Tieren helfen Ferkel2

Mastschweine

Schweine
© Chumash Maxim – Shutterstock

Alle Schweine sind ausgesprochen neugierige, lernfähige und intelligente Tiere, die sogar über ein gewisses Ich-Bewusstsein verfügen – auch die Schweine in den Mastbetrieben. Ihr natürlicher Lebensraum sind Wälder mit Büschen und sumpfigen Plätzen, wo sich die Tiere in festen Revieren bewegen. Sie leben in Gruppen mit einer klaren Sozialstruktur, die aus mehreren weiblichen Tieren und ihrem Nachwuchs (insgesamt bis zu 30) bestehen und vom ältesten und erfahrensten Weibchen angeführt werden. Die meiste Zeit des Tages verbringen Schweine mit der gemeinsamen Nahrungssuche, z. B. indem sie großflächig den Boden mit dem Rüssel nach Pilzen, Knollen, Wurzeln, Larven und Käfern durchwühlen. In der konventionellen Masthaltung können Schweine diesen Drang nach Erkundung kaum ausleben.

Leben in der Massentierhaltung

In Deutschland werden rund 24,7 Mio. Schweine zum Zweck der Fleischproduktion gehalten: etwa 11,2 Mio. sogenannte Mastschweine, etwa 11,8 Mio. Jungschweine und Ferkel und rund 1,7 Mio. Schweine für die Zucht (Stand 2021). Für die Mast werden sowohl männliche als auch weibliche Tiere genutzt.

Zucht

Für einen maximalen Gewinn bei der Fleischproduktion, werden Schweine auf ein extrem beschleunigtes Wachstum und eine große Muskelmasse hin gezüchtet. Ihre Körperproportionen werden dabei den Wünschen der VerbraucherInnen angepasst (z. B. Verringerung des Rückenfettanteils (»Speck«) bzw. Erhöhung des Magerfleischanteils und Vergrößerung der Hüft- und Oberschenkelpartie (»Schinken«)). Dieser Überzüchtung können die jungen Tierkörper nicht Stand halten. Die übermäßige Belastung führt zu Gesundheitsstörungen und teilweise schwerwiegenden Erkrankungen, die mitunter zum frühzeitigen Tod der Tiere führen (s. u.).

Mastverfahren: Intensivmast

Bei der Produktion von Schweinefleisch ist die Intensivmast die Regel. Hierbei werden die Tiere innerhalb von 6 bis 7 Monaten auf ein Endgewicht von 110 bis 125 kg gemästet und noch im Jugendalter geschlachtet. Diese enormen »Leistungen« resultieren aus dem Zusammenwirken der einseitigen Zucht auf Hochleistung und der intensiven Fütterung mit energiereichem Kraftfutter.

Haltungsbedingungen

Etwa die Hälfte aller gemästeten Schweine lebt in Betrieben mit 1.000 bis über 5.000 Tieren. In den geschlossenen Stallsystemen befinden sich größere Abteile mit nebeneinander angeordneten Buchten. Darin werden Schweine meist in Gruppen von 12 bis 20 Tieren gehalten – seit einigen Jahren haben sich allerdings auch stark technisierte Betriebe mit Gruppengrößen von bis zu 350 Schweinen etabliert.

In den Buchten haben die Tiere kaum Raum zur Verfügung: Für Schweine mit einem Körpergewicht von über 50 bis 110 kg ist eine Mindestbodenfläche von lediglich 0,75 m² pro Tier vorgesehen, für Schweine mit einem Gewicht von über 110 kg gerade einmal eine Fläche von 1 m². Diese bewegungsarme Unterbringung ohne Auslauf ins Freie ist mit vielen Nachteilen für die Schweine verbunden. Die jungen Tiere leiden unter der räumlichen Enge, den hohen Besatzdichten und der reizarmen Umgebung. Hinzu kommt das erhöhte Krankheitsrisiko: Insbesondere die Bewegungseinschränkung ist Mitverursacher für besonders schmerzhafte Erkrankungen des Bewegungsapparats (s. u.).

