Legehennen

Legehennen im Gras
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Hühner sind neugierige, lernfähige und intelligente Vögel, die bevorzugt in kleinen Gruppen von fünf bis zwanzig Hennen und einem Hahn leben. In Freiheit verbringen sie viel Zeit mit dem Erkunden der Umgebung und dem Aufspüren ihrer vielfältigen Nahrung, die von Insekten und Würmern bis hin zu Samen oder Früchten reicht. Dabei bewegt sich die Gruppe in einem festen Revier, das durch den leitenden Hahn vor Artgenossen anderer Gruppen verteidigt wird.

Während der Brut- und Aufzuchtphase sondern sich die Hennen vom Rest der Gruppe ab, um an geschützter Stelle ein Nest zu bauen, ihre Eier auszubrüten und den geschlüpften Nachwuchs großzuziehen. Werden die Mütter und ihr Nachwuchs jedoch einmal getrennt, stoßen beide spezielle Rufe aus, bis sie sich wiedergefunden haben.

In der heutigen Hennenhaltung hat das Eierlegen nichts mehr mit der Fortpflanzung von Hühnern zu tun, sondern allein mit der massenhaften Produktion von Eiern für den Nahrungsmittelmarkt.

Haltungsformen

In Deutschland werden derzeit über 45 Millionen Hühner zum Zweck der Eierproduktion gehalten (Stand 2021). [1] Die Haltungsformen der sogenannten Legehennen haben in den vergangenen Jahrzehnten einen Strukturwandel durchlaufen. Neben der Haltung in Käfigen gibt es verschiedene alternative Haltungsformen. Sie beruhen auf dem Prinzip der Bodenhaltung, die gegebenenfalls um einen Freilandauslauf oder ökologische Anforderungen erweitert werden.

Käfighaltung

Legehenne in Kleingruppenhaltung
© SOKO Tierschutz

Seit dem 1. Januar 2010 ist es in Deutschland und seit 2012 in der EU verboten, die Hennen in konventionellen Käfigen (Legebatterien) zu halten. Daraufhin entwickelte die Industrie sogenannte ausgestaltete Käfige. Diese sind in Deutschland seit dem 1. Januar 2021 ebenfalls verboten. Vorherrschend ist hierzulande jedoch eine Abwandlung der ausgestalteten Käfige, die sogenannten Kleingruppenkäfige (auch als Kleinvolièren bezeichnet). Diese werden ab Beginn des Jahres 2026 verboten sein (für genau definierte Ausnahmefälle spätestens ab Beginn 2029). Neue Käfighaltungen werden bis dahin nicht mehr genehmigt.

Heute leben hierzulande noch etwa 5 % aller »Legehennen« in Käfighaltung (Stand 2021). Der größte Anteil der Käfighennen wird in Betrieben mit mindestens 200.000 Hennen gehalten. Die Bedingungen in den Kleingruppenkäfigen ähneln denen der konventionellen Käfighaltung stark: Während einem Huhn in der Legebatterie 550 cm² Platz (weniger als ein DIN-A4-Blatt) zur Verfügung standen, hat sich das Platzangebot pro Tier in der Kleingruppenhaltung unwesentlich auf 800 cm² pro Tier (ein DIN-A4-Blatt plus fünf EC-Karten) vergrößert. In den Kleingruppen-Käfigen leben Hennen bei einer nutzbaren Stallgesamtgrundfläche von 2,5 m² in Gruppen von bis zu 60 Hennen und nach wie vor in großer Enge.

Anders als die alten Legebatteriekäfige, enthalten die in mindestens drei Etagen übereinander angeordneten neuen Käfige verschiedene Funktionsbereiche mit Sitzstangen, Nestern und Einstreu, der Boden der Käfige ist aber weiterhin überwiegend perforiert. Den Tieren bleiben in dieser unnatürlichen Haltungsumwelt viele Grundbedürfnisse weitgehend unerfüllt, da die Angebote bei der herrschenden Enge nicht im Sinne eines artgerechten Verhaltens genutzt werden können (s. u.).

Bodenhaltung (inkl. Volierenhaltung)

Legehennen in einem Bodenhaltungs-Stall
© Animal Rights Watch

Rund 65 % der »Legehennen« – und damit der bei weitem größte Teil – leben heute in Deutschland in Bodenhaltung (Stand 2021). Dabei sind Betriebe mit mehr als 200.000 Hennenhaltungsplätzen keine Seltenheit. In der klassischen Form der Bodenhaltung werden die Hennen in großen Hallen in Gruppen von bis zu 6.000 Tieren und bei einem Platzangebot von 9 Hennen pro m² (bzw. 1.111 cm² je Huhn) gehalten.

In Bodenhaltung sind die Hallen lediglich zu einem Drittel der begehbaren Gesamtfläche mit Einstreu ausgestattet, da mehr Einstreu mit zusätzlichen Kosten und Aufwand für die Entsorgung verbunden ist. Der Rest des Bodens besteht aus Gittern aus Holz oder Plastik an denen sich die Tiere schmerzhafte Verletzungen zuziehen können, wenn sie ungünstig konstruiert wurden (z. B. mit mangelhafter Auftrittsbreite). Über den Gittern sind Sitzstangen, Nester (mit Böden aus Gummi- oder Kunstrasen) sowie Trink- und Essvorrichtungen angebracht. Die Haltungsverordnung für Hennen gibt vor, dass sich bis zu 120 Hennen eine Nestfläche von einem Quadratmeter teilen müssen.

