Jetzt helfen Ferkel

Schlachthof-Aktion: 5 Tage, 5 Städte

Passantin sieht Schlachthof-VideoIn der letzten Woche war unser Straßenkampagnen-Team in fünf deutschen Städten unterwegs, um mit einer außergewöhnlichen Aktion über die Missstände in deutschen Schlachthöfen zu informieren: Wir haben Passantinnen und Passanten einen Euro angeboten, wenn sie den Mut hatten, sich einen dreiminütigen Film über die Schlachtung von Rindern oder Schweinen anzusehen. Um Ihnen einen persönlichen Eindruck dieser besonders emotionalen Aktionstour zu geben, veröffentlichen wir hier das Tagebuch sowie Fotos unseres Straßenkampagnen-Teams.

Für die Bereitstellung der Schlachtaufnahmen bedanken wir uns herzlich bei Kilian Dreißig. Sie können sich die Filme hier und hier online anschauen.

Montag, 9. März: München

Unser Aktionsstand wird mit großem Interesse und viel Neugierde aufgenommen. Wir sagen den Vorbeikommenden, dass wir einen gläsernen Schlachthof aufgebaut haben und bieten ihnen an, sich jetzt in der Fußgängerzone das anzuschauen, was sonst im Verborgenen passiert.

Die meisten Menschen, die sich unsere Filme ansehen, wollen danach kein Geld von uns. Vielmehr sind sie bestürzt und nachdenklich. Auf die Frage, wie es ihm nach dem Ansehen unserer Aufnahmen geht, kann ein etwa 25-jähriger Mann gar nicht richtig antworten. Er sagt, dass er das Gesehene erst einmal verarbeiten müsse. Ein Mann Ende vierzig sieht sich die Filme an und beginnt zu weinen. Andere schaffen es nicht, die Filme bis zum Ende anzusehen.

Viele möchten die Filme ganz bewusst gar nicht anschauen, zeigen sich aber sehr interessiert an unseren Informationen zur veganen Ernährung. Diese sind auch das einzig Aufmunternde, was wir den sichtlich bewegten Menschen mit auf den Weg geben können: Mit jedem Einkauf im Supermarkt, bei jedem Restaurantbesuch, bei jedem Kochabend mit FreundInnen können wir ein Zeichen gegen Tierleid setzen.

Über 800 Millionen Tiere werden jedes Jahr in Deutschland getötet. Wie ihre Schlachtung abläuft, ist den meisten Menschen durchaus bewusst, aber trotzdem sind die Bilder schwer zu ertragen: »Es gibt kein humanes Schlachten«, sagt ein Passant. Und ein weiterer: »Ich esse gern Fleisch. Aber diese Bilder sind schon schlimm.« Dass es im Schlachthof keine Rolle spielt, ob ein Tier zuvor auf einem Bauernhof, der nach EU-Biorichtlinien arbeitet, oder auf einem konventionellen Betrieb gelebt hat, ist vielen Menschen nicht bewusst. Doch im Schlachthof werden diese Tiere gleich behandelt.

Dienstag, 10. März: Frankfurt

Heute haben wir einen Restaurantplan zum Verteilen dabei, auf dem alle Frankfurter Restaurants mit veganem Angebot verzeichnet sind. Die Menschen sind sehr interessiert und nehmen den Plan gerne mit.

Wir sind beeindruckt davon, dass sich viele junge Menschen für das Thema interessieren und die Filme ansehen wollen. Einige SchülerInnen berichten von Referaten über Massentierhaltung, die sie für die Schule vorbereiten. Das Mindestalter für das Anschauen der Videos haben wir allerdings bei sechzehn Jahren angesetzt, da die Szenen sehr gewaltvoll sind.

Eine Frau erzählt, dass sie bereits vor einigen Wochen ähnliche Filme bei YouTube angesehen hat: »Bis nachts um drei. Danach wusste ich, dass ich keine Tiere mehr essen werde.« Drei Passanten finden unsere Aktion so wichtig, dass sie uns spontan für einige Stunden unterstützen. Einem jungen Mann wird nach dem Anschauen der Videos schlecht: Er muss sich erst einmal hinsetzen.

