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Schnabelkürz-Ausstieg gerettet

Schnabelkürzen beendenSeit dem Jahr 2010 setzen wir uns intensiv für den Ausstieg aus dem Schnabelkürzen bei Legehennen ein. Das Schnabelkürzen wird durchgeführt, weil die heute üblichen Haltungsbedingungen so schlecht sind, dass die Hennen Verhaltensstörungen entwickeln. Sie picken sich dann gegenseitig die Federn aus, oder es kommt zum sog. Kannibalismus, bei dem sie sich gegenseitig verletzen oder sogar töten.

Anstatt die Haltungsbedingungen zu verbessern, werden den Hühnern direkt nach dem Schlüpfen die Schnabelspitzen entfernt. Dieser Eingriff wird ohne Schmerzbehandlung durchgeführt und kann lebenslange Leiden verursachen. Die Verhaltensstörungen bekommt man so nicht in den Griff, aber durch die stumpfen Schnäbel kommt es zu deutlich weniger Verletzungen.

Wir fordern deshalb, dass die Haltungsbedingungen den Bedürfnissen der Hennen angepasst werden. So würde es nicht mehr zu Verhaltensstörungen kommen und der Grund fürs Schnabelkürzen würde entfallen.

Mit unserem Papier zum Schnabelkürz-Ausstieg haben wir wesentlich dazu beigetragen, dass das Thema in den letzten Jahren vom Lebensmitteleinzelhandel und von der Politik thematisiert und angegangen wurde. Es folgten drei Ereignisse, die uns äußerst positiv gestimmt haben:

  • Das Thema wurde in den niedersächsischen Tierschutzplan aufgenommen und Christian Meyer, seit 2013 Landwirtschaftsminister in Niedersachsen, erklärte, das Schnabelkürzen bis Ende 2016 auslaufen zu lassen.
  • Der Verein KAT, dem fast alle Hennenhalter in Deutschland sowie viele in den Niederlanden und anderen EU-Ländern angeschlossen sind, erklärte, ab Anfang 2017 das Schnabelkürzen nicht mehr zuzulassen.
  • Der Zentralverband der deutschen Geflügelwirtschaft (ZDG) und der Bundesverband Deutsches Ei (BDE) erklärten gemeinsam mit dem Bundeslandwirtschaftsministerium, dass ab Anfang 2017 keine schnabelgekürzten Hennen mehr eingestallt werden.

Doch dann wurde es problematisch

Kurz nach der Freude setzte jedoch Ernüchterung ein. ZDG und BDE war es gelungen, in der Ausstiegserklärung an entscheidender Stelle ein »regelmäßig« zu platzieren. So sollte nur »regelmäßig« aufs Schnabelkürzen verzichtet werden. Mit anderen Worten: Ausnahmen sind möglich und unproblematisch. Da die Tierindustrie Ausnahmen sehr oft zur Regel macht, wurde die gemeinsame Erklärung mit dem Bundeslandwirtschaftsministerium praktisch wertlos.

Das wäre verkraftbar gewesen, wenn KAT nicht eine Rolle rückwärts gemacht hätte: Mit Friedrich-Otto Ripke wurde ein neuer Vorsitzender aus der Geflügellobby gewählt und auch in der Geschäftsführung wurde ein Wechsel vorgenommen (der bisherige Geschäftsführer hatte den Ausstieg aus dem Schnabelkürzen vorangebracht). Vom Schnabelkürz-Ausstieg im Jahr 2017 war auf einmal keine Rede mehr – im Gegenteil: Der Vorsitzende Ripke trat sowohl öffentlich als auch hinter den Kulissen stark auf die Bremse.

Hilfe aus dem Lebensmitteleinzelhandel

Glücklicherweise wurde uns in Gesprächen mit den Supermarktketten und Discountern durchgehend versichert, dass man am Schnabelkürz-Ausstieg festhalten wolle. Aldi Süd und Rewe wurden aus unserer Sicht besonders aktiv: Aldi Süd kündigte eigene Kontrollen an und Rewe forderte KAT öffentlich dazu auf, den Ausstieg aus dem Schnabelkürzen (wieder) auf die Agenda zu setzen. Beide Vorgänge sind äußerst unüblich und sehr zu begrüßen.

Rettung des Schnabelkürz-Ausstiegs

Wie erhofft hat der Druck aus dem LEH Wirkung gezeigt: KAT hat den Ausstieg aus dem Schnabelkürzen kürzlich wieder zur Pflicht erklärt. Ab dem 1. September 2018 dürfen im KAT-System nur noch Eier von Hennen mit intakten Schnäbeln vermarktet werden. Das betrifft alle Eier, die in Supermärkten und Discountern verkauft werden sowie viele Eier, die verarbeitet werden.

Was auf den ersten Blick wie eine Terminverschiebung um fast zwei Jahre wirkt, ist im Grunde kaum eine Verschiebung, denn um die »Eierproduktion« bis September 2018 umzustellen, muss das Schnabelkürzen Anfang 2017 beendet werden (nach dem Schlupf werden die Hennen einige Monate lang aufgezogen, bis die Hennen eingestallt werden, und dann legen sie etwas mehr als ein Jahr lang Eier, bevor ihre »Legeleistung« abnimmt und sie geschlachtet werden).

Auf das Wie kommt es an

Noch ist ein wesentlicher Punkt weitgehend offen: Wird es zu einem Billig-Ausstieg aus dem Schnabelkürzen kommen, bei dem man die Auswirkungen der Verhaltensstörungen der Hennen vor allem dadurch begrenzt, dass man die Ställe verdunkelt (die Hennen sind dann weniger aggressiv, allerdings leiden sie unter einer dauerhaften Verdunkelung)? Oder kommt es zu einem echten Ausstieg, bei dem höhere Mindeststandards für die Haltung festgelegt werden, sodass es gar nicht erst zu Verhaltensstörungen kommt? Letzteres ist nicht ganz billig: Die Hennen benötigen mehr Beschäftigungsmaterial, besseres Futter, bessere Luft etc. – die Diskussion darüber, dass dafür die Eierpreise steigen müssen, befindet sich allerdings noch in den Anfängen.

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