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Insekten als Nahrungsmittel?

Grashuepfer
© realworhard – Pixabay

Der Konsum von Tierprodukten verursacht gravierende Umweltprobleme und ist zudem für die Sicherung der Welternährung höchst problematisch. In der Diskussion um mögliche Lösungswege wird immer häufiger auf Insekten verwiesen: Als Nahrungsmittel für den Menschen sowie als Futtermittel für die sogenannten Nutztiere sollen sie ressourcenschonend Proteine liefern. Wir fassen zusammen, was dahintersteckt und zeigen eine Alternative auf, die eigentlich auf der Hand liegt.

Vorteile von Insekten als Nahrungsmittel

Tatsächlich hat die Nutzung von Insekten als Nahrungs- und Futtermittel gegenüber anderen Tierprodukten Vorteile: Befürworter argumentieren vor allem mit der effizienten Nutzung von Ressourcen und mit ökologischen Überlegungen. Um ein Kilogramm Grillen zu züchten, müssen lediglich 1,7 kg Futtermittel bereitgestellt werden. Damit sind die Insekten bei der »Umwandlung« von Futtermitteln in essbare Anteile etwa doppelt so effizient wie Hühner, mindestens viermal so effizient wie Schweine und zwölfmal effizienter als Rinder. Außerdem verursacht die Zucht von Insekten deutlich weniger Treibhausgase und Ammoniak als die der heute gehaltenen »Nutztiere«. Für Insekten benötigt man zudem bedeutend weniger Wasser.

Pflanzliche Ernährung packt Probleme an der Wurzel

Insekten mögen effizienter sowie ökologischer als Schweine-, Rinder- und Hühnerfleisch und zudem hervorragende Proteinlieferanten sein – doch was ist mit pflanzlichen Nahrungsmitteln? Sinnvoller ist es, pflanzliche Ressourcen direkt für die menschliche Ernährung bereitzustellen. So lassen sich prinzipiell mehr Menschen ernähren als über den Umweg »Nutztier« bzw. »Insekt«. Auch auf den Klimawandel würde sich eine weit verbreitete pflanzliche Ernährung äußerst positiv auswirken, wie kürzlich Forscher der Universität Oxford bestätigt haben.

Den Einsatz als Futtermittelalternative dürfte der ökonomische Aspekt derweil noch bremsen: 1 kg Protein aus Mehlwürmern kostet derzeit 31 €. Eine entsprechende Menge Sojamehl schlägt mit lediglich 0,62 € zu Buche. Der Preis für Insektenprotein könnte zwar fallen, wenn sich die Industrie weiterentwickelt. Da die Branche noch in den Kinderschuhen steckt, dürften aber zuvor kostenintensive Investitionen in Forschung und Entwicklung nötig sein.

Ungeklärte ethische Fragen

Es ist nach wie vor ungeklärt, ob bzw. in welchem Ausmaß Insekten dazu fähig sind, Schmerzen und Leiden zu empfinden. Belegt ist jedoch beispielsweise, dass Fruchtfliegen Stromstöße vermeiden. Von Bienen und Ameisen wissen wir, dass sie ausgeprägte kognitive Fähigkeiten besitzen. In einem Bericht der FAO heißt es deshalb: »Bis eindeutige Beweise dafür gesammelt wurden, dass Insekten Schmerz fühlen, [wird vorgeschlagen,] dass Insekten als Vorsichtsmaßnahme der ‘Vorteil des Zweifels’ zugestanden werden sollte.« Es solle daher darauf geachtet werden, Insekten ihren Bedürfnissen entsprechend zu halten. Darüber hinaus »sollten sie in einer Art und Weise getötet werden, dass Leiden minimiert wird«. Wie das in der Praxis gelingen soll, ist völlig unklar und wird nach unserem Kenntnisstand auch nicht oder kaum berücksichtigt.

Risiko für AllergikerInnen

Werden neue Lebensmittel mit Insekten zugelassen, steigt das Risiko für AllergikerInnen. Darauf weist Kitty Verhoeckx, ehemaliges Mitglied der EFSA Fokusgruppe für Lebensmittelallergien, hin: »Wir brauchen für jedes neue Insekt, das auf unseren Speiseplan kommt, eine neue Untersuchung«. Insekten könnten demnach allergische Reaktionen bei Personen hervorrufen, die bereits auf Garnelen und Hausstaubmilben allergisch reagieren. Auch neue Allergien könnten sie auslösen.

Proteinversorgung sicherstellen

Die Diskussion um Insekten als Nahrungs- und Futtermittel geht häufig von der Prämisse aus, es fehle der Welt an Protein. Tatsächlich sind die heutigen Industrienationen aber mit Protein überversorgt. Beispielsweise gibt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) an, dass die Proteinzufuhr in Deutschland in allen Altersklassen deutlich über dem empfohlenen Wert liegt. In den USA nehmen die meisten Erwachsenen doppelt so viel Protein zu sich wie empfohlen.

Im globalen Zusammenhang ist das Thema allerdings differenzierter zu betrachten, denn in einigen Regionen der Erde ist eine Unterversorgung mit Kalorien und Nährstoffen ein reales Problem. Dort geht es darum, dass die Menschen mehr und vielfältigere Lebensmittel erhalten. Der vermehrte Verzehr von Insekten könnte hier einer von mehreren Wegen sein, um die Versorgungssituation zu verbessern.

Fazit – Insekten hierzulande keine Lösung

Insekten für die menschliche Ernährung sind hierzulande nicht geeignet, um die Probleme unserer Ernährung zu lösen. Tierschutzfragen in der Insektenzucht sind zudem völlig ungeklärt. Außerdem bleibt die Haltung von Schweinen, Rindern und Hühnern in den allermeisten Fällen ineffizient und ökologisch problematisch, auch wenn sie vermehrt mit Insekten statt mit Soja oder Getreide gefüttert werden. Auch lösen Insekten als Futtermittel nicht die massiven Gesundheitsprobleme, die durch den verbreitet hohen Verzehr tierlicher Produkte bedingt sind. Und in den meisten Regionen dürfte der direkte Verzehr pflanzlicher Nahrungsmittel dem von Insekten ökologisch mindestens ebenbürtig sein – und zwar ohne die ethischen Fragen der Zucht und des Tötens von Insekten aufzuwerfen.

(rp)

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