Auch die Bodenhaltung mit Volierengestellen ist für Hennen in der Eierproduktion erlaubt. Dabei dienen die Volieren (Etagensysteme mit Zwischenböden) als separate Funktionsbereiche und die Stallgrundfläche wird als Scharraum genutzt. Dadurch wird einerseits eine Strukturierung des Stalls ermöglicht. Der Gesetzgeber erlaubt aber darin noch höhere Besatzdichten, obwohl sich eine hohe Besatzdichte negativ auf die Gesundheit und die artspezifischen Verhaltensweisen der Hühner auswirkt (s. u.). Die Etagen der Volieren sind nicht eingestreut, sondern haben größtenteils perforierte Draht- oder Plastikböden. Alles in allem zeichnet sich auch die Bodenhaltung durch eine sehr künstliche Umgebung für die Tiere aus.

Freiland- und Biohaltung

Legehennen in Freilandhaltung
© Animal Rights Watch

Etwa 20 % der »Legehennen« leben in Freilandhaltung und weitere 10 % in ökologischer Erzeugung (Stand 2021). Der größere Anteil dieser Hennen wird in Betrieben mit bis zu 30.000 Tieren gehalten. In der Freilandhaltung sind die Hennen im Stall denselben Bedingungen ausgesetzt wie in der Bodenhaltung. Allerdings wird ihnen tagsüber Zugang zu einem Auslauf im Freien zugestanden, der vom Tierhalter jedoch zeitlich beschränkt werden kann. Der Auslauf umfasst 4 m² pro Tier und ist im Idealfall überwiegend bewachsen und verfügt ebenfalls im Idealfall über Unterschlupfmöglichkeiten wie Unterstände oder Büsche (als Schutz z. B. vor Raubtieren).

Fehlen solche Unterschlupfmöglichkeiten, so wird der Auslauf von den Tieren kaum ausgenutzt. Stattdessen bleiben sie auf einer kleinen Fläche in Stallnähe, da sie sich nicht auf die Freifläche trauen. Die Nutzung des Auslaufes hängt von weiteren Faktoren ab. Sie wird bestimmt von der Bauweise der Zugänge, der Tageszeit, dem Wetter, den darin lebenden Legehybriden und auch der Gruppengröße. Denn je größer die Gruppe ist, desto weniger Tiere laufen die weiten Strecken bis zu einem noch nicht von Hennen besetzten Bereich. Die größere Fläche in der Freilandhaltung ermöglicht den Hennen, zumindest einige Verhaltensweisen auszuleben.

Die biologische Erzeugung unterscheidet sich von der Freilandhaltung bezüglich der Haltungsvorschriften lediglich darin, dass die Tiere dort in geringeren Besatzdichten (6 statt 9 Tiere pro m²) und geringeren Gruppengrößen (maximal 3.000 statt 6.000 Tiere pro Gruppe) gehalten werden, was aber nur begrenzte Vorteile für die Tiere hat, da auch diese Bedingungen der natürlichen Lebensweise von Hühnern nicht nahe kommen.

Gemeinsamkeiten der Haltungsformen

Hühner hinter Zaun
© zdenet – Pixabay

Aufgrund verschiedener Faktoren der Haltung (v. a. Reizarmut, hohe Besatzdichten und Gruppengrößen) sind die Hennen aller Haltungsformen – insbesondere jedoch der alternativen Haltungssysteme – häufig von Verhaltensstörungen wie Federpicken und Kannibalismus betroffen, was regelmäßig mit schweren Verletzungen einhergeht (siehe Problemkomplex Federpicken und Kannibalismus.).

Werden viele Hennen in einem Raum gehalten, ist eine Luftverunreinigung und Schadgasentstehung unvermeidlich. Insbesondere Ammoniak spielt wie in anderen großen Tierhaltungen auch in der »Legehennen«-Haltung eine gewichtige Rolle. Das Gas entsteht durch die Zersetzung der Ausscheidungen und hat einen stechenden Geruch. Durch seine reizende Wirkung wirkt es schädigend auf die Atemwege der Tiere. Auch die Staubbelastung stellt eine gesundheitliche Belastung der Tiere und des Personals da. Der Staub besteht hauptsächlich aus Hautschuppen und Federn aber auch Futterresten und Einstreu. Hinzu kommt, dass er als Träger für Bakterien, Viren aber auch Pilzen und somit von Krankheiten dient. Besonders problematisch sind kleine Staubpartikel, da sie direkt in die Lunge gelangen und dort Schäden verursachen. Um die Staubbelastung gering zu halten, wird den Tieren, wenn überhaupt, dann meist nur wenig Einstreumaterial zur Verfügung gestellt.

Überzüchtung

Gemeinsam ist den Hennen aller Haltungssysteme, dass sie dort ausschließlich dazu dienen, durchweg und in hohen Mengen Eier zu legen. Während die Hennen ihrer Vorfahren, die in Südostasien lebenden Bankivahühner, lediglich bis zu vier Mal jährlich ein Gelege von fünf bis zehn Eiern (bzw. bis zu 40 Eier im Jahr) hervorbringen, sind die heute genutzten Hochleistungshennen dazu gezwungen, knapp 300 Eier im Jahr zu legen – und das ohne Unterbrechung. Diese hohe und von den Jahreszeiten unabhängige Legeleistung wird durch das Zusammenspiel von künstlichen Beleuchtungsprogrammen und der Überzüchtung der Tiere erreicht.

Zur Eierproduktion wurden spezielle sogenannte Hybriden herangezüchtet, bei denen Merkmale wie eine hohe Legeleistung und ein hohes Eigewicht (zuungunsten anderer Merkmale) vorangetrieben wurden. Diese sogenannte Legehybriden werden in Deutschland unter Bezeichnungen wie »Lohmann LSL Classic« (für weiße Eier) und »Lohmann Brown Classic« (für braune Eier) vom Zuchtunternehmen »Lohmann Breeders« verkauft. Dabei zeichnen sich weiße Hennen meist durch eine höhere »Legeleistung« aus. Die Hybriden werden in der Käfighaltung und auch in den alternativen Haltungsformen eingesetzt.

