Legehennen

Legehennen im Gras
© Leonsbox – iStock

Hühner sind neugierige, lernfähige und intelligente Vögel, die bevorzugt in kleinen Gruppen von fünf bis zwanzig Hennen und einem Hahn leben. In Freiheit verbringen sie viel Zeit mit dem Erkunden der Umgebung und dem Aufspüren ihrer vielfältigen Nahrung, die von Insekten und Würmern bis hin zu Samen oder Früchten reicht. Dabei bewegt sich die Gruppe in einem festen Revier, das durch den leitenden Hahn vor Artgenossen anderer Gruppen verteidigt wird.

Während der Brut- und Aufzuchtphase sondern sich die Hennen vom Rest der Gruppe ab, um an geschützter Stelle ein Nest zu bauen, ihre Eier auszubrüten und den geschlüpften Nachwuchs großzuziehen. Werden die Mütter und ihr Nachwuchs jedoch einmal getrennt, stoßen beide spezielle Rufe aus, bis sie sich wiedergefunden haben.

In der heutigen Hennenhaltung hat das Eierlegen nichts mehr mit der Fortpflanzung von Hühnern zu tun, sondern allein mit der massenhaften Produktion von Eiern für den Nahrungsmittelmarkt.

Legehennen-Haltungsformen

In Deutschland werden derzeit über 45 Millionen Hühner zum Zweck der Eierproduktion gehalten (Stand 2021). [1] Die Haltungsformen der sogenannten Legehennen haben in den vergangenen Jahrzehnten einen Strukturwandel durchlaufen. Neben der Haltung in Käfigen gibt es verschiedene alternative Haltungsformen. Sie beruhen auf dem Prinzip der Bodenhaltung, die gegebenenfalls um einen Freilandauslauf oder ökologische Anforderungen erweitert werden.

Käfighaltung

Legehenne in Kleingruppenhaltung
© SOKO Tierschutz

Seit dem 1. Januar 2010 ist es in Deutschland und seit 2012 in der EU verboten, die Hennen in konventionellen Käfigen (Legebatterien) zu halten. Daraufhin entwickelte die Industrie sogenannte ausgestaltete Käfige. Diese sind in Deutschland seit dem 1. Januar 2021 ebenfalls verboten. Vorherrschend ist hierzulande jedoch eine Abwandlung der ausgestalteten Käfige, die sogenannten Kleingruppenkäfige (auch als Kleinvolièren bezeichnet). Diese werden ab Beginn des Jahres 2026 verboten sein (für genau definierte Ausnahmefälle spätestens ab Beginn 2029). Neue Käfighaltungen werden bis dahin nicht mehr genehmigt.

Heute leben hierzulande noch etwa 5 % aller »Legehennen« in Käfighaltung (Stand 2021). Der größte Anteil der Käfighennen wird in Betrieben mit mindestens 200.000 Hennen gehalten. Die Bedingungen in den Kleingruppenkäfigen ähneln denen der konventionellen Käfighaltung stark: Während einem Huhn in der Legebatterie 550 cm² Platz (weniger als ein DIN-A4-Blatt) zur Verfügung standen, hat sich das Platzangebot pro Tier in der Kleingruppenhaltung unwesentlich auf 800 cm² pro Tier (ein DIN-A4-Blatt plus fünf EC-Karten) vergrößert. In den Kleingruppen-Käfigen leben Hennen bei einer nutzbaren Stallgesamtgrundfläche von 2,5 m² in Gruppen von bis zu 60 Hennen und nach wie vor in großer Enge.

Anders als die alten Legebatteriekäfige, enthalten die in mindestens drei Etagen übereinander angeordneten neuen Käfige verschiedene Funktionsbereiche mit Sitzstangen, Nestern und Einstreu, der Boden der Käfige ist aber weiterhin überwiegend perforiert. Den Tieren bleiben in dieser unnatürlichen Haltungsumwelt viele Grundbedürfnisse weitgehend unerfüllt, da die Angebote bei der herrschenden Enge nicht im Sinne eines artgerechten Verhaltens genutzt werden können (s. u.).

