Wachteln

Wachtel
© Vladimir Wrangel – Adobe Stock

Geschichte der Wachtelhaltung

Verglichen mit anderen landwirtschaftlich genutzten Tieren ist die Wachtel erst seit relativ kurzer Zeit domestiziert. In Japan wurde sie im 12. Jahrhundert als Singvogel gezüchtet und gehalten. Im 18. Jahrhundert handelte man ihr Fleisch bereits als Delikatesse, wohingegen die Zucht auf eine hohe Legeleistung erst Anfang des 20. Jahrhunderts begann. Ab den 1950ern wurde der Vogel dann nach Europa importiert. Vor allem die sogenannte Japanwachtel wird hier für die Eier- und Fleischproduktion gezüchtet.

In den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts begann man zudem damit, Wachteln als Versuchstiere zu nutzen. Die kleine Wachtel benötigt weniger Platz und Futter als andere Vögel und pflanzt sich schnell fort: Drei bis fünf Generationen im Jahr sind möglich. Meistens dient sie der Forschung als Modelltier für andere in der Landwirtschaft genutzte Vögel. Außerdem wird die Wachtel häufig vermehrt und gehalten, um sie dann kurz vor sogenannten Federwildjagden freizulassen. Hierzu wird besonders häufig die in Amerika heimische Baumwachtel herangezogen.

Biologie

Wildlebende Japanwachteln sind etwa 20 cm lang und 80 bis 100 g schwer, wobei die männlichen Wachteln etwas kleiner und leichter sind als die weiblichen Vögel. Sie kommen in Japan, Nord- und Südkorea, China, der Mongolei und Teilen Russlands vor. Als Zugvögel legen sie jedes Jahr eine Strecke von etwa 400 bis 1000 km zurück und überwintern dann im südlichen China, in Indien und Südostasien. Gezüchtete Wachteln im Legebetrieb wiegen 100 bis 150 g und Wachteln, die für die Mast gezüchtet werden, 250 bis 400 g.

Wachtelhaltung in Deutschland

In der EU werden Wachteln vorwiegend in unstrukturierten Käfigen mit mehreren Etagen gehalten. Das deutsche Tierschutzbüro e.V. veröffentlichte im Frühjahr 2019 Bildmaterial, auf denen Wachteln zu sehen sind, die unter schrecklichen Bedingungen leben müssen. Zusammengepfercht in kleinen Käfigen, in denen sie sich kaum aufrichten können, leben die Tiere ohne Tageslicht und mit teils blutigen Verletzungen und kahlen Stellen im Gefieder. Solche und ähnliche Haltungsbedingungen sind in Deutschland an der Tagesordnung. Das liegt unter anderem daran, dass es hierzulande keine spezielle gesetzliche Verordnung für die Wachtelhaltung gibt. Selbst nach dem Aufdecken dieser Missstände durch das Tierschutzbüro sind laut Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner keine spezifischen Mindestvorschriften für die gewerbliche Wachtelhaltung geplant.

Wie viele Wachteln auf die beschriebene Art und Weise gehalten werden, ist nicht bekannt, da dies statistisch nicht erfasst wird.

Käfighaltung

Wachteln in Käfighaltung
© Deutsches Tierschutzbüro e.V. (www.tierschutzbuero.de)

Das Leben auf Gitterstäben verursacht den Vögeln viel Leid, weil sie beispielsweise Fuß- und Beinkrankheiten entwickeln. Den Wachteln ist es außerdem unmöglich, in den Käfigen ihre natürlichen Verhaltensweisen auszuleben, da die Standard-Batteriekäfige sehr klein und unstrukturiert sind. Unter naturnahen Bedingungen verbringen Wachteln 24 % ihrer Zeit mit Gehen, Laufen oder Fliegen und 8 % mit Picken und Kratzen. In der Käfighaltung können sie keine dieser Aktivitäten in angemessener Weise ausführen.

Das Federkleid von Wachteln, die in Käfigen gehalten werden, ist deutlich schlechter als das von ArtgenossInnen, die auf eingestreutem Boden leben. Dies lässt sich auf Abrieb durch die Gitterstäbe, übereinanderlaufende ArtgenossInnen, Paarungsversuche von Männchen und auf fehlende Möglichkeiten zum Sandbaden zurückführen. Ein Gefieder in schlechtem Zustand kann das Tier nicht mehr ausreichend vor Hitze und Kälte schützen. Bei geringer Stalltemperatur ist es den Wachteln dann zu kalt, da nur ein intaktes Gefieder gut isoliert und die Einhaltung der hohen Körpertemperatur (über 40°C) gewährleistet.

