Tieren helfen Kalb

Milchkühe

Kühe auf einer Weide
© Aleksandra H. Kossowska – Shutterstock

Rinder sind intelligente Tiere, die ihre Umgebung neugierig erforschen wollen. Sie laufen in freier Natur täglich mehrere Kilometer für die Nahrungsaufnahme und legen sich zwischendurch nieder, um wiederzukäuen. Rinder sind sehr soziale Tiere. Unter naturnahen Bedingungen bilden sie Familienverbände, die aus Muttertieren (Kühen) und ihrem Nachwuchs bestehen. Erwachsene männliche Tiere (Bullen) schließen sich ihrerseits zu Herden zusammen. In den Gruppen herrschen klare Verhaltensregeln: So ist etwa die Distanz der Tiere zueinander durch deren Status in der Herde geregelt.

Die Bindung zwischen der Mutterkuh und ihrem Kalb ist besonders stark. Sie pflegt es intensiv, schützt es vor Gefahren und ernährt es mit ihrer Milch. Die enge Mutter-Kind-Bindung bricht nie ganz ab. In konventioneller Tierhaltung werden Mutter und Kalb kurz nach der Geburt getrennt und ihnen jeglicher Kontakt zueinander verwehrt.

Milchkühe in Intensivtierhaltung

Aktuell leben in Deutschland knapp
Rinder. Darunter sind rund
Kühe für die Milchproduktion. 2015 »produzierten« die deutschen Milchkühe schätzungsweise 33 Millionen Tonnen Milch – fast ein Viertel der Gesamtmenge in der EU. Für die Haltung von Rindern gibt es hierzulande immer noch keine besonderen gesetzlichen Regelungen außer den allgemeinen Bestimmungen der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung und des Tierschutzgesetzes. Lediglich für die Haltung von Kälbern gelten spezielle Anforderungen.

Laufstallhaltung

In Deutschland lebt ein Großteil (ca.
) der Milchkühe in der Laufstallhaltung. Der Stall ist in Fress-, Liege- und Melkbereiche eingeteilt, dazwischen dienen sogenannte Verkehrsflächen oder Laufgänge der Fortbewegung. Auslaufflächen, die den Kühen durchgehend oder zumindest stundenweise zur Verfügung stehen, sind nicht immer vorhanden.

In der Stallmitte befindet sich der Futtergang. Um an das Futter zu gelangen, müssen die Kühe ihren Kopf durch Metallstangen (»Fressgitter«) stecken. Die Liegeboxen befinden sich nur wenige Schritte davon entfernt und sind mit Gummimatten oder Einstreu versehen. Metallbügel grenzen die Boxen zueinander ab, sodass sich die Kühe nicht quer hinlegen können. Weitere sogenannte Liegeboxelemente verhindern, dass die Tiere zu weit in die Box treten können und auf die Liegefläche koten. Diese Elemente können jedoch zu Verletzungen führen (s. u.).

Kühe Laufstall
© Compassion in World Farming

Der »Verkehrsbereich« im Stall besteht aus Beton oder Gussasphalt und kann perforiert sein (Spaltenboden). Kot und Urin verunreinigen die Böden und machen den Laufgang rutschig. Um nicht auszurutschen und sich zu verletzen, laufen die Kühe im Stall nur wenig umher und bewegen sich vorsichtig. Teils reinigen automatische Mistschieber die Laufgänge von Zeit zu Zeit. Doch die Kühe müssen erst lernen, über die Schieber hinwegzusteigen. Gerade junge und unerfahrene Tiere können sich dabei stark verletzen. Die automatischen Entmistungsanlagen können sogar lebensbedrohlich sein, wenn sie etwa am Boden liegende geschwächte Tiere oder unvorhergesehen im Laufstall geborene Kälber in den Gülleabfluss schieben.

Auch wenn Laufställe auf den ersten Blick großräumig wirken, sind sie für die darin lebenden Rindergruppen verhältnismäßig klein. Dominante Kühe können die Durchgänge versperren, den rangniederen fehlen dann Ausweichmöglichkeiten. Die Bewegungsfreiheit ist außerdem auf die relativ schmalen Laufgänge beschränkt, deren Enge Aggressionen unter den Kühen begünstigen kann.

Anbindehaltung

Kühe Anbindehaltung
© LightCooker – Shutterstock
Nach jüngster Zählung aus dem Jahr 2010 leben noch
aller Milchkühe in der nur langsam auslaufenden Anbindehaltung. Die Tiere sind dabei über Halsrahmen, Gurte oder Ketten um den Hals fixiert und stehen im sogenannten Anbindestand. Wesentliche Verhaltensweisen wie das Bewegungs-, Sozial- und Komfortverhalten sind darin stark eingeschränkt oder gänzlich verhindert (s. u.).

Im Anbindestand fallen der Fress- und Liegeplatz räumlich zusammen, was dem Verhalten von Rindern zuwiderläuft. Im Kopfbereich befinden sich der Futtertrog und eine Tränkanlage. Bei niedrig angebrachten Trögen entwickeln die Kühe aufgrund der chronischen Muskelüberdehnung beim Fressen eine Fehlstellung der Vordergliedmaßen, eine zusätzliche Belastung für die angebundenen Tiere.

Am hinteren Ende des Anbindestands fließen die Exkremente über einen Mistgang oder durch ein Gitterrost in einen darunter liegenden Güllekanal. Viele angebundene Kühe müssen mit ihren Hinterbeinen auf dem vollgekoteten Gitterrost oder Mistgang stehen, da sie zu groß für die veralteten Anbindestände sind. Schmerzhafte Druckstellen und Geschwüre an den Klauen sind die Folge. Im Liegen befindet sich das Euter außerdem ständig in den Exkrementen. Diese Verschmutzung begünstigt langwierige und schmerzhafte Eutererkrankungen.

Weidehaltung

Laut Statistischem Bundesamt erhalten in Deutschland nur knapp
aller Milchkühe Zugang zu einer Weide, häufig nur in den Sommermonaten. Der Wissenschaftliche Beirat für Agrarpolitik beim Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (WBA beim BMEL) stellt jedoch fest, dass möglicherweise schon der alleinige Zugang zu einem Laufhof als Weidehaltung angegeben wird.

Auf der Weide können Rinder am ehesten ihr natürliches Verhalten zeigen. Aufgrund der intensiven Milchproduktion hat sich dennoch überwiegend die ganzjährige Stallhaltung durchgesetzt, im Englischen auch »zero-grazing management« genannt. Dabei bleibt unbeachtet, dass vor allem die freie Wahl zwischen Innen- und Außenbereich für das Wohlbefinden der Rinder zuträglich ist. Je nach Wetterlage, Jahres- und Tageszeit bevorzugen Rinder mal das eine oder das andere. Aktuelle Untersuchungen lassen sogar erkennen, dass Kühe eine hohe Motivation haben, auf eine Weide zu gehen. Dabei ist Hunger weniger entscheidend als das Bedürfnis draußen zu sein und vor allem gemächlich zu grasen. Das dient nicht nur der Nahrungsaufnahme der Tiere, sondern auch ihrer Beschäftigung.

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