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Kaum Tierschutz beim staatlichen Tierwohl-Label

Pressemitteilung

Schwein auf dem Weg in den Schlachthof
© Animal Equality

Nach Berichten der Süddeutschen Zeitung und des Bayerischen Rundfunks zum geplanten staatlichen Tierwohl-Label steht das Prestige-Objekt des Bundeslandwirtschaftsministers Christian Schmidt in der Kritik von Tierschutzorganisationen. Die Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt warnt, dass der aktuelle Entwurf kaum Verbesserungen für die Tiere erkennen lasse.

Den Medienberichten zufolge sieht der vorläufige Entwurf in der Einstiegsstufe des Labels für die Haltung von Mastschweinen Kriterien vor, die weitgehend nur die gesetzlichen Mindeststandards erfüllen. »Wenn Minister Schmidt mit dem Label zu mehr Tierschutz und zur Transparenz für Verbraucher beitragen will, müssen diese Kriterien deutlich über nationalem und europäischem Recht liegen«, sagt Mahi Klosterhalfen, geschäftsführender Vorstand der Stiftung. »Sonst machen er und sein Ministerium sich nicht nur unglaubwürdig, sondern auch lächerlich.«

Im Entwurf zu den Label-Kriterien stehen Anforderungen wie ein Stück Holz als Spielzeug gegen Langeweile sowie ständiger Zugang zu Raufutter wie Stroh. Das verlangt jedoch bereits
die nationale Nutztierhaltungsverordnung bzw. eine EU-Richtlinie. Auch das bislang routinemäßig praktizierte Abschneiden der Schwänze wird in dem Entwurf nicht verboten, obwohl es eigentlich dem Tierschutzgesetz und einer EU-Richtlinie widerspricht. Einzig der auf einen Quadratmeter erweiterte Platz für ein Mastschwein statt der gesetzlich vorgeschriebenen 0,75 Quadratmeter ist eine minimale Verbesserung.

Eine Verschärfung der Kriterien erscheint unwahrscheinlich, weil diese bis Ostern feststehen sollen. »Minister Schmidt will uns eine Mogelpackung unterjubeln, auf der sein Tierwohl-Label klebt. Doch mit Tierwohl haben diese Kriterien nichts zu tun«, kritisiert Klosterhalfen. Für die Markteinführung des staatlichen Tierwohl-Labels sind 70 Millionen Euro eingeplant. Bei der inhaltlichen Gestaltung werden vor allem die Interessen der Agrar- und Lebensmittellobby berücksichtigt. Entsprechend finden die wenigen einbezogenen Vertreter von Tierschutzorganisationen bei der Ausarbeitung der Kriterien kaum Gehör.

Die Albert Schweitzer Stiftung und andere Tierschutzorganisationen kritisieren darüber hinaus die Freiwilligkeit des Labels. Sie sprechen sich für eine verpflichtende Haltungskennzeichnung für alle tierischen Produkte aus, wie sie bei Eiern schon lange angewendet wird. So könnten die tierquälerischsten Produktionsweisen Schritt für Schritt vom Markt verdrängt werden.

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