Nur noch vier weltmarktbestimmende Unternehmen züchten sogenannte Legehennen. Im Verhältnis dazu gab es Ende der 1960er-Jahre noch ca. 50 Unternehmen auf der ganzen Welt, die sich mit der Zucht von »Legehennen« beschäftigten. Von den vier heutigen Zuchtunternehmen erzeugen allein die EW Group (inkl. »Lohmann Tierzucht«) und Hendrix-Genetics mehr als 90 % der Legehybriden.

Aufgrund der permanenten Legebelastung leiden die Hennen oft unter schwerwiegenden Krankheiten, die zum frühzeitigen Tod führen können. Gerade in den Großgruppen der alternativen Haltungsformen sind durchschnittliche Verlustraten bis zu 18 % je Legeperiode keine Seltenheit. Ein langes Leben ist den Hennen aber ohnehin nicht vergönnt. Sobald ihre Legeleistung nach etwa zwölf bis fünfzehn Monaten nachlässt, werden sie geschlachtet.

Kükentötung

Hunh mit Küken
© R. L. Webber – Shutterstock

Eine weitere Schattenseite der einseitigen Zucht auf Legeleistung ist die Tötung der männlichen Legehybrid-Hühner. Da diese Tiere weder Eier legen können, noch das schnelle Wachstum der Mastrassen aufweisen, sind sie aus ökonomischer Sicht wertlos. Dies betrifft jährlich rund 45 Millionen Küken in Deutschland. [2]

Die meisten männlichen Küken werden noch am Tag des Schlüpfens bei lebendigem Leib mit einem Homogenisator (einer Maschine mit schnell rotierenden Messern) zerstückelt oder mit Kohlendioxid (CO2) betäubt und getötet, wobei sie einen mindestens 60 Sekunden langen Erstickungstod sterben.

2013 wies das Land Nordrhein-Westfalen die zuständigen Veterinärämter an, das Töten männlicher Eintagsküken zu untersagen. Nachdem zwei Brütereien dagegen klagten, landete der Fall vor dem Bundesverwaltungsgericht. Dieses entschied 2019, dass wirtschaftliche Interessen allein nicht das routinemäßige Töten der Küken rechtfertigen und stellte die Praxis somit bundesweit infrage. Die Richter:innen gewährten allerdings eine nicht näher definierte Übergrangsfrist, bis alternative Verfahren, v. a. zur Geschlechtsbestimmung im Ei, praxisreif sind. Voraussichtlich zum Januar 2022 soll das routinemäßige Schreddern und Vergasen endlich verboten werden. Ein Gesetzesentwurf liegt bereits vor.

Bei der Geschlechtsfrüherkennung werden die männlichen Küken bereits im Ei identifiziert und vernichtet. Wissenschaftler:innen gehen allerdings davon aus, dass Hühnerembryonen spätestens ab dem siebten Bruttag Schmerz empfinden können. Da die ersten entwickelten Verfahren das Geschlecht erst ab dem neunten Bruttag sicher bestimmen können, ist diese Lösung ebenfalls kritisch zu bewerten. Wissenschafter:innen arbeiten daran, das Geschlecht routinemäßig bereits vor diesem kritischen Zeitpunkt erkennen zu können. Eine andere Alternative zum Kükentöten ist die Aufzucht und Mast der Hähne. Inzwischen gibt es einge Initiativen in der Agrarbranche und im Handel hierfür. Sie nutzen vor allem sogenannte Zweinutzungsrassen, die auf ein ausgewogenes Verhältnis von »Legeleistung« und Gewichtszunahme hin gezüchtet sind. Jede dieser Alternativen bedeutet allerdings nur eine Verschiebung des Todeszeitpunkts.


[1] Dieser Wert bezieht sich lediglich auf die Hennen von einem halben Jahr und älter. [zurück]
[2] Die Anzahl der getöteten männlichen Küken wird statistisch nicht erfasst. Da jedoch davon ausgegangen werden kann, dass auf je ein geschlüpftes weibliches Küken ein männliches Küken kommt, lässt sich der Wert aus der Anzahl der geschlüpften Hennen ableiten. [zurück]

Zurückdrängung der Grundbedürfnisse

Zu den Grundbedürfnissen von Hühnern zählen soziales Zusammenleben, Körperpflege, Erkunden, Ausruhen, Fortbewegung (Gehen, Hüpfen, Laufen Flattern, Fliegen) sowie diverse mit der Nahrungsbeschaffung- und -aufnahme verbundene Verhaltensweisen (wie Scharren, Picken, Zupfen, Zerren, Hacken und Bearbeiten von Nahrungsobjekten mit dem Schnabel). Durch die Zucht wurden die Ausprägungen einiger Verhaltensweisen bei Hennen verändert. So sind Sexual- und Nahrungsaufnahmeverhalten deutlicher ausgeprägt als Bewegungsaktivitäten und Warn- und Fluchtverhalten. Dennoch sind keine Verhaltensweisen ganz weggefallen oder neu hinzugekommen. Die intensive Haltung beeinträchtigt jedoch die angeborenen Verhaltensweisen der Hennen in der Eierproduktion.

