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Tiertransporte: Zahlen und Fakten

Tiertransporte
© Richard Schramm – Fotolia

Die Zahl der Tiere, die innerhalb Deutschlands zu Schlachthöfen transportiert werden, ist im Jahr 2016 gegenüber 2010 um etwa 8 Mio. gestiegen. Auch die grenzüberschreitenden Transporte nehmen zu: Im Jahr 2016 exportierte Deutschland knapp 350 Mio. »Nutztiere« in die EU. Der Import aus dem europäischen Ausland belief sich währenddessen auf 216 Mio. Tiere (eigene Berechnungen nach Statistisches Bundesamt).

Die europäischen Länder transportierten im Jahr 2015 insgesamt fast 1,4 Milliarden lebende Tiere innerhalb der EU. Die Mitgliedsländer exportierten außerdem im gleichen Jahr knapp 238 Mio. lebende Tiere über die EU-Grenzen hinweg in Drittländer (eigene Berechnungen nach Deutscher Bundestag 2016).

Die wichtigsten Handelspartner Deutschlands sind die Niederlande, Dänemark, Polen und Österreich. Insgesamt handelt Deutschland jedoch auf der ganzen Welt mit lebenden Tieren. Dies betrifft zum einen Tiere, die für die Schlachtung bestimmt sind. Zum anderen Tiere, die für die Mast oder für die Produktion von Milch und Eiern genutzt werden. Darüber hinaus nimmt auch der Handel mit Zuchttieren zu.

Schlachttiertransporte

Die Mehrzahl der Tiertransporte führt zum Schlachthof. 2016 wurden in Deutschland über 753 Mio. Tiere zu einem Schlachtbetrieb transportiert und dort geschlachtet. 80 % dieser Tiere sind erst wenige Wochen alte Masthühner; doch auch Schweine, Puten, Enten, Bullen oder Kälber gehören dazu. Legehennen oder Milchkühe erwartet bei nachlassender »Leistung« ebenfalls der Abtransport zur Schlachtung.

Da sich Großschlachtbetriebe immer mehr zentralisieren und monopolisieren, werden die Distanzen zwischen Haltungsbetrieb und Schlachthof immer größer. Der nationale und internationale Schlachtmarkt ist fest unter den großen Betrieben aufgeteilt. Kleine und regionale Schlachtbetriebe haben in vielen Fällen aufgegeben oder arbeiten im Nischenbereich.

Lebendtiertransporte

Die Tierproduktion in Deutschland ist hoch spezialisiert und in verschiedene Bereiche aufgeteilt. Es gibt Zucht- und Vermehrungsbetriebe, Brütereien, Mastbetriebe und tierhaltende Betriebe für die Ei- oder Milcherzeugung. Dementsprechend werden die Tiere von Betrieb zu Betrieb transportiert.

Dies betrifft in großer Zahl Eintagsküken und für die Mast bestimmte Tiere sowie Junghennen und Färsen (Kühe, die noch nicht gekalbt haben). Gerade für die jungen Tiere stellt der Transport zusammen mit der frühzeitigen Trennung von der Mutter eine enorme Belastung dar.

Zuchttiertransporte

Zuchttiere werden ebenfalls innerhalb Deutschlands transportiert, aber auch über die Landesgrenzen hinweg. Im Agrarexportbericht von 2017 hebt Landwirtschaftsminister Schmidt insbesondere den internationalen Export von »leistungsfähigen Zuchttieren« aus Deutschland hervor.

Im Jahr 2016 exportierte Deutschland in andere EU-Länder insgesamt über 18 Mio. Zuchttiere, darunter Rinder, Schweine und Hühner. Über 99 % waren Zuchthühner für die Mast sowie für die Eierproduktion. Ferner importierte Deutschland in diesem Jahr knapp 4 Mio. Zuchttiere, ebenfalls größtenteils Zuchthühner. Im Bereich des europäischen Handels mit Zuchttieren sind die Niederlande, Dänemark und Großbritannien Deutschlands wichtigste Handelspartner.

Doch auch der globale Handel mit Zuchttieren floriert, die EU-Mitgliedsländer exportierten 2015 beispielsweise etwas über 65 Mio. Zuchthühner und 156.000 Zuchtrinder in Drittländer (eigene Berechnungen nach Deutscher Bundestag 2016).

