Masthühner

Körperliche Leiden und Schäden der Masthühner

Masthühner leiden trotz ihres kurzen Lebens an diversen Krankheiten. Bei einer längeren Lebenszeit würden noch massivere Gesundheitsprobleme und mehr Todesfälle vor der Schlachtung auftreten. Die schnelle Wachstumsrate und das hohe Körpergewicht verursachen einen Großteil der tierschutzrelevanten Probleme. Die industriellen Haltungsbedingungen mit z. B. unzureichender Bewegung, hochverarbeitetem Kraftfutter und fehlenden Erkundungsanreizen verschärfen die Situation. Folgende Erkrankungen mindern nicht nur das Wohlbefinden der Masthühner, sondern können auch zum Tod führen:

  • Knochendeformationen (z. B.: Fehlstellungen der Beine)
  • Beinerkrankungen
  • Beinschwäche (Entwicklungsstörungen des Skeletts)
  • Fußballenentzündungen
  • Hautentzündungen und Brustblasen (Flüssigkeitsbildung unter der Haut)
  • Hautverletzungen durch Picken oder Kratzen
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen (z. B.: das tödlich verlaufende Aszitessyndrom)
  • Muskelerkrankungen
  • Gelenkentzündungen
  • Erkrankungen des Atmungstraktes durch Infektionen oder Schadgase

Antibiotika

Die Kombination aus industriellen Haltungsbedingungen, hohen Besatzdichten und Überzüchtung (s.u.) macht die Masthühner besonders anfällig für Infektionskrankheiten. Dabei ist das Verbreitungsrisiko von Infektionserregern in andere Ställe umso höher, je mehr Mastbetriebe in einer Region angesiedelt sind. Im Falle einer festgestellten oder drohenden Infektionserkrankung erhalten alle Tiere im Stall – auch noch nicht erkrankte – Antibiotika über das Trinkwasser.

Wo besonders viele Tiere pro Betrieb leben, ist die eingesetzte Antibiotikamenge sehr hoch. Eine gezielte Einzeltierbehandlung gibt es nicht. Eine Studie des nordrheinwestfälischen Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz zeigte, dass 2011 im Untersuchungszeitraum 9 von 10 Masthühnern Antibiotika erhielten. Da jeder Einsatz von Antibiotika zur Resistenzentwicklung bei Krankheitserregern beiträgt, ist das besonders kritisch zu werten.

Überzüchtung

Konventionelle Hühnerfleischproduzenten mästen ausschließlich Hybridtiere. Diese Hühner sind das Endprodukt jahrelanger Zuchtprogramme für Hochleistungen in der Mast. Diese Hochleistungseigenschaften können Hybride nur sehr begrenzt weitervererben, weshalb jede neue Generation aus spezialisierten Zuchtbetrieben stammt. Lediglich vier weltweit tätige Unternehmen kontrollieren die Zucht dieser Masthybriden: die Erich Wesjohann Gruppe (EW Group), Hendrix Genetics, Groupe Grimaud und Tyson. Die Genetik der Hühnerlinien ist ein gut geschütztes Geschäftsgeheimnis der Unternehmen.

Masthühner
© Animal Rights Watch

Im Vordergrund der Zucht der Hochleistungsmasthühner stehen ein hoher Fleischansatz, eine effiziente Futterverwertung, die vor allem die Futterkosten verringern soll, und eine möglichst kurze Mastzeit durch große tägliche Gewichtszunahmen. Die Wachstumsrate wurde seit Beginn der intensiven Zucht vervierfacht: In den 1950er Jahren wogen Masthühner nach etwa 120 Tagen circa 1,5 kg. Heutige Masthybriden erreichen dieses Gewicht bereits innerhalb von 30 Tagen oder weniger.

Veränderter Körperbau

Auch hat die Überzüchtung den Körperbau der Masthühner tiefgreifend verändert: Die Brust- und Schenkelmuskulaturen sind enorm vergrößert und machen zusammen bis zu 66 % des Körpergewichts aus. Das hohe Gewicht führt zu schmerzhaften Beinschäden, denn das noch jugendliche Skelett kann mit dem Wachstum der Muskelmassen nicht mithalten. Gegen Ende der Mast bewegen sich die Tiere nur noch während etwa 4 % des Tages. Organe wie Herz und Lunge können ebenfalls nicht mit dem schnellen Körperwachstum mithalten und bleiben zu klein. In der Folge können sie den Organismus nicht ausreichend versorgen. Das kann zum Aszites-Syndrom führen, einem tödlich verlaufenden Herzversagen.

