Tierschutzkennzeichnung, aber richtig!

Die Bundesregierung will noch in diesem Jahr eine verbindliche Haltungskennzeichnung für Fleisch einführen. Die nun vom Landwirtschaftsministerium vorgelegten Eckpunkte für die Kennzeichnung sind allerdings eine herbe Enttäuschung. Strenge Vorgaben für den Tierschutz? Fehlanzeige!

Produkte aus Qualzüchtungen und -haltungen dürfen nicht auch noch mit einem staatlichen »Tierwohllabel« ausgezeichnet werden. Wir appellieren an Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir, eine wirkungsvolle Kennzeichnung einzuführen, die maßgeblich zu einem höheren Mindeststandard beiträgt und deren Kriterien den gesamten Lebenszyklus der Tiere umfassen. Unterschreiben Sie jetzt unsere Petition und fordern Sie mit uns, dass die Kennzeichnung ein echter Fortschritt für den Tierschutz wird.

Appelltext

Sehr geehrter Herr Bundesminister Özdemir,

Ihre geplante Tierhaltungszkennzeichnung droht ein Desaster zu werden und tierquälerische Praktiken selbst in den höchsten Stufen noch zu erlauben. Dabei könnte eine gut umgesetzte und durchdachte Kennzeichnung für Fleisch und andere Tierprodukte ein Meilenstein für den Tierschutz werden und Transparenz für Verbraucher:innen schaffen. Diese Chance verspielen Sie jedoch gerade.

Die Eckpunkte für Ihre Kennzeichnung orientieren sich in großen Teilen an der »Haltungsform«-Kennzeichnung des Einzelhandels. Doch das System hat gravierende Mängel: Die Stufen sagen nichts über das Wohlergehen der Tiere aus und sind pure Augenwischerei.

Im Koalitionsvertrag versprachen Sie noch eine Kennzeichnung, die auch den Transport und die Schlachtung umfasst. Mittlerweile ist nur noch von einer reinen Haltungskennzeichnung die Rede – das ist nicht akzeptabel. Bereiche mit massiven Tierschutzproblemen dürfen nicht einfach ausgeklammert werden. Auch dass die Kennzeichnung zunächst nur für unverarbeitetes Schweinefleisch gelten soll, kritisieren wir.

Wir fordern eine zukunftsorientierte Kennzeichnung, die tatsächlich für mehr Tierschutz und deutlich weniger Leid sorgt. Für die Haupttierarten müssen wenigstens folgende Punkte erfüllt sein:

  • Hühner: Bei der Mast von Hühnern müssen mindestens die Kriterien der Europäischen Masthuhn-Initiative umgesetzt werden.
  • Schweine: Vollspaltenböden, Kastenstände, Abferkelbuchten und CO2-Betäubung müssen verboten werden.
  • »Milchkühe«: Alle Kriterien der Prioritäten zur Erhöhung des Tierschutzniveaus in der Milchkuhhaltung müssen berücksichtigt werden. Zu diesen vom Bündnis für Tierschutzpolitik vorgelegten Punkten zählt zum Beispiel die Abschaffung der Anbindehaltung sowie ein Verbot der Schlachtung schwangerer Tiere.
  • Puten benötigen Möglichkeiten zum Staubbaden und Aufbaumen sowie lockere und trockene Einstreu. Dunkelhaltung und die Betäubung per Elektrowasserbad müssen verboten werden.
  • Qualzüchtungen, Amputationen und lange Transporte gehören bei allen Tierarten unterbunden. Zudem benötigen die Tiere ausreichendes Beschäftigungsmaterial und mehr Platz.

Die Kennzeichnung muss zudem den gesamten Lebenszyklus von der Haltung der Elterntiere bis hin zur Schlachtung berücksichtigen. Zudem muss sie alle Fleisch- und Milchprodukte betreffen. Das umfasst auch verarbeitete und importierte Produkte sowie alle Branchen der Lebensmittelwirtschaft – nicht nur den Lebensmitteleinzelhandel.

Eine Tierschutzkennzeichnung entbindet Sie und die Bundesregierung im Übrigen nicht von der Pflicht, den gesetzlichen Mindeststandard anzuheben.

Wir freuen uns, dass Sie in Ihrer Regierungserklärung bekräftigen, das »ausbeuterische System« der Massentierhaltung nicht weiter hinzunehmen. Als selbsternannter »oberster Tierschützer dieses Landes« haben Sie jetzt die Chance, wirklich etwas zu bewegen. Wiederholen Sie nicht die Fehler Ihrer Vorgängerin, sondern schützen Sie die Tiere und schaffen Sie Transparenz gegenüber den Verbraucher:innen.

Sorgen Sie mit Ihrer Kennzeichnung dafür, dass die schlimmsten Zustände innerhalb Ihres Systems abgeschafft werden und verhindern Sie, dass Ihre Kennzeichnung besonders tierquälerische Praktiken womöglich noch legitimiert.

