Tieren helfen Ferkel2

Mastschweine

Schlachtung der Schweine

Schweinehälften im Schlachthaus
© BlackRiv – Pixabay CC0
In Deutschland wurden im Jahr
Schweine geschlachtet. Die Schlachtung setzt sich aus der Betäubung und der Tötung durch Blutentzug zusammen. Für die Betäubung sind unterschiedliche Methoden gängig, wobei die Gas- oder Elektrobetäubung am weitesten verbreitet sind.

Gasbetäubung

Bei der Betäubung mit Gas werden die Mastschweine zu mehreren Tieren in automatisch betriebene Gondeln getrieben. Diese befördert die Tiere in eine Kammer oder Grube, in der eine rund 90-prozentige Kohlendioxid-Konzentration herrscht. Nach etwa 100 Sekunden fährt die Gondel wieder hinauf und die betäubten Tiere werden ausgeworfen. Was von außen wie ein rein mechanischer und reibungsloser Ablauf wirkt, ist mit einer quälenden Todesangst für die Schweine verbunden. Die Exposition mit CO2 führt zuerst zur Hyperventilation gefolgt von Atemnot und bewirkt das Gefühl des Erstickens. Zusammen mit der schleimhautreizenden Wirkung führt dies zu starken Abwehrreaktionen und Lautäußerungen. Die eingesperrten Mastschweine schnappen verzweifelt nach Luft und versuchen zu fliehen bis die Betäubungswirkung langsam einsetzt und sie ihr Bewusstsein verlieren. Erst nach etwa einer halben Minute setzt die Betäubung vollständig ein. Doch auch bei diesem Verfahren kommen häufig Fehlbetäubungen durch eine zu niedrige CO2-Konzentration oder eine zu geringe Verweildauer in der Gasgrube oder -kammer vor.

Elektrobetäubung

Zur Elektrobetäubung werden mehrere Schweine in einer Bucht zusammengetrieben, wo sie nacheinander manuell mit einer Betäubungszange am Kopf gegriffen und über eine Hirndurchströmung elektrisch betäubt werden. Während der gesamten Prozedur der Betäubung und Entblutung sind unbetäubte Mastschweine anwesend, die die Tötung ihrer Artgenossen aus nächster Nähe miterleben, bevor sie selbst an die Reihe kommen. In großen Schlachtbetrieben wird die Betäubung vollautomatisch durch einen sogenannten Restrainer durchgeführt, der die Tiere einzeln erfasst und bis zu den Elektroden vorwärts schiebt.

Die Durchströmung des Gehirns bewirkt einen epilepsieähnlichen Anfall, wodurch das Bewusstsein nach etwa 0,2 Sekunden ausgeschaltet wird. Der häufigste Fehler bei der Elektrobetäubung ist ein falscher Ansatz der Elektroden im Zuge der Akkordarbeit. Dann kommt es anstatt zu einer Betäubung zu einer hochgradig schmerzhaften elektrischen Durchströmung. Der gesamte Körper verkrampft und die Tiere sind für eine gewisse Zeit bewegungsunfähig, was fälschlich als erfolgreiche Betäubung gedeutet werden kann – eine betäubende Wirkung fehlt jedoch völlig und die Tiere werden bei Bewusstsein geschlachtet. Laut der Bundesregierung tritt bei diesem Betäubungsverfahren bei zwischen 3,3 % der Schweine (bei automatischen Betäubungsanlagen) und bis zu 12,5 % der Schweine (bei handgeführten Betäubungsanlagen) eine Fehlbetäubung auf. In diesem Fall sind die Tiere während des Durchschneidens der Schlagadern und der Entblutung bei Bewusstsein.

Tötung

Direkt an die Betäubung schließt sich die Tötung durch Entblutung an. Der Bruststich mit einem Messer erfolgt je nach Schlachthof vor oder nachdem die Schweine an einem Hinterbein an die Förderkette eingehängt werden. Werden die Blutgefäße beim Stechen verfehlt, verlängert sich die Zeit des Ausblutens und die Schweine können aus der Betäubung wiedererwachen.

In den Schlachthöfen herrscht ein so großer Zeitdruck, dass manche Tiere schon weiter verarbeitet – d. h. in die Brühanlage geschoben – werden, bevor sie endgültig ausgeblutet sind. Das Brühen dient im Schlachtverlauf der Enthaarung der Schweine. Nach offiziellen Schätzungen gelangt etwa 1 % der Schweine ins Brühbad, die wach sind oder dort aufwachen und bei lebendigem Leib verbrüht werden.

Vermeidbarkeit und Forderungen

Um das Leid der Mastschweine möglichst gering zu halten, müssen bei der konventionellen Schweinehaltung zumindest die folgenden Änderungen eingeführt werden:

  • Kein Einsatz von auf Hochleistung gezüchteten Schweinen (zur Reduzierung der körperlichen Leiden).
  • Erhöhung des Platzangebotes in den Ställen sowie Auslauf ins Freien (zur Bewegung und zum Ausleben sozialer Verhaltensweisen).
  • Darbietung von ständig wechselnden und veränderbaren Beschäftigungsmaterialien, wie Raufutter (Stroh, Heu, Gras), Nagebalken aus Weichholz, Torf oder Kompost zum Wühlen (zur Beschäftigung und zur Vorbeugung von Verhaltensstörungen).

