Tieren helfen Pute

Puten

Körperliche Leiden und Schäden der Puten

Im Zuge der intensiven Tierhaltung erfahren Mastputen regelmäßig folgende Schmerzen, Leiden und Schäden, die überwiegend durch die Überzüchtung (»Qualzucht«) und mangelhaften Haltungsbedingungen (z. B. eingeschränkter Bewegungsfreiheit) entstehen:

  • Erkrankungen des Skelettsystems (inkl. Beinschwäche)
  • Sohlenballengeschwüre oder Verätzungen an den Ballen
  • Brustverletzungen (Geschwüre und Entzündungen)
  • Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems
  • Atemwegserkrankungen
  • Verletzungen durch Artgenossen

Beinschwächensyndrom

Pute kann nicht mehr normal laufen
© Animal Rights Watch

Der riesige Brustmuskel führt zu einer Verlagerung der Körperachse und schon früh machen sich Beinstellungsanomalien, regelrechte Knochenverbiegungen (X- und O-Beine) bemerkbar. Bei manchen Putenhähnen halten die Beine die Last nicht mehr und die Oberschenkelknochen brechen. Zusammen mit verkrümmten Zehen und überlasteten, teils ausgerissenen Bändern in den Beinen und Gelenk- oder Muskelerkrankungen werden diese Bewegungsstörungen als Beinschwächesyndrom bezeichnet.

Veränderungen der Sohlenballen

Vor allem weibliche Puten leiden unter schmerzhaften Veränderungen der Sohlenballen. Die höhere Besatzdichte bei ihrer Haltung (im Vergleich zur Haltung der männlichen Tiere) führt zu einer stärkeren Verschmutzung der Einstreu mit Exkrementen. Die Sohlenballen weichen regelrecht auf und erleichtern die Entstehung von Entzündungen. Zum Mastende zeigen nur noch etwa 1 % der Putenhennen gesunde Fußballen.

Geschwüre und Entzündungen

Das schwere Gewicht, schmerzende Beinveränderungen und Entzündungen führen dazu, dass die Tiere länger auf dem vollgekoteten Boden liegen. Da die riesige Brust kaum mehr mit Federn bedeckt ist (während der Zucht hat sich die Anzahl und Größe der Federn nicht verändert), wird die Brusthaut nicht ausreichend geschützt. Die Folge sind schmerzhafte Brustblasen (mit Flüssigkeit oder Eiter gefüllter entzündeter Brustschleimbeutel und umkapselte Entzündungen in der Haut) und Brustknöpfchen (engl. »Breast Buttons«, rundliche schmerzhafte Hautgeschwüre).

Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Bis zu 35 % aller Tierverluste (Tiere, die vor dem Ende der Mast verenden) entstehen durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Typisch ist der plötzliche krampfartige Tod durch Risse in der Hauptschlagader. Neben der frühen Schnellwüchsigkeit, zu hohen Temperaturen und Stress wird auch eine Sauerstoffunterversorgung in der Brutmaschine als Ursache diskutiert. Zum Vergleich: Herz-Kreislauf-Erkrankungen kommen bei Wildputen praktisch nicht vor.

Atemwegserkrankungen

Die belastende Haltungsumwelt (vollgekotete Einstreu, Schadgasbelastung in der Stallluft, Stress und fehlende Pflege) und Infektionen durch Bakterien, Viren oder Pilze führen zu schädigenden Entzündungen der Atemwege und des Lungensystems. Besonders das Schadgas Ammoniak, das aus dem Putenkot stammt, führt zu Schleimhautreizungen, die Erkrankungen den Weg bahnen.

Verletzungen durch Artgenossen

Im Gedränge werden die am Boden liegenden Tiere von ihren Artgenossen regelrecht überlaufen, Kratzwunden am ganzen Körper sind die Folge. Hinzu kommen schmerzhafte Pick- und Hackverletzungen, die sich die Puten immer wieder untereinander zufügen. Wunden entstehen vor allem an federlosen Körperstellen, wie Kopf, Hals oder Kloake. Diese Verletzungen stellen Eintrittspforten für Erreger dar – das Risiko für Infektionskrankheiten steigt. Letztlich können die Wunden so schwerwiegend sein, dass sie zum Tod des Tieres führen (Kannibalismus). Diese Verhaltensstörungen stellen gravierende Tierschutzprobleme dar, die sowohl in der Stallhaltung als auch in der Auslaufhaltung vorkommen.

