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Massentierhaltung und Epidemien: Geflügelpest

Enten
© worradirek – Shutterstock

Im Schatten von Coronavirus und Afrikanischer Schweinepest grassiert derzeit ein weiteres tödliches Virus in Deutschland: die Vogelgrippe oder auch »Geflügelpest«. Die Seuche bedroht wilde und domestizierte Vögel. Ihr Vormarsch steht, wie auch der anderer Epidemien, in Verbindung mit der globalen Massentierhaltung.

Mehr als 300.000 Vögel getötet

Als »Geflügelpest« werden hochpathogene, also besonders ansteckende und schwer verlaufende Formen der an sich weniger gefährlichen Vogelgrippe bezeichnet. Sie kann alle Vogelarten befallen. Für die meisten Vögel bedeutet die Infektion mit der »Geflügelpest« innerhalb weniger Tage den Tod. Bei Wasservögeln kann die Krankheit milder verlaufen. Sie werden als natürliches Reservoir der Vogelgrippeviren vermutet.

»Geflügelpest«-Epidemien werden häufiger. Im Winter 2016/17 kam es zum bislang größten Ausbruch der Seuche in Deutschland und Europa. Hochpathogene Viren der Subtypen H5N8 und H5N5 breiteten sich rasant aus. Die Folge waren mehr als eine Million tote Vögel in der deutschen Landwirtschaft. Sie wurden entweder durch das Virus oder präventiv durch Menschen getötet.

Seit Oktober 2020 kursieren nun erneut vermehrt tödliche H5N8- und H5N5-Viren in Deutschland. Stand 5. Januar 2021 sind bereits über 305.000 landwirtschaftlich gehaltene Vögel in Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen und Thüringen durch das Virus oder durch Menschen getötet worden.

Massentierhaltung beschleunigt Pandemien

In den Medien wird die »Geflügelpest« vorrangig als Bedrohung für die globale Tierhaltungsindustrie thematisiert. Tatsächlich ist sie allerdings vor allem eine ihrer Folgen:

Neuartige Viren aus wilden Tierpopulationen finden immer schneller den Weg zum Menschen und zu den von ihm gehaltenen Tieren. Das liegt daran, dass Menschen immer mehr natürliche Ökosysteme zerstören und zurückdrängen – vor allem um neue landwirtschaftliche Flächen für Tierhaltung und Futtermittelanbau zu erschließen.

Doch auch in Ställen können neue gefährliche Krankheiten entstehen. In den riesigen Beständen mit genetisch gleichförmigen, immungeschwächten Tieren können sich Viren nahezu ungehindert ausbreiten und in enormem Tempo mutieren. So steigt die Wahrscheinlichkeit für gefährliche Varianten. Diese finden den Weg in wilde Populationen, besonders im asiatischen Raum, wo große Gruppen Wasservögel auf Freilandflächen gehalten werden.

Auch wenn die Vogelgrippeviren anschließend wohl vor allem durch Wildvögel über Ländergrenzen hinaus verbreitet werden, beschleunigen der globale Handel, z. B. mit Vögeln und Tierprodukten, sowie kontaminierte Personen, Geräte und Futtermittel aus betroffenen Betrieben die Ausbreitung der Seuche weiter.

Gefahr für Menschen und Vögel

Die Folgen der »Geflügelpest«-Ausbrüche für Tier und Mensch können dramatisch sein:

SARS-CoV-2 zeigt, dass unter neuen, sich schnell verbreitenden Virusvarianten auch für den Menschen gefährliche Krankheiten sein können. Unter den Vogelgrippeviren gibt es mit den Subtypen H5N1 und H7N9 bereits für Menschen tödliche Formen. Bei den aktuell in Deutschland kursierenden Subtypen ist das bislang zwar nicht der Fall. Die Möglichkeit, dass sich das ändert, besteht aufgrund immer neuer Mutationen jedoch.

Für Vögel ist das Virus so oder so eine Bedrohung für Leib und Leben: Wildvögel in aller Welt sind häufiger den gefährlichen Varianten der Vogelgrippe ausgesetzt, da die Massentierhaltung deren Entstehung und Verbreitung beschleunigt. Aktuell sind an der Schleswig-Holsteinischen Küste bislang über 16.000 infizierte verendete Wildvögel gefunden worden.

Vögel in menschlicher Obhut und Gefangenschaft müssen hierzulande oft über Wochen präventiv im Stall bleiben, wenn es einen Fall im selben Landkreis gibt. Und sobald auch nur der Verdacht auf Vogelgrippe in einem Betrieb besteht, kann der gesamte Bestand – meist viele Tausend Tiere – vorzeitig getötet werden. Selbst dann, wenn nur eine niedrigpathogene Form des Virus gefunden wurde.

Impfung, Quarantäne, Behandlung und andere mildere Mittel nach Augenmaß sind indes kaum vorgesehen, teils sogar verboten. So wurde z. B. bei einer privaten Vogelhaltung in Hessen, u. a. mit Pfauen, Eulen, Nandus und Gänsen, die vorsorgliche Tötung des gesamten Vogelbestands angeordnet, nachdem viele der Pfauen an der Geflügelpest verstorben sind.

Vermeidbares Leid

Bei der »Geflügelpest« stellt sich – wie auch bei der Schweinepest – die Frage, ob uns Menschen wirklich nichts Besseres einfällt, um eine Seuche zu stoppen, als Zehntausende Tiere einfach so zu töten. In einer mitfühlenderen Welt, in der jedes Leben einen eigenen Wert hat, würden wir vielleicht andere Wege finden.

Vielleicht würde sich die Frage aber gar nicht stellen, denn ohne Massentierhaltung wäre die »Geflügelpest« deutlich weniger verheerend. Selbst Tierhaltungsbetriebe mit kleineren Beständen und gesünderen Tieren in lokalen Wirtschaftsverbänden wären weniger gefährdet und besser gegen Seuchen gewappnet.

Und schließlich: Je mehr Platz auf dem Planeten für echte Wildnis ist, je größer die ökologische Vielfalt, desto schwerer haben es Viren, sich auszubreiten und neue gefährliche Varianten zu entwickeln. Dafür müssten Fleisch- und Milchkonsum weltweit zurückgehen, denn sie tragen zu einem erheblichen Teil zur Zerstörung des Planeten bei.

Sie können einen Beitrag zum Wandel leisten, indem Sie Massentierhaltung von Ihrem Teller verbannen. Unsere Vegan Taste Week unterstützt Sie dabei, die pflanzliche Ernährung eine Woche lang auszuprobieren.

(jw)

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