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Lidl mit Tierschutz-Positionspapier

Lidl Logo
© FraukeFeind – Shutterstock

Lidl hat vor Kurzem sein »Positionspapier für den nachhaltigen Einkauf tierischer Erzeugnisse« vorgestellt, das sich in die Teile »Unser Verständnis«, »Unsere Zielsetzung« und »Unsere Position« gliedert.

Wir fassen die aus unserer Sicht wichtigsten Punkte das Positionspapiers zusammen und bewerten sie anschließend auch.

Lidls Verständnis

Lidl betont, sich an den »Fünf Freiheiten« des britischen Farm Animal Welfare Committee (FAWC) zu orientieren. Demnach sollen die sog. Nutztiere frei sein von:

  1. Hunger und Durst,
  2. haltungsbedingten Beschwerden,
  3. Schmerz, Verletzungen und Krankheiten,
  4. Angst und Stress.
  5. Außerdem sollen sie frei sein, ihr normales Verhalten auszuleben.

Lidls Zielsetzung

Lidl will sich der Anforderung der Verbraucher stellen, höhere Standards in der Tierhaltung durchzusetzen. Dazu werden die Lieferanten verpflichtet, sich an geltendes Tierschutzrecht zu halten. Außerdem sollen Standards gefördert und unterstützt werden, die über gesetzliche Mindestanforderungen hinausgehen. Neben Tierschutzstandards treten dabei auch die Rechte der ArbeiterInnen in den Fokus.

Man will das Positionspapier laufend weiterentwickeln, Fortschritte dokumentieren und neue Maßnahmen auf den Weg bringen.

Der Geltungsbereich soll alle Eigenmarken von Lidl Deutschland umfassen. Konkret: Eier, Fisch und Schalentiere, Frischfleisch und Frischgeflügel, Molkereiprodukte und Käse, Textilien und Schuhe. Ausgeschlossen vom Geltungsbereich werden allerdings tierische Erzeugnisse, die als Zutat verwendet werden.

Lidls Position

Generell schließt Lidl Produkte aus, die von bestandsbedrohten Nutztieren stammen und für die es »keine akzeptablen Mindestanforderungen« gibt. Der Einsatz von genverändertem Soja als Futtermittel soll reduziert werden. Auch die (schon gesetzlich geregelte, aber aus unserer Sicht kaum umgesetzte) Anforderung, Antibiotika nicht präventiv zu vergeben, wird aufgenommen. Lidl verfolgt zudem das Ziel, dass schmerzhafte Eingriffe ohne Betäubung (insb. Amputationen) in Zukunft nicht mehr vorgenommen werden sollen. Des Weiteren will Lidl auch pflanzliche Alternativen zu Tierprodukten anbieten.

Die Positionen werden für die o. g. Produktkategorien wie folgt konkretisiert:

Eier

Käfigeier werden bei Lidl weder als Schaleneier (gilt auch für Wachteleier) noch als verarbeitete Eier (in den Eigenmarken) verkauft. Lidl unterstützt außerdem den Ausstieg aus dem Schnabelkürzen und listet zusätzlich Eier mit dem Standard »KAT tierschutzgeprüft«, bei denen u. a. die Besatzdichte reduziert wird und mehr Beschäftigungsmöglichkeiten angeboten werden.

Fisch und Schalentiere

Lidl hat (von uns angeregt) den Verkauf von Hummer im Jahr 2012 gestoppt. Die weiteren Maßnahmen in diesem Bereich beziehen sich vor allem auf den Schutz von Fischbeständen, aber nicht auf den Tierschutz, was auch nicht so einfach ist, da die MSC- und ASC-Siegel den Tierschutz leider außen vor lassen. Zur Aquakultur heißt es immerhin, dass eine »artgerechte Haltung« verfolgt wird und man für den Dialog offen ist.

Frischfleisch und Frischgeflügel

Lidl verzichtet auf den Verkauf von Kaninchenfleisch. Darüber hinaus soll kein Fleisch verkauft werden, das von Enten, Gänsen oder anderen Tieren stammt, die gestopft oder lebendig gerupft wurden. Die Auswahl der pflanzlichen Fleischalternativen soll zukünftig ausgebaut werden.