Problemkomplex Spaltenboden

Mastschweine auf Vollspaltenboden
© Animal Rights Watch

Obwohl Schweine eigentlich auf weichen Untergründen in Waldgebieten leben, sind die Buchten mit einem harten Spaltenboden ausgestattet. Die häufig eingesetzten Vollspaltenböden decken den gesamten Lebensbereich ab: Sie bestehen abwechselnd aus Betonstegen als Auftrittsfläche und Spalten als Durchlass für Kot und Harn. Die Schweine treten so ihre eigenen Exkremente durch die Spalten hindurch. In den darunter liegenden Abflusskanälen vermengt sich sämtliches Material zu Flüssigmist.

Der Einsatz von Spaltenböden ist mit vielen Krankheiten und Verhaltensstörungen verbunden. Aufgrund der reizarmen, langweiligen Umgebung liegen die Schweine täglich stundenlang auf den harten Betonböden. Da Einstreu oder Matten im Liegebereich fehlen, ist der Boden höchst unbequem und begünstigt schmerzhafte Gelenkerkrankungen, Drucknekrosen, offene Hautwunden und Schleimbeutelentzündungen (s. u.). Mit den Spalten geht überdies ein Verletzungsrisiko einher: Zu große Spaltenweiten, scharfe Kanten und Bodendefekte verursachen Quetschungen und Verletzungen, die bei der Infektion mit Bakterien zu schmerzhaften Vereiterungen und absterbendem Gewebe führen.

Die einstreulose Haltung birgt außerdem zusammen mit schnellverdaulichem Mastfutter und Stress durch hohe Besatzdichten ein hohes Risiko für schmerzende Magengeschwüre. In besonders schlimmen Fällen können daraus resultierende Blutungen zum Tod führen.

Vollspaltenböden spielen auch eine entscheidende Rolle bei der Entstehung von Erkrankungen des Atmungsapparats, da die Schweine ständig Schadgasen ausgesetzt sind, die vom Flüssigmist unter den Spaltenböden ausgehen. Ammoniak, ein besonders schleimhautreizendes Gas, stellt dabei den größten Anteil dar. Das kontinuierliche, unumgängliche Einatmen der Gase bewirkt eine Schädigung der Atemwege und der Lunge – viele Schweine leiden unter andauerndem Husten. Bei besonders schlechter Stallluft reichen schon wenige Erreger aus, um eine Lungenentzündung auszulösen.

Die Haltung auf Vollspaltenböden führt nicht zuletzt zu Verhaltensstörungen wie Schwanz- und Ohrenbeißen: sie werden als Ausdruck einer Überforderung der Schweine durch ihre Umwelt angesehen (s. u.).

Stroh als Einstreumaterial käme den Ansprüchen der Schweine entgegen, da es den Liegekomfort erhöht, zum Wühlen und Kauen anregt und der Beschäftigung dient. In Systemen mit Spaltenböden wird es jedoch nicht eingesetzt, da es die Spalten und die darunter liegenden Abflusskanäle verstopfen würde. Eine Unterbringung auf planbefestigtem Boden mit Einstreu ist wiederum mit mehr Kosten und einem höheren Arbeitsaufwand verbunden und kommt deswegen aus wirtschaftlichen Gründen kaum zum Einsatz.

Der Wissenschaftliche Beirat für Agrarpolitik beim Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (WBA beim BMEL) stellte 2015 fest, dass die Haltung mit Vollspaltenböden einschränkend sei, mit »bedeutende[n] Beeinträchtigungen des Tierwohls«. Trotzdem wurden laut Statistischem Bundesamt Anfang 2020 nahezu alle Schweine (96 %) in Deutschland auf Spaltenböden gehalten, 79 % sogar auf Vollspaltenböden. Diese Zahl sei zuletzt sogar gestiegen, so das Bundesamt.

Häufiger Antibiotikaeinsatz

Aufgrund der Mängel der intensiven Haltungssysteme sind Antibiotikagaben zur Routine geworden: Je dichter und bewegungsärmer die Schweine aufgestallt sind, desto schwächer ist ihr Immunsystem und desto größer ist das Risiko für Infektionserkrankungen. Oft werden ganze Tiergruppen – entgegen offizieller Empfehlungen – prophylaktisch mit Antibiotika behandelt. Eine Reduzierung des Antibiotikaeinsatzes wäre möglich: Das Immunsystem der Tiere müsste mit mehr Bewegung und Auslauf ins Freie gestärkt werden.

