Masthühner

Hahn in der Natur
© mgkaya – iStock

Hühner sind gesellige Vögel. Sie bilden in Freiheit Gruppen von bis zu 20 Hennen und einigen Junghähnen unter Führung und Schutz eines Hahns. Die Hennen brüten ihre Eier etwa drei Wochen bis zum Schlupf der Küken. Der Schutz der Mutter ist für die Nestflüchter überlebensnotwendig. Hühner verständigen sich untereinander über ihre Körperhaltung und mit vielfältigen Lautäußerungen. Bekannt sind über 20 verschiedene Verständigungslaute zwischen Hühnern. Hühner werden oft in ihren mentalen Fähigkeiten unterschätzt, obwohl wissenschaftliche Studien zeigen, dass sie über ein gewisses Ich-Bewusstsein, ein gutes Gedächtnis und sogar eine Vorstellung von zukünftigen Ereignissen verfügen.

Hühner verbringen ihren Tag vor allem mit der gemeinsamen Futtersuche. In der Dämmerung suchen sie einen möglichst hoch gelegenen Schlafplatz – am liebsten fliegen sie dazu auf Bäume. In industriellen Tierhaltungsanlagen können die Tiere diese und andere Bedürfnisse nicht oder nur sehr eingeschränkt ausleben. Vor allem die hohe Besatzdichte und die Überzüchtung auf schnelles Wachstum schränken sie in ihrem natürlichen Verhalten ein.

Masthühner in der Massentierhaltung

In Deutschland lebten im März 2013 etwa 97 Millionen Hühner für die Hühnerfleischproduktion. Die Bezeichnung »Hähnchen« (auch »Jungmasthühner« oder »Broiler«) gilt für männliche wie weibliche Masthühner gleichermaßen. 97 Prozent der Hühner leben in konventioneller Bodenhaltung. Hühner mit Auslauf ins Freie machen nur einen äußerst geringen Anteil aus. Im Jahr 2003 hielten noch etwa 9 von 10 Mastbetrieben weniger als 10.000 Masthühner. Zehn Jahre später lebten bereits knapp 77 % der Masthühner in Betrieben mit 50.000 und mehr Tieren. Heutzutage sind sogar Anlagen mit über 200.000 Tieren keine Seltenheit mehr. Viele dieser Betriebe arbeiten flächenunabhängig. Das bedeutet, dass sie kaum noch eigene Flächen bewirtschaften, sondern hauptsächlich zugekauftes Futter verfüttern.

Hühner in Massentierhaltung
© Kharkhan Oleg – Shutterstock

Drei Mastverfahren kommen in der konventionellen Masthühnerhaltung in Deutschland zum Einsatz: In der Kurzmast werden die Hühner schon nach 28 bis 30 Lebenstagen mit etwa 1,5 kg Körpergewicht geschlachtet und in der Mittellangmast nach etwa 35 Tagen mit einem Mastendgewicht von 2 bis 2,2 kg. Bei der Langmast leben die Hühner etwa 42 Tage und erreichen ein Endgewicht von 2,7 kg.

In der Bodenhaltung leben die Hühner in großen geschlossenen und wärmegedämmten Hallen. Ein Auslauf ist kaum vorgesehen. Die Stallfläche ist gänzlich unstrukturiert und nur von Futtertrögen und Tränkeeinrichtungen durchzogen. Da fast alle Abläufe im Stall technisiert sind, ist der Arbeitsaufwand im Verhältnis zur Tierzahl verhältnismäßig gering. Zu Mastbeginn stallt das Personal die aus den Brütereien angelieferten Eintagsküken ein. Etwa 5 bis 7 % dieser Küken sterben, bevor sie das (Schlacht-)Alter von ohnehin nur wenigen Wochen erreichen. Solche Verlustraten werden von den Mästern fest einkalkuliert.

Besatzdichte

In den einzelnen Mastställen sind Gruppen von 10.000 und mehr Tieren üblich. Bis zu 40.000 Tiere in einer Masthalle stellen jedoch auch keine Seltenheit mehr dar. In konventionellen Haltungsformen liegen die zulässigen Besatzdichten bei 33 bis 39 kg Lebendgewicht pro Quadratmeter. Untersuchungen zeigen jedoch, dass die Obergrenzen immer wieder überschritten werden. Der Wissenschaftliche Beirat für Agrarpolitik beim Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft kommt in seinem Gutachten »Wege zu einer gesellschaftlich akzeptierten Nutztierhaltung« zu dem Schluss, dass die Maximalbesatzdichten in großen Betrieben kaum direkt zu überprüfen sind.