Einige Puten sterben aufgrund der oben beschriebenen Erkrankungen und Verletzungen einen langsamen Tod im Maststall. Die erschöpften Tiere erreichen die Trink- und Futterapparaturen nicht mehr und verdursten in der Folge (seltener: verhungern). Bis zu 13 % der Tiere sterben in Folge von Krankheit, Verletzung oder Verdursten bereits während der Mast oder auf dem Weg zum Schlachthof.

Schlachtung der Puten

Im Jahr
wurden in Deutschland
Puten zum Fleischverzehr getötet. Dies macht
der Geflügelfleischerzeugung aus.

Transport

Puten werden auf LKWs transportiert
© PETA

Im Mastbetrieb werden die »schlachtreifen« Puten zusammengetrieben, in Transportbehälter gesperrt und auf LKWs verladen. Puten dürfen laut der Tierschutztransportverordnung 12 Stunden ohne Zugang zu Futter und Wasser transportiert werden, obwohl eine generelle Empfehlung besagt, dass Geflügel nicht länger als acht Stunden fasten oder in Behältern transportiert werden sollten. Denn durch den Stress beim Einfangen, Verladen und Transportieren erhöht sich die Stoffwechselrate so sehr, dass die Reserven im Körper schnell erschöpfen. Der ständig herrschende Zeitdruck und fehlende Kontrollen beim Verladen führen zu einem groben Umgang mit den Tieren. Beim Verladen und Transport zum Schlachthof erleiden die Tiere Verletzungen wie schmerzhafte Knochenbrüche und Blutungen.

Schlachtung

Im Schlachtbetrieb müssen die Puten vor der Tötung laut deutscher Tierschutz-Schlachtverordnung betäubt werden. Eingesetzt werden die Gasbetäubung und deutlich häufiger die elektrische Durchströmung im Wasserbad. Das Elektro-Verfahren ermöglicht hohe Schlachtzahlen in kurzer Zeit, ist aber aus Sicht des Tierschutzes mit vielen Nachteilen verbunden.

Elektrobetäubung

Nach der Entnahme der Puten aus den Transportbehältern werden sie kopfüber an den Beinen in Metallbügel einer Förderkette eingehängt. Für die Tiere bedeutet das eine hohe Stressbelastung, die mit Kreislaufproblemen einhergeht. Der Druck der Bügel und die Zugbelastung durch ihr hohes Eigengewicht verursachen starke Schmerzen. Verschlimmert wird die Situation, da fast alle Puten an schmerzhaften Beinveränderungen leiden. Die gestressten Tiere reagieren mit heftigen Abwehrbewegungen und erleiden dabei Verrenkungen und Knochenbrüche. Rücksicht wird keine genommen – Puten dürfen sogar bis zu zwei Minuten kopfüber eingehängt bleiben, obwohl bekannt ist, dass Stress und Schmerzen die anschließende Betäubung erschweren.

Die Förderkette zieht die Tiere automatisch durch das Elektro-Wasserbad. Durch den Strom können starke Muskelkrämpfe und in der Folge Knochenbrüche entstehen. Da außerdem die Flügel vieler Puten so lang sind, dass sie das Wasser vor Eintauchen des Kopfes berühren, erleiden die Tiere schmerzhafte Elektroschocks an den Flügelspitzen vor der Betäubung. Fehlbetäubungen entstehen, wenn die Puten ihren Kopf reflexartig vom Wasser weg ziehen und dieser nicht oder nur unvollständig das elektrisch durchströmte Wasser berührt. Sie bleiben bei Bewusstsein und erleben die anschließende Entblutung mit. Eigentlich müsste das Kontrollpersonal eingreifen und die Tiere nachbetäuben – aus Zeit- und Kostengründen wird der Schlachtprozess jedoch nicht unterbrochen.

Gasbetäubung

Neben der elektrischen Betäubung wird auch Gas für die Betäubung eingesetzt (bei hoher Gaskonzentration wird damit auch zugleich getötet). Da der alleinige Einsatz von Kohlendioxid (CO2) zusammen mit einem Sauerstoffmangel zu panikartigen Erstickungsreaktionen führt, wird ein mehrphasiges Verfahren (Einleitungsphase zur Betäubung, zweite Phase zur Tötung) eingesetzt oder es werden weitere Gase wie Stickstoff und Argon eingemischt.