Zurückdrängung der Grundbedürfnisse

Zu den Grundbedürfnissen von Schweinen gehören Körperpflege, Sozialverhalten, Ruhen auf sauberem Untergrund, Gehen, Laufen, Erkunden sowie vielfältige mit der Nahrungsbeschaffung und -aufnahme verbundene Verhaltensweisen, wie das Wühlen und Scharren in weichem Untergrund. In der konventionellen Schweinehaltung wird das Ausleben der meisten Grundbedürfnisse stark oder vollständig unterdrückt.

a) Nahrungssuche

Ein Großteil des Aktivitätsbedürfnisses von Schweinen hängt mit der Nahrungssuche zusammen. In natürlicher Umgebung verbringen sie etwa 7 Stunden pro Tag damit, intensiv nach Nahrung zu suchen und diese zu verspeisen. Da Schweine in Intensivhaltung jedoch energiereiches Mastfutter in Form von Brei, Mehl oder Pellets bekommen, brauchen sie für die Nahrungsaufnahme lediglich 10-20 Minuten pro Fütterung. Da auch jegliches natürliches Material zum Wühlen und zur Beschäftigung fehlt, bleiben ihre Bedürfnisse, Nahrung aufzuspüren und zu manipulieren (z. B. Abbeißen, Abreißen) vollständig unbefriedigt – bei der Fütterung von Brei entfällt sogar das Kauen.

Werden den Schweinen als Ersatz für fehlende Einstreu und strukturreiches Futter keine geeigneten Beschäftigungsmöglichkeiten (z. B. frisches Stroh) angeboten, führt das Defizit im Erkundungsverhalten bereits im Ferkelalter zu Ersatzhandlungen an Stallgegenständen und Körperteilen von Artgenoss:innen.

Dieses Fehlverhalten entwickelt sich im Laufe der Mast weiter zu Verhaltensstörungen wie Schwanz- und Ohrenbeißen. Treten beim Schwanzbeißen Verletzungen mit Blutaustritt auf, werden auch andere Artgenoss:innen dazu angeregt, in die Wunde zu beißen, was letztlich zu Kannibalismus und im schlimmsten Fall zum Tod des Tieres führt. Das als Gegenmaßnahme durchgeführte Schwanzkürzen stellt lediglich eine Behandlung der Symptome dar, beseitigt jedoch nicht die Ursachen. Das Schwanzkürzen wird auch aus dem Kalkül heraus durchgeführt, dass der verbleibende Schwanzstumpf empfindlicher ist als die Schwanzspitze eines intakten Schwanzes: Beißopfer wehren sich so schneller und versuchen sich den Artgenoss:innen schneller zu entziehen. Die kleinen Buchten ohne Strukturierung und Ausweichmöglichkeit bieten ihnen dazu aber kaum eine Möglichkeit. Außerdem werden Schweine mit kupierten Schwänzen mitunter Opfer anderer Fehlhandlungen wie dem Gelenk- oder Scheidenbeißen.

b) Körperpflege

Das Ausführen des natürlichen Körperpflegeverhaltens trägt bei Schweinen erheblich zum Wohlbefinden bei – es dient der Thermoregulation, der Hautpflege und dem Abwehren von Juckreiz. Das Kratzen und Scheuern an Bäumen, Pfählen, Bürsten o. ä. bleibt in Ermangelung von Angeboten unbefriedigt.

Da Schweine keine Schweißdrüsen, aber eine dicke Fettschicht haben, können sie überschüssige Körperwärme nur schlecht ableiten und benötigen externe Abkühlungsmöglichkeiten. Unter naturnahen Bedingungen suhlen sich die Tiere im Schlamm, um sich Kühlung zu verschaffen und um Parasiten abzuwehren – dies ist in konventioneller Haltung unmöglich. Sind die Besatzdichten im Verhältnis zu kleinen Buchten gegen Ende der Mast so hoch, dass den Schweinen auch das seitliche Abliegen auf dem kühlen Boden versagt bleibt, besteht bei hohen Temperaturen die Gefahr, dass die Tiere überhitzen.