In keinem der heutigen Haltungssysteme können die Grundbedürfnisse in all ihrer Bandbreite voll ausgelebt werden – am meisten eingeschränkt sind die Tiere allerdings in Käfigen.

a) Nahrungssuche

»Legehennen« verbringen etwa 40-60 % der Tageszeit mit ihren vielfältigen Futtersuch- und Futteraufnahmeaktivitäten. Diese Verhaltensweisen wollen die hoch sozialen Tiere gemeinsam mit der Gruppe ausführen. Dazu braucht es allerdings Platz: Allein zum Ausführen des Bodenscharrens (Kratzbewegungen mit den Beinen auf der Bodenoberfläche, um Futter freizulegen) benötigt ein Huhn eine Fläche von durchschnittlich 856 cm². Der Einstreubereich in Kleingruppenkäfigen (90 cm² je Henne) ist jedoch so knapp bemessen, dass immer nur wenige Tiere gleichzeitig ihr nahrungsbezogenes Verhalten durchführen können – und dies lediglich ansatzweise.

Ihr Nahrungserwerbsverhalten wird neben der Umgebung auch durch das Futter und die Art und Weise wie es angeboten wird bestimmt. Die Nahrung dient nicht nur als Energiequelle, sondern auch der Beschäftigung. Verschiedene Schnabelaktivitäten, wie das Ziehen und Reißen an Objekten oder die Bearbeitung von Nahrungsbestandteilen entfallen aufgrund der geringen Einstreutiefe und des Fehlens von veränderbarem Substrat völlig. Dies führt zu Verhaltensstörungen wie stereotypem Objektpicken und Feder- oder Kloakenpicken (s. u.).

In den alternativen Haltungsformen können die Hennen ihr nahrungsbezogenes Verhalten zwar grundsätzlich besser ausführen, da hier größere Flächen vorhanden sind. Bei dem hier gebotenen Einstreubereich von 250 cm² je Henne und den hohen Besatzdichten sind die Tiere dabei jedoch auch dort letztlich bis zu einem gewissen Grad eingeschränkt.

In der biologischen Erzeugung stellt sich ein anderes Problem: Eingesetzt werden hier dieselben Hühnerrassen, die auch in der konventionellen Eierzeugung genutzt werden und somit auf extreme Leistung gezüchtet sind. Das biologisch erzeugte Futter kann jedoch den hohen Eiweißbedarf der Hennen nicht optimal decken, da es nicht mit synthetisch hergestellten Aminosäuren angereichert sein darf, wie dies bei konventionell hergestelltem Futter der Fall ist. Die Unterversorgung hat Federverluste, geringe Körpergewichte und sogar Todesfälle zur Folge.

b) Körperpflege

Die Körperpflege dient Hühnern zur Instandhaltung des Gefieders, zur Wärmeregulation und Parasitenbekämpfung – sie trägt damit erheblich zum Wohlbefinden der Tiere bei. Aufgrund von Platzmangel und geringer Einstreutiefe kann die Gefiederpflege in der Kleingruppenkäfighaltung nur unzureichend ausgeführt werden. So beschränkt sich etwa das Sandbaden, das sich unter natürlichen Bedingungen über 30 Minuten lang in einem festen Ablauf von vier Phasen vollzieht, in der Käfighaltung nur auf die Vorbereitungsphasen (Aufbringen von Einstreu ins Gefieder; Reiben des Körpers an der eingestreuten Bodenfläche). Die befriedigenden Endhandlungen (Ruhephase; Abschütteln der aufgetragenen Einstreu) entfallen häufig, da die Hennen von ihren Artgenossinnen gestört werden. Es kommt zu Verhaltensstörungen: Die Mehrheit aller Sandbadebewegungen finden als Scheinsandbaden auf den Drahtgitterböden im Leerlauf statt. Ist den Hennen das Sandbaden nicht möglich, zeigen sie ihre Frustration sogar durch ein Ansteigen der Lautstärke an. In der Käfighaltung ist zudem der Gefiederzustand durch die Gitterstangen stark beeinflusst, die Federkiele brechen häufig ab. Typisch sind nackte Hälse, da die Hennen ihre Köpfe durch die Gitter strecken, um die außen angebrachte Futterrinne zu erreichen.

In den alternativen Haltungsformen wird den Hennen insgesamt mehr Fläche zur Körperpflege geboten. Die Ausübung aller vier Sandbadephasen und die gemeinsame Ausübung der Verhaltensweisen in der Gruppe werden hier prinzipiell ermöglicht. Trotzdem ist eine akkurate Körperpflege aufgrund der unnatürlich hohen Besatzdichten und der dementsprechend hohen Belastung mit Exkrementen auch in diesen Systemen erschwert. Vor allem in Haltungen mit Auslauf kommt es regelmäßig zu feuchter Einstreu, da die Tiere von draußen Schlamm in den Stall tragen – dies begünstigt die Ausbreitung von Infektionen.

c) Ruheverhalten

Legehennen
© Animal Equality

In den heutigen Haltungssystemen werden den Hennen Sitzstangen zur Verfügung gestellt, die dem Bedürfnis der Tiere nach Ausruhen und Schlafen auf erhöhten Plätzen dienen sollen. Trotzdem ist in der Kleingruppenkäfighaltung ein ungestörtes Ruhen nicht möglich: Da die Käfighöhe lediglich 45-60 cm beträgt, sind die Stangen nicht hoch genug angebracht, um einen Bereich zu bilden, der ausreichend von den anderen Funktionsbereichen des Käfigs abgetrennt wäre. Manche Tiere ruhen von vornherein auf den Gitterböden, denn aufgrund des Platzmangels sind sich ruhende und aktive Tiere ohnehin ständig gegenseitig im Weg.

