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Mastrinder

Zurückdrängung der Grundbedürfnisse der Mastrinder

Zu den Grundbedürfnissen von Rindern gehören Erkunden, Gehen, Galoppieren, Grasen, Ruhen, eigene Körperpflege und vielfältige soziale Verhaltensweisen. In der Intensivtierhaltung wird den Tieren das Ausleben vieler dieser arteigenen Bedürfnisse unmöglich gemacht, zumal die Tiere dort gezwungen sind, unter extrem unnatürlichen Umständen zu leben. Dies führt bei den Mastrindern nicht selten zu Verhaltensstörungen und körperlichen Schäden. Details zur Zurückdrängung verschiedener Grundbedürfnisse von Rindern (bezüglich Nahrungssuche, Körperpflege, Ruhe- und Sozialverhalten) finden Sie in unserem Artikel zur Milchkuhhaltung.

Körperliche Leiden und Schäden der Mastrinder

Generell kommt es aufgrund der schlechten Haltungsbedingungen in der Intensivtierhaltung bei vielen Mastrindern zu verschiedenen Krankheiten und auch zu Verletzungen, was (besonders im Kälberalter) zu einem frühzeitigen Tod der Tiere führen kann. In Hinblick auf eine möglichst effiziente Fleischproduktion werden manche Fleischrassen (insbesondere die Rasse weißblaue Belgier) zudem derart überzüchtet, dass sich die sogenannte Muskelhypertrophie bzw. Doppellendigkeit (= doppelte Lenden) einstellt – ein Gendefekt, der (besonders an den Hintergliedmaßen) zu einem ungehemmten Muskelwachstum führt. Dies bedingt häufig, dass das Skelett oder die inneren Organe der überdimensionalen Muskelmasse nicht Stand halten können und sich Schäden wie Gelenkdeformationen einstellen. Zudem ist bei diesen Tieren eine Geburt auf natürlichem Wege (ohne Kaiserschnitt) kaum noch möglich, da die Kälber bereits im Mutterleib eine unnatürliche Größe aufweisen. Solche Rassen werden in Deutschland jedoch eher selten eingesetzt.

Folgende Gesundheitsstörungen sind bei Mastrindern besonders häufig:

  • Klauenrehe (Entzündung der Klauenlederhaut)
  • Erkrankungen der Verdauungsorgane (Pansenübersäuerung und Labmagenverlagerung)
  • Diverse Stoffwechselerkrankungen (Ketose, Leberverfettung)
  • Hautschäden (durch Kontakt mit Exkrementen und Teilen der Stalleinrichtung)
  • Gelenk- und Klauenverletzungen (durch Steckenbleiben in Vollspaltenböden)
  • Entzündete Schwanzspitzen (durch Trittverletzungen)
  • Deformationen der Gelenke (durch herabgesetzten Knochenanteil)
  • Fertilitätsstörungen
  • Atem- und Lungenprobleme (durch herabgesetzte Herzgröße und -funktion)

Schlachtung der Mastrinder

Sobald die Rinder ihr Mastendgewicht erreicht haben, werden sie zum Schlachthof abtransportiert. Die Tiere sind zu diesem Zeitpunkt erst ein oder zwei Jahre alt. Geschlachtet wurden im Jahr 2019 in Deutschland 1,3 Mio. Bullen und Ochsen und etwa 573.000 Färsen. Unter welchen Bedingungen diese Tiere sterben, erfahren Sie in unserem Artikel zur Milchkuhhaltung.

Vermeidbarkeit und Forderungen

Um das Leid der Mastrinder möglichst gering zu halten, müssen in der konventionellen Haltung zumindest die folgenden Änderungen eingeführt werden:

  • Kein Einsatz von Hochleistungsrassen (zur Reduzierung der körperlichen Leiden)
  • Verbot der Anbindehaltung und deutliche Erhöhung des Gesamtplatzangebotes in Laufställen (zur Ermöglichung von artgemäßem Sozialverhalten und von Bewegungsfreiheit)
  • Deutliche Erhöhung der Raufuttergabe (zur natürlichen Nahrungsaufnahme und Verhinderung von Stoffwechselerkrankungen)
  • Dauerhafter Weidegang in der Vegetationszeit und regelmäßiger Winterauslauf im Laufhof (zur Bewegung und Beschäftigung sowie zur Ermöglichung des natürlichen Fressverhaltens und des Auslebens sozialer Verhaltensweisen)
  • Verbot der Vollspaltenböden und Gewährleistung von Einstreu in den Liegebereichen (zur Ermöglichung artgemäßen Ruhens und zur Verbesserung der Körperhygiene)
  • Ausstattung der Böden mit Gummibelägen (zur Ermöglichung artgemäßen Gehens und der Vermeidung von Klauenverletzungen)

Zudem fordert die Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt ein generelles Verbot der Enthornung sowie der Kastration, da diese – in der gängigen Praxis ohne Betäubung vollzogenen – Praktiken wissenschaftlichen Studien zufolge als äußerst schmerzhaft einzustufen sind. Die Enthornung wird bei Kälbern im Alter von unter 6 Wochen durchgeführt, indem ihnen mit einem heißen Enthorngerät die Hornanlagen ausgebrannt werden. Bei der Burdizzo-Kastration – einer der gängigsten Kastrationsmethoden – werden die Samenstränge der unter 4 Wochen alten Kälber eine Minute lang mit einer Burdizzo-Zange gequetscht, was zu akuten Schmerzen während des Eingriffs führt, die noch bis zu 3 Stunden danach anhalten können.

Insgesamt betrachtet widersprechen die aktuellen Bedingungen der konventionellen Rinderhaltung den Gedanken von § 2 Nr. 1 und Nr. 2 des Tierschutzgesetzes, nach denen Tiere ihrer Art und ihren Bedürfnissen entsprechend angemessen gehalten werden sollen und die Möglichkeit der Tiere zur artgemäßen Bewegung nicht so eingeschränkt werden darf, dass ihnen Schmerzen oder vermeidbare Leiden oder Schäden zugefügt werden. Verbesserungen der bestehenden Haltungssysteme sind dringend geboten.

Was können Sie tun?

  • Essen Sie kein konventionell erzeugtes Rindfleisch, wenn Sie nicht zu den oben beschriebenen Zuständen beitragen möchten. Leider ist auch das Ausweichen auf Bioprodukte nicht automatisch eine gute Lösung, da auch in Biohaltung Mastrinder häufig unter schlechten Bedingungen leben und sterben müssen und zudem auch hier letztlich das ethische Problem des unnötigen Tötens bestehen bleibt.
  • Besuchen Sie unsere Vegan Taste Week, um sich wertvolle Tipps zum Einstieg in eine tierfreundliche Ernährung zu holen.
  • Helfen Sie uns bei unserem Einsatz gegen die Massentierhaltung.

Zahlenquellen

Die Zahlen zum Tierbestand, zu den Haltungen und zur Schlachtung beruhen auf Angaben des Statistischen Bundesamtes.

Artikel zum Herunterladen

Diesen Artikel können Sie auch als PDF-Dokument mit sämtlichen Quellenangaben herunterladen.

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