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Beifang und Überfischung

© antpun – Shutterstock

Jährlich landen rund 30 Millionen Tonnen Meerestiere als Beifang in den Netzen der Fischereien. Als Beifang gelten all jene Tiere, die nicht das Ziel des Fangs waren – zum Beispiel Jungfische oder auch Säugetiere wie Delfine oder Wale. Sie werden meist tot oder sterbend zurück ins Meer geworfen.

Den Ozeanen droht der Kollaps – Umweltverschmutzung, Klimaerwärmung und allen voran die Fischereiindustrie sind die Gründe dafür, dass in den Ozeanen immer weniger Leben vorzufinden ist. Obwohl WissenschaftlerInnen davor warnen, dass bereits bis Mitte des Jahrhunderts die Bestände der Meere vollkommen erschöpft sein werden, treibt die Profitgier immer größere und zerstörerische Fischereitrawler in die entlegensten Regionen der Meere.

Rückwurfverbot und Fangquoten

Um die gewaltige Nachfrage nach Fisch und Co. zu decken, wurden 2016 laut einer Studie der FAO (Food and Agriculture Organization of the United Nations) über 90 Millionen Tonnen Lebewesen aus den weltweiten Gewässern gezogen – das sind Berechnungen zufolge zwischen 970 und 2.700 Milliarden Individuen. Hinzu kommt der Beifang, der schätzungsweise einem Drittel der gesamten Fangmenge entspricht. Da die FischerInnen nur eine bestimmte »Menge« Fisch aus dem Meer ziehen dürfen und der Beifang nur schwer zu vermarkten ist, werfen sie den toten oder schwerverletzten Beifang oft zurück ins Meer – das Fangquotensystem ist entsprechend mitverantwortlich für den Rückwurf. In der Hoffnung, dass Fischereien durch ein Rückwurfverbot dazu animiert werden, den unerwünschten Fisch zu verwerten oder auf selektive Fangmethoden zurückzugreifen, gibt es seit 2015 ein entsprechendes EU-Gesetz. Da Kontrollen jedoch nur schwer durchzuführen sind, zeigt das Verbot kaum Wirkung.

Hinzu kommt, dass die von der EU verhängten Fangquoten sich nicht an den Empfehlungen der WissenschaftlerInnen orientieren. Dabei sprechen die Zahlen für sich: Über 33 % der kommerziell genutzten Fischbestände waren laut FAO im Jahr 2015 überfischt und 60 % an ihrer Belastungsgrenze, lediglich 7 % galten als moderat befischt. Der Bestand großer Raubfische wie Thunfisch, Schwertfisch oder Kabeljau wurde laut Greenpeace innerhalb von 50 Jahren um 90 % dezimiert. Darüber hinaus leiden durch die nicht selektiven Fangmethoden auch die Bestände jener MeeresbewohnerInnen, die in den meisten Ländern nicht kommerziell verwertet werden dürfen, seien es Wale, Delfine, Haie oder Schildkröten. Durch die anhaltende Überfischung stehen immer mehr Tiere auf der roten Liste der gefährdeten Arten des IUCN.

Fangmethode

Die Beifangmenge ist abhängig von der Fangmethode. Besonders dramatisch ist die Rate dort, wo sich auf Tiere konzentriert wird, die am Boden leben. Dazu gehören Schollen, Seezungen oder auch Krebstiere. Grundschleppnetze verursachen durchschnittlich 80 % Beifang – bei der Shrimpfischerei sind es sogar bis zu 95 %. Die Grundschleppnetze zerstören zudem ganze Ökosysteme, indem sie Korallenriffe vernichten und Bodenlebewesen zerdrücken.

Aber auch andere Fangmethoden werden zur Gefahr für zahlreiche Lebewesen, die kein Fangziel darstellen. So wird beispielsweise in der Ostsee der Schweinswal durch Treib- und Stellnetze bedroht. In dänischen Gewässern sterben jährlich rund 5.000 Schweinswale in den Netzen, dabei gilt die Walart ohnehin als gefährdet. Und auch in der Nordsee ist Beifang ein großes Problem – nach Schätzungen der EU beträgt die Beifangmenge hier ganze 40 bis 60 %.