Stangen, die sich zu nah über dem Boden befinden, erhöhen zudem das Verletzungsrisiko, zumal Bauch und Kloake der sitzenden Henne von unten erreichbar sind und ungeschützt von Artgenossinnen bepickt werden können. Problematisch ist auch die hohe Besatzdichte, die dazu führt, dass Ruhe- bzw. Schlafphasen der Tiere unterdrückt werden. Folglich stehen die Tiere länger und häufiger und können nicht ungestört ruhen.

Die in allen Haltungsformen üblichen runden Sitzstangen verursachen darüber hinaus Deformationen des Brustbeins der Tiere. Denn bei dieser Form der Sitzstangen liegt während des nächtlichen Ruhens etwa 80 % des Körpergewichts auf einem Punkt des Knochens. Im Verlauf der Legeperiode treten immer stärkere Veränderungen des Brustbeins auf, da die Knochenstabilität aufgrund der intensiven Legeleistung abnimmt.

d) Sozialverhalten

Legehennen dicht gedrängt
© Animal Rights Watch

Zum artgerechten Sozialverhalten von Hühnern gehört das Ausüben synchronen Verhaltens mit der Gruppe (z. B. beim Picken, Scharren und der Gefiederpflege). In den Kleingruppenkäfigen ist dies aufgrund des Platzmangels unmöglich. Ebenso wichtig für das Zusammenleben ist das Zeigen eines rangordnungsgemäßen Verhaltens. Dazu gehört die Möglichkeit, Angriffen von ranghöheren Tieren durch Flucht auszuweichen. Diese Bedingung ist weder in Käfighaltung noch in alternativer Haltung ausreichend gegeben, da die Ställe zu wenig strukturiert und zudem überfüllt sind. In alternativen Systemen kommt es häufig dazu, dass die ziellos flüchtenden Tiere durch zunächst unbeteiligte Hennen verfolgt und zusätzlich gehackt werden.

In den alternativen Haltungsformen stellt sich außerdem das Problem der unüberschaubaren Gruppengrößen: Da Hühner nur 40 bis 250 verschiedene Artgenossen voneinander unterscheiden können, ist es ihnen in den üblichen Großgruppen mehreren Tausend Tieren nicht möglich, eine stabile Rangordnung ohne Auseinandersetzungen auszubilden, die auf einem individuellem Erkennen der Tiere untereinander beruht. Mit zunehmender Gruppengröße steigt daher die Aggressionshäufigkeit. Gleichzeitig kommt es in Großgruppen, die in reizarmer Umgebung gehalten werden und strukturarmes Futter bekommen, gehäuft zu Federpicken.

e) Legeverhalten/Sexualverhalten

Das Nestverhalten von Hühnern ist angeboren und wird nach der Geschlechtsreife hormonell ausgelöst. Es ist sehr komplex und besteht aus vier Phasen: der Vorbereitungsphase mit Nestplatzsuche, dann folgt das Nestbauen und die Phase des Eiablegens und zuletzt die Ruhephase im Nest.

Eigentlich suchen sich Hennen einen bestimmten Nestplatz, den sie immer wieder nutzen. Finden die Tiere jedoch keine angemessenen Nester, können sie das angeborene nestbezogene Verhalten nicht ausführen und Fehlverhalten sind die Folge. Dazu gehören starke Unruhe, verstärktes Fluchtverhalten, verzögerte Eiablage und eine erhöhte Aggressivität. Die Suche nach einem Nest und die Nestinspektion nehmen dann deutlich zu, sind jedoch weniger zielstrebig. Die Hennen leiden unter erheblichem Stress und sind aufgeregt.

Ein weiteres Problem ist der Einsatz von Abrollnestern. Da die Nester nicht eingestreut sind, kann die Henne ihr angeborenes Nestbau- und Eiablageverhalten nicht ausführen. Der Einstreubereich in alternativen Haltungssystemen ist meist nur sehr flach eingestreut, da die Hennen sonst dort ihre Eier legen würden. Diese verlegten Eier müssten von Hand eingesammelt werden und sind meist verschmutzt.

Trotz der radikal veränderten Umweltbedingungen und der intensiven Zucht von Hybridlinien auf bestimmte Merkmale, hat sich das nestorientierte Verhalten der Tiere nicht qualitativ verändert. Einzig durch die Zucht auf eine hohe Legeleistung wird das Legeverhalten fast täglich wiederholt.

Häufig werden Hähne in Hennengruppen empfohlen, da diese Reviergrenzen verteidigen, eine Untergruppenbildung und dadurch eine bessere Rangordnung ermöglichen. Durch ihr Mitlaufen in den Tiergruppen konnte eine Reduktion der Aggressivität und des Kannibalismus festgestellt werden. Jedoch können auch die Hähne von den Anforderungen überfordert werden, da häufig nur ein Hahn auf Hundert Hühner eingesetzt wird.

Körperliche Leiden und Schäden

Legehenne
© Animal Equality

Aufgrund ihrer Überzüchtung auf extrem hohe Eierproduktion in Kombination mit den unnatürlichen Haltungsbedingungen leiden »Legehennen« regelmäßig an diversen Krankheiten und Verletzungen. In allen Haltungssystemen kommt es häufig zu Erkrankungen des Legeapparates, wie Eileiterentzündung (Salpingitis), Bauchfellentzündung und verschiedenen Geschwulsterkrankungen (z. B. Drüsenepithelkrebs). So gilt die Salpingitis sogar schon als typische »Berufskrankheit« der Legehenne. Die Erkrankungen des Geschlechtsapparates äußern sich häufig in blutverschmierten Eiern. Darüber hinaus birgt jede Haltungsform seine spezifischen systemimmanenten Krankheitsrisiken und -häufungen, wobei keines der Systeme als über- oder unterlegen bewertet werden kann:

Käfighaltung

  • Osteoporose bzw. verminderte Knochenstabilität (Verlust der vollständig mineralisierten Knochensubstanz, dadurch wird die Knochenfestigkeit herabgesetzt und das Risiko für Knochenbrüche steigt (s. u.). Besonders Hennen in Käfigen sind aufgrund von Bewegungsmangel davon betroffen)
  • Skelettanomalien bzw. »Käfiglähme« als Folge der fehlenden Bewegung oder im Fall von Brustbeindeformationen aufgrund nicht geeigneter Sitzstangen
  • Knochenbrüche (besonders beim Ausstallen durch die grobe Behandlung beim Einfangen und durch Anflugtraumen, bedingt durch die Haltung mit Volieren)
  • Fettlebersyndrom, Leberrupturen
  • Herzversagen
  • Arthritis

Alternative Haltungsformen

  • Fußballengeschwüre, Erfrierungen an den Füßen, Brustbeinverkrümmungen (durch Material und Form bestimmter Sitzstangen)
  • Zehenverletzungen, Krallenabrisse (durch den Gitterboden)
  • bakterielle Erkrankungen, wie Koliseptikämie, Pasteurella-multocida-Infektionen, Rotlauf
  • virale Erkrankungen wie Pockeninfektion
  • Parasitenbefall, z. B. mit roter Vogelmilbe, Spul-, Haar- oder Rachenwurm
  • Blutarmut bzw. Anämie (durch Parasitenbefall)

Während in der Kleingruppenkäfighaltung insbesondere durch Bewegungsmangel verursachte Krankheiten auftreten, sind in den alternativen Haltungsformen vor allem Infektionskrankheiten und Parasitenbefall problematisch. In allen Haltungsformen können die Gesundheitsschäden so gravierend sein, dass sie zum Tod der Hennen führen.

Generell wird in der »Legehennen«-Haltung eine ausführliche Impfprophylaxe durchgeführt, denn gerade in Massentierhaltungen besteht ein hohes Risiko für Krankheiten und Seuchen. Die erste Impfung wird schon am Tag nach dem Schlüpfen in die Oberschenkelmuskulatur des Kükens gespritzt, die folgenden Impfungen erhalten die Junhennen meist über das Trinkwasser. Bis zur 18. Lebenswoche werden die Hennen mehr als zehn Mal geimpft, danach sind Auffrischungsimpfungen im Abstand von drei Monaten üblich.

Problemkomplex Federpicken und Kannibalismus

Legehenne
© Animal Equality

Federpicken und Kannibalismus sind nicht aggressiv motivierte Verhaltensstörungen. Ihr Auftreten hängt von verschiedenen Faktoren der Haltung ab, wobei besonders eine fehlende Futterstruktur und ein Mangel an Beschäftigungsmaterialien sowie hohe Besatzdichten hervorzuheben sind. Hinzu kommen eine unpassende Lichtintensität und -farbe, die Gruppengröße, eine unzureichende Einstreumenge und -qualität sowie die Zuchtlinie. Auch chronischer Stress und Angst der Hennen haben einen Einfluss.

Die Verhaltensstörungen sind in allen kommerziellen Haltungssystemen verbreitet, insbesondere jedoch in der Boden- und Freilandhaltung sowie der ökologischen Eierzeugung.

Federpicken verursacht Leid

Federpicken wird als ein auf die Federn umorientiertes Nahrungserwerbsverhalten erklärt. Können die Tiere den komplexen Ablauf der Futtersuche, Beschäftigung und Futterbearbeitung mit dem Schnabel nicht ausleben, bleibt ihre angeborene Motivation für Schnabelaktivitäten unbefriedigt. Die Tiere orientieren ihr Verhalten auf das einzig Erreichbare, ihre Artgenossinnen, um.

Die Haltungsbedingungen legen den Grundstein für Federpicken bereits in den ersten Lebenstagen. Mit zunehmendem Alter verändert sich das anfänglich vorsichtige Picken und die Federn werden von den Artgenossinnen kräftig herausgerissen und sogar verzehrt. Dabei kann schon Einstreu als Beschäftigungsmöglichkeit Federpicken deutlich senken. Stroh hat sich bewährt, wird den Tieren jedoch vor allem aus wirtschaftlichen Gründen (Anschaffungskosten und Arbeitsaufwand) häufig verwehrt.

Federpicken ist ein deutliches Zeichen für ein gestörtes Wohlbefinden und erhebliches Leiden der Tiere. Die bepickten Tiere leiden sogar mehrfach. Zum einen durch die Schmerzen, verursacht durch Picken und Herausreißen der Federn, denn die Haut und die Umgebung der Federfollikel sind von Nerven durchflochten. Zum anderen ist der andauernde Stress für die bepickten und durch den Stall gejagten Tiere erheblich. Ein beschädigtes Federkleid stellt darüber hinaus auch eine starke Einschränkung für das Individuum dar. Das Gefieder dient der Regulation der Körpertemperatur und schützt vor Feuchtigkeit. Es ist auch für das soziale Miteinander wichtig, da durch Aufstellen bestimmter Federn verschiedene Stimmungen gezeigt werden können.

Kannibalismus als Todesursache

Kannibalismus unter sogenannten Legehennen zeichnet sich durch Bepicken und Ziehen an der Haut und darunter liegendem Gewebe aus. Schon kleine blutige Verletzungen wecken das Interesse anderer Artgenossinnen. Die Verletzungen können so schwer wiegen, dass bepickte Hennen sterben.