Bodenhaltung (inkl. Volierenhaltung)

Legehennen in einem Bodenhaltungs-Stall
© Animal Rights Watch

Rund 65 % der »Legehennen« – und damit der bei weitem größte Teil – leben heute in Deutschland in Bodenhaltung (Stand 2021). Dabei sind Betriebe mit mehr als 200.000 Hennenhaltungsplätzen keine Seltenheit. In der klassischen Form der Bodenhaltung werden die Hennen in großen Hallen in Gruppen von bis zu 6.000 Tieren und bei einem Platzangebot von 9 Hennen pro m² (bzw. 1.111 cm² je Huhn) gehalten.

In Bodenhaltung sind die Hallen lediglich zu einem Drittel der begehbaren Gesamtfläche mit Einstreu ausgestattet, da mehr Einstreu mit zusätzlichen Kosten und Aufwand für die Entsorgung verbunden ist. Der Rest des Bodens besteht aus Gittern aus Holz oder Plastik an denen sich die Tiere schmerzhafte Verletzungen zuziehen können, wenn sie ungünstig konstruiert wurden (z. B. mit mangelhafter Auftrittsbreite). Über den Gittern sind Sitzstangen, Nester (mit Böden aus Gummi- oder Kunstrasen) sowie Trink- und Essvorrichtungen angebracht. Die Haltungsverordnung für Hennen gibt vor, dass sich bis zu 120 Hennen eine Nestfläche von einem Quadratmeter teilen müssen.

Auch die Bodenhaltung mit Volierengestellen ist für Hennen in der Eierproduktion erlaubt. Dabei dienen die Volieren (Etagensysteme mit Zwischenböden) als separate Funktionsbereiche und die Stallgrundfläche wird als Scharraum genutzt. Dadurch wird einerseits eine Strukturierung des Stalls ermöglicht. Der Gesetzgeber erlaubt aber darin noch höhere Besatzdichten, obwohl sich eine hohe Besatzdichte negativ auf die Gesundheit und die artspezifischen Verhaltensweisen der Hühner auswirkt (s. u.). Die Etagen der Volieren sind nicht eingestreut, sondern haben größtenteils perforierte Draht- oder Plastikböden. Alles in allem zeichnet sich auch die Bodenhaltung durch eine sehr künstliche Umgebung für die Tiere aus.

Freiland- und Biohaltung

Legehennen in Freilandhaltung
© Animal Rights Watch

Etwa 20 % der »Legehennen« leben in Freilandhaltung und weitere 10 % in ökologischer Erzeugung (Stand 2021). Der größere Anteil dieser Hennen wird in Betrieben mit bis zu 30.000 Tieren gehalten. In der Freilandhaltung sind die Hennen im Stall denselben Bedingungen ausgesetzt wie in der Bodenhaltung. Allerdings wird ihnen tagsüber Zugang zu einem Auslauf im Freien zugestanden, der vom Tierhalter jedoch zeitlich beschränkt werden kann. Der Auslauf umfasst 4 m² pro Tier und ist im Idealfall überwiegend bewachsen und verfügt ebenfalls im Idealfall über Unterschlupfmöglichkeiten wie Unterstände oder Büsche (als Schutz z. B. vor Raubtieren).

Fehlen solche Unterschlupfmöglichkeiten, so wird der Auslauf von den Tieren kaum ausgenutzt. Stattdessen bleiben sie auf einer kleinen Fläche in Stallnähe, da sie sich nicht auf die Freifläche trauen. Die Nutzung des Auslaufes hängt von weiteren Faktoren ab. Sie wird bestimmt von der Bauweise der Zugänge, der Tageszeit, dem Wetter, den darin lebenden Legehybriden und auch der Gruppengröße. Denn je größer die Gruppe ist, desto weniger Tiere laufen die weiten Strecken bis zu einem noch nicht von Hennen besetzten Bereich. Die größere Fläche in der Freilandhaltung ermöglicht den Hennen, zumindest einige Verhaltensweisen auszuleben.

