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Kastenstände: Appell an Bundesrat

Ein breites Bündnis aus über 20 Tier- und Umweltschutzverbänden fordert die Mitglieder des Agrarausschusses des Bundesrates auf, die Änderung der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung (TierSchNutztV) zurückzuweisen und sich nicht an der Legalisierung tierquälerischer Haltungsbedingungen zu beteiligen und damit eine Verletzung des Staatsziels Tierschutz in Kauf zu nehmen, um rein ökonomische Interessen über den Schutz und das Wohlbefinden der Tiere zu stellen. Die Empfehlung des Ausschusses wird Grundlage für die finale Entscheidung der Bundesländer zum Verordnungsentwurf am 14. Februar im Bundesrat sein.

Bereits zum 30. Mai 1988 wurden rechtliche Anforderungen seitens des Gesetzgebers zur Haltung von Sauen geschaffen, die auch nach einer eingeräumten Übergangsfrist bis zum 31. Dezember 1991 nicht durch die Sauenhalter eingehalten und durch die Kontrollbehörden flächendeckend ignoriert wurden. Durch das sogenannte »Kastenstandurteil« des Bundesverwaltungsgerichtes (BVerwG) vom 08.November 2016 – 3 B 11/16 – wurde diese Rechtsverletzung höchstrichterlich bemängelt.

Kastenstände müssen derzeit so ausgestaltet sein, dass jedes Schwein – wie in der TierSchNutztV vorgeschrieben – ungehindert in Seitenlage die Gliedmaßen ausstrecken kann. Das Ausstrecken der Gliedmaßen in Seitenlage ist eine wesentliche Haltungsvoraussetzung, da Schweine nur in dieser Position in die Tiefschlafphase gelangen. Dies kann, so die Richter am BVerwG, nur sichergestellt werden, wenn die Breite des Kastenstandes der Widerristhöhe des Schweines entspricht oder es seine Gliedmaßen ohne Behinderung in die benachbarten leeren Kastenstände ausstrecken kann.

Statt nun eine tragbare Tierhaltung ohne Kastenstand umzusetzen, missachtet der Bundesgesetzgeber ein höchstrichterliches Urteil und beabsichtigt nun mit der anstehenden Änderung der TierSchNutztV, die Anforderung des »Ausstreckens der Gliedmaßen in Seitenlage« zu streichen und den seit 01. Januar 1992 widerrechtlich bestehenden Kastenständen Übergangsfristen von weiteren 15 und mehr Jahren einzuräumen.

Diese beabsichtigte Änderung hat einen rein monetären Ansatz, ohne sich mit den tatsächlichen Bedürfnissen eines Schweines zu befassen, und stellt eine erhebliche Verschlechterung der Haltungssituation für die Sauen dar. Die wirtschaftlichen Interessen des Tierhalters finden nach der aktuellen Rechtsprechung des BVerwG ggf. dort ihre Grenzen, wo Belange des Tierschutzes betroffen sind (vgl. BVerwG, Urt. v. 13.06.2019 – 3 C 28/16 – Rn. 18).

Durch diese Änderung sollen die widerrechtlich genehmigten Kastenstände legalisiert werden. Dies verstößt jedoch eklatant gegen das Staatsziel Tierschutz aus Art. 20a GG und das damit verbundene Verschlechterungsverbot sowie gegen die verhaltensgerechte Unterbringung von Tieren gemäß § 2 Nr. 1 TierSchG.

Wie bereits in mehreren Stellungnahmen ausgeführt, ist nicht nur die vorgesehene Änderung der TierSchNutztV zum Kastenstand aus Tierschutzsicht völlig unzureichend. Vielmehr entspricht die Haltung von Sauen in Kastenständen grundsätzlich nicht den wissenschaftlichen Erkenntnissen der Verhaltensbiologie und ist somit als Ganzes als verfassungs- und tierschutzrechtswidrig einzustufen.

Zusammenschluss Tier- und Umweltschutzverbände:

Tierärzte für verantwortbare Landwirtschaft e. V.
VIER PFOTEN – Stiftung für Tierschutz
Deutsche Juristische Gesellschaft für Tierschutzrecht e. V.
Deutscher Tierschutzbund e. V.
Ärzteinitiative gegen Massentierhaltung
Partei Mensch Umwelt Tierschutz
mensch fair tier
Robbenzentrum Föhr
Tierärzte für Tiere
Bürgerinitiative LAHSTEDT-ILSEDE für TIER, MENSCH und UMWELT
PETA Deutschland e. V.
Aktionsgemeinschaft Agrarwende Nordhessen e. V.
Deutsche Tierlobby
Tierhuus Insel Föhr e. V.
PAN Germany – Pestizid Aktions-Netzwerk e. V.
Bundesverband Tierschutz e. V.
PROVIEH e. V.
Animal Equality
Förderverein des Peter-Singer-Preises für Strategien zur Tierleidminderung e. V.
bmt – Bund gegen Missbrauch der Tiere e. V.
Landestierschutzverband Nordrhein-Westfalen e. V.
Arbeitsgemeinschaft für artgerechte Nutztierhaltung e. V.
Compassion in World Farming
Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt
Neben diesem Appell haben die Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt, Animal Equality, der Bundesverband Tierschutz e.V., Compassion in World Farming, Provieh e. V. und Vier Pfoten – Stiftung Tierschutz gemeinsam eine Petition an den Bundesrat gestartet.

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