Picken die Tiere gezielt auf die Kloake, spricht man vom Kloakenkannibalismus. Eine extreme, aber typische Verhaltensstörung bei »Legehennen«. Die Kombination mehrerer Probleme bewirkt diese schwerwiegende Form von Kannibalismus. Die enorme Legeleistung führt zu Erkrankungen des Legeapparats und zu einer Überbeanspruchung des Gewebes. In der Folge kann sich die krankhaft veränderte Kloake nach der Eiabage nicht mehr zurückziehen und bleibt über längere Zeit ausgestülpt. Das glänzende Organ löst bei den Artgenossinnen einen Pickreiz aus. Dieser Reiz kann so stark sein, dass sogar das selbst betroffene Huhn an der eigenen Kloake pickt.

Fehlende Rückzugsorte verschlimmern die Situation der betroffenen Tiere. Sie können sich im Stall nicht vor dem unbefriedigten Nahrungssuchverhaltens der Artgenossinnen in Sicherheit bringen. Kloakenkannibalismus geht häufig so weit, dass die Hennen durch den Blutverlust sterben. Oder sie werden bei lebendigem Leib regelrecht ausgehöhlt und verenden.

Gegenmaßnahme Schnabelkürzen

Lange war es in der konventionellen »Legehennen«-Haltung üblich, den Tieren im Kükenalter den Schnabel ohne Betäubung zu kürzen. Denn das Tierschutzgesetz lässt diesen Eingriff als Ausnahme vom geltenden Amputationsverbot zu. Die Behörden schätzten den Eingriff als unerlässlich ein und erteilten die Ausnahme routinemäßig. Der schmerzhafte Eingriff verhindert jedoch nicht das gestörte Verhalten, sondern reduziert nur die Schäden: Schnabelkupierte Tiere können die Federn schlechter mit dem verstümmelten Schnabel erfassen und herausreißen.

Der Eingriff ist in höchstem Maße tierschutzrelevant, da er für die Tiere mit akuten Schmerzen verbunden ist. Denn die Schnabelspitze, die als wichtiges Tastorgan fungiert, ist intensiv durchblutet und von Nerven durchzogen. An dem Schnabelstumpf können ferner Neurome (Geschwulste, Knoten) entstehen, die mit chronischen Schmerzen verbunden sind. Zudem können gestörten Wundheilungen zum Verbluten einzelner Tiere führen.

Ausstieg aus dem Schnabelkürzen

In der Eierproduktion gilt seit August 2016 deutschlandweit die vom Bundeslandwirtschaftsministerium (BMEL) und von der Geflügelwirtschaft getroffene freiwillige Vereinbarung zum Verzicht des routinemäßigen Schnabelkürzens. Seit dem 1. Januar 2017 wird auf die Einstallung schnabelgekürzter Junghennen bundesweit verzichtet. In Ausnahmefällen ist es jedoch noch möglich.

Einige Bundesländer haben zudem eigenständig gehandelt: In Niedersachsen werden seit dem 1. Januar 2017 keine Genehmigungen zum Schnabelkürzen bei sogenannten Legehennen mehr erteilt. Ebenso in Mecklenburg-Vorpommern und Nordrhein-Westfalen. In Hessen hat die Landesregierung mit der Geflügelwirtschaft eine Vereinbahrung zum Ausstieg aus dem Schnabelkürzen bei »Legehennen« beschlossen.

Schnabelkürzen in der Bio-Produktion

In der Bio-Haltung darf das Kürzen des Schnabels nicht routinemäßig durchgeführt werden, fallweise kann jedoch auch hier der Eingriff von der Behörde genehmigt werden. Die gesetzlichen Bio-Vorgaben sind strenger als das Tierschutzgesetz, da den Tieren im Falle eines Eingriffs angemessene Betäubungs- und/oder Schmerzmittel verabreicht werden müssen.

Schlachtung

Die Länge eines Hennenlebens in der Eierproduktion hängt in keinem der bestehenden Haltungssysteme von natürlichen Umständen, sondern von Faktoren des Managements oder der Wirtschaftlichkeit ab. Damit der Ablauf im Legebetrieb (Bestellung der Junghennen, Ausstallung und Schlachtung der ausgedienten Hennen, Einstallung der Junghennen) nicht zu stark von den individuellen Unterschieden der Hennen gestört wird, beschränkt man sich auf eine Nutzungsdauer von einer Legeperiode (12–15 Monate). Danach sind die Tiere für die Halter aufgrund der abnehmenden Legeleistung nicht mehr rentabel. Die ausgedienten Hennen werden abtransportiert, geschlachtet und als Suppenhühner vermarktet – das betrifft allein in Deutschland etwa 32,1 Millionen »Legehennen« pro Jahr (Stand 2019). Auf welche Weise Hühner geschlachtet werden, erfahren Sie in unserem Artikel über die Hühnermast.

Vermeidbarkeit und Forderungen

Ein Großteil der tierschutzrelevanten Probleme wird durch die intensiven Haltungsbedingungen und fehlende Tierversorgung verursacht. Um das Leid der Hennen zu verringern, müssten folgende Änderungen eingeführt werden:

  • Generelle Abschaffung jeglicher Käfighaltung.
  • Kein Einsatz von zur Hochleistung gezüchteter Tiere (zur Reduzierung der körperlichen Leiden).
  • Verringerung der Gruppengrößen in alternativen Haltungssystemen und der Besatzdichten in allen Systemen (zur Ermöglichung von artgemäßem Sozialverhalten und von Bewegungsfreiheit).
  • Bereitstellung eines größeren Einstreubereichs je Tier in allen Haltungsformen (zur Ausübung nahrungsbezogener Verhaltensweisen und zur Gefiederpflege).
  • Bereitstellung von Futtermitteln mit unterschiedlicher Struktur (z. B. Grünfutter, ganze Weizenkörner) und von Beschäftigungsmaterial (z. B. aufgehängte Körbe mit Möhren, Gras, Stroh oder Heu, zur Beschäftigung und zur Ausübung nahrungsbezogener Verhaltensweisen).
  • Gestaltung der Gitterroste aller Haltungsformen mit Maschenweiten zwischen 20×40 mm und 26×52 mm (zur sicheren Fortbewegung und zur Reduzierung der Verletzungsgefahr).
  • Bereitstellung von Sitzstangen aus geeignetem Material (z. B. Holz oder Gitterstangen) mit einem Spaltenabstand von mind. 24 mm oder ohne Abstand, die in nicht zu steilen Winkeln (höchstens 45 Grad) angeordnet sind (zur Verminderung des Verletzungsrisikos).
  • Regelmäßiger Auslauf im Freien für alle »Legehennen« (zur Beschäftigung, zur Ermöglichung des natürlichen Fressverhaltens, zur Bewegung und zum Ausleben sozialer Verhaltensweisen) oder zumindest die Etablierung von Wintergärten (Kaltscharrräume).

Verbot des Schnabelkürzens

Darüber hinaus fordert die Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt ein absolutes Verbot des Schnabelkürzens. Die Amputation von Körperteilen ist nach §6 des deutschen Tierschutzgesetzes eigentlich verboten. Es sind jedoch Ausnahmen, die bisher von den zuständigen Behörden routinemäßig erteilt wurden, gesetzlich möglich.

Die 2015 getroffene freiwillige Vereinbarung zum Verzicht des routinemäßigen Schnabelkürzens legt fest, dass ab dem 1. August 2016 »regelmäßig« keine Schnäbel mehr gekürzt und ab dem 1. Januar 2017 keine Junghennen mit gekürztem Schnabel mehr eingestallt werden sollen. Für Elterntiere wurden bedauerlicherweise keine Festlegungen getroffen.

Da die Vereinbarung »regelmäßig« nicht näher definiert und aus juristischer Sicht keine verpflichtende Wirkung hat oder Sanktionsmaßnahmen vorsieht, muss das Schriftstück sehr kritisch gesehen werden. Zudem ist das in der Vereinbarung mehrfach als Lösung genannte Verdunkeln der Ställe als höchst tierschutzwidrig einzustufen.

An solch einem Lösungsansatz, mit dem vornehmlich Produktions- statt Tierschutzinteressen bedient werden, tritt ein deutlicher Einfluss der Geflügelwirtschaft auf die Vereinbarung hervor. Diesen offensichtlichen Einfluss gilt es im Sinne eines ernstgemeinten Tierschutzes politisch zurückzufahren – dies gilt insbesondere für den geplanten Erarbeitungsprozess von bundeseinheitlichen Leitlinien für die Aufzucht und Haltung  sogenannter Legehennen mit intaktem Schnabel im Rahmen der freiwilligen Vereinbarung (bis dahin gelten nur vorläufige Haltungsleitlinien).

Insgesamt bleibt es unerlässlich, der freiwilligen Vereinbarung klare und umfassende gesetzliche Regelungen folgen zu lassen: Die Implementierung eines generellen Amputationsverbots bei »Nutzgeflügel« im Tierschutzgesetz sowie eine Überarbeitung der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung (insbesondere die Bereitstellung von geeigneten Beschäftigungsmaterialien, die explizite gesetzliche Vorgabe für eine tägliche Körnerfütterung, die Einteilung der Stallfläche in Funktionsbereiche inkl. Ausweich- und Rückzugsräume, eine geringere Besatzdichte und ferner spezielle Haltungsvorgaben für Küken, Junghennen und Elterntiere).

Helfen können beim Ausstieg aus dem Schnabelkürzen zudem mehrere Leitfäden und Managementtools. [3] Anders als die freiwillige Vereinbarung des BMEL und der Geflügelwirtschaft nennen sie bei einem Ausbruch von Federpicken und Kannibalismus auch Alternativen zu der tierschutzwidrigen Reduzierung der Lichtintensität.

Was können Sie tun?

  • Wenn sie die oben beschriebenen Zustände nicht unterstützen möchten, dann essen Sie keine Eier oder eihaltigen Produkte. Wie gezeigt, sind auch Eier aus standardmäßiger Freiland- oder Biohaltung nicht zu empfehlen, da die Tiere auch dort letztlich nicht artgerecht leben. Zu bedenken ist zudem, dass auch in diesen Haltungssystemen die Hennen frühzeitig geschlachtet und ihre Brüder noch am ersten Lebenstag getötet werden.
  • Sie möchten in Zukunft tierfreundlicher leben? Dann Informieren Sie sich auf unserer Seite Vegan Taste Week über pflanzliche Alternativen zu Eiern.
  • Helfen Sie uns dabei, die Haltungsbedingungen der Tiere zu verbessern.

Zahlenquellen

Die Zahlen zum Tierbestand, zu den Haltungen und zur Schlachtung beruhen auf Angaben des Statistischen Bundesamtes.

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Weitere Beiträge zum Thema »Legehennen« finden Sie hier.


[3] u. a. »Minimierung von Federpicken und Kannibalismus bei Legehennen mit intaktem Schnabel« der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, »Empfehlungen zur Verhinderung von Federpicken und Kannibalismus bei Jung- und Legehennen« des Niedersächsischen Landwirtschaftsministeriums sowie »MTool – Eine Managementhilfe für Legehennenaufzucht und -haltung« und der »Hennenscore« der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover. [zurück]

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