Europäisches und deutsches Recht zu Tiertransporten

Auf europäischer Ebene regelt die EU-Tiertransport-Verordnung den Transport von »Nutztieren«. Die Verordnung beruht auf einer Stellungnahme des Wissenschaftlichen Ausschusses für Tiergesundheit und Tierschutz (ehemals SCAHAW, jetzt AHAW), ignoriert jedoch einige wichtige Empfehlungen aus der Stellungnahme. Dazu gehört beispielsweise das empfohlene vollständige Verbot von Elektro-Treibern oder das Verbot, im Transportabteil angebundene Tiere zu transportieren.

Deutschland wiederum setzt die europäischen Vorgaben mittels einer nationalen Tierschutztransportverordnung (TierSchTrV) um. Sie konkretisiert einige grobe Vorgaben der europäischen Verordnung und regelt manche Bereiche strenger – trotzdem kommt es auch in Deutschland in vielen Bereichen zu starken Belastungen für die transportierten Tiere.

Belastung durch Transporte

Der Transport der Tiere erfolgt in Deutschland und Europa standardmäßig mit ein- oder mehrstöckigen Lkws. Große Tiere wie Rinder oder Schweine sind auf den Etagen verteilt untergebracht. Kleine Tiere wie Hühner, Puten oder Kaninchen werden dagegen in gestapelten Boxen oder Käfigen transportiert. Häufig ermöglichen diese Behälter keinen Zugang zu den darin untergebrachten Tieren, ein Zustand, der gegen die Verordnung verstößt.

Tiertransporte Schweine
© Bernhard Richter – Shutterstock

Die Strapazen des Transports beginnen für die Tiere schon mit dem Beladen, etwa wenn sie auf die Ladeflächen der Lkws getrieben oder gefangen und in Transportboxen gepackt werden. Verletzt sich ein Tier während des Beladens, wird es meist trotzdem abtransportiert. Die EU-Tiertransportverordnung gibt zwar vor, dass verletzte Tiere nicht transportfähig sind und somit nicht transportiert werden dürfen. Allerdings gilt dies nicht für »leicht verletzte oder leicht kranke« Tiere. Darüber hinaus ist der Transport insbesondere über lange Strecken eine so erhebliche Belastung für die Tiere, dass viele von ihnen einige
Tage nach Ende des Transports aufgrund der
Transportbedingungen erkranken.

Keine Begrenzung der Transportzeit

Die Tiere sind den Belastungen des Transports stundenlang und teilweise sogar über Tage ausgesetzt. Der Ausschuss für Tiergesundheit und Tierschutz hebt in seiner Stellungnahme zwar hervor, dass das Wohlbefinden der Tiere sich immer weiter verschlechtert, je länger die Beförderung andauert. Trotzdem setzt die EU-Tiertransportverordnung keine absolute Begrenzung der Transportzeit fest.

Innerhalb Deutschlands ist die Transportdauer in der nationalen Tierschutztransportverordnung auf höchstens acht Stunden begrenzt – jedoch werden im gleichen Paragraphen Bedingungen angegeben, unter denen der Transport wesentlich länger dauern darf. Somit sind also Langstreckentransporte auch nach der nationalen deutschen Verordnung erlaubt.

Ungenügendes Platzangebot

Dass die Tiere unter längeren Transporten leiden, liegt auch daran, dass ihnen zu wenig Platz zur Verfügung steht. Die Transportboxen oder -käfige für kleine Tiere sind üblicherweise recht niedrig, sodass die Luft nicht zirkulieren kann. Die Tiere bekommen nicht ausreichend frische Luft. Weiterhin können die Tiere darin nur gebeugt hocken und nicht aufrecht stehen. Große Tiere stehen in Gruppenabteilen. Ist die Laderaumhöhe zu niedrig, ist die Luftversorgung auch hier ungenügend. Außerdem stoßen die Tiere häufig mit ihren Rücken an die Decke. Besonders bei Rindern ist eine zu geringe Laderaumhöhe problematisch, da sie ihren Rücken aufkrümmen müssen, um Kot oder Urin abzusetzen.

Schafe im Tiertransport
© David Lade – Shutterstock

Die europäische Verordnung gibt für manche Tiere darüber hinaus zu geringe Bodenflächen vor. Die Tiere können so insbesondere bei langen Fahrtzeiten nicht bequem und ohne Verletzungsrisiko liegen. Zudem fehlen exakte Flächenvorgaben pro Tier. Die Angaben beziehen sich stattdessen auf die Fläche pro Gewichtskategorie. So bleiben die unterschiedlichen Platzbedürfnisse der Tiere beim Transport unbeachtet.

