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Mastschweine

Mastschweine
© Chumash Maxim – Shutterstock

Alle Schweine sind ausgesprochen neugierige, lernfähige und intelligente Tiere, die sogar über ein gewisses Ich-Bewusstsein verfügen – auch Mastschweine. Ihr natürlicher Lebensraum sind Wälder mit Büschen und sumpfigen Plätzen, wo sich die Tiere in festen Revieren bewegen. Sie leben in Gruppen mit einer klaren Sozialstruktur, die aus mehreren weiblichen Tieren und ihrem Nachwuchs (insgesamt bis zu 30) bestehen und vom ältesten und erfahrensten Weibchen angeführt werden. Die meiste Zeit des Tages verbringen Schweine mit der gemeinsamen Nahrungssuche, z. B. indem sie großflächig den Boden mit dem Rüssel nach Pilzen, Knollen, Wurzeln, Larven und Käfern durchwühlen. In der konventionellen Haltung können Mastschweine diesen Drang nach Erkundung kaum ausleben.

Leben in der Massentierhaltung

In Deutschland werden rund 28 Millionen Schweine zum Zweck der Fleischproduktion gehalten: etwa 12 Millionen Mastschweine,  knapp 14 Millionen Jungschweine und Ferkel und über 2 Millionen Zuchtschweine. Für die Mast werden sowohl männliche als auch weibliche Tiere genutzt.

Zucht

Für einen maximalen Gewinn bei der Fleischproduktion, werden Mastschweine auf ein extrem beschleunigtes Wachstum und eine hohe Fleischfülle hin gezüchtet. Ihre Körperproportionen werden dabei den Verbraucherwünschen angepasst (z. B. Verringerung des Rückenspeckanteils bzw. Erhöhung des Magerfleischanteils und Vergrößerung des Schinkenanteils).

Dieser Überzüchtung können die jungen Tierkörper nicht Stand halten. Die übermäßige Belastung führt zu Gesundheitsstörungen und teilweise schwerwiegenden Erkrankungen, die mitunter zum frühzeitigen Tod der Tiere führen (s. u.).

Mastverfahren: Intensivmast

Bei der Produktion von Schweinefleisch ist die Intensivmast die Regel. Hierbei werden die Tiere innerhalb von 6 bis 7 Monaten auf ein Endgewicht von 110 bis 125 kg gemästet und noch im Jugendalter geschlachtet. Diese enormen »Leistungen« resultieren aus dem Zusammenwirken der einseitigen Zucht auf Hochleistung und der intensiven Fütterung mit energiereichem Kraftfutter.

Haltungsbedingungen

Etwa die Hälfte aller Mastschweine lebt in Betrieben mit 1.000 bis über 5.000 Schweinen. In den geschlossenen Stallsystemen befinden sich größere Abteile mit nebeneinander angeordneten Buchten. Darin werden Mastschweine meist in Gruppen von 12 bis 20 Tieren gehalten – seit einigen Jahren haben sich allerdings auch stark technisierte Betriebe mit Gruppengrößen von bis zu 350 Schweinen etabliert.

In den Buchten haben die Tiere kaum Raum zur Verfügung: Für Mastschweine mit einem Körpergewicht von über 50 bis 110 kg ist eine Mindestbodenfläche von lediglich 0,75 m² pro Schwein vorgesehen, für Schweine mit einem Gewicht von über 110 kg gerade einmal eine Fläche von 1 m². Diese bewegungsarme Unterbringung ohne Auslauf ins Freie ist mit vielen Nachteilen für die Mastschwein verbunden. Die jungen Tiere leiden unter der räumlichen Enge, den hohen Besatzdichten und der reizarmen Umgebung. Hinzu kommt das erhöhte Krankheitsrisiko: Insbesondere die Bewegungseinschränkung ist Mitverursacher für besonders schmerzhafte Erkrankungen des Bewegungsapparats (s. u.).