Schweine sind sehr reinliche Tiere, die unter natürlichen Bedingungen strikt darauf achten, ihren Liegebereich von ihrem Kot- und Harnplatz zu trennen (wenn möglich mit einem Abstand von bis zu 15 m). Doch in der beengten Unterbringung mit hoher Besatzdichte ist diese Trennung kaum möglich. Bei der gängigen Haltung auf Spaltenboden hat dies zur Folge, dass sowohl die Liegefläche als auch die Schweine selbst permanent mit Kot verschmutzt sind, da in den Bodenspalten Kotreste hängen bleiben. Und das obwohl Schweinen der Kotgeruch allein schon sehr unangenehm ist.

c) Ruheverhalten

Mastferkel
© Animal Equality

Schweine führen alle täglichen Aktivitäten gemeinsam aus. Sie verbringen nicht nur die Nahrungssuche, sondern auch die Zeit des Ausruhens und Schlafens zusammen und bauen gemeinsame Schlafnester. Besonders bei Kälte suchen Schweine Körperkontakt und ruhen dicht nebeneinander gedrängt in Bauchlage, wobei die Kontaktfläche zum Boden gering gehalten wird. Bei Hitze und zum völlig entspannten Schlafen legen sie sich auf die Seite und strecken die Gliedmaßen von sich. Das Liegen auf den unbequemen Spaltenböden führt zu verschiedenen Erkrankungen und Verletzungen (s. o.). Gerade gegen Ende der Mast sind die Tiere so groß, dass die Bodenfläche kaum ausreicht, um allen gleichzeitig das Ruhen in der Seitenlage zu ermöglichen.

d) Sozialverhalten

Schweine in Gruppenhaltung können zwar ihr Sozialverhalten ausleben – doch auch hier kann von einem natürlichen Sozialleben nicht die Rede sein. Zum einen leben die Tiere nicht in ihren natürlichen Familienverbänden, zum anderen fehlen die zum Aufbau und Erhalt der Rangordnung notwendigen Ausweich- und Rückzugsmöglichkeiten. Gerade verfahrensbedingte Neugruppierungen bringen wiederholt Unruhe in die Rangordnung.

Bedingt durch die hohen Besatzdichten und fehlenden Raumstrukturen kann es zu schwerwiegenden Auseinandersetzungen zwischen den Schweinen kommen. Die tägliche Fütterung ist hierbei besonders problematisch: Sind nicht genügend Essplätze für das gemeinsame Essen vorhanden, kommt es zu starkem Konkurrenzverhalten und aggressiven Auseinandersetzungen mit Beißereien.

Körperliche Leiden und Schäden

In der Intensivtierhaltung erfahren Schweine regelmäßig folgende Schmerzen, Leiden und Schäden, die aus einer Kombination aus Überzüchtung (Qualzucht) und mangelhaften Haltungsbedingungen (z. B. eingeschränkte Bewegungsfreiheit, Haltung auf Vollspaltenboden, unstrukturiertes Mastfutter) entstehen:

  • Klauenverletzungen und Hautschäden (durch Haltung auf Spaltenboden)
  • Atemwegserkrankungen (durch Schadgasemissionen in der Gülle)
  • Bewegungsstörungen, Lähmungen (durch Infektionen verursacht)
  • Herz- Kreislaufversagen und Muskeldegenerationen
  • Beinschwächesyndrom
  • Magengeschwüre
  • Ödemkrankheit (Flüssigkeitsansammlungen, z. B. am Nasenrücken, im Magen, in der Lunge)

Unter natürlichen Bedingungen sind Schweine erst mit 3 bis 4 Jahren vollständig ausgewachsen. Doch die intensive Mast dauert nur etwa 6 Monate. Das jugendliche Skelett und der restliche Organismus sind dem unnatürlich schnellen Wachstum der Muskulatur nicht gewachsen. Die Belastungen können so schwer wiegen, dass manche Schweine durch Herzversagen sterben.