Fehlendes Sättigungsgefühl

Damit die Hochleistungsmasthühner in kurzer Zeit möglichst viel Kraftfutter fressen, wurde ihnen das natürliche Sättigungsgefühl weggezüchtet. Die für die Zucht der Masthybriden genutzten Eltern- und Großelterntiere haben ebenfalls diese Eigenschaft. Da sie aber deutlich länger leben müssen, bekommen sie nur weniger Futter als die Masthühner. Das soll Verfettung, Stoffwechselkrankheiten und eine sinkende Fruchtbarkeit verhindern. Aufgrund des fehlenden Sättigungsgefühls leiden die Tiere jedoch ihr Leben lang unter ständigem Hunger und zeigen deutliche Zeichen der Frustration. Sie versuchen ihr Fress- und Futtersuchbedürfnis anderweitig zu stillen und picken ziellos auf Objekte, scharren vermehrt auf dem Boden, wetzen wiederholt ihren Schnabel und laufen eilig aber ziellos hin und her. Diese Ersatzhandlungen können sich zu Stereotypien (Verhaltensstörungen) entwickeln.

Obwohl jegliche Qualzucht von Tieren laut § 11b des Tierschutzgesetzes verboten ist, halten sich die Züchter landwirtschaftlich genutzter Tiere nicht daran. Ungeachtet des sogenannten »Qualzuchtparagraphen« im Tierschutzgesetz gab es seither kein einziges angeordnetes Verbot bei der Züchtung von »Nutztieren«. Es besteht hier also ein erhebliches Vollzugsdefizit, trotz des dringenden Handlungsbedarfs.

Schlachtung der Masthühner

In Deutschland wurden im Jahr
rund
Masthühner geschlachtet. Insgesamt gibt es hierzulande über 200 Geflügelschlachthöfe. Zahlenmäßig sind Masthühner nicht nur in Deutschland, sondern auch weltweit die am meisten geschlachteten Tiere. 2012 ist die Zahl der global geschlachteten Masthühner auf knapp 60 Milliarden Tiere gestiegen.

Verladung und Transport

Am Tag des Abtransports zum Schlachthof fangen und verladen sogenannte Fängerkolonnen oder große Maschinen die Masthühner. Sollte sich dabei im Stall Panik entwickeln, ersticken viele Hühner im hektischen Gedränge. Die Fänger, auch »Stopfer« genannt, arbeiten unter großem Zeitdruck. Sie fangen die Tiere an den Beinen, tragen dabei bis zu fünf kopfüber hängende Masthühner pro Hand und befüllen eilig die Transportbehälter. Um die Tiere gleichmäßig zu verteilen, rütteln sie die Behälter immer wieder.

Hühner beim Transport
© andreamangoni – Fotolia

Beim maschinellen Fangen hat sich ein System durchgesetzt, das die Tiere mit rotierenden Walzen auf ein Förderband »kehrt«, das zu Transportcontainern führt. Bei schnellen Bandgeschwindigkeiten schlagen die Masthühner heftig auf den Containerboden auf und verletzen sich – viele sterben dabei. Bei beiden Fangmethoden erleiden die Tiere Verletzungen wie Einblutungen ins Gewebe oder Knochenbrüche an Flügeln und Beinen.

Gewisse Tierverluste sind einkalkuliert. Die Bezeichnung dafür lautet »Dead on Arrival«, also »Tot bei der Ankunft«. Die häufigsten Todesursachen sind neben den tödliche Verletzungen, welche sie sich beim Fangen und Verladen zuziehen,Hitzestress und Herz-Kreislauf-Versagen beim Transport.

Viele Masthühner sind überdies nicht transportfähig sind, was beim Einfangen und Verladen jedoch unbeachtet bleibt. Sie können nicht mehr einwandfrei laufen, sondern lahmen aufgrund von Erkrankungen, Verletzungen oder der großen Körperlast. Diese Tiere werden dennoch verladen und zum Schlachthof transportiert. So »entsorgt« man die Tiere über den Schlachthof.