Mitarbeiter setzen die Transportkäfige mit den Tieren auf ein Fließband, das in einen Tunnel führt. Dabei können die Tiere, die schon auf dem Weg zum Schlachthof in den Transportkäfigen verendet sind, nicht erkannt werden – auch sie werden folglich weiterverarbeitet. Im Tunnel atmen die noch lebenden Tiere das Gas ein und schon nach kurzer Zeit leiden sie unter einem starken Erstickungsgefühl. Zusätzlich reizt das CO2 die Schleimhäute. Nach einer dreiviertel Minute überwiegt die Atemnot, doch die Tiere zeigen noch Abwehrbewegungen und Schmerzreaktionen wie Kopfschütteln, Luftschnappen, Keuchen, heftiges Flügelschlagen und Fluchtversuche. Nach etwas mehr als einer Minute wirkt die Betäubung und die Körper erschlaffen. Dann werden die betäubten Tiere (oder bei der mehrphasigen Methode die getöteten Tiere) aus den Kisten herausgeholt und in eine Förderkette gehängt.

Nach dem Betäubungsschritt werden die Puten entblutet. Ein Mitarbeiter oder ein sogenannter Halsschnittautomat durchtrennt den Hals inklusive der Schlagadern. Anschließend wird die Haut in einer Brühvorrichtung mit heißem Wasser oder Wasserdampf aufgeweicht und eine Rupfmaschine entfernt die Federn.

Vermeidbarkeit und Forderungen

Die Haltung und der Schutz von Mastputen sind in Deutschland, abgesehen von den allgemeinen Vorgaben im Tierschutzgesetz und in der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung, nicht speziell gesetzlich geregelt. Puten werden außerdem nicht (wie generell »Nutzgeflügel«) im Tierzuchtgesetz beachtet.

Auf nationaler Ebene wurde lediglich im April 2013 auf Basis einer älteren Eckwertevereinbarung aus dem Jahr 1999 die »Bundeseinheitlichen Eckwerte für eine freiwillige Vereinbarung zur Haltung von Mastputen« verabschiedet. Es handelt sich um eine freiwillige Selbstverpflichtung der Putenbranche, die auf rein politischer Ebene bisher nur von Niedersachsen per Erlass übernommen wurde.

In der freiwilligen Vereinbarung überwiegen allgemeine Formulierungen. Die Überzüchtung der Hybridlinien und damit zusammenhängende gesundheitliche Folgen für die Tiere werden nicht adressiert. Die Besatzdichten sind nach wie vor viel zu hoch angesetzt. Insgesamt kann sogar von einer deutlichen Verschlechterung im Gegensatz zur früheren Vereinbarung gesprochen werden:

Zuvor war eine Regelbesatzdichte von 45 kg/m² bei Truthennen und 50 kg/m² bei Truthähnen vereinbart. Diese Besatzdichte durfte nur in Ausnahmefällen auf max. 52 bzw. 58 kg/m² gesteigert werden. Jeder Halter, der sich dem neu beschlossenen aber unkonkreten Gesundheitsprogramm anschließt, darf sich an der höheren Besatzdichte orientieren. Das Angebot eines Außenklimabereichs wirkt auf den ersten Blick als Verbesserung, führt unter den Bedingungen der Vereinbarung jedoch dazu, dass die Besatzdichte insgesamt weiter erhöht werden darf.

Auf Europa-Ebene fehlen noch gesetzliche Tierschutzrichtlinien für Puten, wie das Gutachten »Wege zu einer gesellschaftlich akzeptierten Nutztierhaltung« vom Wissenschaftlichen Beirat für Agrarpolitik beim Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft feststellt.

Es existiert lediglich eine Europaratsempfehlung. Sie erhebt den Anspruch, durch ihre Vorgaben eine Verbesserung des Wohlbefindens einschließlich der Gesundheit der Mastputen zu gewährleisten. Der Alltag in den Mastanlagen zeichnet jedoch ein anderes Bild. Die überwiegend allgemein formulierten Empfehlungen werden kaum umgesetzt.