Die stark eingeschränkten Bewegungsmöglichkeiten führen zudem zu gravierenden Bewegungsstörungen: Viele sogenannte Mastschweine leiden unter schmerzhaften Klauen- und Gelenkserkrankungen. Etwa 3 % sterben noch vor Erreichen des Schlachtalters. Doch schon bei den Ferkeln, die noch gesäugt werden, ist eine Sterblichkeitsrate von ca. 14 % üblich. Besonders bei unzureichender Stallhygiene erleiden sie häufig Infektionen, bekommen dadurch Durchfall und sterben dann daran.

Schlachtung der Schweine

Schweinehälften im Schlachthaus
© BlackRiv – Pixabay CC0

In Deutschland wurden im Jahr 2020 rund 53,2 Mio. Schweine geschlachtet. Die Schlachtung setzt sich aus der Betäubung und der Tötung durch Blutentzug zusammen. Für die Betäubung sind unterschiedliche Methoden gängig, wobei die Gas- oder Elektrobetäubung am weitesten verbreitet sind.

Gasbetäubung

Bei der Betäubung mit Gas werden die Schweine zu mehreren in automatisch betriebene Gondeln getrieben. Diese befördert die Tiere in eine Kammer oder Grube, in der eine rund 90-prozentige Kohlendioxid-Konzentration herrscht. Nach etwa 100 Sekunden fährt die Gondel wieder hinauf und die betäubten Tiere werden ausgeworfen. Was von außen wie ein rein mechanischer und reibungsloser Ablauf wirkt, ist mit einer quälenden Todesangst für die Schweine verbunden. Die Exposition mit CO2 führt zuerst zur Hyperventilation gefolgt von Atemnot und bewirkt das Gefühl des Erstickens. Zusammen mit der schleimhautreizenden Wirkung führt dies zu starken Abwehrreaktionen und Lautäußerungen. Die eingesperrten Schweine schnappen verzweifelt nach Luft und versuchen zu fliehen bis die Betäubungswirkung langsam einsetzt und sie ihr Bewusstsein verlieren. Erst nach etwa einer halben Minute setzt die Betäubung vollständig ein. Doch auch bei diesem Verfahren kommen häufig Fehlbetäubungen durch eine zu niedrige CO2-Konzentration oder eine zu geringe Verweildauer in der Gasgrube oder -kammer vor.

Elektrobetäubung

Zur Elektrobetäubung werden mehrere Schweine in einer Bucht zusammengetrieben, wo sie nacheinander manuell mit einer Betäubungszange am Kopf gegriffen und über eine Hirndurchströmung elektrisch betäubt werden. Während der gesamten Prozedur der Betäubung und Entblutung sind unbetäubte Schweine anwesend, die die Tötung ihrer Artgenoss:innen aus nächster Nähe miterleben, bevor sie selbst an die Reihe kommen. In großen Schlachtbetrieben wird die Betäubung vollautomatisch durch einen sogenannten Restrainer durchgeführt, der die Tiere einzeln erfasst und bis zu den Elektroden vorwärts schiebt.

Die Durchströmung des Gehirns bewirkt einen epilepsieähnlichen Anfall, wodurch das Bewusstsein nach etwa 0,2 Sekunden ausgeschaltet wird. Der häufigste Fehler bei der Elektrobetäubung ist ein falscher Ansatz der Elektroden im Zuge der Akkordarbeit. Dann kommt es anstatt zu einer Betäubung zu einer hochgradig schmerzhaften elektrischen Durchströmung. Der gesamte Körper verkrampft und die Tiere sind für eine gewisse Zeit bewegungsunfähig, was fälschlich als erfolgreiche Betäubung gedeutet werden kann – eine betäubende Wirkung fehlt jedoch völlig und die Tiere werden bei Bewusstsein geschlachtet.

