Wachteln

Körperliche Leiden und Schäden

Gefieder

Wachteln in Käfigen
© Deutsches Tierschutzbüro e.V. (www.tierschutzbuero.de)

In Käfigen gehaltene Wachteln weisen oft ein schlechtes Gefieder auf. Dies kann von einigen abgebrochenen Federn bis zur vollständigen Federlosigkeit reichen. Neben dem bereits erwähnten Fehlen von Sandbademöglichkeiten können auch Fehl- und Mangelernährung, Parasitenbefall, nicht artgerechte Haltungseinrichtung sowie Federpicken und Kannibalismus Gründe für den schlechten Gefiederzustand sein. Ein nicht intaktes Gefieder kann seine Schutzfunktion gegen Hitze und Kälte sowie als Hautschutz nicht mehr erfüllen und bringt somit Leid für die Vögel mit sich.

Verletzungen

Durch die hohe Besatzdichte und die unnatürliche Zusammenstellung der Gruppe, was Alter und Geschlecht der Tiere angeht, kommt es vermehrt zu Auseinandersetzungen. Hinzu kommt, dass die Tiere in einer unstrukturierten Haltungseinrichtung keine Möglichkeit haben, sich aus dem Weg zu gehen oder sich vor aggressiven Übergriffen zu verstecken. Die Aggressionen äußern sich meistens in Form von Pickaktionen gegen die Augen, den Kopf oder den Nacken des anderen Tieres. Wenn zu viele Hähne pro Henne in der Gruppe sind, kommt es außerdem durch übermäßige Paarungsversuche zu kahlen Stellen und Verletzungen am Rücken der Hennen.

Fußballenenveränderungen und -entzündungen

Aufgrund der starken Belastung der Fußballenhaut durch das ständige Umgreifen des Drahtgitterbodens kommt es zu einer Verdickung der Hornhaut. Auch in Bodenhaltung treten Fußprobleme auf: Häufig bilden sich an den Füßen der Wachteln Klumpen, die aus einem Gemisch aus Einstreu, Futter und Kot bestehen. Dies führt zum einen zum Bepicken durch ArtgenossInnen und dadurch zu Verletzungen. Zum anderen können die Klumpen die Tiere am Wachstum hindern und das Infektionsrisiko erhöhen. Durch die Abschnürung der Blutbahn kann es außerdem zu Kreislaufproblemen kommen.

In Käfig- und Bodenhaltung wirkt sich die hohe Besatzdichte negativ auf die Fußgesundheit der Wachteln aus. Aufgrund des Platzmangels ist die Bewegungsfreiheit der Tiere stark eingeschränkt, weshalb sie lange Zeit in derselben Sitzposition verweilen und somit die Druckbelastungszonen nicht ändern. Dadurch kommt es zunächst zu einer Verdickung der Hornhaut und im weiteren Verlauf zum Absterben von Gewebe bis hin zum vollständigen Verlust der oberen Hautschicht.

Auch Fußballenentzündungen, die sich zu Abszessen entwickeln und dann auf die Sehnenscheide und Zehengelenke übergreifen können, stellen ein großes Problem in der Wachtelhaltung dar. Der betroffene Fuß ist mit Eiter gefüllt und deutlich geschwollen.

Die Tiere zeigen zum Teil erhebliche Bewegungsstörungen und Lahmheiten, die mit starken Schmerzen und großem Leiden verbunden sind.

Schlachtung

Wachteln werden, so wie die meisten in der Landwirtschaft genutzten Vögel, in einem Elektrowasserbad betäubt. Dieses Betäubungsverfahren ist aufgrund von mehreren Faktoren höchst kritisch zu bewerten :

  • Da die Tiere im wachen Zustand gefangen und kopfüber aufgehängt werden müssen, ist diese Art der Betäubung mit zusätzlichem Stress und Traumata für die Vögel verbunden.
  • Durch das Aufhängen an den Beinen kommt es zu Schmerzen und/oder Knochenbrüchen.
  • Es passiert immer wieder, dass die Tiere nicht mit dem Kopf, sondern mit anderen Körperteilen zuerst in das Wasserbad eintauchen. Dies führt zu Elektroschocks, welche die Tiere bei vollem Bewusstsein erleben.
  • Bei nicht wirksamer Betäubung, z.B. wenn die Spannung zu niedrig ist, werden die Tiere beim Entbluten wieder wach und erleben den Tötungsprozess bei vollem Bewusstsein.