Forderungen der Albert Schweitzer Stiftung

Die Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt stellt folgende Mindestforderungen bezüglich der konventionellen Putenhaltung:

  • Verwendung weniger überzüchteter Rassen (zur Reduzierung der körperlichen Leiden und der Verhaltensprobleme)
  • Verringerung der Besatzdichte auf höchstens 36,5 kg Lebendgewicht pro m² sowie möglichst Zugang zu einem strukturierten gepflegten Auslauf (zur Schaffung von mehr Bewegungsfreiheit und der Reduzierung von Aggressionen)
  • strukturierte Ausgestaltung der Ställe, z. B. mit Strohballen, Holzplattformen und Sitzstangen (zur Beschäftigung und als Ruheplätze)
  • Bereitstellung vielfältigerer, kalorienärmerer Nahrung (zum Ausleben der nahrungsbezogenen Verhaltensweisen)
  • Verbesserung der Stallhygiene, stets trockene Einstreu (Senkung des Risikos für Fußballenentzündungen und Brustveränderungen)
  • Maßnahmen für eine intakte Sozialstruktur, beispielsweise Aufzucht der Küken durch erwachsene Hennen
  • Putengerechte Beleuchtung (Tag-Nacht-Rhythmus, Beleuchtung mit UV-Spektrum, keine für Vögel als flackernd wahrgenommene herkömmliche Leuchtstofflampen)
  • Schlachtung:
    • Schlachtbügel die an Gewicht und Größe der Tiere angepasst sind sowie eine langsamere Bandgeschwindigkeit, um im Schlachtprozess jeweils passende Bügel auszusuchen
    • kürzere gesetzlich erlaubte Hängezeiten (mindestens unter einer Minute, wie bei Hühnern)
    • Alarmsystem bei der Elektro-Wasserbadbetäubung, das ein Unterschreiten der Mindeststromstärke und Spannung anzeigt, jedoch: die Wasserbadmethode sollte generell ersetzt werden durch weniger schmerzhafte und stressverursachende Methode (z. B. Einsatz von nicht aversiven Gasen)

Darüber hinaus fordert die Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt ein vollständiges Verbot des Schnabelkürzens. Nach § 6 des deutschen Tierschutzgesetzes ist Schnabelkürzen nur in Ausnahmefällen erlaubt. Auch die Europaratsempfehlung verbietet grundsätzlich Eingriffe an den Tieren, weicht dieses Verbot jedoch schon im nächsten Absatz durch eine behördlich erteilte Ausnahme auf. Trotzdem wird diese Amputation bei den Puten standardmäßig durchgeführt und das hauptsächlich, um die durch Verhaltensstörungen entstandenen Tierverluste mit möglichst geringem Kostenaufwand zu reduzieren. Gänzlich verhindert werden Verletzungen dadurch jedoch nicht.

Insgesamt widersprechen die gängigen Bedingungen in der Putenmast dem Gedanken von § 2 Nr. 1 und Nr. 2 des Tierschutzgesetzes, nach denen Tiere ihrer Art und ihren Bedürfnissen entsprechend angemessen gehalten werden sowie die Möglichkeit der Tiere zur artgemäßen Bewegung nicht derart eingeschränkt werden dürfen, dass ihnen Schmerzen, vermeidbare Leiden oder Schäden zugefügt werden.

Was können Sie tun?

  • Wenn sie die oben beschriebenen Zustände nicht unterstützen wollen, essen Sie kein Putenfleisch. Auch von Bio-Pute ist abzuraten, da nicht auszuschließen ist, dass die Tiere in Biohaltung ähnlich schlimmen Bedingungen ausgesetzt werden. Zudem werden für die Biofleischherstellung in der Regel die gleichen unter Krankheiten leidenden Hochleistungsrassen eingesetzt.
  • Wenn Sie Ihre Ernährung generell tierfreundlicher gestalten möchten, stehen wir Ihnen dabei gerne mit unserer Vegan Taste Week zur Seite.
  • Helfen Sie aktiv oder passiv dabei, die quälerische Tierhaltung abzuschaffen.

Zahlenquellen

Die Zahlen zum Tierbestand und zur Schlachtung beruhen auf Angaben des Statistischen Bundesamtes.

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