Problemkomplex Spaltenboden

Mastschweine auf Vollspaltenboden
© tierschutzbilder.de

Obwohl Schweine eigentlich auf weichen Untergründen in Waldgebieten leben, sind die Buchten mit einem harten Spaltenboden ausgestattet. Die häufig eingesetzten Vollspaltenböden decken den gesamten Lebensbereich ab: Sie bestehen abwechselnd aus Betonstegen als Auftrittsfläche und Spalten als Durchlass für Kot und Harn. Mastschweine treten so ihre eigenen Exkremente durch die Spalten hindurch. In den darunter liegenden Abflusskanälen vermengt sich sämtliches Material zu Flüssigmist.

Der Einsatz von Spaltenböden ist mit vielen Krankheiten und Verhaltensstörungen verbunden. Aufgrund der reizarmen, langweiligen Umgebung liegen die Mastschweine täglich stundenlang auf den harten Betonböden. Da Einstreu oder Matten im Liegebereich fehlen, ist der Boden höchst unbequem und begünstigt schmerzhafte Gelenkerkrankungen, Drucknekrosen, offene Hautwunden und Schleimbeutelentzündungen (s. u.). Mit den Spalten geht überdies ein Verletzungsrisiko einher: Zu große Spaltenweiten, scharfe Kanten und Bodendefekte verursachen Quetschungen und Verletzungen, die bei der Infektion mit Bakterien zu schmerzhaften Vereiterungen und absterbendem Gewebe führen.

Die einstreulose Haltung birgt außerdem zusammen mit schnellverdaulichen Mastfutter und Stress durch hohe Belegdichten ein hohes Risiko für schmerzende Magengeschwüre. In besonders schlimmen Fällen können daraus resultierende Blutungen zum Tod führen.

Vollspaltenböden spielen auch eine entscheidende Rolle bei der Entstehung von Erkrankungen des Atmungsapparates, da die Mastschweine ständig Schadgasen ausgesetzt sind, die vom Flüssigmist unter den Spaltenböden ausgehen. Ammoniak, ein besonders schleimhautreizendes Gas, stellt dabei den größten Anteil dar. Das kontinuierliche, unumgängliche Einatmen der Gase bewirkt eine Schädigung der Atemwege und der Lunge – viele Schweine leiden unter andauerndem Husten. Bei besonders schlechter Stallluft reichen schon wenige Erreger aus, um eine Lungenentzündung auszulösen.

Die Haltung auf Vollspaltenböden führt nicht zuletzt zu Verhaltensstörungen wie Schwanz- und Ohrenbeißen: sie werden als Ausdruck einer Überforderung der Mastschweine durch ihre Umwelt angesehen (s. u.).

Stroh als Einstreumaterial käme den Ansprüchen der Schweine entgegen, da es den Liegekomfort erhöht, zum Wühlen und Kauen anregt und der Beschäftigung dient. In Systemen mit Spaltenböden wird es jedoch nicht eingesetzt, da es die Spalten und die darunter liegenden Abflusskanäle verstopfen würde. Eine Unterbringung auf planbefestigtem Boden mit Einstreu ist wiederum mit mehr Kosten und einem höheren Arbeitsaufwand verbunden und kommt deswegen aus wirtschaftlichen Gründen kaum zum Einsatz.

Der Wissenschaftliche Beirat für Agrarpolitik beim Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (WBA beim BMEL) stellte 2015 fest, dass die Haltung mit Vollspaltenböden einschränkend sei, mit »bedeutende(n) Beeinträchtigungen des Tierwohls«.

Häufiger Antibiotikaeinsatz

Aufgrund der Mängel der intensiven Haltungssysteme sind Antibiotikagaben zur Routine geworden: Je dichter und bewegungsärmer die Mastschweine aufgestallt sind, desto schwächer ist ihr Immunsystem und desto größer ist das Risiko für Infektionserkrankungen. Oft werden ganze Tiergruppen – entgegen offizieller Empfehlungen – prophylaktisch mit Antibiotika behandelt. Eine Reduzierung des Antibiotikaeinsatzes wäre möglich: Das Immunsystem der Tiere müsste mit mehr Bewegung und Auslauf ins Freie gestärkt werden.