Erhöhte Verletzungsgefahr

Von der Ausstattung der Transportfahrzeuge können Gefahren ausgehen. Scharfe Kanten, Spalten oder Öffnungen verursachen schmerzhafte Schnitt- oder Quetschverletzungen. Bleiben die Tiere mit ihren Füßen oder Flügeln in Zwischenräumen hängen oder rutschen sie beim Abladen auf den Rampen aus, sind Prellungen, Abschürfungen oder gar Knochenbrüche die Folge.

Zusammenfassung der Gefahren

Der Wissenschaftliche Ausschuss für Tiergesundheit und Tierschutz (AHAW) der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat folgende Gefahren und Probleme rund um den Tiertransport zusammengetragen:

  • Einschränkung der Bewegungsmöglichkeit (zu wenig Platz und/oder zu geringe Laderaumhöhe)
  • Plötzliche Fahrbewegungen durch Bremsen, Beschleunigen und Kurven
  • Auseinandersetzungen mit unbekannten Artgenossen
  • Eingeschränktes Ausruhen
  • Zu hohe oder zu niedrige Umgebungstemperaturen (Überhitzung, Kälteschäden, Tod)
  • Mangelnde Belüftung
  • Verlängerte Transportdauer durch Wartezeiten
  • Geburten beim Transport
  • Verletzungen wie Abschürfungen, Knochenbrüche und Prellungen
  • Stress und Angst
  • Dehydrierung und Hunger durch unregelmäßige oder unzureichende Fütterung und Wasserversorgung bzw. durch die Nichteinhaltung gesetzlicher Vorgaben
  • Tod

Tod durch Transport

Nicht selten sterben Tiere während des Transports. Bei Geflügeltieren ist eine gewisse Sterberate fest einkalkuliert. Sie wird als »Death on arrival«, also »Tod bei der Ankunft« bezeichnet. Sie variiert je nach den Transportumständen, der Tierart und dem Alter der Tiere. Der Umgang beim Fangen und Verladen sowie der Gesundheitszustand der Tiere können ebenfalls beeinflussen, wie viele Tiere während des Transports zu Tode kommen. Bei besonders ungünstigen Umständen wie Sommerhitze, nasskalten Wintertemperaturen oder ungenügenden Transportmitteln kann die Todesrate durchaus mehrere Prozent erreichen.

Masthühner und Mastschweine sind aufgrund ihrer Überzüchtung besonders anfällig für die Strapazen des Transports. Besonders gefährdet sind Jungtiere, die noch auf eine Flüssigfütterung angewiesen sind, zumal eine adäquate Versorgung mit Flüssigfutter (Milch oder Milchaustauscher) im Transportfahrzeug gänzlich unmöglich ist. Das Sterberisiko erhöht sich außerdem, wenn Tiere trotz Verletzung oder Erkrankung transportiert werden.

Kontrollen

Für die Kontrollen der Tiertransporte sind die Veterinärbehörden zuständig. Teilweise erhalten sie Unterstützung von der Polizei oder dem Zoll. Die Ergebnisse der Kontrollen muss Deutschland an die Europäische Kommission übermitteln.

Bei den Kontrollen im Jahr 2015 wurden in Deutschland insgesamt etwa 5.000 Verstöße beim Transport von Rindern, Schweinen, Geflügel, Schafen und Ziegen festgestellt. Bei den Rindern betrafen die meisten Verstöße (insgesamt fast 60 %) die Transportfähigkeit. Insbesondere der Transport von hochschwangeren oder kranken bzw. verletzten Tieren fiel ins Gewicht. Auch bei Schweinen wurde meist der Transport von verletzten oder kranken Tieren bemängelt. Bei allen Tieren fanden die Kontrolleure Verstöße gegen die Vorgaben der Ladedichte vor. Insbesondere betraf das die in Behältern transportierten Geflügeltiere.

Andere Verstöße betrafen die Dokumentation oder das Transportmittel. 230 Mal wurden außerdem die Vorgaben zum Tränken und Füttern oder zur Transport- oder Ruhedauer nicht eingehalten.

