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Aldi Nord erweitert Tierschutzpolitik

Tierwohlrichtlinie Aldi Nord
© Aldi Nord

Aldi Nord hat sich und seinen Geschäftspartnern mit seiner »Tierwohl-Einkaufspolitik« für Deutschland einen »verbindlichen Handlungsrahmen« gegeben. Das 21-seitige Dokument ergänzt und konkretisiert die Inhalte der internationalen Einkaufspolitik.

Gleich zu Anfang der Einkaufspolitik stellt Aldi Nord klar, nur mit solchen Geschäftspartnern zusammenzuarbeiten, die im Einklang mit der Richtlinie agieren. Andernfalls werden Verbesserungsmaßnahmen entwickelt oder Sanktionen bis hin zur Beendigung der Geschäftsbeziehung verhängt. Zum ersten Mal erwähnt Aldi Nord dabei sein »Tierwohl-Team«.

Allgemeine Maßnahmen und Ziele von Aldi Nord

Einige der neuen allgemeinen Maßnahmen sind:

  • Einsatz gegen die über das therapeutische Maß hinausgehende Verwendung von Antibiotika,
  • keine Produkte von gentechnisch veränderten Tieren und deren Nachfahren,
  • keine Produkte von exotischen und bedrohten Tierarten,
  • das Ziel, den Anteil tierlicher Bio-Produkte in Abhängigkeit von Nachfrage und Verfügbarkeit zu erhöhen,
  • das Ziel, dass mit Schmerzen verbundene Eingriffe am Tier nur mit wirksamer Betäubung vorgenommen werden.

Bereits in der Tierschutzpolitik von 2016 hat Aldi Nord erklärt, auf Pelz, Angorawolle, Kaninchenfleisch sowie auf Wachteln und Wachteleier zu verzichten.

Maßnahmen und Ziele zu einzelnen Tierarten

Bei Hähnchen– und Putenfleisch setzt Aldi Nord ausschließlich auf die CO2-Betäubung und verzichtet damit auf Methoden wie die Betäubung im Elektrowasserbad, die besonders häufig zu Fehlbetäubungen führt. Außerdem zahlt das Unternehmen für jedes verkaufte Kilogramm Geflügelfleisch und -wurst vier Cent an die »Initiative Tierwohl« – ab 2018 sind es 6,25 Cent. Mit diesen Beträgen werden kleine Verbesserungen wie die Gabe von etwas Beschäftigungsmaterial und ein bisschen mehr Platz umgesetzt.

Bei verarbeiteten Eiern will Aldi Nord spätestens bis 2021 komplett auf die Verwendung von Käfigeiern verzichten (bereits größtenteils umgesetzt). Im Laufe dieses Jahres will man zudem nur noch Eier von Hennen verkaufen, denen die Schnäbel nicht gekürzt wurden.

Das Unternehmen engagiert sich zudem in einem kleinen Projekt, in dem die Brüder der Legehennen nach dem Schlüpfen nicht getötet sondern gemästet werden.

Auch für jedes verkaufte Kilogramm Schweinefleisch zahlt Aldi Nord 4 bzw. bald 6,25 Cent an die »Initiative Tierwohl«. Seit Anfang des Jahres verzichten die Lieferanten zudem für Frischfleisch auf die Kastration von Ferkeln (außer bei Bio-Fleisch).

Als Ziele hat man sich gesetzt, nach Möglichkeiten zu suchen, die Haltung von Sauen zu verbessern sowie zu prüfen, ob das Hormon PMSG komplett aus europäischen oder synthetischen Quellen bezogen werden kann.

Bei Rinderfrischfleisch hat Aldi Nord umgesetzt, dass keine Rinder mehr im letzten Trächtigkeitsdrittel geschlachtet werden. Das Unternehmen verkauft auch einige Molkereiprodukte, welche die Einstiegskriterien des deutschen Tierschutzbunds erfüllen und/oder für deren Erzeugung Kühe Auslauf erhalten.