Laut der Bundesregierung tritt bei diesem Betäubungsverfahren bei zwischen 3,3 % der Schweine (bei automatischen Betäubungsanlagen) und bis zu 12,5 % der Schweine (bei handgeführten Betäubungsanlagen) eine Fehlbetäubung auf. In diesem Fall sind die Tiere während des Durchschneidens der Schlagadern und der Entblutung bei Bewusstsein.

Tötung

Direkt an die Betäubung schließt sich die Tötung durch Entblutung an. Der Bruststich mit einem Messer erfolgt je nach Schlachthof vor oder nachdem die Schweine an einem Hinterbein in die Förderkette eingehängt werden. Werden die Blutgefäße beim Stechen verfehlt, verlängert sich die Zeit des Ausblutens und die Schweine können aus der Betäubung erwachen.

In den Schlachthöfen herrscht ein so großer Zeitdruck, dass manche Tiere schon weiter verarbeitet – d. h. in die Brühanlage geschoben – werden, bevor sie endgültig ausgeblutet sind. Das Brühen dient im Schlachtverlauf der Enthaarung der Schweine. Nach offiziellen Schätzungen gelangt etwa 1 % der Schweine (also knapp 600.000 Tiere) ins Brühbad, die wach sind oder dort aufwachen und bei lebendigem Leib verbrüht werden.

Vermeidbarkeit und Forderungen

Um das Leid der gemästeten Schweine möglichst gering zu halten, müssen bei der konventionellen Schweinehaltung zumindest die folgenden Änderungen eingeführt werden:

  • Kein Einsatz von auf Hochleistung gezüchteten Schweinen (zur Reduzierung der körperlichen Leiden).
  • Erhöhung des Platzangebots in den Ställen sowie Auslauf ins Freie (zur Bewegung und zum Ausleben sozialer Verhaltensweisen).
  • Darbietung von ständig wechselnden und veränderbaren Beschäftigungsmaterialien, wie Raufutter (Stroh, Heu, Gras), Nagebalken aus Weichholz, Torf oder Kompost zum Wühlen (zur Beschäftigung und zur Vorbeugung von Verhaltensstörungen).

Verbot der Vollspaltenböden

Die Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt fordert zudem ein Verbot der Vollspaltenböden und die Gewährleistung von Einstreu zumindest in den Liegebereichen. Studien zeigen, dass kannibalistische Attacken (wie z. B. Schwanz- und Ohrenbeißen) speziell unter den Bedingungen der Intensivhaltung auf Vollspaltenböden auftreten, während in Buchten mit ebener Liegefläche oder bei Einstreuhaltungen solche Verhaltensweisen seltener vorkommen. Weitere bereits angesprochene Probleme der Vollspaltenhaltung sind Atemwegsreizungen, Verletzungen und Gelenkentzündungen. Insgesamt lässt sich festhalten, dass Schweinemastanlagen mit Vollspaltenböden bereits im Jahr 2006 vom sog. Nationalen Bewertungsrahmen Tierhaltungsverfahren mit der schlechtesten Note (C) versehen wurden und mit  hohen Risiken für die Tiergesundheit verbunden sind –  eine Förderung alternativer Haltungen sollte daher längst Standard sein.

Verbot zootechnischer Maßnahmen

Kastration bei Mastschweinen
© PETA

Des Weiteren fordert die Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt ein Verbot der bisher routinemäßig durchgeführten zootechnischen Maßnahmen, wie das Kupieren von Schwänzen und das Abschleifen von Eckzähnen. Auch der Eingriff in die körperliche Unversehrtheit bei der Kastration muss verhindert oder zumindest auf ein Mindestmaß begrenzt werden.

Laut Tierschutzgesetz dürfen die Eingriffe sogar ohne Betäubung durchgeführt werden. Das Kürzen der Schwänze und das Abschleifen der Eckzähne sind zwar nur dann erlaubt, wenn der Eingriff im Einzelfall für die vorgesehene Nutzung des Tieres zu dessen Schutz oder zum Schutz anderer Tiere unerlässlich ist. In der Regel besitzen konventionell wirtschaftende Betriebe allerdings eine entsprechende Stellungnahme der bestandsbetreuenden Tierärzt:innen, welche die Unerlässlichkeit des Eingriffs versichern, sodass die Eingriffe trotzdem routinemäßig stattfinden können.