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit empfahl bereits 2004, die Betäubung im Elektrowasserbad aus Tierschutzgründen so schnell wie möglich durch weniger Stress und Schmerzen verursachende Verfahren mit nicht-aversiven Gasen zu ersetzen. Der Vorteil an solchen Verfahren ist, dass die Tiere in ihren Transportbehältnissen in Kammern geschoben und dort betäubt und getötet werden. Dadurch bleibt den Tieren zusätzlicher Stress erspart, da sie nicht gefangen, von ihren ArtgenossInnen getrennt und kopfüber aufgehängt werden.

Vermeidbarkeit und Forderungen

Fehlende Gesetzgebung

In Deutschland gibt es keine speziellen Rechtsvorschriften für die Wachtelhaltung. Wenn Wachteln landwirtschaftlich gehalten werden, dann gelten die allgemeinen Vorschriften des Tierschutzgesetzes sowie der Nutztierhaltungsverordnung. In der Praxis stellt sich häufig die Frage, wie diese Vorgaben interpretiert werden sollen, da es deutschlandweit keine Auslegungshilfen in Form von Gutachten oder Leitlinien gibt. Häufig werden die Richtlinien aus der Schweiz oder aus Österreich herangezogen, denn dort gibt es eigene Richtlinien zur Wachtelhaltung.

Ein Großteil der tierschutzrelevanten Probleme wird durch die intensiven Haltungsbedingungen und die fehlenden gesetzlichen Regelungen verursacht. Um das Leid der Wachteln zu verringern, müssten folgende Änderungen eingeführt werden:

  • Jegliche Käfighaltung muss abgeschafft werden.
  • Wachteln müssen Tageslicht und Zugang zu einem Auslauf haben.
  • Bei der Selektion der Tiere muss der Fokus auf höherer Stress- und Belastungstoleranz liegen und nicht auf noch höherer Leistungsfähigkeit.
  • Das Futter darf nicht in Form von Pellets gegeben werden, sondern muss eine Form haben, welche die Zeit der Nahrungsaufnahme nicht so drastisch verkürzt. Zudem sollte Beschäftigungsmaterial zur Verfügung stehen.
  • Die Besatzdichte muss reduziert werden. Bei Hennen in den ersten zwei Lebenswochen auf maximal 24 Tiere pro Quadratmeter, danach und bis zur Geschlechtsreife auf maximal zwölf Tiere pro Quadratmeter und ab der Geschlechtsreife auf maximal sechs Tiere pro Quadratmeter. Für Hähne ist die Einzelhaltung geeigneter.
  • Die Haltungseinrichtung muss mit geeigneten Objekten angereichert werden. Dies umfasst: ein Sandbad mit geeignetem Substrat; ein Zufluchtsort in Form von Pflanzen oder künstlichen Abdeckungen; Raumabtrennungen; Nestbereiche, die abgeschieden vom Aktivitätsbereich gelegen sind sowie ausreichend Pickmöglichkeiten.
  • Es dürfen keine Manipulationen an den Schnäbeln und Flügeln durchgeführt werden.
  • Nottötung (die auch in der Wachtelhaltung zur Tagesordnung gehört) darf kein standardmäßiges Verfahren zur »Beseitigung« von Wachteln sein.
  • Keine Betäubung im Elektrowasserbad. Die Betäubung und Tötung muss mit Gas erfolgen.
  • Eine lückenlose Rückverfolgbarkeit vom bebrüteten Ei bis hin zum Ei im Supermarkt muss gegeben sein, da nur so die nötige Transparenz für VerbraucherInnen gewährleistet ist.
  • Es müssen gesetzliche Richtlinien zur Wachtelhaltung erarbeitet werden.
  • Mehr wissenschaftliche Forschung zu den Bedürfnissen von Wachteln in Haltung ist dringend nötig.

Was können Sie tun?

  • Essen Sie kein konventionelles Wachtelfleisch und kaufen Sie keine Wachteleier. Das Ausweichen auf Bioprodukte ist nicht automatisch eine gute Lösung, da auch in der Biohaltung Wachteln häufig unter schlechten Bedingungen leben und sterben müssen und zudem auch hier letztlich das ethische Problem des unnötigen Tötens besteht.
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