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Massentierhaltung und Epidemien: Geflügelpest

Enten
© worradirek – Shutterstock

Im Schatten von Coronavirus und Afrikanischer Schweinepest grassiert eine weitere tödliche Epidemie in Deutschland: die Vogelgrippe oder auch Geflügelpest. Die Seuche bedroht wilde und domestizierte Vögel. Ihr Vormarsch steht, wie auch der anderer Epidemien, in Verbindung mit der globalen Massentierhaltung und ist eine Gefahr für Mensch und Tier.

Was ist die Geflügelpest?

Als »Geflügelpest« werden hochpathogene, also besonders ansteckende und schwer verlaufende Formen der Vogelgrippe (aviäre Influenza) bezeichnet. Sie wird durch Viren verursacht.

Insbesondere für Hühnervögel (z. B. Hühner, Puten) bedeutet eine Infektion meist innerhalb weniger Tage den Tod. Enten und Gänse stecken sich ebenfalls häufig an, bei ihnen verläuft die Krankheit jedoch oft milder. Sie gelten daher als natürliches Reservoir der Viren und tragen zu deren Verbreitung bei.

Werden Vogelgrippeviren – egal ob hoch- oder niedrigpathogen – bei Vögeln in menschlicher Obhut oder Gefangenschaft nachgewiesen, werden bislang meist alle Tiere getötet, um die Ausbreitung der Viren zu stoppen. Die »Keulung«, also die Vernichtung ganzer Tierbestände, erfolgt heutzutage meist durch Vergasung.

Bisher größte Geflügelpest-Epidemie hält an

Im Winter 2016/17 kam es zum bis dahin größten Ausbruch der Seuche in Deutschland und Europa. Hochpathogene Viren, vor allem des Subtypus H5N8, breiteten sich rasant aus. In der Folge wurden mehr als eine Million Vögel allein in der deutschen Landwirtschaft durch Menschen getötet.

Seit Oktober 2020 kursieren erneut tödliche Vogelgrippeviren in Deutschland und Europa, insbesondere der Typus H5N1. Anders als zuvor, erlosch das Infektionsgeschehen über die Sommer 2021 und 2022 nicht vollständig. Infolgedessen konnten sich die Viren noch besser verbreiten. Bereits die Grippesaison 2021/22 bezeichnete das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) als »stärkste Geflügelpest-Epidemie überhaupt« in Deutschland und Europa. Bis September 2022 wurden laut der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) rund 50 Millionen landwirtschaftlich genutzte Vögel in Europa durch Menschen getötet. Für die aktuelle Grippesaison 2022/23 gibt es noch keine Zahlen, Expert:innen befürchten jedoch ein unvermindert starkes Infektionsgeschehen.

In 2022 erreichte die Epidemie zudem auch den amerikanischen Kontinent. Aus den USA werden zahlreiche Ausbrüche mit, Stand Januar 2023, über 57 Millionen betroffenen »Nutzvögeln« gemeldet.

Massentierhaltung beschleunigt Pandemien

In den Medien wird die Geflügelpest oft als Bedrohung für die globale Tierhaltungsindustrie thematisiert. Vogelfleisch und Eier werden auch aufgrund der Geflügelpest inzwischen knapp und teurer.

Tatsächlich trägt die Massentierhaltung aber auch erheblich zur Verbreitung der Vogelgrippeviren bei: Die Vögel in Mast und Legebetrieben sind genetisch gleichförmig und durch die schlechten Haltungsbedingungen oft geschwächt. In den riesigen Tierbeständen können sich Viren sehr schnell ausbreiten und mutieren. So steigt die Wahrscheinlichkeit für gefährliche Varianten. Diese finden wiederum den Weg in wilde Populationen, besonders im asiatischen Raum, wo zum Beispiel große Gruppen von Enten auf Freilandflächen gehalten werden.

Zwar gelangen die Vogelgrippeviren vermutlich vor allem durch Wildvögel über Ländergrenzen hinaus. Jedoch beschleunigen die Massentierhaltung, der globale Handel, vor allem mit Vögeln und Tierprodukten, sowie kontaminierte Personen, Geräte und Futtermittel aus betroffenen Betrieben die Ausbreitung der Seuche zusätzlich.

Leid und Tod für Vögel

Auch Wildvögel sind in historischem Umfang von der Geflügelpest betroffen. Immer wieder kam und kommt es zu Ausbrüchen, insbesondere bei Küstenvögeln wie Seeschwalben, Möwen, Kormoranen und Basstölpeln in Norddeutschland und Nordeuropa. Das Friedrich-Loeffler-Institut spricht von »existenziell bedrohlichen Populationseinbrüchen«. Auch aus anderen Teilen der Welt werden Massensterben gemeldet. So starben in Israel, wo viele europäische Zugvögel auf dem Weg zurück aus Afrika Stopp machen, im Winter 2021/22 mehr als 5.000 Kraniche.