Das Schwanzkürzen wird zur Vorbeugung von Verletzungen und Infektionen durch Schwanzbeißen bei Ferkeln bis zum 4. Lebenstag durchgeführt. Die Schwänze werden mit einer Kupierzange um etwa ein Drittel gekürzt. Neben akuten Schmerzen (die Schwanzspitze ist von Nerven durchzogen) kann der Eingriff bei den Tieren (im Fall der Bildung von Neuromen bzw. Geschwülsten) sogar zu chronischen Schmerzen führen.

Das Abschleifen der Eckzähne von unter acht Tage alten Ferkeln soll Verletzungen der Mutter durch die Ferkelzähne verhindern, welche entstehen können, weil die in der sogenannten Abferkelbucht fixierte Sau sich den Jungtieren nicht entziehen kann. Wenn bei diesem Eingriff die im Zahninneren enthaltenen Nerven freigelegt werden, entstehen den Tieren Schmerzen, die Stunden oder sogar Tage andauern können (z. B. wenn Entzündungen des Zahninnenraums oder des Zahnfleischs auftreten).

Männliche Ferkel dürfen seit 1.1.2021 nicht mehr ohne Betäubung kastriert werden. Ursprünglich sollte die betäubungslose Ferkelkastration mit Ablauf des Jahres 2018 beendet werden. Im Dezember 2018 entschied der Bundesrat allerdings eine Fristverlängerung, obwohl das von juristischer Seite sogar als verfassungswidrig eingeschätzt wurde. Und so werden bis zu sieben Tage alte Ferkel weiterhin betäubungslos kastriert, weil das Fleisch von unkastrierten Männchen für manche Menschen einen unangenehmen Geruch aufweist (»Ebergeruch«).

Bei der Kastration wird die Haut der Ferkel wird ohne Betäubung mit einem Skalpell durchschnitten, dann wird der Samenstrang durchtrennt und die Hoden entfernt. Nach dem aktuellen Stand der Wissenschaft verursacht der Eingriff, wenn er betäubungslos durchgeführt wird, starke Schmerzen und Leiden – noch eine Woche nach dem Eingriff lassen sich die schmerzhaften Folgen anhand von Verhaltensänderungen feststellen. Dabei gibt es bereits Alternativen, die einen chirurgischen Eingriff unnötig machen würden. Die Ebermast (auch mit der sogenannten Immunokastration) ist die schonendste Methode, die keinen oder einen sehr geringen Eingriff an den Tieren erfordert. Sollte eine chirurgische Kastration unumgänglich sein, ist das mit Inhalationsnarkose durch tierärztliches Personal denkbar. Die Injektionsnarkose ist hingegen aufgrund des Risikos vor allem für wenige Tage alte Ferkel keine Alternative. Da die Wirkung der Lokalanästhesie nicht eindeutig belegt ist, die Durchführung mit einem hohen Risiko verbunden ist und die Tiere unter gravierendem Stress fixiert werden müssen, ist dieses Verfahren aus Tierschutzgründen gänzlich abzulehnen.

Was können Sie tun?

  • Essen Sie kein konventionelles Schweinefleisch, wenn Sie nicht zu den oben beschriebenen Zuständen beitragen möchten. Leider ist auch das Ausweichen auf Bioprodukte nicht automatisch eine gute Lösung, da auch in Biohaltung Schweine häufig unter schlechten Bedingungen leben und sterben müssen und zudem auch hier letztlich das ethische Problem des unnötigen Tötens bestehen bleibt.
  • Sie suchen Informationen oder eine Einstiegshilfe zu einer tierfreundlicheren Ernährung? Dann schauen Sie doch mal bei unserer Vegan Taste Week vorbei und melden Sie sich zum kostenlosen Newsletter an.
  • Helfen Sie uns bei unserem Kampf gegen die schlimmsten Zustände in der Intensivtierhaltung.

Zahlenquellen

Die Zahlen zum Tierbestand und zur Schlachtung beruhen auf Angaben des Statistischen Bundesamte.

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