Das Unternehmen setzt sich zudem das Ziel, zu prüfen, ob man für Frischfleisch komplett auf die Schlachtung trächtiger Rinder verzichten kann. Außerdem soll festgestellt werden, wann man die ganzjährige und temporäre Anbindehaltung von Rindern beenden kann. Darüber hinaus prüft Aldi Nord, den Anteil von Molkereiprodukten mit erhöhten Tierschutzstandards auszuweiten.

Kontrollen

Aldi Nord kündigt an, die folgenden beschlossenen Ausschlüsse bis Ende 2018 stichprobenartig durch eigene oder externe Audits zu überprüfen: Käfigeier in verarbeiteten Produkten, Ferkelkastration, Schlachtung trächtiger Rinder sowie Lebendrupf/Stopfmast bei Gänsen und Enten.

Mehr Initiativen

Der Discounter gibt an, sich bereits in verschiedenen Projektgruppen zu engagieren und will dies ausweiten. Er befürwortet den Gedanken, weitere Tierarten in die »Initiative Tierwohl« (ITW) aufzunehmen und will die Anforderungen der ITW laufend weiterentwickeln. Konkret will er auch die Zusammenarbeit mit Lieferanten ausweiten, um z. B. bei den Themen Schlachtung tragender Rinder, Enthornung von Rindern und dem Schwanzkupieren bei Schweinen Fortschritte zu machen.

Proaktiver Dialog

Das Unternehmen will das Bewusstsein seiner Kunden für Tierschutzthemen steigern und das Thema über verschiedene Kanäle kommunizieren. Zudem informiert der Discounter seine Mitarbeiter und schult seine Einkäufer.

Aldi Nord gibt an, im regelmäßigen Austausch mit Tierschutzorganisationen zu stehen und nennt insbesondere die Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt, den Deutschen Tierschutzbund, Compassion in World Farming sowie Vier Pfoten.

Vegetarisch/veganer Bereich

In diesem Bereich hat Aldi Nord die Eigenmarke »Mein Veggie Tag« eingeführt. Der Discounter fordert zudem seine Lieferanten auf, auf vermeidbare Kleinstmengen tierlicher Inhaltsstoffe zu verzichten.

Das Ziel des Unternehmens ist, das Angebot an vegetarischen und veganen Produkten in Abhängigkeit der Nachfrage weiter auszubauen sowie die Zahl der mit dem V-Label zertifizierten Produkte zu erweitern.

Im Non-Food-Bereich betont Aldi Nord, regelmäßig Produkte aus Lederalternativen anzubieten. Im Kosmetik- und Körperpflegesegment bietet der Discounter zudem vegane Produkte an, die ab Herbst mit der Veganblume der Vegan Society gekennzeichnet werden.

Tierschutzstandards im Non-Food-Bereich

Bei Kosmetik verzichtet Aldi Nord auf Nerzöl; bei Daunen und Federn steigt das Unternehmen schrittweise auf die Zertifizierungen »Responsible Down Standard«, »Global Traceble Down Standard« oder »Downpass« um. Für Schafswolle prüft das Unternehmen die Umstellung auf den »Responsible Wool Standard«. In der »Leather Working Group« will Aldi Nord gemeinsam mit anderen Unternehmen den Tierschutz in der Lederproduktion stärker berücksichtigen.

Zwischenfazit zur Richtlinie

Aldi Nord lässt dem Tierschutz zweifelsohne eine stetig wachsende Bedeutung zukommen. Das zeigt zum einen die Etablierung eines eigenen Teams für diesen Bereich. Zum anderen hat das Unternehmen seine Einkaufspolitik im Vergleich zum Vorjahr deutlich ausgebaut. Zweifelsohne hat der Discounter, genauso wie der restliche Lebensmitteleinzelhandel, noch einen weiten Weg vor sich. Die Richtung stimmt allerdings und das Tempo ist angesichts der vielen und teils komplexen Baustellen beachtlich – insbesondere dann, wenn der Discounter seine neu gesetzten Ziele erreicht.

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