Bei der Kurzmast und einem Mastendgewicht von 1,5 kg müssen sich bei höchster (erlaubter) Besatzdichte etwa 26 Hühner einen Quadratmeter Platz teilen – das entspricht pro Huhn etwas weniger als einem DIN-A5-Blatt plus einem Bierdeckel. Diese Masthühner haben also selbst bei den gesetzlich vorgeschriebenen Besatzdichten deutlich weniger Platz, als einer Legehenne im (inzwischen abgeschafften) Batteriekäfig zur Verfügung stand. In der Langmast teilen sich zwar weniger Tiere einen Quadratmeter, sie sind dafür aber schwerer und entsprechend größer.

Folgen des Platzmangels

Schon unter Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben ist die Fläche des Stallbodens zum Mastende mit Tieren bedeckt. Natürliche Verhaltensweisen wie Fortbewegung, Scharren, Gefiederputzen oder Flügelschlagen sind nur noch eingeschränkt möglich, da kaum noch freie Flächen vorhanden sind. Untersuchungen haben außerdem ergeben, dass Hühner erst bei Besatzdichten unter 27 kg pro Quadratmeter ein normales Sozialverhalten zeigen. Das entspräche in der Kurzmast etwa 18 Tieren.

Da die Masthühner kaum Platz haben, um sich zu bewegen, liegen sie die meiste Zeit auf dem Stallboden. Dies begünstigt die Entstehung von Verhaltensstörungen und Erkrankungen. Auch das andauernde Gedränge schränkt das Wohlbefinden der Tiere enorm ein: Sie stehen unter starkem Stress, da sie keine Individualabstände einhalten können und keine Möglichkeit zum Ausweichen haben. In der Enge steigt außerdem das Risiko, dass sich die Hühner gegenseitig erdrücken.

Die hohen Besatzdichten haben auch tiefgreifende Folgen für das Stallklima. Die Tiere erzeugen vermehrt Wärme und die Luftzirkulation in Bodennähe nimmt ab, ein regelrechter Wärmestau entsteht. Außerdem wächst die Belastung der Tiere, da mehr Staub und Schadgase wie Ammoniak und Kohlendioxid in der Luft sind (s. u.). Neben den tierschutzrelevanten Nachteilen einer hohen Besatzdichte sind auch wirtschaftliche bekannt, etwa eine geringere Gewichtszunahme. Diese »Verluste« gleichen die Halter jedoch durch mehr Tiere pro Fläche und Mastdurchgang aus.

Boden

Der Stallboden wird nur einmalig vor Mastbeginn mit Pellets, Holzspänen oder Stroh eingestreut. Die Einstreuqualität verschlechtert sich im Verlauf der Mastzeit durch die anfallenden Exkremente zunehmend. Das Risiko für Verletzungen und Krankheiten steigt fortwährend.

Masthuhn liegend
© Animal Rights Watch

Fast alle Masthühner leiden an schmerzhaften Fußballenerkrankungen, da sie auf dem immer feuchter werdenden Gemisch aus Exkrementen und Einstreu stehen müssen. Untersuchungen zeigen, dass gegen Ende der Mast die Bodenbedeckung zu etwa 90 % aus Exkrementen und nur noch zu etwa 10 % aus Einstreuresten besteht.

Ammoniak

Dem Gemisch aus Exkrementen und Einstreu entströmt fortwährend das Schadgas Ammoniak. Es reizt vor allem die Schleimhäute der Hühner und ruft schmerzhafte Entzündungen an Augen und Atemwegen hervor. Hohe Ammoniak-Konzentrationen schwächen überdies das Abwehrsystem der Hühner und machen sie so anfälliger für Krankheiten. Am Boden, wo das Ammoniak am höchsten konzentriert ist, führt das Gas in Kombination mit feuchter Einstreu zu schmerzhaften Entzündungen und Verätzungen an Brusthaut, Beinen oder Fußballen.

