Die Schweinepest und die Sorge um den Export

Die Afrikanische Schweinepest (ASP) hat Deutschland erreicht. Eine Erkrankung, die für Schweine meist tödlich endet, für Menschen jedoch ungefährlich ist. Die Reaktionen seitens der Politik machen deutlich, dass es ihr zukünftig vor allem darum gehen wird, den Export von Schweinefleisch und Schweinefleischprodukten aufrecht zu erhalten und wirtschaftliche Folgen möglichst gering zu halten.

Gefährliche Schweinekrankheit

Die ASP ist eine Viruserkrankung, die bei Haus- und Wildschweinen auftritt. Sie stammt ursprünglich aus Regionen südlich der Sahara. 2007 gab es den ersten Nachweis des Virus in Georgien. Vermutlich hatten Schweine dort unkontrolliert entsorgte und kontaminierte Küchenabfälle von Schiffen aufgenommen, die aus Afrika kamen. Von Georgien aus breitete sich das Virus zunächst über Russland, die baltischen Staaten und 2017 dann bis Tschechien aus, sowohl bei Wild- als auch bei Hausschweinen. 2018 fand man in Belgien tote Wildschweine und wies in ihnen das Virus nach. Seit November 2019 treten im Westen Polens vermehrt Fälle bei Wild- und Hausschweinen auf. Im Spätsommer dieses Jahres gab es den ersten Fund in Deutschland.

Das Virus kann in der Umwelt und in toten Tieren mehrere Monate überleben, was seine Ausbreitung begünstigt. Erkrankte Tiere leiden unter anderem an schwerwiegenden Symptomen wie Fieber, Husten, Durchfall, Bewegungsstörungen und Hautverfärbungen. Ein Großteil der Tiere stirbt innerhalb weniger Tage.

Verbreitungsrisiko Mensch

Für Menschen ist das Virus ungefährlich, da sie sich nicht infizieren können. Auch der Verzehr von kontaminiertem Fleisch ist für Menschen im Hinblick auf eine Infektion unbedenklich. Er trägt jedoch erheblich zur Verbreitung bei.

In Afrika und einigen Mittelmeerländern sind Lederzecken für die Übertragung des Virus verantwortlich. In Mitteleuropa spielen diese dagegen keine Rolle. Hier erfolgt die Übertragung hauptsächlich über den direkten Kontakt mit infizierten Tieren oder durch den Menschen.

Vor allem das Risiko, dass sich Schweine über illegal entsorgte kontaminierte Lebensmittel anstecken, stufte das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) als hoch ein. Aber auch über Fahrzeuge, Kleidung, Maschinen oder Jagdausrüstung können Schweine infiziert werden. Erst durch diesen menschlichen Risikofaktor kann das Virus größere Sprünge bei der Verbreitung machen, wie z. B. nach Belgien.

ASP in Deutschland

Bis vor einigen Wochen galt Deutschland als ASP-frei. Nach dem Fund eines toten Wildschweins und der anschließenden Untersuchung durch das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) wurde allerdings der erste ASP-Fall in Deutschland am 10. September 2020 bestätigt. Die Zahl der betroffenen Tiere steigt stetig an. Mittlerweile (Stand 8. Oktober 2020) wurden 53 Fälle bestätigt. Bisher liegen alle Fundorte betroffener Wildschweine in Brandenburg. Das Virus breitet sich jedoch allmählich weitläufiger aus.

Folgen für die Schweine

Bisher gibt es keinen Impfstoff und keine Therapieansätze. Tritt ASP in einem schweinehaltenden Betrieb auf, ordnet die zuständige Behörde einfach die Tötung aller Tiere in diesem Bestand an. Dabei reicht bereits der Verdacht auf eine Infektion, die noch nicht amtlich bestätigt sein muss. Es müssen auch nicht alle Tiere betroffen sein, damit die Behörde bereits Tötungen anordnen kann. Ebenso sind Tötungen in sogenannten Kontaktbetrieben möglich, die sich lediglich in einem bestimmten Radius um den betroffenen Betrieb befinden.

Bislang wurde das Virus in Deutschland nur bei Wildschweinen nachgewiesen, weshalb im betroffenen Gebiet eine jagdfreie Zone errichtet und weitere Sicherheitsmaßnahmen ergriffen wurden, z. B. der Bau eines Zauns. Außerhalb dieser Zone sollen die Wildschweine allerdings intensiver bejagt werden, um ihre Zahl zu reduzieren und die Ausbreitung des Virus zu erschweren.

Die Jagd verschlimmert das Problem jedoch eher, da der Erreger sich über das Blut von (an)geschossenen Tieren sehr gut verbreiten kann. Zudem werden die eigentlich ortstreuen Wildschweine durch die Jagd aufgescheucht und verteilen sich deutlich weiter. Dazu sind Expert:innen der Ansicht, dass eine stärkere Bejagung weder die Ausbreitung des Virus stoppen noch die Bestandszahlen merklich reduzieren kann.

Auch wenn die gravierenden Auswirkungen für die Tiere in der politischen Debatte zumindest erwähnt werden – es würde »den Tod tausender Tiere bedeuten« (so Friedrich Ostendorff) – darf nicht vergessen werden, dass Schweine auch ohne ASP-Ausbruch früh zur Fleischgewinnung getötet werden. Schweine aus Mastbetrieben werden noch als Jungtiere im Alter von gerade mal sechs Monaten geschlachtet. Nicht der Tod der Tiere ist ein Problem für die Verantwortlichen, sondern dass sie davon nicht profitieren.

Fazit: Politische Reaktionen verfehlen eigentliche Problematik

Klar ist: Von politischer Seite stehen ökonomische Faktoren an erster Stelle. Wie der Interessenverband der Fleischindustrie (VDF) bereits befürchtete, stoppte als erstes Südkorea die Einfuhr von Schweinefleischprodukten. China – laut DBV-Präsident Joachim Ruckwied Deutschlands wichtigster Exportmarkt außerhalb Europas – sowie Japan, Brasilien und Argentinien folgten. Damit brachen wichtige Märkte für Deutschlands Schweinefleischindustrie weg und auch die Preise für Schweine innerhalb Deutschlands sanken.

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner ist daher schnellstens mit den betroffenen Ländern in Kontakt getreten, um das Regionalisierungsprinzip, wie es innerhalb der EU greift, auch auf Drittländer zu übertragen. Damit könnten Regionen in Deutschland, die ASP-frei sind, weiterhin in diese Länder exportieren und es wäre nicht ganz Deutschland vom Exportstopp betroffen.

Die eigentliche Problematik wird dabei ausgeklammert: Um die große Menge an günstigem Fleisch zu produzieren, werden viele Tiere auf kleinstem Raum gehalten. Dazu unter Bedingungen, die die Tiere gesundheitlich schwächen und sie anfälliger für Erkrankungen machen. Zwischen den vielen Schweinen auf engstem Raum können sich Viren wie bei der hoch ansteckenden ASP schnell ausbreiten. Hinzu kommen die vielen Tiertransporte, die zur Verbreitung der Viren beitragen, indem nicht nur die Tiere, sondern auch die Fahrzeuge Infektionsquellen sind.

Ein Hinterfragen der industriellen Tierhaltung steht nicht im Fokus der politischen Debatte. Obwohl sie es ist, die die Ausbreitung gefährlicher Krankheiten bei domestizierten und Wildtieren befeuert.

(sl)

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