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DGE-Position zu veganer Ernährung

DGE-Position zu veganer Ernährung am Laptop lesen
© Stock-Asso – Shutterstock

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) hat heute eine Stellungnahme zu veganer Ernährung veröffentlicht. In dem elfseitigen Positionspapier werden Handlungsempfehlungen für Veganerinnen und Veganer gegeben sowie Vorzüge einer pflanzenbetonten Ernährung dargestellt, aber auch kritischere Töne insbesondere zu veganer Schwangerschaft und Kinderernährung angestimmt. Im Folgenden stellen wir die Aussagen des Positionspapiers vor und kommentieren sie.

Vorteile pflanzenbetonter Ernährung

Bereits in den ersten Absätzen werden die Vorzüge gesunder vegetarischer Ernährungsformen, die reich an Ballaststoffen sowie Obst und Gemüse sind, dargestellt – z. B. ein geringeres Risiko für Stoffwechsel- und Herz-Kreislauf-Krankheiten. Die DGE hält fest: »Eine pflanzenbetonte Ernährung (mit oder ohne einen geringen Fleischanteil) [ist] gegenüber der derzeitig in Deutschland üblichen Ernährung mit einer Risikosenkung für ernährungsmitbedingte Krankheiten verbunden«. Eine pflanzenbetontere Ernährung, die weniger Tierprodukte beinhaltet als die heute übliche Durchschnittsernährung, ist also zunächst auch von Seiten der DGE wünschenswert.

Praktische Tabelle zu pflanzlichen Nährstoffquellen

Die DGE stellt in einer Tabelle verschiedene pflanzliche Nahrungsmittel vor, mit denen die Nährstoffe abgedeckt werden können, auf die man bei veganer Ernährung besonders achten sollte. Zu den kritischen Nährstoffen zählt hier vor allem Vitamin B12 sowie Protein, langkettige Omega-3-Fettsäuren, Vitamin D, Riboflavin (Vitamin B2), Kalzium, Eisen, Jod, Zink und Selen. Zu den einzelnen Nährstoffen werden zahlreiche pflanzliche Lieferanten genannt und Erläuterungen gegeben, z. B. zu den viel diskutierten, angeblichen Vitamin-B12-Quellen wie Sauerkraut oder Spirulina – mit dem Ergebnis, dass nur Nahrungsergänzungsmittel den Bedarf sicher decken.

Zum Thema Vitamin B12 gibt es einen gesonderten Absatz: Dass eine Ernährung mit wenigen oder keinen Tierprodukten kaum oder gar kein Vitamin B12 enthält, ist eine gut belegte Tatsache. Auch mit einem sich anbahnenden oder bereits vorhandenen Vitamin-B12-Mangel ist nicht zu spaßen, denn dieser kann u. a. zu unumkehrbaren neurologischen Störungen führen. Besonders gefährlich wird dies in der Schwangerschaft, wenn sich Gehirn und Nerven des Kindes ausbilden. Umso positiver ist es zu bewerten, dass die DGE auch hier konkrete Handlungstipps wie die regelmäßige Untersuchung wichtiger Blutwerte gibt. Unser Merkblatt zum Vitamin-B12-Bluttest finden Sie hier.

DGE zu veganer Schwangerschaft und Kinderernährung

Da bei veganer Ernährung laut DGE eine »Versorgungsproblematik« für einige Nährstoffe entstehen kann, sollte veganen Schwangeren und Stillenden sowie Säuglingen, Kindern und Jugendlichen »gesonderte Aufmerksamkeit« zukommen. Die aktuelle Forschungslage zu diesen Lebensphasen mit erhöhtem Nährstoffbedarf sieht für eine rein pflanzliche Ernährung derzeit noch sehr heterogen aus. Es fehlt an aussagekräftigen Studien, weshalb die DGE sicherheitshalber die vegane Ernährung in diesen Phasen nicht empfiehlt. Nichtsdestotrotz wird darauf hingewiesen, dass bei veganer Ernährung in solchen Phasen eben »eine gezielte Lebensmittelauswahl und -zubereitung (hochwertige, nährstoffdichte Lebensmittel, altersgerechte Zubereitungs- und Darreichungsform) erforderlich« ist, in regelmäßigen ärztlichen Untersuchungen die Nährstoffversorgung überprüft sowie auf eine Einnahme von Vitamin B12 geachtet werden sollte. Diesen Empfehlungen schließen wir uns an, raten jedoch deshalb in diesen Lebensphasen nicht von der veganen Ernährung ab. Stattdessen sehen wir es wie u. a. die amerikanische Association of Nutrition and Dietetics (A.N.D.), die eine gut geplante vegane Ernährung für alle Lebensphasen geeignet hält. In einem gesonderten Absatz stellt die DGE die einzelnen Positionen der verschiedenen Ernährungsorganisationen, u. a. die der A.N.D., kurz vor, geht jedoch nicht weiter darauf ein.