Der Transport in den Behältern belastet die Masthühner enorm, da sie zuvor nur eine gleichbleibend reizarme Umgebung gewohnt waren. Auch aufgrund der Überzüchtung sind sie besonders stressempfindlich und ihre Kräfte erschöpfen sich schon nach wenigen Stunden. In den Behältnissen bekommen die Tiere weder Wasser noch Futter; auch die fehlende Frischluftzufuhr und Temperaturschwankungen sind problematisch. Laut Empfehlungen des europäischen Ausschusses für Tiergesundheit und Tierschutz sollen Masthühner deswegen nicht länger als sechs Stunden in Transportbehältern zubringen. Doch schon nach vier Stunden steigt die Sterblichkeitsrate unter den Tieren an. Bei Masthühnern sterben umso mehr Tiere, je länger der Transport dauert.

Betäubung und Tötung

Das Abladen der Transportbehälter am Schlachthof erfolgt maschinell. Da auch hier Zeitdruck herrscht, bleibt das Risiko für Knochenbrüche oder Flügelverletzungen durch einen rücksichtslosen Umgang mit den Tieren bestehen.

Im Schlachtverlauf werden die Tiere zuerst betäubt und dann durch Blutentzug getötet. Bei der Betäubung und Tötung müssen Schmerzen, Leiden sowie Aufregung und Stress eigentlich vermieden werden. Dies wird durch die genutzten Verfahren jedoch nicht gewährleistet.

Elektrobetäubung

In Deutschland ist die Betäubung im stromführenden Wasserbad noch immer eine gängige Methode, obwohl der wissenschaftliche Ausschuss für Tiergesundheit und Tierschutz (AHAW) bereits 2004 aus Tierschutzgründen empfohlen hat, dieses Verfahren schrittweise einzustellen. Aus wirtschaftlichen Gründen ist man in Deutschland nicht auf diese Empfehlung eingegangen.

Bei diesem Verfahren greifen Schlachthofmitarbeiter die Hühner aus den Transportbehältern heraus und hängen sie mit den Beinen in die Metallbügel eines Förderbandes. Das Kopfüberhängen und schmerzhafte Zusammendrücken der Beine belasten die Tiere. Ein Großteil schlägt beim Einhängen mit den Flügeln, viele erleiden dadurch Ausrenkungen und Knochenbrüche.

Das Förderband fährt die Hühner mit dem Kopf durch ein Wasserbecken, das unter Strom steht. Durchströmt eine ausreichende Menge Strom das Gehirn, betäubt ein Epilepsie-ähnlicher Anfall die Tiere. Das Schlachtband transportiert sie weiter zum Halsschnittautomaten. Um ein schnelles Ausbluten zu gewährleisten, müssen dort eigentlich beide Halsschlagadern durchtrennt werden. Aus technischen Gründen erfolgt jedoch meist nur ein einseitiger Halsschnitt. Mitarbeiter am Band müssten unzureichend entblutete Tiere per Hand nachschneiden, doch die üblichen hohen Bandgeschwindigkeiten führen dazu, dass dies entweder nur unvollständig oder nicht bei allen betroffenen Tieren geschieht. Kleine Hühner, deren Köpfe nicht vollständig in das Wasserbecken eintauchen und die nicht einzeln nachbetäubt werden, erleben den Halsschnitt bei Bewusstsein.

Gasbetäubung

Laut Tierschutzbericht 2015 des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft werden etwa 60 % der Masthühner hierzulande mit Gas betäubt. Für diese Betäubung in kontrollierter Atmosphäre (engl. »Controlled Atmosphere Stunning«) setzt man verschiedene Gasgemische ein. Dieses Verfahren betäubt die Masthühner schrittweise. Meist fahren die abgeladenen Transportbehälter mit den Hühnern in einen Tunnel, möglicherweise mitsamt den beim Verladen oder Transportieren gestorbenen Tieren. Im Tunnel sind die Tiere nacheinander verschiedenen Gasgemischen, die unter anderem Kohlendioxid enthalten, ausgesetzt. Das Kohlendioxid erzeugt bei den Tieren ein Gefühl von Atemnot, auf das sie mit Luftschnappen oder Abwehrbewegungen reagieren. In einigen Anlagen tötet man die betäubten Tiere anschließend mit hohen Gaskonzentrationen. Danach hängt das Personal die Tiere kopfüber in das Schlachtband, das sie zum Halsschnittautomaten befördert.

