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Agrarindustrie in der Antibiotika-Falle

Antibiotika © Dmitry Sunagatov – fotolia.com

Die Welle der negativen Publicity für die Agrarindustrie reißt nicht ab. Insbesondere das Thema Antibiotikamissbrauch hält sich schon seit vielen Wochen in den Medien. Kein Wunder: Dieser Aspekt der Massentierhaltung bedroht uns und unsere Gesundheit unmittelbar – bei anderen Themen wie den Emissionen von Treibhausgasen, der Überdüngung von Böden, der Verschwendung von Wasser etc. sind die Zusammenhänge komplexer und schaffen es daher bei vielen Menschen nicht ins Bewusstsein.

Doch beim Missbrauch von Antibiotika geht es direkt um Menschenleben: 15.000 Menschen sterben allein in Deutschland in jedem Jahr an resistenten Keimen – darunter auch viele Kinder. Der Experte Dr. Hermann Focke, der mit seinem Buch »Die Natur schlägt zurück« maßgeblich dazu beigetragen hat, die Welle ins Rollen zu bringen, weist darauf hin, dass diese Zahl deutlich höher ist als die der Drogentoten.

Im Grunde ist es egal, ob die Agrarindustrie wegen ihres Antibiotikamissbrauchs oder ihrer vielen anderen Vergehen an Mensch, Tier und Umwelt in die Zange genommen wird, denn die hohen Antibiotikagaben gehören untrennbar zum System der Intensivtierhaltung: Wer viele überzüchtete Tiere auf engstem Raum zusammenzwängt, Amputationen an ihnen vornimmt, ihnen keine ausreichende Bewegung, (fast) kein Sonnenlicht und das falsche Futter gibt, der braucht auch Antibiotika, um die so zwangsweise entstehenden Krankheiten in den Griff zu bekommen.

Die Frage ist, wie es jetzt politisch mit dem Thema weiter geht. Trotz einer völlig erdrückenden Beweislast rund um die Studie aus NRW, den Untersuchungen von Umweltschutzorganisationen und Fernsehbeiträgen sowie Berichten in wichtigen Medien, die den Stand der Wissenschaft für die Öffentlichkeit gut verständlich aufbereiten, stellt sich die Bundesministerin für Landwirtschaft und Verbraucherschutz quer. Ilse Aigner scheint allen Ernstes die Haltung einzunehmen, dass einige Ausnahmebetriebe, die nach unserer Kenntnis auch nur manchmal (!) ohne Antibiotika auskommen, ausreichen, um der Intensivtierhaltung den richtigen Weg zu weisen. Zitat aus dem o.g. TV-Beitrag: »Es geht offensichtlich. Dann müssen sie [die Betriebe] sich halt anstrengen. Punkt.« Man darf sich schon wundern über eine Ministerin, die sich eigenen Angaben zufolge einem Gott gegenüber rechenschaftspflichtig fühlt und es trotzdem nicht wagt, am System der gefährlichen Intensivtierhaltung zu rütteln.

Was nun? Kommt ein Machtwort von der Bundeskanzlerin? Unwahrscheinlich, denn auch sie hat ihre Nähe zur Agrarindustrie schon ausreichend bewiesen (Einsatz für eine Aufschiebung des Käfigverbots und in einem anderen Zusammenhang: »Es sind ja nur Tiere«).

Mindestens bis zur nächsten Bundestagswahl wird sich also politisch wahrscheinlich nicht viel ändern. Also sind wir als VerbraucherInnen gefragt, der Agrarindustrie das Wasser abzugraben, indem wir ihr schlichtweg kein Geld mehr geben. Also auf Biofleisch umsteigen? Sollte man nicht, ohne sich vorher das anzuschauen, was man in der Werbung nicht gezeigt bekommt. Die Antwort liegt also in der vegetarischen oder (noch besser) veganen Ernährung, die sich viel leichter realisieren lässt, als es den meisten Menschen bewusst ist. Tipps zum Umstieg inkl. eines Gratis-Newsletters mit Ernährungstipps finden Sie auf unserer neuen Webseite www.selbst-wenn.de, die wir in den kommenden Wochen und Monaten noch weiter ausbauen werden.

Initiative Transparente Zivilgesellschaft