Mit freundlichem Gruß

(Name, PLZ und Ort)

Hintergrund

Massentierhaltung stößt zunehmend auf Ablehnung – im Supermarkt wird den Verbraucher:innen deshalb weisgemacht, dass viele Fleischprodukte »Tierwohlkriterien« erfüllen würden. Die Kriterien sind aber in Wahrheit völlig unzureichend. Eine staatliche Tierschutzkennzeichnung kann den Verbraucher:innen helfen – vorausgesetzt, sie schafft echte Transparenz und sorgt durch strenge Kriterien für deutlich weniger Leid während des gesamten Tierlebens.

Wir begrüßen deshalb, dass die Bundesregierung 2022 eine verbindliche Kennzeichnung einführen will. Das vorgestellte Fünf-Stufen-Konzept lässt jedoch auf eine mangelhafte Umsetzung schließen, die das Leid der Tiere kaum reduzieren wird.

Das Landwirtschaftsministerium orientiert sich auf Drängen der »Initiative Tierwohl«, des Lebensmitteleinzelhandels und der Agrarlobby offenbar an dem problematischen »Haltungsform«-System der großen Supermarktketten. Doch die »Haltungsform«-Kennzeichnung unterscheidet sich in der zweiten Stufe kaum vom gesetzlichen Mindeststandard (Stufe 1) und erlaubt selbst in den höchsten Stufen Qualzucht, Amputationen und besonders tierquälerische Schlachtmethoden. Klar ist: Das Label ist kein Tierschutzkennzeichen. Die Stufen »Stall« und »StallhaltungPlus« haben außerdem nur einen geringen Aussagewert – dennoch plant die Regierung diese Bezeichnungen zu übernehmen. Transparenz sucht man hier vergeblich. Die zusätzliche Bio-Stufe blendet aus, dass der EU-Bio-Standard nur minimal mehr Tierschutz bedeutet. Das Stufen-Konzept geht vollkommen an den tatsächlichen Bedürfnissen der Tiere vorbei. So wird das Label der Bundesregierung mehr Schein als Sein.

Auch die längst etablierte staatliche Eierkennzeichnung hat beim Kaufverhalten zwar Wirkung gezeigt, konnte gravierende Tierschutzprobleme in der Hennenhaltung jedoch nicht beseitigen: Qualzüchtungen, Schnabelamputationen, Knochenbrüche sind trotz Kennzeichnungen auch in den höheren Stufen Alltag. Dazu kommt das noch immer nicht gelöste »Problem« der männlichen Küken.

Unsere Forderungen orientieren sich an den Bedürfnissen der Tiere – und dem, was wir derzeit für durchsetzbar halten:

  • In Europa unterstützen bereits über 300 Unternehmen die Europäische Masthuhn-Initiative – eine Orientierung an dieser würde folglich auch bei der europaweiten Akzeptanz einer EU-Tierschutzkennzeichnung helfen. Die Kriterien der Initiative liegen über dem tierschutzrechtlichen Mindestniveau und auch über den Standards der »Initiative Tierwohl«.
  • Nach der erfolgreichen Europäischen Bürgerinitiative End the Cage Age hat die EU-Kommission außerdem ein EU-weites Käfigverbot angekündigt. Ein Verbot von Kastenständen, Abferkelbuchten und der Anbindehaltung ist auch deshalb ein logischer Schritt bei der Einführung einer Tierschutzkennzeichnung.
  • Qualzüchtungen, Qualhaltungen, Vollspaltenböden und Amputationen gehören zu den routinemäßigen Verstößen gegen das Tierschutzrecht. Diese Praktiken gehören beendet und haben in einem Kennzeichnungssystem nichts zu suchen.

Eine gut umgesetzte Kennzeichnung ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zum Umbau der Tierhaltung und zur Reduzierung der Tierbestände. Daher muss die Regierung jetzt klug handeln und darf keine faulen Kompromisse machen. Tierschutz darf nicht mehr auf die lange Bank geschoben, Verbraucher:innen nicht weiter getäuscht werden.

Möchten auch Sie, dass die geplante Tierschutzkennzeichnung einen deutlichen Mehrwert für die Tiere bedeutet? Dann setzen Sie sich noch heute mit uns für die Tiere ein und unterschreiben Sie unsere Petition.

Was kann ich darüber hinaus tun?

Klicken Sie, wenn Sie Ihre Unterschrift per E-Mail bestätigen, auf den grünen Button (»auf dem Laufenden bleiben«). Dann informieren wir Sie rechtzeitig über die nächsten Möglichkeiten zum Protest gegen Tierleid.

Möchten Sie noch mehr gegen Massentierhaltung tun? Streichen Sie Tiere von Ihrem Speiseplan und entdecken Sie die Vielfalt pflanzlicher Ernährung. Melden Sie sich einfach zur kostenlosen Vegan Taste Week an und probieren Sie es aus.

Datenschutz

Ihre Daten (Name, PLZ und Ort, aber nicht Ihre E-Mail-Adresse) übergeben wir nach Abschluss der Petition an die zuständigen Politiker:innen. Wir verwenden Ihre Daten ausschließlich für die Petition und löschen sie spätestens drei Monate nach Beendigung der Aktion. Es sei denn, Sie erlauben uns, dass wir Sie weiter über unsere Arbeit informieren. (Vollständige Datenschutzerklärung)

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