Mastrinder

Bild Mastrinder
© Stevebidmead – Pixabay

Rinder sind soziale Tiere. Unter natürlichen Bedingungen leben sie in familiären Herden von 20 oder auch mehr Kühen und ihren Jungtieren, wobei die männlichen Tiere (Bullen) ihre Herde im Alter von rund zwei Jahren verlassen, um allein oder in kleineren Gruppen (bis zu 3 Artgenossen) zu leben. Im Jungtieralter verbringen die Tiere ihre Zeit häufig mit sozialem Spiel, z. B. indem sich zwei Kälber aneinander stoßen oder gegenseitig jagen. Die in dieser Zeit geschlossenen Freundschaften werden oft auch noch im Erwachsenenalter aufrechterhalten. Man kann bei Rindern häufig beobachten, wie bestimmte Artgenossen wiederholt zusammen liegen oder gegenseitige Körperpflege betreiben. In ihren natürlichen Lebensräumen, Wäldern und Steppen, legen Rinder täglich mehrere Kilometer zurück, indem sie im langsamen Vorwärtsgang Gras und Kräuter abgrasen, und das etwa 10 Stunden am Tag. Diesen Drang nach Bewegung können sie in Intensivtierhaltung nicht ausleben – in der Anbindehaltung etwa sind sie sogar dazu gezwungen, permanent auf ein und derselben Stelle auszuharren.

Mastrinder in der Intensivtierhaltung

Mastrinder im Stall
© Tierschutzbilder

Derzeit werden in Deutschland insgesamt 12,7 Millionen Rinder gehalten – darunter rund 2 Millionen Mastrinder*. Bei Mastrindern handelt es sich hauptsächlich um Bullen (unkastrierte männliche Rinder) – wesentlich seltener werden aber auch Ochsen (kastrierte männliche Rinder), Färsen (weibliche Rinder, die noch kein Kalb geboren haben) und vereinzelt auch unproduktiv gewordene Milchkühe zur Fleischproduktion gemästet. Die meisten Rinder (aller Nutzungsrichtungen) leben in Betrieben mit 200 bis 499 Tieren. Der größte Anteil der männlichen Mastrinder lebt in etwas kleineren Betrieben mit einer Herdengröße von 20-49 Rindern.

In Deutschland werden in der Rindermast in erster Linie Zweinutzungsrassen eingesetzt (d. h. Rassen, die nicht für einen einzigen Leistungszweck gezüchtet wurden, sondern – wie beispielsweise im Fall von weiblichen Rindern – sowohl für die Fleisch- als auch die Milchproduktion eingesetzt werden können; v. a. Deutsches Fleckvieh). Daneben werden sowohl Milchnutzungsrassen (v. a. männliche Tiere, die als Abfallprodukt der Milchindustrie anfallen) als auch reine Fleischrassen (v. a. Charolais und Limousin) gemästet – letztere sind anders als die (rein) milchbetonten Rassen darauf ausgerichtet, möglichst schnell möglichst viel Muskelmasse auszubilden. Die Intensivmast ausgewachsener Mastrinder dauert weniger als 400 Tage, wobei die Tiere in der Regel ein Mastendgewicht von 680 bis 750 kg erreichen. Während weibliche Mastrinder durchschnittlich 1 kg pro Tag zunehmen, wächst die Körpermasse von Bullen täglich sogar bis zu 1,5 kg.

Etwa 75 % aller Rinder (ohne Milchkühe) leben in Laufstallhaltung. Rinder sind Weichbodengänger und bevorzugen somit weiche und verformbare Böden für einen sicheren Gang. Bei der Mastbullenhaltung sind häufig jedoch noch die altmodischen Vollspaltenbodenställe anzutreffen, die lediglich mit harten Vollspaltenböden aus Beton – ohne Einstreu oder Gummibelag – ausgestattet sind. Da diese Böden sowohl den ganzen Fress- und Bewegungsbereich als auch den Liegebereich abdecken, kommt es bei den Tieren häufig zu Ausrutschen, Klauenverletzungen, Druckschäden, Liegebeulen und anderen Körperschäden. Ein ausgewachsene Bulle hat in konventioneller Haltung nur ca. 2,7 Quadratmeter Platz zur Verfügung. Um das bei dieser Enge bestehende Verletzungsrisiko zu senken, werden Rindern (sofern sie nicht hornlos gezüchtet wurden) im Kälberalter oftmals prophylaktisch die Hornanlagen entfernt (Details s. u.).

Obwohl es sich bei der Anbindehaltung um eine immer seltener werdende Haltungsform handelt, leben immer noch 18,4 % der Rinder (ohne Milchkühe) unter diesen artwidrigen Haltungsbedingungen. Bei Mastrindern wird Anbindehaltung nur gelegentlich in Milchviehbetrieben mit freien Ständen praktiziert. Über Halsrahmen oder Ketten werden die Tiere in Gittervorrichtungen festgehalten, die – im Fall des Kurzstandes – lediglich 120-140 cm lang und 70-100 cm breit sind. Permanent an ein und dieselbe Stelle gebunden, sind die Tiere nicht fähig, sich um ihre eigene Achse zu drehen, zu gehen oder natürliches Sozialverhalten mit ihren Artgenossen auszuleben. Oft haben auch Rinder in Anbindehaltung keine Einstreu zur Verfügung und müssen auf Gummimatten ruhen, wobei sie bei schlechter Pflege durch den Tierhalter in ihren eigenen Exkrementen liegen. Außerdem werden die Rinder immer großrahmiger gezüchtet und sind dadurch für alte Stallanlagen zu lang. Sie müssen dann mit den Hintergliedmaßen auf den Kotgittern oder im Mistgraben stehen, was zu pathologischen Klauenveränderungen (Druckstellen, Sohlen-Ballen-Geschwüre) führen kann.