Mittwoch, 11. März: Hannover

Wir freuen uns heute besonders über viele jugendliche VegetarierInnen, die unseren Stand besuchen. Einige Heranwachsende hingegen kommen mit betont cooler und lässiger Miene zu uns, doch während unsere Videos laufen, entgleiten auch ihnen die Gesichtszüge. Einige Menschen wollen uns Geldspenden geben, aber wir ermuntern sie, das Geld lieber in einen veganen Döner oder einen veganen Burger zu investieren. Ein junger Mann findet unsere Aktion so toll, dass er sich spontan unserer Aktionsgruppe in Hannover anschließt. »Toll, was ihr macht!«, sagt er. »Eine wirklich super Aktion!«

Auf der Straße rufen wir, »Hinschauen statt wegsehen! Mitgefühl statt Gleichgültigkeit! Wir können weiterlaufen. Die Tiere können das nicht. Wir können wegsehen. Die Tiere können das nicht. Wir können gleichgültig sein. Die Tiere können das nicht.« Als wir rufen: »Massentierhaltung abschaffen fängt auf Ihrem Teller an!«, sagt ein Mann: »Das fängt im Kopf an«. Und wir stimmen ihm vollkommen zu.

Donnerstag, 12. März: Hamburg

Auch in Hamburg schaffen es viele Menschen nicht, unsere Videos bis zum Ende anzusehen. Vielen fällt es schwer, danach über ihre Eindrücke zu sprechen. Sie brauchen erst einmal Zeit, um das Gesehene zu verarbeiten. Ein 80-Jähriger erzählt: »Als junger Mann habe ich Schlachter gelernt. Aber nach vier Monaten konnte ich das nicht mehr. Es hat mir so leid getan. Ich bin ansonsten ein harter Hund, aber wenn ich kleine Ferkel sehe, dann werde ich ganz emotional. Auch jetzt noch, wenn ich davon erzähle.« Eine ältere Dame erzählt von ihren veganen Enkeln: »Sie kommen mich bald besuchen und haben mir schon eine Liste geschrieben, was ich einkaufen kann! Ich selbst esse seit zwei Jahren kein Fleisch mehr und es geht mir wunderbar.«

Freitag, 13. März: Berlin

Am Breitscheidplatz sind viele internationale Touristen unterwegs und so rufen wir: »Stop factory farming! Go vegetarian! Go vegan!«

Es wird wieder einem jungen Mann schlecht, nachdem er das Video gesehen hat – er muss sich hinsetzen und Wasser trinken. Natürlich ist es nicht unser Ziel, möglichst viele Menschen zum Kollabieren zu bringen, aber solche Situationen verdeutlichen doch, dass die Schlachtaufnahmen nicht spurlos an mitfühlenden Menschen vorbeigehen.

Drei junge Männer kommen gerade von KFC, einer von ihnen hat einen Eimer Chicken-Nuggets im Arm. Wollen sie unser Video anschauen? »Auf keinen Fall!«, ruft der mit den Nuggets und eilt davon. Doch seine Freunde bleiben stehen und unterhalten sich mit uns, also kommt er doch wieder zurück. Wir sprechen kurz miteinander – vielleicht hat unsere Aktion die Männer ja nachdenklich gestimmt.

Fazit

Während unserer Aktionswoche haben wir weniger als 100 € ausgezahlt. Nur etwa jedeR Fünfte hat den Euro von uns entgegengenommen. Manche sagten, dass sie den Betrag spenden wollen und betonten, wie gut und wichtig sie die Aktion finden. Andere waren mit dem Gesehenen womöglich noch so beschäftigt, dass sie ganz vergaßen, ihren Euro abzuholen. Unser Ziel bestand darin, Menschen einen zusätzlichen Anreiz zum Hinschauen und Nachdenken zu geben. Wir haben uns über alle gefreut, die sich die drei Minuten Zeit genommen haben, um hinzuschauen statt wegzusehen. Sie haben sich für Mitgefühl und gegen Gleichgültigkeit entschieden und drei Minuten lang mitverfolgt, was die Tiere ihr ganzes Leben lang ertragen müssen.

Wenn Sie einen Beitrag gegen die Zustände in Schlachthöfen leisten wollen, dann:

Fotos der Tour

Puten-Massentier- haltung beenden
Helfen Sie, eine Klage gegen die Puten-Massentierhaltung zu finanzieren.
Initiative Transparente Zivilgesellschaft
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