Tieren helfen Hase

Kaninchen

Körperliche Leiden und Schäden der Kaninchen

In der Intensivtierhaltung erfahren Mastkaninchen regelmäßig die folgenden Schmerzen, Leiden und Schäden, die in erster Linie infolge der artwidrigen Haltungsbedingungen (z. B. eingeschränkte Bewegungsfreiheit, Haltung auf Gitterboden) entstehen:

  • Knochenschwäche, schmerzhafte Knochenbrüche
  • Störungen in der Bewegungskoordination bis hin zum Verlust der Hoppelfähigkeit
  • Technopathien (z. B. wunde Läufe = Pododermatitis, Wirbelsäulenverkrümmungen, Sohlengeschwüre, Knochengewebshypoplasie)
  • Fütterungsbedingte Erkrankungen (z. B. Kokzidiose)
  • diverse Infektionskrankheiten
Krankes Kaninchen
© Animal Equality

Die in der kommerziellen Kaninchenhaltung häufig kursierenden Infektionskrankheiten, deren Verbreitung unter anderem durch mangelnde Stallhygiene, offene Wunden oder die Haltung der Tiere auf zu engem Raum begünstigt wird, können bei Kaninchen tödlich enden. Insbesondere infektiöse Erkrankungen des Verdauungstraktes (wie akute Dysenterie, diphtheroide Dünndarmentzündung, Clostridien-Enterotoxämie) zählen zu den Hauptursachen von starken Verlustraten innerhalb der konventionellen Mastbestände. Die Abgangsraten (Tiere, die vor der Schlachtung sterben) bei Mastkaninchen sind mit 20-30 % sehr hoch.

Schlachtung der Kaninchen

In Deutschland werden nach Schätzungen der Welternährungsorganisation (FAO) jedes Jahr etwa 22 Millionen Kaninchen geschlachtet (Stand 2013). Betäubt werden sie bei der industriellen Schlachtung am häufigsten per Elektrobetäubung und etwas seltener auch über die Bolzenschussmethode: Bei der Elektrobetäubung werden dem Kaninchen Elektroden am Kopf angesetzt und es wird Strom durch das Gehirn geleitet. Dies führt zu einer schweren Störung der Gehirnfunktionen ähnlich einem epileptischen Anfall. Bei der penetrierenden Bolzenschussmethode wird mit einem Bolzenschussgerät auf den Kopf des Kaninchens gefeuert, wobei ein Bolzen das Schädeldach des Kaninchens durchschlägt. Hierbei kommt es zu einer schweren Gehirnerschütterung und einer mechanischen Zerstörung von Teilen des Gehirns. Neben diesen beiden Methoden sind auch ein Schlag durch einen nicht penetrierenden Bolzenschuss auf das Schädeldach sowie ein stumpfer Schlag zur Betäubung erlaubt.

Nach ihrer Betäubung werden die Tiere mit den Hinterläufen in eine Förderkette eingehängt, die sie zu den verschiedenen Schlachthofstationen befördert: Zunächst werden sie der Reihe nach entblutet, indem ihnen entweder die Halsschlagader durchschnitten oder der Kopf abgetrennt wird. Danach folgen das Abziehen des Fells, das Abschneiden der Pfoten und die Entnahme der inneren Organe. Abschließend werden die Tiere in die handelsüblichen Teilstücke Rücken, Brust und Keulen zerteilt.

Generell kann es vorkommen, dass die Betäubung fehlerhaft durchgeführt wird und die Tiere dadurch große Schmerzen und Leiden erfahren. Wird etwa das Bolzenschussgerät an der falschen Stelle angesetzt, so verletzt der Bolzen lediglich die Augen- oder Nasenhöhle − das Tier wird jedoch nicht betäubt und erlebt diese Verletzung bewusst mit. Ist die Stromstärke bei der Elektrobetäubung zu niedrig eingestellt, führen die Stromstöße nicht zur sofortigen Ausschaltung der Gehirnfunktionen und verursachen starke Schmerzen. Im Fall einer falsch ausgeführten Betäubung oder einer zu späten Durchführung der Entblutung – die Betäubung hält nur etwa eine Minute an − sind die Kaninchen noch bei Bewusstsein, während sie mit dem Kopf nach unten aufgehängt werden und ihnen der Kopf abgeschnitten wird.

Vermeidbarkeit und Forderungen

Um das Leid der Kaninchen möglichst gering zu halten, müssen in der konventionellen Mastkaninchenhaltung zumindest die folgenden Änderungen eingeführt werden:

  • kein Einsatz von zur Hochleistung gezüchteten Tieren
  • Verringerung der Besatzdichte (zur Ermöglichung von artgemäßem Sozialverhalten und von Bewegungsfreiheit)
  • Ausstattung des Stallbodens mit trockener Einstreu (zur Ausübung artspezifischer Bewegungsabläufe und Einnahme von Liegepositionen)
  • Bereitstellung von abgedunkelten Rückzugs- und Versteckmöglichkeiten in Form von erhöhten Ebenen und Hütten (zum Ausleben vom Fluchttrieb und sozialen Verhaltensweisen)
  • Bereitstellung von raufaserreichen Futtermitteln wie z. B. Gras, Kräutern, Salat oder Heu und von Nageobjekten wie z. B. frischen Ästen, ungiftigen Weichhölzern, getrocknete Maiskolben, Heu- und/oder Strohpresslingen (zur Beschäftigung und zur Ausübung nahrungsbezogener Verhaltensweisen)