Zurückdrängung der Grundbedürfnisse der Mastschweine

Zu den Grundbedürfnissen von Schweinen gehören Körperpflege, Sozialverhalten, Ruhen auf sauberem Untergrund, Gehen, Laufen, Erkunden sowie vielfältige mit der Nahrungsbeschaffung und -aufnahme verbundene Verhaltensweisen, wie das Wühlen und Scharren in weichem Untergrund. In der konventionellen Schweinehaltung wird das Ausleben der meisten Grundbedürfnisse stark oder vollständig unterdrückt.

a) Nahrungssuche

Ein Großteil des Aktivitätsbedürfnisses von Schweinen hängt mit der Nahrungssuche zusammen. In natürlicher Umgebung verbringen sie etwa 7 Stunden pro Tag damit, intensiv nach Nahrung zu suchen und diese zu verspeisen. Da Mastschweine in Intensivhaltung jedoch energiereiches Mastfutter in Form von Brei, Mehl oder Pellets bekommen, brauchen sie für die Nahrungsaufnahme lediglich 10-20 Minuten pro Fütterung. Da auch jegliches natürliches Material zum Wühlen und zur Beschäftigung fehlt, bleiben ihre Bedürfnisse, Nahrung aufzuspüren und zu manipulieren (z. B. Abbeißen, Abreißen) vollständig unbefriedigt – bei der Fütterung von Brei entfällt sogar das Kauen.

Werden den Mastschweinen als Ersatz für fehlende Einstreu und strukturarmes Futter keine geeigneten Beschäftigungsmöglichkeiten (z. B. frisches Stroh) angeboten, führt das Defizit im Erkundungsverhalten bereits im Ferkelalter zu Ersatzhandlungen an Stallgegenständen und Körperteilen von Artgenossen.

Dieses Fehlverhalten entwickelt sich im Laufe der Mast weiter zu Verhaltensstörungen wie Schwanz- und Ohrenbeißen. Treten beim Schwanzbeißen Verletzungen mit Blutaustritt auf, werden auch andere Artgenossen dazu angeregt, in die Wunde zu beißen, was letztlich zu Kannibalismus und im schlimmsten Fall zum Tod des Tiers führt. Das als Gegenmaßnahme durchgeführte Schwanzkürzen stellt lediglich eine Behandlung der Symptome dar, beseitigt jedoch nicht die Ursachen. Das Schwanzkürzen wird auch aus dem Kalkül heraus durchgeführt, dass der verbleibende Schwanzstumpf empfindlicher ist als die Schwanzspitze eines intakten Schwanzes: Beißopfer wehren sich so schneller und versuchen sich den Artgenossen schneller zu entziehen. Die kleinen Buchten ohne Strukturierung und Ausweichmöglichkeit bieten ihnen dazu aber kaum eine Möglichkeit. Außerdem werden Schweine mit kupierten Schwänzen mitunter Opfer anderer Fehlhandlungen wie dem Gelenk- oder Scheidenbeißen.

b) Körperpflege

Das Ausführen des natürlichen Körperpflegeverhaltens trägt bei Schweinen erheblich zum Wohlbefinden bei – es dient der Thermoregulation, der Hautpflege und dem Abwehren von Juckreiz. Das Kratzen und Scheuern an Bäumen, Pfählen, Bürsten o. ä. bleibt in Ermangelung von Angeboten unbefriedigt.

Da Schweine keine Schweißdrüsen, aber eine dicke Fettschicht haben, können sie überschüssige Körperwärme nur schlecht ableiten und benötigen externe Abkühlungsmöglichkeiten. Unter naturnahen Bedingungen suhlen sich die Tiere im Schlamm, um sich Kühlung zu verschaffen und um Parasiten abzuwehren – dies ist in konventioneller Haltung unmöglich. Sind die Besatzdichten im Verhältnis zu kleinen Buchten gegen Ende der Mast so hoch, dass den Schweinen auch das seitliche Abliegen auf dem kühlen Boden versagt bleibt, besteht bei hohen Temperaturen die Gefahr, dass die Tiere überhitzen.