Beleuchtung

Die konventionellen Masthallen sind künstlich beleuchtet – wenn überhaupt fällt nur wenig natürliches Licht in die Hallen. Im Einsatz sind vor allem Lampen mit niedriger Lichtintensität, da eine helle Beleuchtung die Aktivität der Tiere steigern und somit die Gewichtszunahme verlangsamen würde. Besonders das fehlende Sonnenlicht ist ein großer Nachteil für die Hühner: Sie brauchen dessen ultraviolettes (UV) Lichtspektrum, um sich in ihrer Umgebung zu orientieren, ihr Sozialverhalten auszuleben und um Artgenossen zu unterscheiden. Das UV-Sehen ist ebenfalls wichtig, um Futter zu suchen und die innere Uhr zu synchronisieren.

Die Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung schreibt ein Lichtprogramm mit einer mindestens 6 Stunden andauernden Dunkelperiode vor. Die Europarats-Empfehlung zur Haltung von Haushühnern gibt für die Dunkelperiode sogar einen Richtwert von etwa 8 Stunden an.

Temperatur

Heizungen und Lüftungen regulieren in den Masthallen die Temperatur automatisch und passen sie schrittweise an das Alter der Tiere an. Unter natürlichen Bedingungen würde sich die Mutterhenne um die Wärmeversorgung ihrer Küken kümmern, da diese ihre Körpertemperatur in den ersten Lebenstagen kaum selbst regulieren können. In den Mastställen sind die Küken jedoch allein – ihnen fehlt die mütterliche Wärme. Wenn die Klimaregelung ausfällt oder nicht an die Bedürfnisse der Jungtiere angepasst ist, sinkt die Temperatur in der Halle. Die Tiere zittern und rücken eng zusammen, zu niedrige Temperaturen enden für die Küken sogar tödlich.

Reicht im Sommer die Kühlleistung nicht oder fällt die Temperaturregelung gar aus, wird es für die Masthühner im vollbesetzten Stall dagegen schnell zu heiß. Die Tiere versuchen die ansteigenden Temperaturen durch vermehrtes Trinken und Hecheln auszugleichen, doch in dem dichten Gedränge wird die Belastung schnell zu hoch. Sie liegen dann mit gespreizten Flügeln und offenen Schnäbeln auf dem Stallboden und sterben häufig einen qualvollen Hitzetod.

Zurückdrängung der Grundbedürfnisse der Masthühner

Zu den Grundbedürfnissen von Hühnern zählen Erkunden, Fortbewegung wie Laufen, Springen oder Fliegen, Ausruhen, Sozialleben und Körperpflege. Dazu kommen diverse mit der Nahrungsbeschaffung und -aufnahme verbundene Verhaltensweisen wie Scharren, Picken, Zupfen, Zerren, Hacken und das Bearbeiten von Nahrungsbestandteilen mit dem Schnabel. Das Ausleben dieser Bedürfnisse wird in der Hühnermast erheblich gestört oder ganz verhindert.

a) Nahrungssuche und -aufnahme

Hühner scharren am Boden und picken nach Fressbarem – die Nahrungssuche nimmt in Freiheit bis zu 60 % des Tages ein. Sie ernähren sich von Gras, Blättern, Samen, Früchten und Körnern, von Zeit zu Zeit fressen sie auch Würmer, Insekten oder kleine Reptilien. Bei Masthühnern hingegen ist die Zeit für die Suche, die Aufnahme und das Bearbeiten von Nahrung enorm verkürzt. Sie erhalten ein hochverarbeitetes, meist pelletiertes Kraftfutter in Futtertrögen und verbringen nur noch 10 % des Tages mit der Futteraufnahme. hr Beschäftigungsbedürfnis bleibt damit unerfüllt.

