Tieren helfen Ferkel2

Zuchtsauen

Körperliche Leiden und Schäden

Sau mit Verletzung
© Animal Rights Watch

Die intensive Ferkelproduktion ist mit einer starken Belastung für die Zuchtsauen verbunden. Das Risiko für folgende Erkrankungen und Verletzungen ist hier besonders hoch:

  • Eierstockzysten: Bis zu 10 % der Zuchtsauen sind davon betroffen, denn der Stress wirkt sich nachteilig auf den Hormonhaushalt aus.
  • Infektionen des Reproduktionstraktes: Fehler beim Management und der Hygiene (z. B. vollgekotete Liegeflächen) begünstigen bakterielle Infektionen. Besonders Gebärmutter- und Gesäugeentzündungen sind mit Schmerzen, Fieber und Unwohlsein verbunden. Der Krankheitskomplex PPDS (postpartales Dysgalaktiesyndrom) führt zu Fieber, Schwäche, Verstopfung und Milchmangel.
  • Zitzenverletzungen: Der hintere Gesäugebereich ist besonders betroffen, da hier die Zitzen bei liegenden Zuchtsauen den Spaltenboden berühren. Die Zitzen passen genau in die Spalten und können beim Aufstehen oder einem Stellungswechsel sogar komplett abgetrennt werden.
  • Blasen- und Harnwegsinfektionen: Die Kontamination mit Kot im Einzelstand, nasse Böden und eine unzureichende Wasseraufnahme wirken hierauf begünstigend. Das Risiko für diese Infektionen steigt bei Zuchtsauen, die durch Lahmheiten oder Schmerzen seltener zum Harnabsetzen aufstehen.
  • Husten und Lungenschäden: Durch das Gemisch aus Kot und Urin unter dem Spaltenboden sind die Zuchtsauen einer hohen Ammoniakbelastung ausgesetzt. Dieses Schadgas reizt die Schleimhäute und bahnt so schweren Infektionen den Weg.
  • Knochen-, Muskel- und Herz-Kreislauf-Schwäche: Die langfristige Bewegungseinschränkung und das fehlende Training sind die Hauptverursacher dieser Erkrankungen.
  • Hautverletzungen: Das Anstoßen an die immer gleichen Metallstangen und lange bewegungslose Liegephasen auf dem harten Boden bewirken Drucknekrosen und Geschwüre, die sogar bis zum Knochen reichen und diesen infizieren können. Typisch sind Schulterläsionen.
  • Klauenverletzungen: Fast alle Verletzungen dieser Art entstehen durch die Haltung auf Spaltenböden.
  • Traumatische Verletzungen: In der Enge der Einzelstände und auf feuchten Spaltenböden rutschen die Sauen häufig aus. Die hochträchtigen und behäbigen Sauen stoßen sich besonders häufig.

Verhaltensstörungen der Zuchtsauen

Traurige Sau
© Animal Equality

Die repressive Haltung hat neben den körperlichen auch psychische Auswirkungen auf die Zuchtsauen. Es kommt zu Verhaltensänderungen, die sich zu einer Stereotypie entwickeln können. Diese Verhaltensstörungen, die als das wichtigste Indiz für eine Überforderung durch die Haltungsumgebung gelten und ein Ausdruck des zu ertragenden Leids sind, können bei Sauen beobachtet werden. Auch der Ausfall von typischen Verhaltensweisen gehört dazu. Denn das erzwungene Nichtverhalten, also wenn Haltungsbedingungen das Ausführen von Verhaltensweisen verhindern, wird als Verhaltensstörung angesehen.

  • Stangenbeißen: Bei fehlendem Beschäftigungsmaterial, restriktiver Fütterung, reizarmer Umgebung und fehlendem Platzangebot bebeißen die Tiere für lange Zeit die Querstangen des Kastenstandes.
  • Leerkauen: Besonders restriktiv gefütterte und ohne Einstreu untergebrachte Zuchtsauen zeigen dieses stereotype Verhalten. Das mangelnde Sättigungsgefühl durch ein hochverarbeitetes und strukturarmes Futter und die fehlende Nahrungssuche bestärken die leeren Kaubewegungen ohne Futter im Maul.
  • Weben: Die reizarme Umgebung veranlasst die Zuchtsauen, ihren Kopf rhythmisch Hin und Her zubewegen. Viele Sauen zeigen dieses Verhalten während sie auf ihren Hinterbeinen sitzen.
  • Trauern: Die Sauen sitzen apathisch in der sogenannten hundesitzigen Stellung und lassen ihren Kopf hängen.
  • Nasenrückenreiben: Die Zuchtsauen reiben ihre Nase intensiv an den Stangen des Kastenstandes.
  • Gleichgültigkeit: Das bewegungslose Stehen in unnatürlicher Körperhaltung oder eine auffällige Teilnahmslosigkeit stellen einen Versuch dar, mit der überfordernden Situation der langen Fixierung umzugehen.

Schlachtung

Muttersauen ist kein langes Leben vergönnt. Schon nach etwa drei Jahren und dem sechsten Wurf genügt die Fruchtbarkeitsleistung nicht mehr. Viele Sauen scheiden auch krankheitsbedingt frühzeitig aus dem Produktionszyklus aus. Dabei stellen Fruchtbarkeitsstörungen, Gelenkveränderungen oder Beinschäden die häufigste Abgangsursache dar. Und so verlässt jedes Jahr etwa die Hälfte der Muttersauen den Betrieb und wird geschlachtet.

Die Schlachtung setzt sich aus der Betäubung und der anschließenden Tötung durch Blutentzug zusammen. Dafür werden die Tiere entweder einzeln per Elektrobetäubung oder in Gruppen mit Kohlendioxid betäubt.

