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Staatsziel Tierschutz – 10 Jahre fast ohne Resultate

Das GrunzMobil bei einer Mahnwache zum Staatsziel Tierschutz in Bonn © E. Wendt / AGfaN e.VAm 24.07.2012 veranstaltete das Bundeslandwirtschaftsministerium in Bonn das Symposium »10 Jahre Tierschutz im Grundgesetz«. Wir nutzten die Gelegenheit, um mit dem GrunzMobil eine Mahnwache abzuhalten und über die eingebaute Videoleinwand die herrschenden Zustände in der »Nutztierhaltung« in Erinnerung zu rufen. Die Bilder machten deutlich, dass das Ministerium bislang dabei versagt hat, das Staatsziel Tierschutz in die Realität umzusetzen.

»Noch immer werden sogenannte Nutztiere auf engstem Raum zusammengepfercht, noch immer werden ihnen die Schnabelspitzen, Hörner und Ringelschwänze ohne Betäubung entfernt, noch immer sind viele Tiere so überzüchtet, dass sie sich am Ende ihrer Mast kaum noch bewegen können«, fasste unser Präsident Wolfgang Schindler im Vorfeld einige der grausamsten Missstände zusammen.

Der erfreulichste Moment ereignete sich vor Beginn der Veranstaltung: Einer Aktiven und Förderin der Albert Schweitzer Stiftung gelang es, die Aufmerksamkeit von Ilse Aigner auf sich zu ziehen, ihr einige unserer Kernforderungen auf den Weg zu geben und ihr eine Selbst-Wenn-Broschüre auszuhändigen. Auch die meisten anderen Teilnehmer, darunter auch einiger Vertreter der Agrarindustrie, erhielten eine Broschüre.

Die Veranstaltung zum 10-jährigen Staatsziel Tierschutz

Die Eröffnungsrede der Ministerin war insofern verärgernd, als dass sie einen Trick anwandte, dessen sich vor allem die Lobby der Agrarindustrie bedient: Sie verdrehte einige Argumente der Tierschutzbewegung, indem sie sagte, dass sie sich nicht den Forderungen anschließen könne, die Tierhaltung so zu gestalten, wie das vor 50 Jahren der Fall war. Und im Hinblick auf die Antibiotikaskandale sagte sie, dass kranke Tiere auch behandelt werden müssen. Beide Ausführungen sind völlig überflüssig und kontraproduktiv, denn uns sind weder Tierschutzorganisationen bekannt, die die Zeit um 50 Jahre zurückdrehen wollen, noch haben wir von Forderungen gehört, den Einsatz von Antibiotika völlig zu verbieten. Die Ministerin sollte also aufhören, Rauchbomben zu werfen, sondern sich dem Kern der Probleme stellen: Die gängige »Nutztierhaltung« verdirbt auch dem größten Fleisch-Fan den Appetit und es ist ein System entstanden, das ohne den massenhaften und geradezu routinemäßigen Einsatz von Antibiotika kaum noch bestehen kann.

Der restliche Teil der Veranstaltung zum Staatsziel Tierschutz bot wenige Überraschungen, wobei wir uns freuten, dass Prof. Jörg Hartung (TiHo Hannover) den Umgang des Landwirtschaftsministeriums mit der Tierschutzkommission unmissverständlich rügte. Der Philosophieprofessor Peter Kunzmann (Uni Jena) stellte zudem in seinem Redebeitrag heraus, dass Albert Schweitzer hart darum kämpfen musste, den Tieren in der abendländischen Philosophie zu einem gewissen Stellenwert zu verhelfen. Er zitierte Schweitzer mit den Worten »Wie die Hausfrau, die die Stube gescheuert hat, Sorge trägt, dass die Türe zu ist, damit ja der Hund nicht hereinkomme und das getane Werk durch die Spuren seiner Pfoten entstelle, also wachen die europäischen Denker darüber, dass ihnen keine Tiere in der Ethik herumlaufen«.

Seitdem gab es zumindest zum Teil erfreuliche Entwicklungen in der Philosophie, und damals hätte man hoffen dürfen, dass die Stellung der Tiere im Jahr 2012 eine bessere sein würde als sie das jetzt ist. Unser Fazit aus der enttäuschenden Entwicklung lautet, nicht das Schneckentempo der Politik mitzugehen, sondern über gezielte Kampagnen schnellere Fortschritte zu erzielen. Wir freuen uns über jeden Menschen, der dabei hilft, das Staatsziel Tierschutz außerparlamentarisch mit Inhalt zu füllen – ob aktiv oder mit einem Spendenbeitrag!

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