Wachteln können im Käfig kein normales Sozialverhalten ausüben. Unterlegene Tiere können sich vor den dominanten nicht zurückziehen, sodass es zu teilweise schweren Verletzungen kommt.

Im Käfig können die Vögel auch nicht nach Futter scharren. Dadurch ist die Zeit der Futteraufnahme deutlich verkürzt. Eine geschützte Eiablage ist ebenfalls unmöglich. Darüber hinaus können die Vögel ihr natürliches Komfortverhalten – das Sandbaden – nicht ausleben, da die Einstreu fehlt. Bei hohen Besatzdichten können die Tiere nicht gleichzeitig ruhen und/oder auf der Seite liegen.

Bodenhaltung

Ein Argument, das häufig gegen die Bodenhaltung angeführt wird, ist, dass Wachteln in dieser Haltungsform oft hartnäckige Futter-, Abfall- und Kotbällchen an den Füßen kleben haben. Diese führen zu vermehrtem Bepicken der Zehen, Verletzungen und möglicherweise Kannibalismus.

Es ist zweifellos richtig, dass Kot durch Gitterböden fällt, sodass es in Käfighaltung weniger wahrscheinlich ist, dass er an den Füßen haftet. Regelmäßiges Reinigen und Ersetzen von verschmutzter Einstreu hat jedoch den gleichen Effekt. Die Vögel erhalten damit außerdem den physischen Komfort eines festen Bodens und die Möglichkeit, sich normal zu bewegen und mit anderen Vögeln zu interagieren.

Die eigentlichen Gründe gegen den Wechsel von Käfighaltung auf Bodenhaltung dürften rein wirtschaftlicher Natur sein: Bei festen Böden mit Einstreu fallen nämlich Kosten für die Einstreu und zusätzliche Personalkosten für das Reinigen der Haltungssysteme an. Zudem legen die Wachteln in Bodenhaltung 10 bis 70 % ihrer Eier nicht an die dafür vorgesehene Stelle, was sowohl zu einem erhöhten Aufwand beim Einsammeln der Eier als auch zur Verschmutzung der Eier führt.

Zurückdrängung der Grundbedürfnisse

Nahrungssuche

In freier Natur ernähren sich Wachteln von Grassamen, Erbsen, Körnern, Beeren, jungen Trieben, zarten Blättern und Insekten. Da diese Art von Nahrung in der Natur verstreut vorkommt, ist es sehr wahrscheinlich, dass die Wachteln täglich viel Zeit mit der Nahrungssuche verbringen.

In Gefangenschaft bekommen Wachteln ihr Futter meist in Form von Pellets. Diese ermöglichen es den Wachteln jedoch nicht, ihrem natürlichen Nahrungsaufnahmeverhalten nachzugehen. Zudem ist dadurch die Zeit der Nahrungsaufnahme verkürzt. ForscherInnen fanden heraus, dass Wachteln durch eine verkürzte Nahrungsaufnahme mehr stereotypes Hin- und Hergehen (sogenanntes »pacing«) zeigen. Sie deuten dieses repetitive Verhalten als Frustration.

Körperpflege

Bei der Gefiederpflege zeigen Wachteln zwei verschiedene Verhaltensweisen. Zum einen putzen sie sich mit dem Schnabel. Dabei verstreichen sie Öl, das aus Drüsen an der Federbasis ausgestoßen wird, über die gesamten Federn, richten die Widerhaken der Federn mit dem Schnabel aus und entfernen gleichzeitig Parasiten wie etwa Zecken und Milben. Zum anderen pflegen sie ihr Gefieder durch sandbaden: Wenn den Wachteln ein geeignetes Sandbad zur Verfügung steht, verbringen sie einen großen Teil des Tages darin. Dies trägt dazu bei, die Haut und die Federn in einem optimalen Zustand zu erhalten.

Wenn kein Sandband vorhanden ist, führt dies zu Pseudosandbaden, welches als Verhaltensstörung angesehen wird.