Die biologische Erzeugung unterscheidet sich von der Freilandhaltung bezüglich der Haltungsvorschriften lediglich darin, dass die Tiere dort in geringeren Besatzdichten (6 statt 9 Tiere pro m²) und geringeren Gruppengrößen (maximal 3.000 statt 6.000 Tiere pro Gruppe) gehalten werden, was aber nur begrenzte Vorteile für die Tiere hat, da auch diese Bedingungen der natürlichen Lebensweise von Hühnern nicht nahe kommen.

Gemeinsamkeiten der Haltungsformen

Hühner hinter Zaun
© zdenet – Pixabay

Aufgrund verschiedener Faktoren der Haltung (v. a. Reizarmut, hohe Besatzdichten und Gruppengrößen) sind die Hennen aller Haltungsformen – insbesondere jedoch der alternativen Haltungssysteme – häufig von Verhaltensstörungen wie Federpicken und Kannibalismus betroffen, was regelmäßig mit schweren Verletzungen einhergeht (siehe Problemkomplex Federpicken und Kannibalismus.).

Werden viele Hennen in einem Raum gehalten, ist eine Luftverunreinigung und Schadgasentstehung unvermeidlich. Insbesondere Ammoniak spielt wie in anderen großen Tierhaltungen auch in der »Legehennen«-Haltung eine gewichtige Rolle. Das Gas entsteht durch die Zersetzung der Ausscheidungen und hat einen stechenden Geruch. Durch seine reizende Wirkung wirkt es schädigend auf die Atemwege der Tiere. Auch die Staubbelastung stellt eine gesundheitliche Belastung der Tiere und des Personals da. Der Staub besteht hauptsächlich aus Hautschuppen und Federn aber auch Futterresten und Einstreu. Hinzu kommt, dass er als Träger für Bakterien, Viren aber auch Pilzen und somit von Krankheiten dient. Besonders problematisch sind kleine Staubpartikel, da sie direkt in die Lunge gelangen und dort Schäden verursachen. Um die Staubbelastung gering zu halten, wird den Tieren, wenn überhaupt, dann meist nur wenig Einstreumaterial zur Verfügung gestellt.

Überzüchtung

Gemeinsam ist den Hennen aller Haltungssysteme, dass sie dort ausschließlich dazu dienen, durchweg und in hohen Mengen Eier zu legen. Während die Hennen ihrer Vorfahren, die in Südostasien lebenden Bankivahühner, lediglich bis zu vier Mal jährlich ein Gelege von fünf bis zehn Eiern (bzw. bis zu 40 Eier im Jahr) hervorbringen, sind die heute genutzten Hochleistungshennen dazu gezwungen, knapp 300 Eier im Jahr zu legen – und das ohne Unterbrechung. Diese hohe und von den Jahreszeiten unabhängige Legeleistung wird durch das Zusammenspiel von künstlichen Beleuchtungsprogrammen und der Überzüchtung der Tiere erreicht.

Zur Eierproduktion wurden spezielle sogenannte Hybriden herangezüchtet, bei denen Merkmale wie eine hohe Legeleistung und ein hohes Eigewicht (zuungunsten anderer Merkmale) vorangetrieben wurden. Diese sogenannte Legehybriden werden in Deutschland unter Bezeichnungen wie »Lohmann LSL Classic« (für weiße Eier) und »Lohmann Brown Classic« (für braune Eier) vom Zuchtunternehmen »Lohmann Tierzucht« verkauft. Dabei zeichnen sich weiße Hennen meist durch eine höhere »Legeleistung« aus. Die Hybriden werden in der Käfighaltung und auch in den alternativen Haltungsformen eingesetzt.

