Hühner im Garten: Das spricht dagegen

»Eier aus dem eigenen Garten«: Für viele Menschen ist die private Hühnerhaltung eine vertretbare Alternative zur Massentierhaltung. Ein genauer Blick zeigt jedoch, dass sie trotz aller guten Vorsätze mit vielen Problemen einhergeht. Wir stellen die wichtigsten Argumente vor, die gegen die private Hühnerhaltung sprechen.

Überzüchtung und »Produktivitätssteigerung«

Hühner gehören zu den ältesten »Nutztieren« und wurden den Interessen des Menschen entsprechend gezüchtet. Wie sehr der Mensch in den Organismus der Hühner eingegriffen hat, sieht man daran, dass wilde Hühnerrassen durchschnittlich 30 Eier pro Jahr legen, während die auf Höchstleistung gezüchteten Hennen der Eierindustrie etwa 300 Eier pro Jahr produzieren. Das ist ein enormer Kraftakt für die sensiblen Körper der Tiere, der häufig zu ernsthaften gesundheitlichen Problemen führt. Wer Hühner hält, um sich mit Eiern zu versorgen, nutzt diese Anpassung zu Lasten der Tiere aus.

Neben den hochgezüchteten Hühnerrassen aus der Industrie gibt es auch sogenannte »Rassehühner«, die von Züchter:innen verkauft und laufend nachgezüchtet werden. Diese Rassehühner legen zwar durchschnittlich weniger Eier als die sogenannten Legehennen, aber ihre »Leistung« ist mit 180 bis 260 Eiern pro Jahr meist trotzdem sehr hoch – und kann mit Licht gesteigert werden. Deshalb installieren viele Halter:innen Tageslichtlampen im Stall, was einen weiteren Eingriff in das Reproduktionssystem der Vögel bedeutet. Wer auch im Winter frische Eier von privaten Halter:innen bekommt, muss sich bewusst sein, dass dieses Vorgehen zur »Leistungssteigerung« angewendet wird.

Die problematische Beziehung zwischen Mensch und Huhn

Das Eierlegen ist primär eine Körperfunktion, die zum Reproduktionssystem des Huhns gehört. Menschen haben darin jedoch einen Nutzen gesehen, von dem sie selbst profitieren: Das Ei wird zum Produkt.

Privaten Halter:innen ist das Wohlergehen ihrer Hühner in der Regel wichtig. Sie versuchen also, die Bedürfnisse der Tiere zu berücksichtigen. Doch meist steht auch hier der Nutzen des Huhns für den Menschen im Vordergrund: Die Henne wird weiterhin als Eierproduzentin angesehen. Viele Hühnerhalter:innen argumentieren, dass sie der Henne ein schönes Zuhause geben, sie füttern, pflegen und dafür auch Kosten in Kauf nehmen – weshalb sie das Ei als »Dankeschön« für die Pflege ansehen.

Die Beziehung der Halter:innen zu den Tieren wird demnach auch von der Produktivität der Hühner geleitet: Kann das Tier den Nutzen als Eierlieferantin nicht mehr erfüllen oder zeigt unerwünschte Verhaltensweisen, hat das auch bei privaten Halter:innen häufig die Tötung der Henne zu Folge. Wer zum Beispiel in den Foren der privaten Hühnerhalter:innen nach »Eierpickerinnen« (Hühner, die Eier selbstständig aufpicken und konsumieren) sucht, bekommt meist den Tipp, dass das Tier geschlachtet werden müsse. Daran zeigt sich, wie stark die Mensch-Tier-Beziehung auch in diesem Zusammenhang vom »Nutzen« des Tieres für den Menschen geprägt ist. Das »Produkt« der tierlichen Arbeit, in diesem Fall das Ei, wird aus menschlicher Sicht zum Lebenssinn des Huhns. Fällt dieser Sinn weg, wird das Huhn getötet.

Unzureichende Nährstoffversorgung und Krankheiten

Es gibt Vereine und Gruppen, die ältere bzw. »ausrangierte« Hühner aus der kommerziellen Eierproduktion retten und an private Halter:innen weitervermitteln. Diese Vögel sind sehr anfällig für Krankheiten, insbesondere an Organen wie Eierstock und Eileiter. Auch durch Bakterien und Parasiten können Hühner schwer erkranken. Deshalb sind Hygiene- und Gesundheitschecks sehr wichtig. Dabei ist jedoch zu beachten, dass Kleintierärzt:innen Hühner nur selten kompetent behandeln können, da die Betreuung von »Hobby-Hühnern« keinen integralen Bestandteil des tiermedizinischen Studiums darstellt.

