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Tierschutz bei Masthühnern: Viele Versprechen, wenig Umsetzung

Von Supermärkten und Discountern über Restaurantketten und Caterer bis hin zu Lebensmittelherstellern und Fleischproduzenten: Die Albert Schweitzer Stiftung untersucht im neuen Masthuhn-Report, wie konsequent große Unternehmen höhere Tierschutzstandards für Masthühner umsetzen. Das Ergebnis ist enttäuschend: Nur 3 von 64 untersuchten Unternehmen erfüllen alle bewerteten Kriterien.

  • Hans im Glück, Yorma’s und 60 seconds to Napoli erfüllen zu 100 % sämtliche Kriterien höherer Tierschutzstandards bei Masthühnern.
  • 45 der 64 untersuchten Unternehmen haben mehr Tierschutz zugesagt, tatsächlich haben diese bisher aber nur eine gewichtete durchschnittliche Umsetzung von rund 20% erreicht.
  • Unternehmen müssen dafür sorgen, dass höhere Tierschutzstandards zur Regel werden und nicht von der individuellen Kaufentscheidung abhängen.

Ob in Restaurants, Kantinen oder Tiefkühlgerichten, Hühnerfleisch ist allgegenwärtig. Rund 1,75 Mio. Hühner werden dafür täglich in Deutschland geschlachtet. Für viele dieser Tiere bedeutet die herkömmliche Zucht, Haltung und Schlachtung großes Leid: Sie wachsen extrem schnell, leben dicht gedrängt und leiden oft unter Schmerzen, Erkrankungen und eingeschränkter Bewegungsfähigkeit durch ihr hohes Körpergewicht. Diese Zustände zu beenden, liegt maßgeblich in der Hand der Unternehmen, die das Fleisch einkaufen, verarbeiten und/oder verkaufen.

„Viele Verbraucherinnen und Verbraucher wünschen sich mehr Tierschutz, und zahlreiche Unternehmen haben bereits bessere Bedingungen für Masthühner zugesagt. Doch der neue Masthuhn-Report zeigt: Bei der Umsetzung höherer Tierschutzstandards kommen viele Unternehmen viel zu langsam voran. Sie müssen jetzt schneller und entschlossener handeln“, sagt Esther Erhorn, Leiterin Lebensmittel-Fortschritt bei der Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt. „Gerade beim Umstieg auf gesündere, langsamer wachsende Zuchtlinien besteht dringender Nachholbedarf.“

Auf einer Skala von 0 % (sehr schlecht) bis 100 % (führend = erfüllt alle Kriterien) bewertet die Stiftung 64 Supermärkte, Discounter, Lebensmittelhersteller, Fleischproduzenten, Caterer, Restaurant- und Imbissketten. Entscheidend ist dabei nicht nur, ob sie bessere Haltungs- und Schlachtbedingungen entsprechend der Masthuhn-Initiative versprechen, sondern auch, ob sie konkrete Pläne sowie ihre Fortschritte offenlegen und vor allem die Verbesserungen tatsächlich umsetzen.

Gemischte Bilanz bei Einzelhandel und Lebensmittelherstellern

Bei den Supermärkten und Discountern haben große Handelsketten wie Rewe, Edeka, Lidl, Kaufland und Aldi bereits zugesagt, ihre Hühnerfleischsortimente schrittweise auf höhere Tierschutzstandards umzustellen. Aldi Süd erzielt mit 54 % das beste Gesamtergebnis im Handel. Doch selbst der Spitzenreiter hat noch einen weiten Weg vor sich: Die versprochenen Verbesserungen sind bislang nur zu einem Teil umgesetzt. Deutlich schlechter schneiden Edeka und Lidl mit jeweils 26 % ab.

Bei den Lebensmittelherstellern zeigt sich, dass es auch schneller gehen kann: Dr. Oetker erreicht 88 % im Gesamtergebnis und hat die Umsetzung höherer Standards fast vollständig abgeschlossen. Frosta kommt auf 64 % und hat konkrete jährliche Etappen für die weitere Umsetzung festgelegt. Nestlé und Rügenwalder Mühle haben ihre bisherigen Selbstverpflichtungen 2026 zurückgezogen und erhalten deshalb 0 %.

Gastronomie: Einige machen vor, wie es geht

Die Restaurantketten Hans im Glück und 60 seconds to Napoli sowie die Imbisskette Yorma’s beziehen ihr Hühnerfleisch zu 100 % nach höheren Tierschutzstandards. Sie zeigen: Bessere Bedingungen für Masthühner sind möglich – und Unternehmen können ihre Versprechen vollständig einlösen. Burger King und McDonald’s haben dagegen bislang keine vergleichbare öffentliche Selbstverpflichtung abgegeben. Dabei haben gerade diese großen Restaurantketten erheblichen Einfluss darauf, unter welchen Bedingungen Hühner für ihre Produkte wie Chicken Nuggets oder Chicken Burger gehalten werden. Mit strengeren Vorgaben an ihre Lieferanten könnten sie das Leid vieler Tiere reduzieren. Immerhin benennt Burger King auf der eigenen Webseite aber Probleme in der Hühnermast und kündigt an, in den nächsten Monaten mögliche Schritte für eine Verbesserung zu evaluieren.

„Auch in wirtschaftlich angespannten Zeiten darf Tierschutz nicht auf der Strecke bleiben. Verbraucherinnen und Verbraucher müssen nachvollziehen können, ob Unternehmen handeln und welche Fortschritte sie machen. Gleichzeitig müssen Produkte aus besserer Haltung bezahlbar bleiben“, betont Esther Erhorn. „Unternehmen müssen langfristig planen und mit ihren Lieferanten verbindliche Vereinbarungen treffen, um höhere Tierschutzstandards im breiten Sortiment zu verankern. Die damit verbundenen Mehrkosten müssen fair entlang der Lieferkette verteilt werden – statt sie allein auf landwirtschaftliche Betriebe oder die Kundschaft abzuwälzen.“

Über den Masthuhn-Report

Der Masthuhn-Report dokumentiert seit 2022 die Fortschritte der Lebensmittelwirtschaft beim Tierschutz in der Hühnermast. Bewertet werden Unternehmen aus fünf Schlüsselbranchen. Alle am Ranking beteiligten Unternehmen werden vorab informiert und haben die Möglichkeit, öffentliche Informationen zu ergänzen. Ziel des Masthuhn-Reports ist es, Tierschutz messbar zu machen und einen nachhaltigen Wandel in der Lebensmittelwirtschaft voranzutreiben.

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