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Bio-veganer Landbau: eine forder- und förderungswürdige Alternative

Bio-veganer Landbau
Bio-veganer Landbau © Max Topchii – Fotolia

Als Alternative zum verheerenden »System Agrarindustrie« wird gegenwärtig zumeist vor allem die ökologisch-bäuerliche Landwirtschaft ins Feld geführt. Mit speziellem Blick auf die Tiere, deren fragwürdige agrarwirtschaftliche Behandlung allzu oft Auslöser immer neuer Skandale und Diskussionen ist, wird dabei bisher oft übersehen, dass bereits längst noch eine weitere Alternative realisiert wird: der bio-vegane Landbau. Zwar teilt letzterer durchaus einige grundlegende Ansätze mit der ökologisch-bäuerlichen Ausrichtung ­– z. B. Abkehr vom rein gewinn- und produktivitätsorientierten Wirtschaften; Ökologisierung der Landwirtschaft –, doch geht er gerade in tierethischen Belangen durch die Ablehnung jeglicher »Nutztier«-Verwendung noch einen konsequenten Schritt weiter.

Beginn und Verbreitung des bio-veganen Landbaus

Erste praktische Umsetzungsversuche eines bewusst betriebenen Landbaus ohne »Nutztiere« lassen sich bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts zurückverfolgen und namentlich etwa an die Schweizerin Mina Hofstetter, eine Pionierin des Biolandbaus, knüpfen. Spätestens aber seit der Begründung des bio-veganen Land- und Gartenbaus durch das Vegan Organic Network (VON) zum Ende desselben Jahrhunderts in England, mit der Absicht, den Ansatz einer ökologischen Landbewirtschaftung mit veganen Grundidealen zu verbinden, gewann die Idee eines von »Nutztieren« gänzlich freien Landbaus konkrete, richtungsweisende Gestalt:

So betreibt das VON einen kleinen Anbauverband, der bio-vegane und durch eine unabhängige Organisation kontrollierte Standards entwickelt hat, die kommerzielle Erzeuger als Richtlinie nutzen können. Durch ein eigenes Label können zudem bio-vegane Betriebe und Produkte zertifiziert werden. Angeregt durch die Initiative des VON sind inzwischen auch weit über die Grenzen Englands hinaus bio-vegan wirtschaftende Höfe und bio-vegane Netzwerke, wie das Veganic Agriculture Network (VAN) in Nordamerika und das Bio-Vegane Netzwerk (BVN) in Deutschland, gegründet worden.

Ziele und Grundsätze des bio-veganen Landbaus

Die wichtigsten Ziele und Grundsätze des bio-veganen Landbaus, die das zugleich ökologische und vegane Bestreben deutlich erkennen lassen, fasst das BVN wie folgt zusammen:

In der biologischen Landwirtschaft werden enge Stoffkreisläufe angestrebt und auf synthetische Düngemittel, Pestizide und gentechnisch veränderte Organismen wird verzichtet. Im bio-veganen Landbau werden darüber hinaus keine Tiere gehalten und auch keine Produkte aus Tierhaltung oder -schlachtung verwendet (Mist, Gülle, Knochen-, Blut- oder Hornmehl, Haarpellets etc.). Dezentrale Strukturen, eine möglichst regionale Erzeugung und Vermarktung, Ressourcenschonung und Förderung der Artenvielfalt sind weitere Handlungsmaximen.

Bodenfruchtbarkeit und Grünlanderhalt

Als Alternativen zu tierlichen Düngemitteln werden im bio-veganen Landbau zur Förderung der Bodenfruchtbarkeit vor allem die Gründüngung, Mulch, rein pflanzlicher Kompost oder auch mit rein pflanzlichen Materialien gewonnene Terra preta (Schwarzerde) verwendet. Zudem werden angemessene Fruchtfolgen geplant (= zeitlich geplante Aufeinanderfolge verschiedener Kulturpflanzen auf einer landwirtschaftlichen Fläche), um etwa eine ausreichende Stickstoffversorgung des Bodens mittels Leguminosen (Hülsenfrüchtler) oder eine Verbesserung der Phosphataufnahme von Pflanzen zu gewährleisten.

Was den Erhalt von Grünland betrifft, so ergeben sich auch beim bio-veganen Landbau wertvolle Nutzungsmöglichkeiten für Wiesen und Weiden: z. B. Mähen zur Gewinnung von Kompostmaterial oder Nutzung als Obstwiesen. In geeigneten Gebieten könnte darüber hinaus aber auch die Entwicklung zu artenreichen, klimaschutzrelevanten Naturwäldern zugelassen sowie die Wiedervernässung von Moorwiesen (u. a. wertvolle Kohlenstoffspeicher; Filtersystem für das Grundwasser; zuträglich für die Artenvielfalt) angestrebt werden.

Für eine bio-vegane Landwirtschaft als Alternative

Dass der bio-vegane Landbau funktioniert, beweisen einige seit vielen Jahren bio-vegan ausgerichtete Höfe.* Dass er notwendig ist, belegt – abgesehen vom derzeit generell inakzeptablen Umgang mit Millionen von »Nutztieren« – allein schon die Tatsache, dass der derzeitige Fleischkonsum entgegen zahlreicher gesundheitlicher und umweltbezogener Bedenken viel zu hoch ist. Zudem steigt bereits zum jetzigen Zeitpunkt die Zahl der Konsumenten kontinuierlich, die sich über eine vegane Lebensweise gegen jegliche Züchtung, Haltung und Verarbeitung von »Nutztieren« aussprechen.

Anzustreben sind daher eine drastische Senkung der Tierbestandszahlen und des Tierkonsums sowie eine stärkere politische Berücksichtigung vor allem auch der bio-veganen Alternative (v. a. als Lieferant tierethisch unbedenklicher Produkte). Nicht zuletzt sollte aber auch ein Austausch zwischen den Vertretern unterschiedlicher agrarindustrieller Alternativen verstärkt angestrebt werden: So sind etwa Erkenntnisse aus der tierlosen ökologischen, aber noch mit Mist und Gülle düngenden Landwirtschaft auch für den bio-veganen Landbau interessant, umgekehrt können Erkenntnisse aus dem bio-veganen Landbau bereits tierlos arbeitenden Ökobetrieben dabei helfen, sich auch noch von tierlichen Düngemitteln unabhängig zu machen.

Abschließend: Selbst wenn sich ein bio-veganer Landbau zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht überall durchführen ließe, so kann daraus noch längst nicht gefolgert werden, dass er nicht zumindest überall dort eingeführt werden sollte, wo es bereits möglich ist. Die Tiere, die Umwelt und letztlich auch die Menschen können von der Stärkung dieser Alternative letztlich nur profitieren.

* Siehe hier für einige Höfe allein im deutschsprachigen Raum.

Info: Der vorangegangene Artikel stellt eine ungekürzte Fassung eines Artikels dar, der für die Demo-Zeitung (S. 6) der »Wir haben es satt!«-Demonstration 2014 in Berlin verfasst wurde. Die im Artikel wiedergegebenen Inhalte gehen zum  größten Teil auf die Informationsseiten des Bio-Veganen-Netzwerks zurück.

Initiative Transparente Zivilgesellschaft