Hühner trinken eigentlich aus offenen Wasserquellen. In den Masthallen bekommen sie das Trinkwasser entgegen ihres natürlichen Trinkverhaltens aber in verstellbaren Nippeltränken, deren Höhe sich am Alter und somit der Größe der Tiere orientiert. Diesen für sie unnatürlichen Bewegungsablauf beim Trinken müssen die Tiere erst lernen. Kranke oder verletzte Hühner können häufig nicht mehr an die Wasserquellen gelangen. In Untersuchungen wurde beobachtet, dass betroffene Tiere wiederholt die Balance verloren, wenn sie versuchten, die Nippeltränken zu erreichen.

b) Körperpflege

Hühner genießen Staubbäder, putzen ausgiebig ihr Gefieder, strecken sich und schlagen mit den Flügeln, um sie zu lüften. Masthühner sind jedoch aufgrund ihrer angezüchteten großen Muskelmasse oder wegen Erkrankungen kaum noch in der Lage, ihr natürliches Pflegeverhalten auszuführen. Der ständige Kontakt mit dem Exkremente-Einstreu-Gemisch verschlimmert die Situation. Zwar versuchen Masthühner generell, feuchte Bodenbereiche zu meiden, doch die hohe Besatzdichte (vor allem gegen Ende der Mast) macht dies fast unmöglich. Schon ab Mitte der Mast ist die Qualität der Einstreu so schlecht, dass die Tiere kaum noch Staubbaden können – gegen Mastende ist dieses Verhalten praktisch unmöglich. Da die Masthühner außerdem unnatürlich lange auf dem Boden liegen, ist das Gefieder im Brustbereich bei 50 bis 100 % der Tiere verschmutzt.

c) Schlaf- und Ruheverhalten

Hühner sind in der Natur tagsüber aktiv und schlafen in der Dunkelheit. Im Kükenalter liegen sie dazu noch eng beieinander am Boden. Als erwachsene Hühner flattern sie in der Abenddämmerung auf erhöhte Schlafplätze in Bäumen oder Büschen. Dieses Verhalten lernen sie als Jungtiere von ihrer Mutter. Masthühner sind hingegen aufgrund ihrer großen Muskelmassen kaum fähig, auf Sitzstangen zu ruhen oder schlafen. In Untersuchungen konnten nur leichtere Masthühner am Anfang der Mast Sitzstangen nutzen. Die schweren Masthühner bräuchten Rampen, um erhöhte Sitzmöglichkeiten überhaupt erreichen zu können.

Masthühner sind im Vergleich zu weniger überzüchteten Hühnern sehr inaktiv und liegen die längste Zeit des Tages auf dem Stallboden. Die Ruhephasen einzelner Masthühner sind allerdings nur sehr kurz. Da keinerlei Rückzugsorte (wie z. B. Sitzstangen) und Raumstrukturierungen vorhanden sind, fehlt eine Unterteilung der Stallflächen in Ruhe- und Aktivitätsbereiche. Aktive Tiere, die sich bewegen, flattern oder aufstehen, stören die am Boden ruhenden Masthühner.

d) Sozialverhalten

Das Sozialverhalten beginnt bei Hühnern in Freiheit schon im Ei. Bereits einige Tage vor dem Schlupf geben die Küken Laute von sich und kommunizieren mit der Außenwelt. Nach dem Schlupf leitet die Mutterhenne ihren Nachwuchs durch Futterlockrufe, Glucken, Schlafaufforderungen sowie unterschiedliche Warn- und Entwarnungsrufe.

Broilerküken
© Animal Equality

Erst in der achten Lebenswoche trennt sich die Mutter von den jungen Hühnern. Masthühner erreichen dieses Alter gar nicht erst, denn sie leben gerade einmal vier bis sechs Wochen.

Masthühner zeigen nur ein eingeschränktes Sozialverhalten. Nachdem sie künstlich ausgebrütet wurden, fehlt ihnen nach dem Schlupf besonders die leitende Mutterhenne. Noch bis zu vier Tage nach dem Schlüpfen geben die Küken einen Verlassenheitslaut (auch Weinlaut genannt) von sich. Damit sich die vielen gleich jungen Tiere ohne leitende Alttiere zurechtfinden, sind die Mastställe in den ersten Tagen der Mast 23 bis 24 Stunden lang hell erleuchtet.

Die heranwachsenden Masthühner bleiben bei der unüberschaubaren Anzahl von Tieren regelrecht anonym. Allerdings schlachtet man sie ohnehin lange bevor sie ein Territorium oder eine Rangordnung ausbilden. Deswegen zeigen Masthühner deutlich weniger Aggressionen untereinander als Legehennen.

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