Vegane Lebensmittel und Tierschutz

Ein weiterer Absatz des Positionspapiers beschäftigt sich mit der Fehlannahme, dass vegane Lebensmittel automatisch gesund seien. Dass viele vegane Fertigprodukte nicht den Empfehlungen einer vollwertigen Ernährung entsprechen, ist beim Blick auf Salz-, Zucker- und Fettgehalt oft schnell klar. Hier kommt jedoch ein weiterer Aspekt veganer Ernährung hinzu: Häufig ernähren sich Veganerinnen und Veganer nicht aus gesundheitlichen Gründen vegan, sondern aus Tierschutzgründen – was die DGE auch kurz anspricht.

Position der DGE und unser Fazit

Die DGE schreibt: »Bei veganer Ernährung ist eine ausreichende Versorgung mit einigen Nährstoffen nicht oder nur schwer möglich.« Dies begründet sie mit einer teilweise einfacheren Bedarfsdeckung bestimmter Nährstoffe durch tierliche Produkte im Vergleich zu pflanzlichen Lebensmitteln sowie der Möglichkeit, leichter einen Nährstoffmangel zu entwickeln. Wir würden dies anders formulieren – und auch die von der DGE gegebenen Nährstoffempfehlungen sprechen eine andere Sprache: Wer auf eine ausgewogene, durchdachte Ernährung achtet, kann durchaus die meisten Nährstoffe über pflanzliche Lebensmittel zu sich nehmen und kritische Nährstoffe – wie z. B. Vitamin B12 und gegebenenfalls andere – über Supplemente zuführen.

Trotz allem gibt die DGE praktische und sinnvolle Handlungsempfehlungen für Menschen, die sich vegan ernähren: Die Einnahme eines Vitamin-B12-Präparats und die regelmäßige Kontrolle des Vitamin-B12-Status stehen an erster Stelle. Zudem wird zur Wahl nährstoffdichter und angereicherter Lebensmittel geraten. Auch weitere kritische Nährstoffe sollte man gegebenenfalls ärztlich überprüfen lassen und bei einem Nährstoffmangel entsprechende Ergänzungen vornehmen. Prof. Claus Leitzmann, Koryphäe auf dem Gebiet der vegan-vegetarischen Ernährung, beruhigt in seinem Interview zur DGE-Position: »Aber ein Veganer muss nicht öfter zum Arzt gehen als ein Durchschnittsbürger.«

Außerdem wird darauf hingewiesen, sich von einer qualifizierten Ernährungsfachkraft beraten zu lassen. Leider sind zertifizierte ErnährungsberaterInnen, die sich mit veganer Ernährung auskennen, noch rar gesät. Wir hoffen, dass sich dies in Zukunft, auch durch die Mitarbeit der DGE, ändert. Alternativ empfehlen wir, gut fundierte Informationen aus Internet und Büchern zu beziehen, z. B von den Ernährungsseiten der Vegan Taste Week. Gerade im Bereich der veganen Schwangerschaft, Stillzeit und Kinderernährung gibt es großen Beratungsbedarf, um eine optimale Nährstoffversorgung für Mutter und Kind sicherzustellen. Empfohlen wird die vegane Ernährung in diesen sensiblen Phasen des Wachstums, ob im Mutterleib oder im jugendlichen Alter, von der DGE nicht. Der letzte Satz des Positionspapiers liest sich jedoch gleich etwas versöhnlicher: »Wer sich dennoch dafür entscheidet, sollte unbedingt die oben genannten Punkte beachten.« Leitzmann kommentiert dies optimistisch: »Die DGE ist sehr vorsichtig in ihren Empfehlungen und spricht auch die entsprechenden Warnungen aus. Aber die Wirklichkeit zeigt, dass die Veganer gut informiert sind, und gerade wenn sie ihre Kinder auch vegan ernähren, das in der Regel auch richtig machen.«

Insgesamt ist die Position der DGE zu veganer Ernährung zumindest in Teilen zu begrüßen: Es ist wichtig, dass die wachsende Zahl an Veganerinnen und Veganern in Deutschland nun endlich Handlungsempfehlungen zur Lebensmittelauswahl und Nährstoffversorgung von offizieller Seite erhält. Die DGE erkennt an, dass eine pflanzenbetonte Ernährung weitläufige gesundheitliche Vorteile gegenüber der derzeitig in Deutschland üblichen Ernährung hat. Gegenüber einer rein pflanzlichen Ernährung wirkt der Ton jedoch noch skeptisch: Die ausreichende Versorgung mit gewissen Nährstoffen sei schwierig. Insbesondere die kritische Position zu veganer Schwangerschaft, Stillzeit und Kinderernährung verwundert, da sie von der Position anderer Organisationen wie z. B. der Academy of Nutrition and Dietetics aus den USA abweicht. Die in der DGE-Stellungnahme konkreten, nun endlich auch im deutschen Raum verfügbaren Empfehlungen zur veganen Ernährung sind jedoch größtenteils positiv zu bewerten. Wir hoffen, dass sich mitunter durch dieses Positionspapier sowohl die Forschungslage als auch das Beratungsangebot zu veganer Ernährung in Zukunft vergrößert und so mehr Menschen und Tiere von der veganen Ernährung profitieren können.

Nachtrag

Die DGE hat nun zusätzlich zur Stellungnahme eine Seite mit ausgewählten Fragen und Antworten zur veganen Ernährung veröffentlicht. Dort finden sich die Quintessenzen des Positionspapiers in einem übersichtlichen Frage-Antwort-Format.

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