Tieren helfen Kalb

Milchkühe

Bild Milchkühe
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Kühe sind intelligente und neugierige Tiere mit einem grundsätzlich hohen Raumbedarf: Etwa 10 Stunden pro Tag verbringen freilebende Kühe mit dem Abgrasen von Wiesen, wobei sie im langsamen Vorwärtsgang mehrere Kilometer zurücklegen und sich zwischen den Phasen der Nahrungsaufnahme niederlegen, um bereits vorverdaute Nahrung wiederzukäuen. Letzteres sorgt für eine effiziente Nahrungsverwertung. Kühe sind zudem soziale Tiere, die einen ständigen Kontakt zu ihren Artgenossen suchen. Üblich ist dabei die Bildung von Sozialverbänden, die häufig aus etwa 20 (manchmal auch aus deutlich mehr Tieren) bestehen. Diese Verbände weisen eine feste soziale Struktur mit daran angeknüpften Verhaltensregeln auf: So ist etwa die Distanz, die ein jedes Tier zu bestimmten Artgenossen einhalten muss, durch seinen Status in der Herde genau geregelt. Besonders stark ist die Bindung zwischen einer Mutterkuh und ihrem Kalb, das vom Moment der Geburt an intensiv gepflegt, vor Gefahren geschützt und genährt wird – ein Grad der Pflege, der den Tieren in der konventionellen Tierhaltung nicht einmal annähernd ermöglicht wird.

Milchkühe in Intensivtierhaltung

Milchkühe in Melkstall
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Aktuell werden in Deutschland mehr als 12,7 Millionen Rinder gehalten. Darunter sind rund 4,3 Millionen sogenannte Milchkühe*. Ein Großteil (ca. 72 %) der Milchkühe lebt in Laufstallhaltung. Am weitesten verbreitet ist hierbei die Haltung in Liegeboxenlaufställen. Dies bedeutet häufig, dass die Kühe in engen Ställen gehalten werden, die im gesamten Laufbereich oft mit Spaltenböden (d. h. Betonböden, die abwechselnd aus Betonstegen als Auftrittsfläche und schmalen Spalten als Durchlass für Kot und Harn bestehen) ausgelegt sind. Die Liegebereiche bzw. Liegeboxen sind häufig mit Bodenbelägen aus Gummi oder selten auch mit Einstreu ausgestattet. Die meisten Milchkühe leben in Betrieben mit 50 bis 99 Tieren, wobei jedem der 650–750 kg schweren Tiere nur ca. 3,5-4,0 m² Lauffläche im Stall zur Verfügung steht.

Immerhin noch 27 % aller Milchkühe leben in der nur langsam auslaufenden Anbindehaltung (meist in kleineren Betrieben mit unter 40 Tieren). Während die Kühe in Laufstallhaltung wenigstens eingeschränkt die Möglichkeit haben, sich zu bewegen, sind Milchkühe in Anbindehaltung zu fast völliger Bewegungslosigkeit gezwungen: Über Halsrahmen oder Ketten werden die Tiere in Gittervorrichtungen fixiert, die – im Fall des Kurzstandes – lediglich 140–180 cm lang und 110–120 cm breit sind. Permanent an ein und dieselbe Stelle gebunden, können die Tiere sich oft ein Leben lang nicht einmal umdrehen, gehen oder Sozialverhalten mit ihren Artgenossen ausleben. In den meisten Fällen haben auch Kühe in Anbindehaltung keine Einstreu zur Verfügung und müssen auf Gummimatten ruhen, wobei sie bei schlechter Pflege durch den Tierhalter teilweise in ihren eigenen Exkrementen liegen.

Das in der Werbung häufig präsentierte Bild von freilaufenden Kühen auf grünen Wiesen hat meist nichts mit der Realität moderner Rinderhaltung zu tun: Nur knapp 42 % aller Milchkühe werden zum Grasen auf die Weide gelassen – und das für durchschnittlich fünfeinhalb Monate im Jahr. Einige bekommen niemals in ihrem Leben eine Wiese zu sehen.

 

© ChameleonsEye - Shutterstock
© ChameleonsEye – Shutterstock

Lässt schon die Haltung von Milchkühen in den meisten Fällen und in etlichen Details viel zu wünschen übrig, so ist auch der eigentliche Prozess der Produktion von Milch in vielerlei Hinsicht fragwürdig: Da Kühe, wie andere Säugetiere auch, nur dann Milch geben, wenn sie ein Kalb geboren haben, werden sie kontinuierlich einmal im Jahr künstlich befruchtet – für eine konstant hohe Milchproduktion könnte andernfalls nicht gesorgt werden. Gemolken werden sie sowohl nach der neunmonatigen Schwangerschaft als auch während der Schwangerschaft, allein die letzten zwei Monate vor der Geburt des neuen Kalbs wird das Melken eingestellt. Was die Menge der Milch betrifft, so würden Kühe ohne den züchterischen Eingriff des Menschen nur so viel Milch produzieren, wie sie zur Ernährung ihrer Kälber benötigen – etwa 8 Liter pro Tag. Jedoch werden für die industrielle Milchproduktion zweckmäßig gezüchtete Hochleistungsrassen eingesetzt, bei denen eine Milchleistung von etwa 50 Litern (bzw. 50 kg) pro Tag keine Seltenheit mehr ist. Dominierend in Deutschland ist die Rasse Holstein. Diese gibt etwa 10.000 Liter Milch im Jahr – »Spitzentiere« erreichen jährlich sogar eine Milchleistung von über 15.000 Litern.

Durch diesen Zwang zur Höchstleistung werden die Körper der Milchkühe überlastet, was zu zahlreichen Erkrankungen führt. In der Regel sind die Kühe bereits nach vier bis fünf Jahren körperlich ausgezehrt (bzw. nicht mehr rentabel) und werden geschlachtet.

Was die neugeborenen Kälber betrifft, so werden diese bereits kurz nach ihrer Geburt von ihren Müttern isoliert, wobei die Trennung zu einer oft tage- oder sogar wochenlangen Verstörung der Tiere führt. Zweck der Trennung ist das Vorbehalten der Muttermilch vornehmlich für den menschlichen Verzehr – die Kälber selbst werden fortan oft mit Milchaustauscher (einem Gemisch u. a. aus Molkepulver) gefüttert. Während den weiblichen Kälbern in der Regel eine Zukunft als Milchkuh bevorsteht, erwartet die männlichen Tiere meist die Kälbermast (d. h. ein kurzes Leben meist isoliert von Artgenossen in einer engen Box) oder die Rindermast.

* Zu dieser Milchkuhbestandszahl kommen noch 1,8 Millionen Färsen (weibliche Rinder, die noch kein Kalb geboren haben) im Alter von 1 bis unter 2 Jahren sowie 754.000 Färsen im Alter von 2 Jahren und älter hinzu – diese Tiere dienen als Nachkommen zur Ergänzung des Milchviehbestandes. Darüber hinaus werden noch über 3,9 Millionen Kälber und Jungrinder gehalten, denen entweder eine Zukunft in der Milch- oder Fleischproduktion bevorsteht.

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