Vögel in menschlicher Obhut oder Gefangenschaft müssen hierzulande oft über Wochen präventiv im Stall bleiben, wenn es einen Fall in der Region gibt. Und sobald auch nur der Verdacht auf Vogelgrippe in einem Betrieb besteht, kann der gesamte Bestand – meist viele Tausend Tiere – vorzeitig getötet werden. Dass es auch anders geht, zeigt der Fall des Berliner Zoos, der im Winter die Tötung von 1.200 Vögeln im Bestand durch intensive Testungen und strenge Hygienemaßnahmen verhindern konnte.

Impfungen oder andere, mildere Mittel als die Keulung waren allerdings bislang kaum vorgesehen, teils sogar verboten. Erst seit 2022 rückt die Möglichkeit der Impfung in der EU in den Fokus von Politik, Tierindustrie und Forschung. In der EU zugelassen ist jedoch noch kein Impfstoff.

Gefahr für Säugetiere und Menschen

Immer wieder gibt es vereinzelte Fälle, bei denen Vogelgrippeviren auch Säugetiere befallen, z. B. Füchse, Robben und Otter. Die Übertragung von Säugetier zu Säugetier ist jedoch sehr unwahrscheinlich.

Auch Menschen infizieren sich gelegentlich mit hochpathogenen Vogelgrippeviren. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) verzeichnet seit 2003 weltweit insgesamt mehr als 2.600 Fälle, besonders in der Region West-Pazifik. Im Jahr 2022 wurde allerdings auch je ein Fall in Großbritannien und den USA bekannt. Mit dem verstärkten Auftreten der Viren unter Vögeln steigt auch das Risiko einer Ansteckung für Menschen. Betroffen sind meist Personen, die eng mit landwirtschaftlich gehaltenen Vögeln arbeiten. Manche Infektionen beim Menschen verlaufen dabei ohne Symptome. Von den mehr als 2.600 Fällen weltweit endeten jedoch 43 % tödlich. Gefährlich sind dabei vor allem die Subtypen H5N1, H5N6 und H7N9.

Es wäre unvorsichtig davon auszugehen, dass sich Vogelgrippeviren niemals zu einer Epidemie unter Menschen entwickeln könnten. SARS-CoV-2 hat gezeigt, wie schnell es gehen kann. Je besser sich Vogelgrippeviren verbreiten können, unter anderem aufgrund der Massentierhaltung, desto größer ist die Gefahr, dass sie sich durch Mutationen besser an Säugetiere anpassen.

Massentötungen und Epidemien müssen verhindert werden

Wir finden, dass es unethisch ist, massenhaft Tiere zur Seuchenbekämpfung zu töten. Zudem kann diese Praxis das Virus nicht mehr ernsthaft stoppen, da es inzwischen in Wildvögeln so weit verbreitet ist. Das erklärte Arjan Stegeman, Professor für Veterinärmedizin und Epidemiologie an der Universität Utrecht, kürzlich dem Guardian.

Die Arbeit an einem EU-Impfstoff lässt hoffen, dass zumindest Keulungen irgendwann weniger werden könnten. Es dauert jedoch vermutlich noch Jahre, bis ein Impfstoff flächendeckend eingesetzt werden kann. Zudem ist den Wildvögeln damit nicht geholfen. In ihnen werden sich die Vogelgrippeviren weiter verbreiten. Es darf jedoch auch keine Dauerlösung sein, landwirtschaftlich gehaltene Tiere noch weiter in ihrer Freiheit einzuschränken, um sie von der Außenwelt zu isolieren.

Helfen kann es, die Zahl der landwirtschaftlich genutzten Vögel insgesamt und pro Betrieb zu reduzieren, um Vogelgrippe- und anderen Viren weniger Nährboden zu bieten. Das böte auch die Chance, die Artenvielfalt zu fördern. Je mehr Platz auf der Erde für ökologische Vielfalt bleibt, desto schwerer haben es Viren, sich auszubreiten und neue gefährliche Varianten zu entwickeln.

Sie können etwas tun und dem zerstörerischen Umgang mit Tier und Natur, der Pandemien wie der Geflügelpest Vorschub leistet, eine Absage erteilen. Verbannen Sie Massentierhaltung einfach von Ihrem Teller. Unsere Vegan Taste Week unterstützt Sie dabei kostenlos.

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