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Vegane Kinderernährung ist ohne Mängel möglich

Frau und Kleinkind kochen
© JackF – Fotolia

Gegen eine vegane Ernährung von Kindern gibt es noch häufig Bedenken; teils sorgt das Thema für heftige Kontroversen. Eltern, die ihre Kinder vegan ernähren oder ihnen dies ermöglichen, sind in ihrem Umfeld nicht selten harschen Urteilen ausgesetzt. Die pauschale Ablehnung der pflanzlichen Ernährung von Kindern gründet sich oft auf Vorurteile oder spezielle Einzelfälle, bei denen medizinische Probleme auftraten. Im Unterschied zu Deutschland empfehlen Ernährungsgesellschaften anderer Länder sogar eine vegane Ernährung für jedes Lebensalter.

Wissenschaftliche Untersuchungen mit vegan ernährten Kindern gibt es bislang kaum. Der Bedarf an gesicherten Informationen wächst jedoch. Denn zum einen dürfte die Zahl vegan lebender Eltern in den vergangenen Jahren stark gestiegen sein. Zum anderen gibt es zunehmend Erkenntnisse, die das gesundheitsförderliche Potenzial einer pflanzlichen Ernährung aufzeigen. Sie kann helfen, häufigen Gesundheitsproblemen und Erkrankungen wie Bluthochdruck und Diabetes vorzubeugen.

Einzigartige Studie

Eine neue wissenschaftliche Untersuchung hat jetzt ihre Zwischenergebnisse zur veganen Kinderernährung vorgestellt. Die »VeChi Diet-Studie« (Vegetarian and vegan Children Study) will dazu beitragen, das Wissen über Chancen und Risiken unterschiedlicher Ernährungsweisen von Kindern zu erweitern. Hierfür vergleicht diese bisher weltweit einzigartige Studie die Energie- und Nährstoffzufuhr zwischen vegan, vegetarisch und mit Mischkost ernährten Kleinkindern in Deutschland. An der von der Erna-Graff-Stiftung für Tierschutz geförderten Studie sind ForscherInnen des Instituts für alternative und nachhaltige Ernährung (IFANE), der Fachhochschule des Mittelstands (FHM) sowie der Universität Bonn beteiligt.

Für diese sogenannte Querschnittsstudie stellten die WissenschaftlerInnen Kinder im Alter von ein bis drei Jahren mit unterschiedlichen Ernährungsweisen in Gruppen zusammen: Vegan, vegetarisch und mit Mischkost ernährte Kinder. Die Datenerhebung erfolgte zwischen Oktober 2016 und April 2018: Über drei Tage wogen und protokollierten die teilnehmenden Eltern alle Lebensmittel, Getränke und Nahrungsergänzungsmittel, die ihre Kinder zu sich genommen haben; die Zufuhr an Muttermilch schätzten gegebenenfalls die WissenschaftlerInnen. Sie erfassten zudem Körpergröße und Körpergewicht der Kinder sowie Gesundheitsdaten. Für die ersten Ergebnisse zogen sie die Daten von 364 Kindern heran.

Größe und Gewicht im Normbereich

Insgesamt zeigten alle Ernährungsgruppen der Studie mehrheitlich eine vergleichbare und normale Entwicklung von Körpergewicht und Körpergröße. Das ist nach Ansicht des Studienleiters Dr. Markus Keller eines der wichtigen Ergebnisse. Er wertet dies als ersten Hinweis, dass sowohl eine vegetarische als auch eine vegane Ernährung im Kleinkindalter bedarfsdeckend sein können. Allerdings lagen – anders als bei der Gruppe der Mischköstler – etwa 10 % der vegan und 6 % der vegetarisch ernährten Kinder unterhalb des Normbereichs der Welternährungsorganisation. Sie waren somit zu klein für ihr Alter. Andere Studien mit vegetarischen Kindern legen jedoch nah, dass die Größenunterschiede zu Mischkostkindern mit dem weiteren Wachstum verschwinden.