Nur noch vier weltmarktbestimmende Unternehmen züchten sogenannte Legehennen. Im Verhältnis dazu gab es Ende der 1960er-Jahre noch ca. 50 Unternehmen auf der ganzen Welt, die sich mit der Zucht von »Legehennen« beschäftigten. Von den vier heutigen Zuchtunternehmen erzeugen allein die EW Group (inkl. »Lohmann Tierzucht«) und Hendrix-Genetics mehr als 90 % der Legehybriden.

Aufgrund der permanenten Legebelastung leiden die Hennen oft unter schwerwiegenden Krankheiten, die zum frühzeitigen Tod führen können. Gerade in den Großgruppen der alternativen Haltungsformen sind durchschnittliche Verlustraten bis zu 18 % je Legeperiode keine Seltenheit. Ein langes Leben ist den Hennen aber ohnehin nicht vergönnt. Sobald ihre Legeleistung nach etwa zwölf bis fünfzehn Monaten nachlässt, werden sie geschlachtet.

Kükentötung

Hunh mit Küken
© R. L. Webber – Shutterstock

Eine weitere Schattenseite der einseitigen Zucht auf Legeleistung ist die Tötung der männlichen Legehybrid-Hühner. Da diese Tiere weder Eier legen können, noch das schnelle Wachstum der Mastrassen aufweisen, sind sie aus ökonomischer Sicht wertlos. Dies betrifft jährlich rund 45 Millionen Küken in Deutschland. [2]

Die meisten männlichen Küken werden noch am Tag des Schlüpfens bei lebendigem Leib mit einem Homogenisator (einer Maschine mit schnell rotierenden Messern) zerstückelt oder mit Kohlendioxid (CO2) betäubt und getötet, wobei sie einen mindestens 60 Sekunden langen Erstickungstod sterben.

2013 wies das Land Nordrhein-Westfalen die zuständigen Veterinärämter an, das Töten männlicher Eintagsküken zu untersagen. Nachdem zwei Brütereien dagegen klagten, landete der Fall vor dem Bundesverwaltungsgericht. Dieses entschied 2019, dass wirtschaftliche Interessen allein nicht das routinemäßige Töten der Küken rechtfertigen und stellte die Praxis somit bundesweit infrage. Die Richter:innen gewährten allerdings eine nicht näher definierte Übergrangsfrist, bis alternative Verfahren, v. a. zur Geschlechtsbestimmung im Ei, praxisreif sind. Voraussichtlich zum Januar 2022 soll das routinemäßige Schreddern und Vergasen endlich verboten werden. Ein Gesetzesentwurf liegt bereits vor.

Bei der Geschlechtsfrüherkennung werden die männlichen Küken bereits im Ei identifiziert und vernichtet. Wissenschaftler:innen gehen allerdings davon aus, dass Hühnerembryonen spätestens ab dem siebten Bruttag Schmerz empfinden können. Da die ersten entwickelten Verfahren das Geschlecht erst ab dem neunten Bruttag sicher bestimmen können, ist diese Lösung ebenfalls kritisch zu bewerten. Wissenschafter:innen arbeiten daran, das Geschlecht routinemäßig bereits vor diesem kritischen Zeitpunkt erkennen zu können. Eine andere Alternative zum Kükentöten ist die Aufzucht und Mast der Hähne. Inzwischen gibt es einge Initiativen in der Agrarbranche und im Handel hierfür. Sie nutzen vor allem sogenannte Zweinutzungsrassen, die auf ein ausgewogenes Verhältnis von »Legeleistung« und Gewichtszunahme hin gezüchtet sind. Jede dieser Alternativen bedeutet allerdings nur eine Verschiebung des Todeszeitpunkts.


[1] Dieser Wert bezieht sich lediglich auf die Hennen von einem halben Jahr und älter. [zurück]
[2] Die Anzahl der getöteten männlichen Küken wird statistisch nicht erfasst. Da jedoch davon ausgegangen werden kann, dass auf je ein geschlüpftes weibliches Küken ein männliches Küken kommt, lässt sich der Wert aus der Anzahl der geschlüpften Hennen ableiten. [zurück]

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