Tieren helfen Gans

Albert Schweitzer

Albert Schweitzer mit Huhn
© Deutsches Albert Schweitzer Zentrum

Wenn es um die hochaktuelle Frage nach einem achtsamen und würdevollen Umgang nicht nur mit Menschen, sondern gleichermaßen auch mit Tieren und – mit Blick etwa auf den Regenwald – sogar mit Pflanzen geht, dann kommt man auch rund ein halbes Jahrhundert nach Albert Schweitzers Tod wohl kaum an seinem Namen vorbei.

Wie kaum ein Zweiter zeigte der universalgelehrte Arzt, Philosoph, Theologe, Organist und Friedensnobelpreisträger zu seinen Lebzeiten auf, wie auch anderes als das menschliche Leben sowohl im eigenen Denken als auch im eigenen Handeln ethisch konsequent berücksichtigt werden kann.

Dies gelang ihm so eindrucksvoll, dass bis heute vor allem die Begriffe der »Ehrfurcht vor dem Leben« und »Lambaréné« untrennbar mit ihm und (s)einer wegweisenden Ethik verbunden geblieben sind.

Dass Schweitzer auch heute noch zu den fünf größten Vorbildern der Deutschen zählt, scheint angesichts seines beachtlichen Lebenswerks kaum verwunderlich.

Albert Schweitzer und die Tiere

Was speziell Albert Schweitzer und die Tiere betrifft, so hielt der Umweltjurist Godofredo Stutzin einst fest: »Es ist unmöglich, dem Geist und dem Herzen Albert Schweitzers näher zu kommen und sie zu erreichen, ohne die Welt der Tiere zu durchqueren. Die Bewohner dieser Welt spielen in Schweitzers Leben und Werk nicht eine Statistenrolle, sondern die Rolle von Hauptpersonen und Trägern der Handlung.« Dementsprechend finden sich die Tiere vielfach in Schweitzers philosophischem und theologischem Werk, aber auch in vielen Erzählungen über das von Schweitzer gegründete Urwaldspital in Lambaréné, in dem die Tiere gemeinsam mit den Menschen lebten und wie auch die Menschen medizinisch behandelt wurden.

Mithilfe der Tiere erarbeitete Albert Schweitzer eine Ethik, die als biozentrische Ethik bereits das Leben an sich und nicht etwa erst die Leidensfähigkeit in den Mittelpunkt der ethischen Betrachtungen rückt. Eine Ethik, die jedem Lebewesen, ganz gleich welcher Art, per se einen eigenständigen Wert beimisst und keinerlei Wertunterschiede zwischen den einzelnen Lebewesen akzeptiert. Zwar bringt bei näherer Betrachtung selbst diese dem Leben umfassend zugewandte Ethik, wie jede andere Ethik auch, einige Probleme mit sich, doch kann sie insgesamt auch heute noch – insbesondere für die Tiere – als relevant und zukunftsfähig gelten.

Schweitzers Ethik und die Ernährungsfrage

Gerade auch auf die derzeit drängendste tierethische Frage – die Frage danach, ob Tiere für die menschliche Ernährung genutzt werden dürfen – kann von Albert Schweitzers Ethik ausgehend eine klare Antwort gegeben werden, die eine vegetarische und auch vegane Ernährungsweise plausibel begründet. Schweitzer selbst hat diese Plausibilität, die sich aus dem Weiterdenken der von ihm konzipierten Ethik geradezu zwangsläufig ergibt, zum Ende seines Lebens noch erkannt und sich bewusst zu einer vegetarischen Ernährungsweise entschieden: »Ja, das große Problem, ob wir Tiere töten und essen dürfen, wird uns langsam bewusst. Es lässt sich viel dagegen und auch manches dafür sagen. Das Problem ist ja erst spät sichtbar geworden. Meine Ansicht ist, dass wir, die wir für die Schonung der Tiere eintreten, ganz dem Fleischkonsum entsagen und auch gegen ihn reden. So mache ich es selber.«*

Tierschutz unter Albert Schweitzers Namen

Die gedankliche und handlungspraktische Tiefe, die Albert Schweitzers Ethik innewohnt, sowie seine eigenen tierschützerischen Bestrebungen zu Lebzeiten dürften als gute Begründungen dafür ausreichen, unter seinem Namen auch moderne Tierschutz-und Tierrechtsarbeit zu leisten, seine tierethische Gedanken weiterzudenken und auch durch neuere tierethische Konzepte zu ergänzen. Doch auch all diejenigen, die sich für den Schutz und die Rechte der Tiere einsetzen, mit Albert Schweitzer und seiner Ethik aber nicht viel anfangen können, dürften zumindest die Grundeinstellung mit ihm teilen, »dass wir Tod und Leid über ein anderes Wesen nur bringen dürfen, wenn eine unentrinnbare Notwendigkeit dafür vorliegt, und dass wir alle das Grausige empfinden müssen, das darin liegt, dass wir aus Gedankenlosigkeit leiden machen und töten.«**

* Brief Albert Schweitzers an Evi Solny vom 30.08.1964. Gelagert im Albert-Schweitzer-Archiv in Günsbach.
** Albert Schweitzer: Aus meiner Kindheit und Jugendzeit, Gesammelte Werke, Band I, S. 278.

Zitate

Wir haben einige zentrale Zitate von Albert Schweitzer für Sie zusammengefasst.

Literaturempfehlungen

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Initiative Transparente Zivilgesellschaft