Industrielle Fischerei ist Hauptverursacher von Überfischung und Beifang

Weltweit sind über 4 Millionen Fischereiflotten aktiv. Davon sind 1 % industrielle Fischereitrawler. Trotz dieser vergleichsweise geringen Zahl sind diese laut Greenpeace für die Hälfte der 90 Millionen Tonnen Fangmenge verantwortlich – moderne Technik macht es möglich. Die industriellen Trawler gleichen heutzutage eher Kriegs- als Fischereischiffen. Je kleiner die Bestände werden, desto größer und technisierter werden die Methoden zu ihrer Aufspürung. So nutzt die Fischindustrie Radar- und Sonargeräte, Hubschrauber und Aufklärungsflugzeuge, um Schwärme ausfindig zu machen.

Hinzu kommt, dass die EU die stetig steigende Nachfrage nach Meerestieren durch die Befischung der europäischen Gewässer nicht mehr decken kann: Der Nordatlantik und das Mittelmeer wurden durch Schleppnetze nahezu leergefischt. Der Bedarf wird gedeckt, indem man vermehrt in westafrikanischen oder pazifischen Gewässern fischt – mit dramatischen Folgen für die ansässigen KüstenbewohnerInnen. Denn nicht nur die Tier- und Umwelt leidet unter der Gier nach Fisch und Co. Während in unseren Breitengraden niemand Fisch essen muss, um seinen Eiweißbedarf zu decken, sind Menschen in einigen Küstenregionen Afrikas oder Asiens auf den lokalen Fischfang angewiesen. Die erbrachten Kompensationszahlungen gelangen dabei nur selten an die lokalen FischerInnen, die ihre Einnahmequelle verloren haben.

Piraterie

Je kleiner die Fischbestände sind und je stärker die Nachfrage ist, desto krimineller werden die Machenschaften. Die SchiffseignerInnen der Piratenfischereien sitzen nicht selten in der EU, Japan oder den USA. Die IUCN schätzt, dass ein Fünftel des weltweit gefangenen Fisches illegal gefangen wird. Zudem sind die ohnehin schon schwachen Kontrollen der Fang- und Beifangmengen sowie des Rückwurfverbots hier nicht existent – und die Folgen für die maritime Tier- und Pflanzenwelt sind umso fataler.

MSC-Siegel

Auf etlichen Meeresprodukten findet man heutzutage das MSC-Siegel. Laut dem Umweltbundesamt hat MSC (Marine Stewardship Council) in Deutschland bei wild gefangenem Fisch einen Marktanteil von rund 64 %. Das Siegel verspricht den KundInnen, dass der Fisch aus nachhaltiger Fischerei stammt – doch die Unternehmen, die das Siegel erhalten, sind oft kritisch zu bewerten. So bekommen auch Fischereien das Siegel, die gefährdete Arten fangen oder schädliche Fangmethoden verwenden und somit hohe Beifangmengen produzieren. Eine Studie des NABU-Dachverbandes Birdlife International zeigt auf, wie mangelhaft die Kontrollen sind: Lediglich bei drei der 23 untersuchten Fischereien war nichts zu beanstanden.

Fazit

Der Fang von Meeressäugetieren wie Walen und Delfinen sorgt im Allgemeinen für Empörung – dabei wird schnell vergessen, dass auch Fische äußerst empfindsame Tiere sind und Schmerzen fühlen. Milliarden Fische und andere Meereslebewesen sterben einen langen und qualvollen Tod, um am Ende auf den Tellern der Menschen zu landen. Und auch der Konsum anderer tierlicher Produkte fördert das Sterben in den Meeren. Ganze 20 Millionen Tonnen Fisch werden nur gefangen, um mit ihnen möglichst billig Schweine, Hühner oder Lachse in Aquakulturen zu füttern. Die Fische werden dazu oft noch lebend an Bord gekocht und zu Fischmehl oder Fischöl verarbeitet.

Der Umgang mit den zunehmend gefährdeten MeeresbewohnerInnen sollte grundlegend überdacht werden. Wir empfehlen, gänzlich auf den Konsum tierlicher Lebensmittel zu verzichten und somit durch den eigenen Lebensstil die Umwelt, die Meere und allen voran die Tiere zu schonen.

(lp)

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