Verhaltensstörungen wie Federpicken und Kannibalismus betroffen, was regelmäßig mit schweren Verletzungen einhergeht (s. u.). Obwohl seit langem bekannt ist, dass das Auftreten von Federpicken und Kannibalismus von verschiedenen Faktoren verursacht wird, wird den Tieren als Gegenmaßnahme im Kükenalter routinemäßig und ohne Betäubung der Schnäbel gekürzt. Dies ist mit akuten und teilweise auch chronischen Schmerzen verbunden (s. u.). Bekannt ist zudem seit einiger Zeit, dass es keinen Zusammenhang zwischen kupierten Schnäbeln und der Federpickaktivität an sich gibt. Schnabelkupierte Tiere haben nur dadurch eine verbesserte Befiederung, weil die Tiere die Federn schlechter mit dem verstümmelten Schnabel erfassen und herausreißen können. Durch das als Gegenmaßnahme gängige Schnabelkürzen wird also das gestörten Verhalten nicht verhindert, sondern nur die Schäden reduziert. Einzig in der Biohaltung ist dieser Eingriff verboten.

Werden viele Legehennen in einem Raum gehalten, ist eine Luftverunreinigung und Schadgasentstehung unvermeidlich. Insbesondere Ammoniak spielt wie in anderen großen Tierhaltungen auch in der Legehennenhaltung eine gewichtige Rolle. Das Gas entsteht durch die Zersetzung der Ausscheidungen und hat einen stechenden Geruch. Durch seine reizende Wirkung wirkt es schädigend auf die Atemwege der Tiere. Auch die Staubbelastung stellt eine gesundheitliche Belastung der Tiere und des Personals da. Der Staub besteht hauptsächlich aus Hautschuppen und Federn aber auch Futterresten und Einstreu. Hinzu kommt, dass er als Träger für Bakterien, Viren aber auch Pilzen und somit von Krankheiten dient. Besonders problematisch sind kleine Staubpartikel, da sie direkt in die Lunge gelangen und dort Schäden verursachen. Um die Staubbelastung gering zu halten, wird den Tieren, wenn überhaupt, dann meist nur wenig Einstreumaterial zur Verfügung gestellt (s. u.).

Gemeinsam ist den Legehennen aller Haltungssysteme, dass sie dort ausschließlich dazu dienen, durchweg und in hohen Mengen Eier zu legen. Während die Hennen ihrer Vorfahren, die in Südostasien lebenden Bankivahühner, lediglich bis zu vier Mal jährlich ein Gelege von 5–10 Eiern (bzw. bis zu 40 Eier im Jahr) hervorbringen, sind die heute genutzten Hochleistungshennen dazu gezwungen, rund 300 Eier im Jahr zu legen – und das ohne Unterbrechung. Diese hohe und von den Jahreszeiten unabhängige Legeleistung wird erreicht durch das Zusammenspiel von künstlichen Beleuchtungsprogrammen und der extremen Überzüchtung der Tiere.

Zur Eierproduktion wurden spezielle sogenannte Hybriden herangezüchtet, bei denen Merkmale wie eine hohe Legeleistung und ein hohes Eigewicht (zuungunsten anderer Merkmale) vorangetrieben wurden. Diese Legehybriden werden in Deutschland unter rein sachlichen Bezeichnungen wie »Lohmann LSL Classic« (für weiße Eier) und »Lohmann Brown Classic« (für braune Eier) vom Zuchtunternehmen »Lohmann Tierzucht« verkauft. Auch in den alternativen Haltungsformen werden diese Hybriden eingesetzt. Gezüchtet werden diese Rassen nur noch von vier weltmarktbestimmenden Unternehmen. Im Verhältnis dazu gab es Ende der 1960er-Jahre noch circa 50 Unternehmen auf der ganzen Welt, die sich mit der Zucht von Legehennen beschäftigten. Von den vier heutigen Zuchtunternehmen erzeugen allein zwei mehr als 90 % der Legehennen. Mit dieser Zentralisation auf wenige Betriebe können diese den Markt dominieren und bestimmen, welche Rassen und Hybride überhaupt angeboten werden.

Aufgrund der permanenten Legebelastung leiden Legehennen oft unter schwerwiegenden Krankheiten, die zum frühzeitigen Tod der Tiere führen können. Ein langes Leben ist den Hennen aber ohnehin nicht vergönnt. Sobald ihre Legeleistung nach etwa 12-15 Monaten nachlässt, werden sie geschlachtet. Allen Haltungssystemen gemeinsam sind relativ hohe Tierverluste. Gerade in den Großgruppen der alternativen Haltungsformen sind Verlustraten bis zu 18 % keine Seltenheit.

Eine weitere Schattenseite der einseitigen, noch vielen Verbrauchern unbekannten Zucht auf Legeleistung, ist die Tötung der männlichen Legehybrid-Hühner: Da diese Tiere weder Eier legen können, noch das schnelle Wachstum der Mastrassen aufweisen, sind sie aus ökonomischer Sicht wertlos. Noch am Tag des Schlüpfens werden die männlichen Küken bei lebendigem Leib mit einem Homogenisator (einer Maschine mit schnell rotierenden Messern) zerstückelt oder mit Kohlendioxid (CO2) vergast, wobei sie einen mindestens 60 Sekunden langen Erstickungstod sterben. So ergeht es allein in Deutschland jährlich 48 Millionen Küken.**

Die einzelnen Bundesländer gehen mit dieser Problematik sehr unterschiedlich um. Während in den meisten Fällen noch keine (ausreichende) Auseinandersetzung mit der Praxis erfolgt ist, hat das Landwirtschaftsministerium in Nordrhein-Westfalen im September 2013 das Kükentöten per Erlass untersagt. Hessen hat ein Jahr später das Töten der männlichen Küken untersagt. Die Untersagung greife aber erst, sobald die Geschlechtsfrüherkennung im Ei am Markt verfügbar sei. Das Tötungsverbot aus NRW wurde 2015 vom Verwaltungsgericht als unzulässig eingestuft, da das Tierschutzgesetz keine Rechtsgrundlage dafür sei. Nur eine Änderung des Tierschutzgesetzes würde dieses Tötungsverbot erlauben. Im September 2015 sprach sich der Bundesrat mit einem Verbotsantrag zur Kükentötung für eine solche Änderung des Tierschutzgesetzes aus, eine Forderung die zwei Monate später von der Bundesregierung abgelehnt wurde.

* Dieser Wert bezieht sich lediglich auf die Hennen von einem ½ Jahr und älter – hinzu kommen noch 15,6 Millionen Küken und Junghennen bis unter ½ Jahr.

** Die Anzahl der getöteten männlichen Küken wird statistisch nicht erfasst, da jedoch davon ausgegangen werden kann, dass auf je ein geschlüpftes weibliches Küken ein männliches Küken kommt, lässt sich der Wert aus der Anzahl der geschlüpften »Gebrauchslegeküken« ableiten.

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