Ruheverhalten

Wildlebende Wachteln sind in hohem Maße darauf angewiesen, sich unter Gräsern und Sträuchern vor Fressfeinden verstecken zu können.

Auch Wachteln, die in Gefangenschaft leben, bevorzugen dementsprechend bedeckte und geschützte Orte. Wenn diese nicht vorhanden sind, könnte das zu erheblichem Stress für die Vögel führen.

Wenn Wachteln sich erschrecken oder fliehen wollen, zeigen sie ein typisches Fluchtverhalten: das vertikale Hochfliegen. Dabei verletzen sie sich in Käfigen oft am Kopf, da sie an die Decke stoßen. Diese Kopfwunden sind ein Grund für die hohe Sterblichkeitssrate bei Wachteln. Vor diesem Hintergrund wird in der Fachliteratur empfohlen, nur Käfige bis 25 cm Höhe zu verwenden oder ein Netz zu spannen, damit die Verletzungen nicht zu schlimm ausfallen, oder den Tieren die Flügel zu stutzen. Mit all diesen Maßnahmen behandelt man jedoch nur Symptome; die Ursache des Problems wird damit nicht behoben.

Stehen Wachteln in Gefangenschaft Versteckmöglichkeiten zur Verfügung, nutzen sie diese häufig und zeigen deutlich weniger Fluchtverhalten. Weil die Versteckmöglichkeiten jedoch ein Problem beim Einsammeln der Eier darstellen, wird dieses Grundbedürfnis der Wachteln oft ignoriert.

Sozialverhalten

Wachteln sind sehr soziale Tiere. In freier Natur bilden sie allerdings keine langfristigen sozialen Gemeinschaften: Nach der Brutzeit und dem Vogelzug finden sie sich immer wieder neu zusammen. Während der Balzzeit paart sich ein Männchen mit mehreren Weibchen .

Die männlichen Wachteln zeigen sich gegenüber anderen Hähnen äußert aggressiv, was zu ernsthaften Verletzungen führen kann. Daher ist es in Elterntiergruppen sehr wichtig, auf das richtige Geschlechterverhältnis zu achten .

Wachteln in Gefangenschaft werden in Gruppen gehalten, die viel größer sind als in der Natur. Außerdem ist die Besatzdichte sehr hoch. Diese Bedingungen können zu einem Übermaß an sozialen Interaktionen führen, die Probleme (Aggressionen, Federpicken usw.) verursachen. Zudem bilden die Tiere in Gefangenschaft, anders als in den ständig wechselnden Sozialgefügen in freier Wildbahn, eine Hackordnung aus. Wenn ein neues Tier dann einer bestehenden Gruppe hinzugefügt wird oder ganze Gruppen miteinander vermischt werden, kommt es vermehrt zu aggressiven Auseinandersetzungen.

Ein weiteres Problem in der Wachtelhaltung ist, dass die Tiere vorwiegend mit anderen Tieren desselben Alters zusammenleben und nicht mit Individuen unterschiedlichen Alters, wie es in der Natur die Norm ist. Dadurch kann es zu Verhaltensauffälligkeiten kommen, da junge Tiere normalerweise von älteren Artverwandten lernen – zum Beispiel, welches Material zum Sandbaden verwendet wird und welches der Nahrungsaufnahme dient.

Legeverhalten

Freilebende Wachteln legen in der Regel ein bis zwei Gelege mit jeweils fünf bis zehn Eiern pro Jahr. Wachteln in Legebetrieben legen demgegenüber bis zu 300 Eier jährlich.

Wachteln sind Bodenbrüter, die ihre Nester unter Grasbüscheln in trockenem Grasland bauen. In Käfigen gibt es solche Verstecke nicht. Die Wachteln haben somit keine Möglichkeit, ihre angeborenen Verhaltensmuster, die vor der Eiablage normalerweise gezeigt werden, auszuleben. Diese Verhaltensweisen werden kurz vor der Eiablage durch ein Hormon ausgelöst und beinhalten die intensive Suche nach einem geeigneten Ort für die Eiablage. Finden die Wachteln keinen passenden Ort, zeigen sie ein hohes Maß an Unruhe, das von ForscherInnen als Frustration interpretiert wird.

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