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Europaweiter Tierschutz-Protest vor Lidl-Filialen

Mit europaweiten Protesten und einer fragwürdigen Auszeichnung sah Handelsriese Lidl sich in den vergangenen zwei Wochen konfrontiert. Bei zahlreichen öffentlichen Aktionen forderten Tierschützer:innen in mehreren europäischen Städten von Lidl, den bereits ein Jahr andauernden Fleischskandal endlich zu beenden. Der Discounter soll die Tierschutz-Probleme in seinen Lieferketten für Hühnerfleisch angehen, indem er die Kriterien der Europäischen Masthuhn-Initiative, wie mehr Platz im Stall und ein Ende der Qualzucht, umsetzt.

Bei der Red Dot Gala im Berliner Konzerthaus am Gendarmenmarkt protestierten Aktivist:innen der Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt am vergangenen Freitag gegen die Verleihung des renommierten Design-Preises an Lidl für eine Marketingkampagne. Mit im Gepäck hatten sie den »Dead Rot Award« und zeichneten den Discounter als Gewinner in der Kategorie »Tierquälerei« aus. Zudem zeigten sie schockierende Aufnahmen aus Ställen, in denen Hühner für das Fleisch der Lidl-Eigenmarke »Metzgerfrisch« gemästet werden. Die Gäste erhielten am Eingang zur Gala Flyer über die wahren Zustände bei Lidl-Hühnern und Glückskekse, in die die Tierquälerei-Vorwürfe an Lidl eingebacken waren.

Mit eindrucksvollen Bannern, Schildern und Flyern demonstrierten Tierschützer:innen vor Lidl-Filialen in Deutschland, Großbritannien, Italien, Österreich, Polen, Portugal, Schweden und Spanien. Sie informierten die Kundschaft über die Tierschutz-Probleme und sammelten Unterschriften für eine Petition an den Discounter, die bereits rund 540.000 Menschen unterstützen.

Hintergrund

Im vergangenen Jahr hat ein Bündnis aus 15 europäischen Tierschutzorganisationen Undercover-Recherchen aus mehreren Hühnermastbetrieben von Lidl-Lieferanten veröffentlicht. Die schockierenden Bilder zeigen qualgezüchtete Hühner, die unter ihrem eigenen Körpergewicht zusammenbrechen, sowie kranke, sterbende und tote Tiere, die zwischen ihren Artgenoss:innen verwesen. Noch dazu werden die Hühner immer wieder von Arbeiter:innen misshandelt. Eine Laboruntersuchung von Hühnerfleisch der Lidl-Eigenmarke »Metzgerfrisch« wies zudem in 71 % der Proben multiresistente Keime nach.

Durch die Kriterien der Europäischen Masthuhn-Initiative könnte Lidl den Hühnern in der Mast bis zu zwei Drittel ihrer schlimmsten Schmerzen ersparen. Die Initiative schreibt, anders als zum Beispiel die »Initiative Tierwohl«, gesündere Rassen vor. Hinzu kommen Vorschriften für mehr Platz, Tageslicht und Beschäftigungsmöglichkeiten sowie für eine möglichst stressfreie Schlachtung. Die Kriterien der Initiative sind wissenschaftlich fundiert und werden von 37 europäischen Organisationen sowie mehr als 600 Unternehmen weltweit unterstützt. Gesündere Hühner, die besser gehalten werden, erhalten zudem weniger Antibiotika. Das beugt der Entstehung gefährlicher Antibiotikaresistenzen vor.

Lidls Konkurrenten Aldi, Bünting, Globus, Norma und Tegut haben sich der Europäischen Masthuhn-Initiative bereits angeschlossen und wollen damit – im Gegensatz zu Lidl – für bessere Standards für alle Hühner in ihren Zulieferbetrieben sorgen.

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