Darüber hinaus fordert die Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt das Verbot der Käfighaltung von Kaninchen. Die artgemäße Haltung von Kaninchen in Käfigen (selbst wenn diese modifiziert würden) ist unmöglich, da dabei Einschränkungen des natürlichen Bewegungs- und Sozialverhaltens und, damit verbunden, Schäden und Leiden verursacht werden. Junge Kaninchen haben spontane und intensive Bewegungsschübe und zeigen zudem im Freilauf andere Bewegungen als in Buchten oder Käfigen. Demnach empfiehlt sich die Umstellung auf Bodenhaltung oder noch besser auf (mobile) Freilandhaltung. Hierbei ist darauf zu achten, dass eine Strukturierung des Raums in Funktionsbereiche (Futter-, Aufenthalts- und Ruhe-/Rückzugsbereich) gegeben ist und die Gruppengröße auf ein für die Tiere erträgliches Maß (bis zu 30-40 Tiere pro Gruppe) reduziert bleibt, sodass unter den Tieren weniger Aggressionen auftreten.

Außer den allgemeinen Vorschriften im Deutschen Tierschutzgesetz (TierSchG) und in der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung (TierSchNutztV) gab es für Kaninchen im Gegensatz zu anderen Nutztierarten bis vor Kurzem noch keine gesetzlich verbindlichen Haltungsverordnungen für eine tiergerechte Haltung. Erfreulicherweise wurde die Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung nun durch das Bundeslandwirtschaftsministerium (ehemals BMELV; heute BMEL) um einen Abschnitt mit speziellen Mindestanforderungen an die Haltung von Kaninchen erweitert. Die neue Verordnung trat am 11. August 2014 in Kraft. Aus Sicht der Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt ist diese Entwicklung zwar ein Schritt in die richtige Richtung, allerdings wurden in der neuen Verordnung nur völlig unzureichende Haltungsverbesserungen festgelegt − insbesondere die Haltung in Käfigen soll weiterhin möglich bleiben. Zudem werden den Haltern bei bereits bestehenden Haltungseinrichtungen je nach Investitionsbedarf für Neu- und Umbaumaßnahmen Übergangsfristen von bis zu 10 Jahren gewährt, weshalb davon auszugehen ist, dass sich in naher Zukunft nur wenig für die Tiere ändern wird.

Auf EU-Ebene liegt seit 2009 der inzwischen 17. Entwurf einer Empfehlung zur Mastkaninchenhaltung vor, wobei allerdings noch nicht abzusehen ist, wann die Empfehlung verabschiedet werden wird.

Aufgrund der bisher bestehenden Rechtsunsicherheit wurden von verschiedenen Organisationen unverbindliche Empfehlungen und Leitlinien zur Kaninchenhaltung entwickelt. Am häufigsten angeführt werden unter ihnen die von der deutschen Gruppe der industriell ausgerichteten World Rabbit Science Association (WRSA) und dem ebenfalls industriell orientierten DLG-Ausschuss für Kaninchenzucht und -haltung veröffentlichten Leitlinien zu Mindeststandards bei der Haltung von Hauskaninchen (novelliert 2009). Hier wird bezüglich des Raumbedarfs von Mastkaninchen mittelschwerer Rassen (bis 3,5 kg) lediglich eine Käfigfläche von mind. 600-700 cm² pro Tier und eine Mindestkäfighöhe von 35 cm angegeben, was sogar noch unter den in der Praxis üblicherweise gehandhabten Raumangeboten liegt und den Bedürfnissen der Tiere alles andere als gerecht wird.

Die momentan in den kommerziellen Kaninchenmastanlagen herrschenden Bedingungen, wie sie oben beschrieben werden, widersprechen den Gedanken von § 2 Nr. 1 und Nr. 2 des Tierschutzgesetzes, nach denen Tiere ihrer Art und ihren Bedürfnissen entsprechend angemessen gehalten werden sowie die Möglichkeit der Tiere zur artgemäßen Bewegung nicht so eingeschränkt werden dürfen, dass ihnen Schmerzen oder vermeidbare Leiden oder Schäden zugefügt werden.

Was können Sie tun?

  • Essen Sie kein konventionelles Kaninchenfleisch, wenn Sie nicht zu den oben beschriebenen Zuständen beitragen möchten. Leider ist auch das Ausweichen auf Produkte aus Biohaltung oder privater Erzeugung nicht automatisch eine gute Lösung, da auch in diesen Haltungsformen Kaninchen häufig unter schlechten Bedingungen leben und sterben müssen und zudem auch hier letztlich das ethische Problem des unnötigen Tötens bestehen bleibt.
  • Sie suchen Informationen oder eine Einstiegshilfe zu einer tierfreundlicheren Ernährung? Dann schauen Sie doch mal bei unserer Vegan Taste Week vorbei und melden Sie sich zum kostenlosen Newsletter an.
  • Helfen Sie uns bei unserem Kampf gegen die schlimmsten Zustände in der Intensivtierhaltung.

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Weitere Beiträge zum Thema Kaninchen finden Sie hier.

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