Das ständige Eierlegen führt dazu, dass die Tiere nicht ausreichend mit Nährstoffen versorgt sind. Das Huhn muss die Nährstoffe aus dem Ei wieder zurückbekommen, damit es keine Mangelerscheinungen entwickelt. Um den häufigsten Krankheiten vorzubeugen, sind zudem hohe Hygienestandards und Futtermittel, die den Nährstoffverlust ausgleichen, zwingend notwendig. Die gelegten Eier können einen Teil des Futters ausmachen – so handhaben es auch viele Lebenshöfe. Auch wenn das vielleicht befremdlich klingt, ist es für die Hühner nicht ungesund. Ganz im Gegenteil: Selbst Hühnerhalter:innen mit kommerzieller Absicht empfehlen Eier als Nahrungsmittel zur Aufzucht von Küken oder mangelernährten Hühnern.

Private Haltung ist nicht automatisch »artgerecht« und stellt auch ein Risiko für den Menschen dar

Menschen, die Eier aus privater Haltung kaufen, nehmen meist an, dass die Hühner »artgerecht« gehalten werden und leidfrei leben. Allerdings sind viele Hobbyhalter:innen keine Expert:innen auf dem Gebiet der Hühnerhaltung. Häufig tauscht man sich im Internet mit anderen Halter:innen aus und bezieht viele Informationen von persönlichen Blogs. Unbeabsichtigt werden so auch falsche Informationen und gefährliche Tipps weitergegeben. Zum Beispiel füttern viele Halter:innen hauptsächlich Küchenabfälle. Diese können zwar einen Teil des Futters ausmachen, jedoch sind nicht alle Abfälle geeignet. Eine falsche oder unzureichende Fütterung hat schwerwiegende gesundheitliche Folgen.

Wenn die Hühner nicht mehr genug Eier legen, birgt die Tötung der Tiere durch ungeübte Schlachter:innen ein hohes Potenzial für Fehler, welche den Vorgang nur noch qualvoller machen. Die unsachgemäße Entfernung von Blut und Fäkalien stellt zudem ein hohes Gesundheitsrisiko für den Menschen dar. Dieses Risiko darf ohnehin nicht unterschätzt werden: Viele Hühnerhalter:innen haben engen Kontakt mit den Hühnern und streicheln, kuscheln oder küssen sie, obwohl die Tiere Krankheiten (Zoonosen) übertragen können. Wer Hühner halten möchte, muss sie beim Veterinäramt und bei der Tierseuchenkasse anmelden und regelmäßig impfen lassen. Leider ist das Wissen über Zoonosen bei manchen Halter:innen nur sehr begrenzt und Maßnahmen zur Eindämmung werden oft nicht ausreichend umgesetzt.

Das Schicksal der Hähne

Wer einen Hahn hält, unterschätzt oft, dass sein Krähen in der Nachbarschaft unangenehm auffallen kann. Häufig landet das Tier dann im Tierheim.

Ganz generell ist der »Überschuss« an Hähnen ein großes Problem: Auf jedes geschlüpfte weibliche Küken kommt etwa ein männliches Tier. Da diese Tiere keine Eier legen können und – wenn sie aus einer Legehennen-Rasse stammen – nicht schnell Fleisch ansetzen, sind sie aus ökonomischer Sicht wertlos. Sie werden in der Regel noch am Tag des Schlüpfens getötet oder nach ein paar Monaten geschlachtet.

Die private Haltung normalisiert den Eierkonsum

Die Eier selbst zu essen oder anderen zur Verfügung zu stellen, erscheint vielen Menschen sinnvoll. Die meisten haben zudem gelernt, dass Eier Lebensmittel sind, die nicht »verschwendet« werden sollen. Einige private Hühnerhalter:innen haben darüber hinaus die Hoffnung, den Konsum von Eiern aus Massentierhaltung zumindest im direkten Umfeld zu senken.

Leider trägt diese Sichtweise jedoch dazu bei, dass Hühnereier nach wie vor primär als Lebensmittel eingeordnet werden. Denn: Menschen orientieren sich an den Verhaltensweisen, die in ihrem direkten Umfeld gelebt werden. Essen also Menschen im Umfeld einer Person Eier, wird die Person dieses Verhalten als »normal« und akzeptiert ansehen. Schlussendlich führt also auch das Essen von Eiern, die von privat gehaltenen Hühnern stammen, langfristig zu mehr Leid, da die Stellung von Eiern als Lebensmittel weiter gefestigt wird. Die Beziehung von Mensch und Huhn wird dadurch weiterhin darüber definiert, dass die Hennen als »Lebensmittelproduzentinnen« angesehen werden, nicht aber als Individuen mit einem ganz eigenen Wert.

Fazit

Hühnereier von privaten Hühnerhalter:innen sind mit weniger Leid verbunden als Eier aus Massentierhaltung – aber auch sie sind nicht leidfrei. Doch zum Glück muss kein Mensch Eier essen und kann sie getrost den Hühnern selbst überlassen. Für Tipps, wie Sie auch ganz ohne Ei kochen, backen und Ihren Nährstoffbedarf decken, besuchen Sie die Vegan Taste Week.

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