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Leid und Tod in der Aquakultur

Aquakultur
Aquakultur © Malena Philipp – Fotolia
Die Aquakultur ist ein Thema, das von Tierschutz- und Tierrechtsorganisationen häufig vernachlässigt wird. Die Gründe sind vermutlich vielschichtig: während uns Landtiere sehr ähnlich sind und wir ihre Ausdrucks- und Verhaltensweisen zumindest in Ansätzen nachvollziehen können (insbesondere, wenn es um den Ausdruck von Leid und Überlebenswillen geht), fällt es uns oft schwer, Fische zu »verstehen«. Außerdem sind wenige Menschen für die Leidensfähigkeit der Fische sensibilisiert, weshalb Kritiker mutmaßen, dass Organisationen das Thema nicht angehen, weil sich damit kaum Spenden einwerben lassen (letzteres können und wollen wir nicht bewerten).

Fest steht, dass es sich bei der Aquakultur um ein wachsendes Problem handelt. Der Wirtschaftszweig wächst schnell, und gesetzliche Regelungen, die zumindest die Leiden der Fische lindern könnten, gibt es praktisch nicht. Das führt zu einer Massentierhaltung unter Wasser, die nach unserer Einschätzung mindestens genauso tierquälerisch ist wie die schlimmsten Haltungsformen an Land. Mehr darüber erfahren Sie in unserem Hintergrundartikel zur Aquakultur.

Von der Öffentlichkeit weitestgehend unbeobachtet ist mit der Aquakultur auch in Deutschland ein Wirtschaftszweig entstanden. Um dessen Größe einzuschätzen, veröffentlichen wir zum ersten Mal Schätzungen, wie viele Tiere von der Aquakultur-Industrie gemästet und getötet werden.

Größe der Aquakultur in Deutschland, Anzahl der Fische

Im Jahr 2012 wurden laut Angaben des Statistischen Bundesamts in deutschen Aquakulturbetrieben 19.595 Tonnen Fisch »produziert«. Um daraus abzuleiten, wie viele Fische gemästet und getötet wurden, muss man das Schlachtgewicht der einzelnen Fischarten schätzen. Da es hierzu sehr verschiedene Angaben gibt, entsteht eine erhebliche Spannbreite bei den Ergebnissen. Nach unseren Berechnungen, die sich an der Vorgehensweise von fishcount orientieren, wurden im Jahr 2012 in Deutschland zwischen 5,6 und 60,7 Mio. Fische gemästet und geschlachtet. Nicht enthalten sind hier die Fische, die für die Fütterung der meist carnivoren Fische gefangen und getötet wurden.

Geht man vom Mittelwert aus, so kann man sagen, dass die Aquakultur, an der Zahl der Tiere gemessen, hierzulande in etwa so groß ist wie die Legehennen- oder die Putenindustrie. Bei diesem Vergleich wird noch einmal deutlich, wie unterrepräsentiert das Thema in den Tierschutz- und Tierrechtsbewegungen sowie in den Medien ist, denn über die Missstände in der Legehennen- und Putenhaltung wird (zum Glück) einigermaßen regelmäßig berichtet.

Vorläufiges Fazit

Fische und andere vernachlässigte Meerestiere werden in unserer zukünftigen Arbeit eine größere Rolle spielen. Die jüngst umgesetzte vollständige Überarbeitung unserer Hintergrundartikel zur Aquakultur (s. o.) sowie zum Wildfischfang, unsere erfolgreiche Hummer-Kampagne und unsere Beteiligung an einer Petition zur verpflichtenden Herkunftsangabe bei Fischen sind entsprechende erste Schritte.

An Verbraucherinnen und Verbraucher appellieren wir, keine Meerestiere zu essen. Neben tierethischen Aspekten sprechen auch Nachhaltigkeitsargumente dagegen, denn es gibt ein Problem, das kein Nachhaltigkeitssiegel lösen kann: es werden schlichtweg viel mehr Fische gegessen (und verfüttert) als nachkommen. Die Aquakultur verschlimmert dieses Problem sogar noch, denn es werden in der Regel mehrere Fische verfüttert, um einen Fisch zu mästen. Tipps für die Umstellung liefert unser Ernährungs-Newsletter.

Initiative Transparente Zivilgesellschaft