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Tierversuche: alles gut geregelt?

Zum heutigen internationalen Tag zur Abschaffung der Tierversuche gehen wir der Frage nach, wie streng Tierversuche von der Genehmigung der Anträge bis hin zur Durchführung eigentlich geregelt sind – ein Aspekt, den die Tierversuchslobby immer wieder noch vorne stellt. Doch ist das haltbar? Die Genehmigungspraxis sieht jedenfalls so aus, dass Tierversuchsanträge von den zuständigen Kommissionen meistens durchgewunken werden. Tierschützer haben in den Ethikkommissionen nur ein Drittel der Stimmen und können sich daher fast nie durchsetzen. Es überrascht deshalb nicht, dass die Tierversuchszahlen seit Jahren kontinuierlich steigen:

Grafik über die jährliche Seteigerung der Tierversuchszahlen

So viel zu dem, was allgemein bekannt ist. Viel weniger wissen wir dagegen davon, wie Tierversuche in der Praxis genau ablaufen: Die Versuche werden zwar in den Anträgen beschrieben, doch dass die Realität ganz anders aussehen kann als das, was in einem schriftlichen Antrag vermittelt wird, liegt auf der Hand. Um Missstände aufzudecken, bedarf es Undercover-Recherchen oder Glück. Glück hat man, wenn die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des zuständigen Veterinäramts nicht nur ernsthaft daran interessiert sind, Tierleid zu reduzieren, sondern auch den Mut und die Rückendeckung ihrer Vorgesetzten haben, ihre Kompetenzen auch durchzusetzen. Solches Glück ist in ganz Deutschland rar, wie wir aus vertraulichen Gesprächen mit Involvierten wissen. Das überrascht auch nicht, denn das Ungleichgewicht ist dasselbe wie in der Massentierhaltung: Die Tiernutzer können gegen unliebsame Entscheidungen des Veterinäramtes den Rechtsweg einlegen und sich durch alle Instanzen klagen. Die Tierschützer können nichts tun. Sie haben kein Klagerecht und können somit kaum Druck auf die Veterinärämter ausüben. Wie sich ein überarbeiteter Amtsveterinär mit Sparzwang in solchen Situationen entscheidet, ist klar: Er geht den Weg des kleineren Widerstands, um aufwendigen und teuren Gerichtsverfahren aus dem Weg zu gehen.

Tierversuche in der Praxis: seltener Einblick

Einen seltenen Einblick in die Praxis der Tierversuche verschaffen uns Dokumente aus einer Aufsichtsbehörde, die an die taz gelangt sind. Darin werden Missstände im Max-Delbrück-Centrum für molekulare Medizin (MDC), einer der größten deutschen Tierversuchsanlagen, aufgeführt. Die taz fasst zusammen: »Pfleger ließen Versuchstiere verhungern, schwerverletzte Mäuse mussten tagelang leiden, Hamster wurden ohne Genehmigung gehalten«. Den gesamten Artikel finden Sie hier. Die Tierversuchslobby wehrt sich genauso wie die Massentierhaltungslobby: Es handle sich um bedauerliche Einzelfälle – ein Totschlagargument, denn wer kann schon eine Vollerhebung durchführen und die Ergebnisse veröffentlichen? Die Ressourcen und die Ermächtigung dazu hat niemand.

Abschaffung der Tierversuche

Trotz fundierter Kritik am Prinzip Tierversuch ist nicht damit zu rechnen, dass Tierversuche auf absehbare Zeit abgeschafft werden. Da es an politischen Lippenbekenntnissen zum Ziel der Reduzierung der Tierversuchszahlen nicht mangelt, muss man etwas genauer hinschauen, wenn man verstehen will, ob sich ein Politiker wirklich einsetzt. Wesentliche Fragen sind: Sollen die Ethikkommissionen mindestens zur Hälfte mit Tierschützern besetzt werden (Reduzierung des Stimmanteils von Tierexperimentatoren)? Und: Sollen anerkannte Tierschutzorganisationen ein Klagerecht erhalten, wie es die verfassungsmäßig gleichrangig gestellten Umweltschutzorganisationen schon lange haben? Politiker und Fraktionen, die mindestens eine dieser Fragen mit nein beantworten, nehmen sich nach unserer Auffassung dem Problem der ständig steigenden Tierversuchszahlen nicht ernst genug an. Die Antworten der Parteien auf unsere Wahlprüfsteine sind nicht nur dahingehend interessant.

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