Sind zu viele Tiere gleichzeitig im Tunnel, die Tiere nicht ausreichend lang darin oder ist die Gaszusammensetzung nicht richtig, sind die Tiere vor dem Ausbluten womöglich nicht ausreichend betäubt. In diesem Fall zeigen sie während des Ausblutens bewusste Abwehrbewegungen wie Flügelschlagen, Lautäußerungen oder rhythmische Atembewegungen.

Nach dem Ausbluten fahren die Körper in ein Brühbad. Das heiße Wasser erleichtert das mechanische Rupfen der Federn. Vor der Weiterverarbeitung entfernt ein sogenannter Eviszerator maschinell die Innereien.

Forderungen

In der Hühnermast existieren viele tierschutzrelevante Probleme. Folgende Veränderungen könnten sie zumindest etwas abschwächen:

  • Verwendung weniger überzüchteter Masthühner (vor allem mit verringerten Wachstumsraten)
  • Verringerung der Besatzdichte auf höchstens 25 kg Lebendgewicht pro Quadratmeter
  • Einsatz von abwechslungsreichem, kalorienärmerem Futter wie z. B. Körnermischungen, Möhren und Grünfutter (zur Beschäftigung und um nahrungsbezogene Verhaltensweisen ausüben zu können)
  • Strukturierung der Ställe mit Aktivitäts- und Ruhebereichen, z. B. mittels Strohballen und Sitzstangen
  • Bessere Stallhygiene mit stets trockener Einstreu (um Hautentzündungen zu verhindern und eine natürliche Körperpflege zu ermöglichen)
  • Zugang zu einem strukturierten Auslauf ins Freie (für mehr Bewegungsfreiheit)
  • Langsamere Bandgeschwindigkeiten bei der Schlachtung

Eine Besatzdichte unter 25 kg Lebendgewicht pro Quadratmeter mindert viele Probleme in der Masthuhnhaltung. Das geht aus dem Report des wissenschaftlichen Ausschusses für Tiergesundheit und Tierschutz der EU (SCAHAW) zum Wohlbefinden von Masthühnern klar hervor. Ab einer Besatzdichte von 30 kg pro Quadratmeter nehmen (selbst unter klimatisch optimalen Haltungsbedingungen) Tierschutzprobleme stark zu. Die laut der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung erlaubten 39 kg Lebendgewicht pro Quadratmeter widersprechen den Gedanken von § 2 Nr. 1 und Nr. 2 des Tierschutzgesetzes. Nach diesen sind Tiere ihrer Art und ihren Bedürfnissen entsprechend angemessen zu halten. Die Möglichkeit zur artgemäßen Bewegung ist so weit zu gewährleisten, dass den Tieren weder Schmerzen noch vermeidbare Leiden oder Schäden zugefügt werden.

Die Haltung von Masthühnern zur Fleischproduktion ist zumindest gesetzlich geregelt. Doch für die Elterntiere in der Zucht von Masthybriden gibt es auf europäischer und nationaler Ebene neben den allgemeinen rechtlichen Vorgaben (beispielsweise die Richtlinie über den Schutz landwirtschaftlicher Nutztiere) nur wenige Formulierungen zum Tierschutz oder zu den Haltungsvorgaben. Diese rechtliche Lücke muss durch Mindestregelungen gefüllt werden.

Was können Sie tun?

  • Essen Sie kein konventionelles Hühnerfleisch. Das Ausweichen auf Bioprodukte ist jedoch nicht automatisch eine gute Lösung, da auch in der Biohaltung Hühner häufig unter schlechten Bedingungen leben und sterben müssen und zudem auch hier letztlich das ethische Problem des unnötigen Tötens besteht.
  • Sie suchen Informationen oder eine Einstiegshilfe zu einer tierfreundlicheren Ernährung? Dann schauen Sie doch bei unserer Vegan Taste Week vorbei und melden Sie sich zum kostenlosen Newsletter an.
  • Unterstützen Sie uns im Kampf gegen die tierquälerische Massentierhaltung.

Zahlenquellen

Die Zahlen zum Tierbestand und zur Schlachtung beruhen auf Angaben des Statistischen Bundesamtes.

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Weitere Beiträge zum Thema Masthühner finden Sie hier.

Artikel erstellt von M. Pliquett und M. Reinke (Wissenschaftsressort).

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