Die Menge der durchschnittlich aufgenommenen Energie unterschied sich nicht zwischen den drei Ernährungsgruppen und lag bei allen geringfügig unter den Referenzwerten der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE). Bei den sogenannten Hauptnährstoffen Kohlenhydrate, Fett und Protein erreichten alle Kinder die Zufuhrempfehlungen.

Mehr Eisen durch vegane Ernährung

Unterschiede zwischen den Gruppen zeigten sich bei einigen Vitaminen und Mineralstoffen. Die höchste Vitamin-C-Zufuhr hatten die vegan ernährten Kinder. Die empfohlene Menge erreichten aber alle drei Gruppen – ebenfalls bei Zink. Bei Eisen und Folat (Folsäure) erfüllten allerdings nur die vegan ernährten Kinder die Empfehlungen der DGE. Ihre Werte lagen durchschnittlich 45 bzw. 50 % über denen der Mischköstler. Die vergleichsweise hohe Eisenzufuhr der vegan ernährten Gruppe ist günstig, da der Körper pflanzliches Eisen weniger gut aufnehmen kann.

Kritisch bei allen drei Studiengruppen war die durchschnittliche Zufuhr an Kalzium, Vitamin B2 und Jod, wobei die tatsächliche Aufnahme an jodiertem Speisesalz nicht berücksichtigt werden konnte. Bei diesen drei Mikronährstoffen hatten die vegan ernährten Kinder die niedrigsten Werte. Deren Kalziumzufuhr lag nur knapp über der Hälfte der Empfehlung. Aber auch die Mischköstler erreichten nur etwa drei Viertel der empfohlenen Menge.

Gut versorgt mit Vitamin B12

Besonders positiv aufgefallen ist den ForscherInnen, dass die Zufuhr an Vitamin B12 bei nahezu allen vegan ernährten Kinder sehr hoch war; 94 % nahmen ein entsprechendes Präparat ein. Dies ist grundsätzlich bei veganer Ernährung und besonders im Kindesalter unabdingbar, weil das Vitamin unter anderem für die Entwicklung von Gehirn und Nervensystem wichtig ist. Um mögliche schwerwiegende gesundheitliche Schäden zu verhindern, sollten daher alle vegan ernährten Kinder eine Supplementierung mit Vitamin B12 erhalten. Studienleiter Keller weist darauf hin, dass insbesondere auch VegetarierInnen auf ihre Vitamin-B12-Zufuhr achten sollten. Obwohl das Vitamin in Milch und Milchprodukten enthalten ist, hatte fast die Hälfte der vegetarisch ernährten Kinder und auch einige der Mischköstler eine Zufuhr unterhalb der Empfehlung.

Die AutorInnen der Studie sehen bei einem Teil der untersuchten Familien aus allen drei Gruppen Bedarf an einer qualifizierten Ernährungsberatung. Für alle vegetarisch, vegan und mit Mischkost ernährten Kleinkinder sollen sich künftig aus der VeChi Diet-Studie konkrete Ernährungsempfehlungen ableiten lassen.

Anhand der vorliegenden Ergebnisse der Studie halten die VerfasserInnen eine vegane oder vegetarische Ernährung im Kleinkindalter für bedarfsdeckend. Voraussetzung ist, dass eine ausreichende Zufuhr an Nahrungsenergie und kritischen Nährstoffen, insbesondere von Vitamin B12 gegeben ist. Es besteht die Hoffnung, dass die Studie dazu beiträgt, Vorurteile weiter abzubauen und dass die DGE ihre zurückhaltende Position gegenüber einer veganen Kinderernährung ändert.

Derzeit werden weitere Ernährungsprotokolle ausgewertet und weitere Einflussfaktoren, wie Alter, Geschlecht und sozioökonomischer Status einbezogen. Die endgültigen Ergebnisse stehen voraussichtlich Anfang 2019 zur Verfügung. Für eine weitere Studie (www.vechi-youth-studie.de) mit vegan, vegetarisch und mit Mischkost ernährten Kindern und Jugendlichen im Alter von 6 bis 18 Jahren suchen die ForscherInnen aktuell noch weitere Familien.

(ag)

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