Jungbullen aus Anbindehaltung will Lidl nicht akzeptieren und auch bei weiblichen Rindern wird eine zeitnahe Umsetzung dieses Anspruchs geprüft. Bei der Putenmast wird für die Hälfte des Sortiments von der Schwermast auf eine »mittelschwere Rasse« umgestellt, und es wurde das Ziel formuliert, alle Ställe mit überdachten Auslaufzonen zu versehen (derzeitiger Stand: ca. ein Drittel). Zudem werden bei der Haltung von Barbarieenten z. T. Maßnahmen umgesetzt, die die Bedingungen verbessern sollen.

Frischfleisch von betäubungslos kastrierten Tieren will Lidl gar nicht mehr akzeptieren. Die Lieferanten sind zudem aufgefordert, sich mit dem Ausstieg aus dem Schwänzekupieren bei Ferkeln auseinanderzusetzen. Bei der Enthornung von Kälbern wurde das Ziel formuliert, dass die Tiere sowohl Beruhigungs- als auch Schmerzmittel erhalten.

An der Initiative Tierwohl will Lidl sich aktiv beteiligen. Außerdem wird ein Produkt mit dem Tierschutzlabel des Deutschen Tierschutzbunds angeboten (mit dem Ziel der Ausweitung).

Molkereiprodukte und Käse

Lidl führt eine pflanzliche Alternative zu Kuhmilch. Die Haltung der Milchkühe »soll« wiederkäuergerecht erfolgen (Einsatz von Gras, Heu oder Stroh). Mit den Tieren soll schonend und ruhig umgegangen werden – insbesondere beim Umstallen oder Verladen zum Transport. Enthornung: siehe oben.

Textilien und Schuhe

Tierhäute von exotischen und geschützten Tieren sollen gar nicht zum Einsatz kommen. Ebenso will Lidl auf Produkte »u. a. aus Angorawolle« verzichten. Bei Schuhen werden hauptsächlich Lederalternativen verarbeitet.

Bei Daunen soll sichergestellt werden, dass diese nicht aus Lebendrupf stammen und von Pelz distanziert sich Lidl vollständig.

Unser Fazit

Wir begrüßen es, dass Lidl das Positionspapier herausgebracht hat. An einigen Stellen sind die Ziele sowie der aktuelle Stand der Dinge erfreulich konkret – allerdings ohne Zeithorizont – beschrieben. Auch die (über das Papier verteilte) Liste der nicht akzeptierten Produkte ist sehr begrüßenswert – ebenso wie die geplante laufende Weiterentwicklung der Standards.

Zu den »Fünf Freiheiten« ist zu sagen, dass uns diese zu vage und interpretationsoffen sind. Während wir sie in so gut wie keiner konventionellen Tierhaltung erfüllt sehen, dürfte z. B. der Deutsche Bauernverband der Meinung sein, dass sie praktisch überall verwirklicht werden. Auch bei der Einhaltung des geltenden Tierschutzrechts gibt es Spielraum für Auslegungen, wobei das Verbandsklagerecht voraussichtlich helfen wird, diesen zu reduzieren. Bei den Amputationen hoffen wir, dass Lidl in Zukunft neben Maßnahmen zur Schmerzlinderung einen noch stärkeren Fokus auf den vollständigen Ausstieg aus den Amputationen legen wird, denn die Notwendigkeit für Amputationen ist einer der deutlichsten Hinweise auf starke grundlegende Mängel in der Haltung.

Beim Geltungsbereich hoffen wir, dass in Zukunft auch verarbeitete Tierprodukte eingeschlossen werden (wie das z. B. bei den Eiern schon der Fall ist) und dass auch die Lieferanten von Markenartikeln aufgefordert werden, sich an die Standards zu halten.

Schließlich ist es sehr erfreulich, dass die pflanzlichen Alternativen immer wieder an prominenter Stelle genannt werden. Diesbezüglich hat Lidl in diesem Jahr auch beim Angebot einige Fortschritte gemacht, wobei wir noch recht viel Luft nach oben sehen.

Das gesamte Positionspapier können Sie hier herunterladen.

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