Auslauf ins Freie bekommen die Tiere in der konventionellen Haltung meist nicht (weder in der Laufstallhaltung noch in der Anbindehaltung). Nur etwa 35 % der Rinder haben Weidegang – und das für durchschnittlich nur 6,4 Monate im Jahr. Mastbullen werden aufgrund einer erhöhten Ausbruchgefahr in der Regel nicht nach draußen gelassen.

Kälber in der Mast
© Tierschutzbilder

Die in konventionellen Milchbetrieben geborenen Kälber, die ihres Kalbfleisches wegen aufgezogen werden (überwiegend männliche Kälber), werden innerhalb von 24 Stunden nach der Geburt von ihren Müttern getrennt. Die neu geborenen Kälber erhalten die Milch dann nicht mehr aus dem Euter der Mutterkuh sondern aus Behältern mit einer Saugvorrichtung. Sie werden schnellstmöglich an Kälbermastbetriebe verkauft.

Mastkälber werden in ihren ersten Lebenswochen meist in engen Einzelboxen mit einer Länge von 160 bis 180 cm und einer Breite von ca. 100 cm gehalten. Natürlicher Kontakt zum Muttertier wird unterbunden und der Kontakt zu gleichaltrigen Artgenossen wird ihnen in dieser Zeit permanent verwehrt – nur durch die durchbrochenen Seitenwände der Boxen hindurch können sich die Kälber sehen und ansatzweise beschnuppern. Erst ab der 8. Lebenswoche ist die Gruppenhaltung von Kälbern vorgeschrieben, in der die Tiere in Buchten mit einem geringen Platzangebot von 1,5 bis 1,8 Quadratmeter pro Tier gehalten werden – in kleinen Betrieben ist aber auch für dieses Alter Einzelhaltung erlaubt.

In der konventionellen Kälbermast werden die Kälber mit Milchaustauscher (d. h. Muttermilchersatz aus Molkepulver und Wasser, häufig wird aus Kostengründen pflanzliches Eiweiß beigemischt) und Kraftfutter gefüttert. Um das besonders helle Kalbfleisch zu erhalten, werden die Jungtiere hauptsächlich mit Milchaustauschern und nur der Mindestgabe an Heu gefüttert. Ab dem 8. Lebenstag muss zwar Rauhfutter angeboten werden, dennoch erhalten viele Kälber nicht ausreichend wiederkäuergerechtes rohfaserreiches Material. Die Eisenversorgung durch den Milchaustauscher ist nur im unteren Mindestbereich vorgeschrieben und kann, da das Rauhfutter in ausreichenden Mengen fehlt, auch nicht dadurch ergänzt werden. Es gibt verschiedene Gründe warum den Tieren strukturiertes Rauhfutter nur in kleinen Mengen gefüttert wird, man möchte hauptsächlich neben der Farbe des Muskelfleisches, die Entwicklung des Pansens und der darin lebenden Mikroorganismen so wenig wie möglich fördern. Damit die Kälber nicht das Stroh aus der Einstreu fressen, werden sie meist auf Gummimatten gehalten. Diese unphysiologische Fütterungsweise bleibt bei den Jungtieren nicht ohne Konsequenzen: So zeigen viele Kälber Verhaltensauffälligkeiten wie ein unbefriedigtes Saugbedürfnis mit Zungenrollen und Gesundheitsprobleme, die unter anderem durch eine Anämie (Blutarmut) verursacht werden, sowie Labmagenläsionen. Es wurde ein Mindestgehalt an Eisen im Milchaustauscher gesetzlich vorgeschrieben.

Kälber werden innerhalb von 13 bis 16 Wochen teilweise auf mehr als das Dreifache ihres Ausgangsgewichtes gemästet. Mit einem Gewicht von 130 bis 200 kg und einem Alter von weniger als fünf Monaten sind sie schlachtreif. In Deutschland enden jedes Jahr 320.000 Kälber im Schlachthof.

* Diese Bestandszahl für Mastrinder (s. o.; Stand: Mai 2014) setzt sich folgendermaßen zusammen:

  • 986.720 Rinder 1 bis unter 2 Jahre, männlich
  • 144.238 Rinder 1 bis unter 2 Jahre, weiblich, zum Schlachten
  • 89.387 Rinder 2 Jahre und älter, männlich
  • 29.361 Rinder 2 Jahre und älter, weiblich (nicht abgekalbt) zum Schlachten
  • 682.014 sonstige Kühe
  • Darüber hinaus werden noch über 3,8 Millionen Kälber und Jungrinder gehalten, denen entweder eine Zukunft in der Fleischproduktion (Rindermast oder frühzeitige Schlachtung) oder in der Milchproduktion bevorsteht.

Ihr Beitrag wird verdoppelt

Helfen Sie jetzt, die Massen-tierhaltung abzuschaffen. Bis zum Jahresende wird Ihr Beitrag verdoppelt!

Jetzt fördern!
Initiative Transparente Zivilgesellschaft
[disabled]
[disabled]
[email]
[email]
[name]
[name]
[email]
[email]
[name]
[name]
[email]
[email]
[name]
[name]