Die Schlachtung der großen und schweren Muttersauen birgt mehrere Schwierigkeiten. Bei der Elektrobetäubung sind höhere Stromstärken notwendig als bei den kleineren Mastschweinen und eine alleinige elektrische Hirndurchströmung würde zu einem vorzeitigen Erwachen führen. Hinzu kommt, dass bei den schweren und alten Zuchtsauen die Zeit zwischen der Betäubung und des Stiches zum Blutentzug durch ein erschwertes Anschlingen, Hochziehen und Ausbluten verlängert ist. Deswegen muss zusätzlich das Herz elektrisch durchströmt werden.

Obwohl der schonende Umgang mit den Tieren im Schlachthof gesetzlich geregelt ist, macht der Zeitdruck der Akkordarbeit dies unmöglich. Dabei stellen Schläge, Tritte und Elektrotreiber typische Verstöße dar – die Schlachthofmitarbeiter stehen unter einem ständigen Zeitdruck.

Die Betäubung mit Kohlenstoffdioxid (CO2) wird mit einem Gondel- oder Paternosterprinzip durchgeführt. Die Tiere werden in eine Gondel getrieben, die in eine mit CO2 gefüllte Betäubungskammer hinabfährt. Diese Betäubungsart führt erst nach etwa 30 Sekunden zu einem Bewusstseinsverlust und ist mit vielen Nachteilen verbunden. Das Gas hat eine schleimhautreizende Wirkung, führt zu Hyperventilation, gefolgt von Atemnot und einem mit Angst verbundenem Erstickungsgefühl. Die Tiere zeigen panische Fluchtversuche.

Eine ausführliche Beschreibung zu den Betäubungs- und Schlachtverfahren finden Sie in unserem Mastschweinartikel.

Abschließender Exkurs: Zuchteber

In Deutschland werden nur verhältnismäßig wenig ausgewachsene männliche Schweine gehalten, da in der industriellen Schweineproduktion die künstliche Besamung von Sauen dominiert. Gerade einmal 25.400 Eber leben in Deutschland.

Hauptsächlich kommen Zuchteber der Rasse »Pietrain«, auch als »Vier-Schinken-Schweine« bezeichnet, zum Einsatz. Sie leben meist in sogenannten Eberstationen. Dort sind sie in Einzelbuchten untergebracht. Im Gegensatz zu der beengten Unterbringung der Zuchtsauen, müssen die Buchten für die Eber ab einem Lebensjahr mindestens 6 m² groß sein. Sie sind zu einem Drittel mit Stroh oder Sägespänen eingestreut, um eine gute Klauen- und Gliedmaßengesundheit der Eber zu gewähren. Auslauf ist jedoch auch für die Eber nicht vorgesehen.

Die Zuchteber werden regelmäßig künstlich abgesamt. Dafür müssen sie auf ein sogenanntes Phantom aufspringen. Ein Mitarbeiter fängt den Samen mit einer künstlichen Scheide auf, der anschließend im Labor untersucht und weiterverarbeitet wird.

Manche Muttersauenbetriebe halten eigene Eber. Diese Tiere dienen als sogenannte Kontroll- oder Sucheber. Sie werden mehrmals am Tag in einem Laufgang entlang der Kastenstände im Besamungszentrum getrieben. Denn für eine erfolgreiche künstliche Besamung ist der Kontakt zu einem echten Eber entscheidend. Für diese Stimulierung und Kontrolle der Paarungsbereitschaft werden vor allem junge, aktive Eber eingesetzt, die selbst aber kaum zum Deckeinsatz kommen.

Vermeidbarkeit und Forderungen

Um das Leid der Sauen möglichst gering zu halten, müssen zumindest die folgenden Änderungen eingeführt werden:

  • Kein Einsatz von auf Hochleistung gezüchteten Schweinen (zur Reduzierung der körperlichen Leiden).
  • Generelles Verbot der Fixierung von Zuchtsauen in der Form, wie es derzeit bei der Haltung in Kastenständen und den üblichen Abferkelbuchten der Fall ist.
  • Verbot der Haltung von Sauen auf Spaltenböden und Gewährleistung von Einstreu.
  • Erhöhung des Platzangebotes in den Ställen sowie Auslauf ins Freie (zur Bewegung und zum Ausleben sozialer Verhaltensweisen).
  • Ständiger Zugang zu Raufutter (Stroh, Heu, Gras) und die Darbietung von wechselnden und veränderbaren Beschäftigungsmaterialien, wie Nagebalken aus Weichholz, Torf oder Kompost zum Wühlen (zur Beschäftigung und zur Vorbeugung von Verhaltensstörungen).

Was können Sie tun?

  • Essen Sie kein konventionelles Schweinefleisch, wenn Sie nicht zu den oben beschriebenen Zuständen beitragen möchten. Leider ist auch das Ausweichen auf Bioprodukte nicht automatisch eine gute Lösung, da auch in Biohaltung Schweine häufig unter schlechten Bedingungen leben und sterben müssen und zudem auch hier letztlich das ethische Problem des unnötigen Tötens bestehen bleibt.
  • Sie suchen Informationen oder eine Einstiegshilfe zu einer tierfreundlicheren Ernährung? Dann schauen Sie doch mal bei unserer Vegan Taste Week vorbei und melden Sie sich zum kostenlosen Newsletter an.
  • Helfen Sie uns bei unserem Kampf gegen die schlimmsten Zustände in der Intensivtierhaltung.

Zahlenquellen

Die Zahlen zum Tierbestand und zu den Zuchtsauen haltenden Betrieben beruhen auf Angaben des Statistischen Bundesamtes.

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