WRI: Bericht zur Zukunftsernährung

Roggen WRIDas World Resources Institute (WRI) hat in einem Ende 2013 veröffentlichten Bericht die Entwicklung der weltweiten Ernährungssituation analysiert und ernährungssichernde Lösungsvorschläge für die wachsende Weltbevölkerung präsentiert. Als eine zentrale Erkenntnis des Berichts zeigt sich, dass die weltweite Versorgung mit Nahrungsmitteln vor allem dann sichergestellt werden könnte, wenn die wohlhabenden Industrienationen weniger Fleisch und weitere ressourcenintensive Tierprodukte wie Milch konsumieren würden.

Ausdehnung der Anbauflächen

Zu den am meisten beanspruchten Ressourcen bei der Tierproduktion gehören Land und Böden. Wie stark der Zusammenhang zwischen der im Westen weit verbreiteten, tierproduktbasierten Ernährungsweise und den global immer weiter expandierenden landwirtschaftlichen Anbauflächen ist, wird besonders deutlich, wenn man sich einige Zahlen der letzten Jahrzehnte vor Augen führt: Zwischen 1962 und 2006 wurden die weltweiten Anbauflächen und Weideland um ca. 500 Millionen Hektar erweitert – und damit um eine Fläche, die etwa 60 % der Fläche der USA entspricht. Allein die dabei vorgenommene Umwandlung von wertvollen Ökosystemen wie Wäldern, Savannen und Moorgebieten in landwirtschaftlich genutzte Flächen ist laut des WRI-Berichts für ca. 11 % der globalen Treibhausgasemissionen verantwortlich.

Um dem immer größer werdenden Verlangen nach Tierprodukten in Entwicklungs- und Schwellenländern sowie der etablierten Ernährungsverweise im Westen entsprechen zu können, ohne dabei die bisherigen Anbauflächen weiter auszubauen, müsste die Produktivität einiger Flächen bis 2050 um mehr als 80 % pro Hektar gesteigert werden.* Eine solch enorme Steigerung ist jedoch aufgrund zunehmender Probleme wie Wasserknappheit, Klimawandel oder auch durch die Grenzen der technischen Weiterentwicklung höchst unwahrscheinlich, weshalb nur die Erschließung weiterer (begrenzter) Flächen bliebe.

Ansätze zur Ernährungssicherung

Da das Ziel der Produktivitätssteigerung von Flächen unerreichbar erscheint oder zumindest nur durch unvorstellbare Maßnahmen und einen enormen Kraftakt erreicht werden könnte, nennt die Studie fünf grundsätzliche Möglichkeiten, um das Problem des weltweiten Hungers anzugehen:

  1. Reduktion des generellen Überkonsums und des daraus resultierenden Übergewichts der Bevölkerung
  2. Reduktion der Lebensmittelverluste und -abfälle
  3. Reduktion speziell des Konsums tierlicher Produkte
  4. Reduktion speziell der tierlichen Produkte, die in der Herstellung viele Ressourcen beanspruchen
  5. Reduktion der Geburtenrate in Subsahara-Afrika (Region mit dem höchsten weltweit erwarteten Bevölkerungszuwachs bis 2050)

Neben diesen ambitionierten möglichen Ansatzpunkten nennt der Report außerdem einige weitere Ansätze – verbesserte Managementmaßnahmen, vernünftiger Einsatz von Düngemitteln, mehr Achtsamkeit was Mikronährstoffe anlangt, effektivere Einbeziehung von Wetterdaten –, mit denen die Landwirtschaft umgestellt werden und in der Zukunft auch ohne weiteren Flächenausbau genug Lebensmittel für die Weltbevölkerung produzieren könnte.

Fazit: Reduktion des Tierkonsums als Zukunftschance

Mit dem Bericht des World Resources Institute wird der Zusammenhang zwischen Tierhaltung, dem Konsum von Tierprodukten und den dadurch entstehenden Umwelteinflüssen deutlich gemacht. Dabei stellt der Bericht zwar auch zum einen fest, dass die Ärmsten der Welt durchaus von einem mäßig gesteigerten Verzehr von tierlichen Produkten gesundheitlich profitieren könnten. Zum anderen wird aber auch deutlich gemacht, dass weltweit die meisten Menschen mehr Milch und Fleisch konsumieren als nötig und meist weit mehr, als der menschlichen Gesundheit zuträglich ist. Kalorien und Protein durch Tierprodukte aufzunehmen, wird mit Blick auf das Thema Ressourcenschonung als höchst ineffizient beschrieben. Es bleibt zu hoffen, dass der Bericht und die Lösungsvorschläge des WRI insbesondere bezüglich der Reduktion des Konsums tierlicher Produkte Gehör finden und umgesetzt werden.
* Diese Angabe bezieht sich auf die Flächen, die für die Produktion von Milch und Fleisch von Kühen sowie Schafen (deren Produktion flächenmäßig am meisten Land benötigt) erforderlich ist.

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