Verbot der Vollspaltenböden

Die Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt fordert zudem ein Verbot der Vollspaltenböden und die Gewährleistung von Einstreu zumindest in den Liegebereichen. Studien zeigen, dass kannibalistische Attacken (wie z. B. Schwanz- und Ohrenbeißen) speziell unter den Bedingungen der Intensivhaltung auf Vollspaltenböden auftreten, während in Buchten mit ebener Liegefläche oder bei Einstreuhaltungen solche Verhaltensweisen seltener vorkommen. Weitere bereits angesprochene Probleme der Vollspaltenhaltung sind Atemwegsreizungen, Verletzungen und Gelenkentzündungen. Insgesamt lässt sich festhalten, dass Schweinemastanlagen mit Vollspaltenböden bereits im Jahr 2006 vom sog. Nationalen Bewertungsrahmen Tierhaltungsverfahren mit der schlechtesten Note (C) versehen wurden und mit  hohen Risiken für die Tiergesundheit verbunden sind –  eine Förderung alternativer Haltungen sollte daher längst Standard sein.

Verbot zootechnischer Maßnahmen

Kastration bei Mastschweinen
© PETA

Des Weiteren fordert die Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt ein Verbot der bisher routinemäßig durchgeführten zootechnischen Maßnahmen, wie das Kupieren von Schwänzen und das Abschleifen von Eckzähnen, die derzeit sogar noch ohne Betäubung durchgeführt werden dürfen. Laut §6 Abs. 1 Nr. 3 des Tierschutzgesetzes sind Schwanzkürzen und Abschleifen von Eckzähnen nur dann erlaubt, wenn der Eingriff im Einzelfall für die vorgesehene Nutzung des Tieres zu dessen Schutz oder zum Schutz anderer Tiere unerlässlich ist. In der Regel besitzen konventionell wirtschaftende Betriebe allerdings eine entsprechende Stellungnahme des bestandsbetreuenden Tierarztes, welche die Unerlässlichkeit des Eingriffs versichert, sodass die Eingriffe trotzdem routinemäßig stattfinden können.

Das Schwanzkürzen wird zur Vorbeugung von Verletzungen und Infektionen durch Schwanzbeißen bei Ferkeln bis zum 4. Lebenstag durchgeführt. Die Schwänze werden mit einer Kupierzange um etwa ein Drittel gekürzt. Neben akuten Schmerzen (die Schwanzspitze ist von Nerven durchzogen) kann der Eingriff bei den Tieren (im Fall der Bildung von Neuromen bzw. Geschwülsten) sogar zu chronischen Schmerzen führen.

Das Abschleifen der Eckzähne von unter acht Tage alten Ferkeln soll Verletzungen des Gesäuges durch die Ferkelzähne verhindern, welche entstehen können, weil die in der Abferkelbucht fixierte Muttersau ihr Gesäuge den Jungtieren nicht entziehen kann. Wenn bei diesem Eingriff die im Zahninneren enthaltenen Nerven freigelegt werden, entstehen den Tieren Schmerzen, die Stunden oder sogar Tage andauern können (z. B. wenn Entzündungen des Zahninnenraums oder des Zahnfleisches auftreten).

Bis einschließlich 2018 ist laut § 21 des Tierschutzgesetzes das betäubungslose Kastrieren junger männlicher Ferkel noch erlaubt. Die Kastration wird im Alter von bis zu 7 Tagen durchgeführt, weil das Fleisch von unkastrierten Männchen für viele Menschen einen unangenehmen Geruch aufweist (»Ebergeruch«). Die Haut der Ferkel wird ohne Betäubung mit einem Skalpell durchschnitten, dann werden die Samenstränge durchtrennt und die Hoden entfernt. Nach dem aktuellen Stand der Wissenschaft verursacht die Kastration ohne Betäubung den Tieren starke Schmerzen und Leiden – noch eine Woche nach dem Eingriff lassen sich die schmerzhaften Folgen anhand von Verhaltensänderungen feststellen.

Was können Sie tun?

  • Essen Sie kein konventionelles Schweinefleisch, wenn Sie nicht zu den oben beschriebenen Zuständen beitragen möchten. Leider ist auch das Ausweichen auf Bioprodukte nicht automatisch eine gute Lösung, da auch in Biohaltung Schweine häufig unter schlechten Bedingungen leben und sterben müssen und zudem auch hier letztlich das ethische Problem des unnötigen Tötens bestehen bleibt.
  • Sie suchen Informationen oder eine Einstiegshilfe zu einer tierfreundlicheren Ernährung? Dann schauen Sie doch mal bei unserer Vegan Taste Week vorbei und melden Sie sich zum kostenlosen Newsletter an.
  • Helfen Sie uns bei unserem Kampf gegen die schlimmsten Zustände in der Intensivtierhaltung.

Zahlenquellen

Die Zahlen zum Tierbestand und zur Schlachtung beruhen auf Angaben des Statistischen Bundesamtes.

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