EU Livestock Strategy: Tierschutz braucht Planungssicherheit
Die Europäische Kommission hat heute ihre EU-Tierhaltungsstrategie (EU Livestock Strategy) vorgestellt. Die Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt sieht darin einen relevanten politischen Ausgangspunkt für die nächsten Schritte zur Modernisierung des EU-Tierschutzrechts und fordert verbindliche Vorschläge zu Käfigausstieg, Kükentöten, Schweinehaltung und Importstandards. Andreas Manz, Senior Referent Politik bei der Albert Schweitzer Stiftung, erklärt:
„Entscheidend ist nun, dass die angekündigten Reformen nicht bei strategischen Aussagen stehen bleiben, sondern in verbindliche Rechtsvorschläge übersetzt werden. Die Zukunft der europäischen Tierhaltung braucht Planungssicherheit – für Betriebe ebenso wie für den Tierschutz.
Wer Investitionen in bessere Haltungssysteme erwartet, muss klare gesetzliche Leitplanken setzen. Die EU Livestock Strategy verweist auf geplante Vorschläge zur Modernisierung der EU-Tierschutzgesetzgebung. Die Kommission kündigt Vorschläge zu Legehennen und Masthühnern bis Ende 2026 und einen Vorschlag zu Schweinen bis Q2 2027 an. Diese Zeitpläne müssen eingehalten werden. Aus unserer Sicht müssen diese Vorschläge nun zügig vorgelegt und wirksam ausgestaltet werden. Zentral sind dabei ein verbindlicher Ausstieg aus Käfigsystemen, das Ende des systematischen Tötens männlicher Küken, substanzielle Verbesserungen in der Schweinehaltung sowie Tierwohlindikatoren, die klare Mindeststandards ergänzen, aber nicht ersetzen.
Besonders wichtig ist zudem, dass europäische Betriebe nicht durch Produkte benachteiligt werden, die außerhalb der EU unter niedrigeren Tierschutzstandards erzeugt wurden. Äquivalente Anforderungen für Importe sind eine Voraussetzung für faire Wettbewerbsbedingungen und die politische Durchsetzbarkeit ambitionierter Tierschutzstandards.
Die EU Livestock Strategy darf nicht als Ersatz für die seit Jahren erwartete Modernisierung des EU-Tierschutzrechts verstanden werden. Sie muss vielmehr der Ausgangspunkt für konkrete Gesetzgebung sein – mit klaren Zeitplänen, realistischen Übergangsfristen und gezielter Unterstützung für Betriebe, die in bessere Haltungssysteme investieren. Zukunftsfähig ist Tierhaltung nur, wenn sie tiergerechter, flächengebundener und fair reguliert wird.“