Was der Bericht von 2015 nicht berücksichtigt: Transportunternehmen umfahren bestimmte Regionen gezielt oder wählen gänzlich andere Routen, um häufigen oder strengeren Kontrollen zu entgehen. Da sich außerdem das Strafmaß für dieselben Vergehen von Land zu Land innerhalb der EU immer noch unterscheidet, nehmen die Transportunternehmen sogar längere Wege in Kauf, um strengen Strafen zu vermeiden.

Abkommen mit Drittländern

Deutschland hat laut einer Kleinen Anfrage der Grünen an den Bundestag mindestens 16 Abkommen zu Lebendtiertransporten mit Drittländern geschlossen. Darunter Algerien, Ägypten, Mexiko und die Vereinigte Arabische Emirate. Die Tiere werden teilweise tausende Kilometer weit transportiert. Wartezeiten an den Grenzen verschlimmern die Situation der Tiere und verlängern den Transport teils um Tage. Insbesondere in den Sommermonaten sterben dort viele Tiere, da sie nicht ausreichend mit Wasser versorgt werden.

Auch Transporte per Seeweg sind üblich. Vornehmlich Rinder und Schafe werden viele Tage lang über das Mittelmeer geschifft. Der Transport erfolgt in ausgemusterten Autofähren oder Frachtern. Eine Prüfung auf ihre Tauglichkeit fehlt bei den meisten Schiffen. Wirksame Kontrollen der Tiere finden nicht statt und in den Zielländern fehlen häufig jegliche Tierschutzstandards.

Unter den transportierten Tieren befinden sich neben Zucht- auch Schlachttiere. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) räumt ein, dass zumindest der Transport von Schlachttieren nach Möglichkeit durch Fleischtransporte ersetzt werden sollte.

Forderungen

Um das Leid der Tiere auf Tiertransporten zu mindern, müssen folgende Forderungen umgesetzt werden:

Rechtliche Vorgaben

  • Anpassung der EU-Transport-Verordnung an den aktuellen Stand der Wissenschaft
  • Präzisierung des Textes der EU-Transport-Verordnung und Überarbeitung der jeweiligen Fassungen in den Landessprachen
  • Verbindliche Vorgaben der Ladefläche pro Tier (nicht pro kg Lebendgewicht)

Transportdauer

  • Zeitliche Begrenzung der Tiertransporte innerhalb Europas auf maximal acht Stunden (zuzüglich maximal 2 Stunden Ladezeit)
  • Verbot der Langstreckentransporte (über 8 Stunden)
  • Zeitliche Begrenzung der Tiertransporte innerhalb Deutschlands auf maximal vier Stunden (zuzüglich maximal 2 Stunden Ladezeit)

Transportmittel

  • An die Tiere angepasste Höhe der Tiertransporter und Transportboxen, so dass beispielsweise auch Geflügeltiere und Kaninchen aufrecht stehen können
  • Verbot doppelstöckiger Tiertransporter für Rinder
  • Eingestreute Ladefläche für Rinder, Schweine und kleine Wiederkäuer auch beim Transport unter 8 Stunden
  • Einführung einer zentralen europäischen Zulassungsstelle für die Ausstattung der Fahrzeuge

Kontrollen

  • Einführung eines bundesweit einheitlichen und wirksamen Kontrollsystems inkl. wirksamen, ordnungsrechtlichen Sanktionen für in- und ausländische Tiertransporte
  • Verbindliche Kontrollen des Be- und Entladens, der Transportfähigkeit sowie der Ladedichte bei Transporten über 8 Stunden durch vor Ort anwesende AmtstierärztInnen
  • Umfassende Kontrollen der transportierten Einzeltiere, Transportmittel und des Transportverlaufs bei Ankunft am Schlachthof
  • Stärkung der Kontrollen im Straßenverkehr und Einführung eines Kontrollsystems bei Transporten auf dem Seeweg
  • Anpassung des Niveaus der Kontrollen und Strafen innerhalb eines Landes und zwischen den EU-Ländern, um Umfahrungen zu vermeiden

Außerdem fordert die Albert Schweitzer Stiftung gemeinsam mit dem Bündnis für Tierschutzpolitik:

  • Das Auflösen bestehender Abkommen zu Lebendtiertransporten zwischen Deutschland und Drittländern
  • Kein Schließen neuer Abkommen zu Lebendtiertransporten zwischen Deutschland und Drittländern
  • Effiziente Überwachung und Kontrolle der Tiertransporte in Drittländer

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