Schweine sind sehr reinliche Tiere, die unter natürlichen Bedingungen strikt darauf achten, ihren Liegebereich von ihrem Kot- und Harnplatz zu trennen (wenn möglich mit einem Abstand von bis zu 15 m). Doch in der beengten Unterbringung mit hoher Besatzdichte ist eine Trennung von Kot- und Liegeplatz kaum möglich. Bei der gängigen Haltung auf Spaltenboden hat dies zur Folge, dass sowohl die Liegefläche als auch die Mastschweine selbst permanent mit Kot verschmutzt sind, da in den Bodenspalten Kotreste hängen bleiben. Und das obwohl Schweinen der Kotgeruch allein schon sehr unangenehm ist.

c) Ruheverhalten

Mastferkel
© Animal Equality

Schweine führen alle täglichen Aktivitäten gemeinsam aus. Sie verbringen nicht nur die Nahrungssuche, sondern auch die Zeit des Ausruhens und Schlafens zusammen und bauen gemeinsame Schlafnester. Besonders bei Kälte suchen Schweine Körperkontakt und ruhen dicht nebeneinander gedrängt in Bauchlage, wobei die Kontaktfläche zum Boden gering gehalten wird. Bei Hitze und zum völlig entspannten Schlafen legen sie sich auf die Seite und strecken die Gliedmaßen von sich. Das Liegen auf den unbequemen Spaltenböden führt zu verschiedenen Erkrankungen und Verletzungen (s. o.). Gerade gegen Ende der Mast sind die Tiere so groß, dass die Bodenfläche kaum ausreicht, um allen Tieren gleichzeitig das Ruhen in der Seitenlage zu ermöglichen.

d) Sozialverhalten

Mastschweine in Gruppenhaltung können zwar ihr Sozialverhalten ausleben – doch auch hier kann von einem natürlichen Sozialleben nicht die Rede sein. Zum einen leben die Tiere nicht in ihren natürlichen Familienverbänden, zum anderen fehlen die zum Aufbau und Erhalt der Rangordnung notwendigen Ausweich- und Rückzugsmöglichkeiten. Gerade verfahrensbedingte Neugruppierungen bringen wiederholt Unruhe in die Rangordnung.

Bedingt durch die hohen Besatzdichten und fehlenden Raumstrukturen kann es zu schwerwiegenden Auseinandersetzungen zwischen den Mastschweinen kommen. Die tägliche Fütterung ist hierbei besonders problematisch: Sind nicht genügend Fressplätze für das gemeinsame Fressen vorhanden, kommt es zu starkem Konkurrenzverhalten und aggressiven Auseinandersetzungen und Beißereien.

Körperliche Leiden und Schäden

In der Intensivtierhaltung erfahren Mastschweine regelmäßig folgende Schmerzen, Leiden und Schäden, die aus einer Kombination aus Überzüchtung (»Qualzucht«) und mangelhaften Haltungsbedingungen (z. B. eingeschränkte Bewegungsfreiheit, Haltung auf Vollspaltenboden, unstrukturiertes Mastfutter) entstehen:

  • Klauenverletzungen und Hautschäden (durch Haltung auf Spaltenboden)
  • Atemwegserkrankungen (durch Schadgasemissionen in der Gülle)
  • Bewegungsstörungen, Lähmungen (durch Infektionen verursacht)
  • Herz- Kreislaufversagen und Muskeldegenerationen
  • Beinschwächesyndrom
  • Magengeschwüre
  • Ödemkrankheit (Flüssigkeitsansammlungen, z. B. am Nasenrücken, im Magen, in der Lunge)

Unter natürlichen Bedingungen sind Schweine erst mit 3 bis 4 Jahren vollständig ausgewachsen. Doch die intensive Mast dauert nur etwa 6 Monate. Das jugendliche Skelett und der restliche Organismus sind dem unnatürlich schnellen Wachstum der Muskulatur nicht gewachsen. Die Belastungen können so schwer wiegen, dass manche Mastschweine durch Herzversagen versterben.

Die stark eingeschränkten Bewegungsmöglichkeiten führen zudem zu gravierenden Bewegungsstörungen: Viele Mastschweine leiden unter schmerzhaften Klauen- und Gelenkserkrankungen. Etwa 3 % der Mastschweine sterben noch vor Erreichen des Schlachtalters. Doch schon bei den Ferkeln, die noch gesäugt werden, herrscht eine sehr hohe Sterblichkeit – eine Sterblichkeitsrate von ca. 14 % ist üblich. Besonders bei unzureichender Stallhygiene sterben sie häufig an Durchfall (verursacht durch Infektionen).

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