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Gänse

Zurückdrängung der Grundbedürfnisse der Gänse

Zu den Grundbedürfnissen von Gänsen gehören die Futtersuche auf der Weide, das Baden, die Körperpflege sowie das Ruhen (bevorzugt auf Wasserflächen) und ihr ausgeprägtes Sozialverhalten. Diese Bedürfnisse sind für das Wohlbefinden der Gänse essenziell. Die intensiven Haltungsformen mit ihrem geringen Platzangebot sowie fehlendem Wasser- und Weidezugang lassen die Bedürfnisse der Gänse allerdings völlig außer Acht. Darüber hinaus vernachlässigen sie die Raum- und Bewegungsbedürfnisse der großen Vögel.

a) Nahrungssuche

Gänse sind Weidetiere und beschäftigen sich viele Stunden am Tag mit der Futtersuche und -aufnahme. Die Suche kann sich sogar bis in die Abendstunden ausdehnen. Beim gemeinsamen Weiden halten immer einige Tiere am Rand der Gruppe Ausschau nach potenziellen Bedrohungen.

Zu ihrer Nahrung gehören Gräser, Grünpflanzen und zusätzlich von Zeit zu Zeit kleine Fische oder Schnecken. Gänse sind gute Schwimmer und können mithilfe von lamellenartigen Strukturen an ihren empfindlichen Schnäbeln Nahrungspartikel aus dem Wasser filtern. Sie verfügen überdies über einen gut ausgebildeten Geruchssinn.

Die Stall- oder gar Käfighaltung verhindert die natürliche Nahrungssuche auf der Weide (auch Äsen genannt) und im Wasser, mindert die Robustheit der Tiere und kann aufgrund von Bewegungsmangel sogar zu Beinschäden führen. Da die Tiere in der intensiven Haltung kaum die Möglichkeit haben, zur Nahrungssuche und zur Erkundung zu picken, lenken sie das Pickverhalten auf ihre Artgenossen um.

b) Körperpflege

© Erdlingshof

Gänse zeigen ein komplexes Putzverhalten. Die Pflege und Reinigung ihres Gefieders, das Strecken der Beine und Flügel und das Kratzen tragen zu ihrem Wohlbefinden bei. Insbesondere der Zugang zu Wasser ist für die ausgiebige Gefiederpflege essenziell. Beim Baden tauchen die Gänse Kopf und Hals unter Wasser. Danach schütteln sie sich und ordnen ihre Federn. Abschließend verteilen sie Öl aus der Bürzeldrüse in ihrem Gefieder, um es gegen Nässe zu schützen.

Ohne Wasserzugang fehlt die pflegende Wirkung des Einfettens – die schützende Funktion des Gefieders vor dem Eindringen von Feuchtigkeit ist dann nicht mehr gegeben. Außerdem können die Tiere ohne Zugang zu Wasser verschiedene Verhaltensstörungen entwickeln. Dazu gehört das »dry-washing«: Dabei versuchen sich die Gänse mit Erde oder Sand statt Wasser zu putzen. Dieses Verhalten kann neben Gefiederverschmutzungen sogar zu kahlen Stellen führen. Steht den Gänsen nur Wasser in Tränken zur Verfügung, versuchen sie zumindest ihren Kopf darin einzutauchen und sich anschließend zu putzen.

Das übliche Vorenthalten von Bademöglichkeiten stellt jedoch einen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz und die Europarats-Empfehlung dar.

c) Ruheverhalten

Gänse ruhen und schlafen bevorzugt nach jeder Mahlzeit. In der Nacht ruhen sie an Land vor allem im Sitzen, in den Morgenstunden auch auf einem Bein stehend. Sie stecken ihren Kopf in das Schultergefieder oder legen ihn nach hinten gedreht auf dem Rücken ab. Unter natürlichen Bedingungen nutzen sie außerdem gern Schwimmmöglichkeiten zum Ruhen und auch als Rückzugsmöglichkeit. Sie paddeln dann hin und wieder mit ihren Füßen, um nicht an Land zu treiben.

In großen Mastgruppen von 1.000 Tieren und mehr zeigen Gänse eine besondere Empfindlichkeit und kommen kaum noch zum Ruhen. Dies ist ein deutliches Zeichen für eine zu große Tierzahl und für unzureichende Rückzugsmöglichkeiten.

d) Sozialverhalten

Gänse sind soziale Gruppentiere und verfügen über einen ausgeprägten Familiensinn. Die Kommunikation untereinander beruht auf einer Vielzahl von Lauten und Bewegungen. Etwa zwei Tage vor dem Schlupf nimmt die Mutter über verschiedene Laute mit den Küken Kontakt auf. Diese kommunizieren in dieser Zeit sogar untereinander und synchronisieren mittels Klicklauten den Schlupf. Geschlüpfte Küken nutzen Pieplaute, um sich ihrer Mutter und ihren Geschwistern mitzuteilen. Mit einem Verlassenheitsruf können sie außerdem auf sich aufmerksam machen.

Erwachsene Gänse kommunizieren mithilfe von Warnrufen oder bei Auseinandersetzungen mit dem gänsetypischen Zischen. Sie scheuen sich nicht vor Attacken auf Artgenossen und zeigen heftige Gegenwehr gegen Angreifer. Zur Körpersprache gehören außerdem Unterlegenheitsgesten mit gekrümmtem Hals und geneigtem Kopf oder Drohgebärden mit langgestrecktem Hals.

Auch wenn Federfressen und Kannibalismus bei Gänsen selten auftreten, kann Frustration zu erhöhter Aggressivität untereinander führen.

e) Legeverhalten/Sexualverhalten

Während Wildgänse jedes Jahr als Paar ihren Nachwuchs großziehen, leben Hausgänse in kleineren Gruppen mit einem Ganter und mehreren weiblichen Gänsen. Unter natürlichen Bedingungen legt eine Gans vier bis sechs Eier im Jahr und brütet diese in etwa vier Wochen aus.

Schon innerhalb der ersten Stunden nach dem Schlüpfen beginnt die Prägung auf die Muttergans. Anfangs suchen die Gössel noch den intensiven Kontakt zur Mutter und wärmen sich unter ihrem Gefieder. Schon wenige Tage später verlassen sie unter Aufsicht der Erwachsenen zum ersten Mal das Nest. Der Ganter verteidigt seinen Nachwuchs bei Gefahr vehement. Zuchtgänse können dieses umfangreiche Verhalten nicht ausleben, da die Tiere immer häufiger künstlich abgesamt bzw. besamt werden und Brutautomaten die Eier ausbrüten.

Schlachtung

Im Jahr 2016 wurden in Deutschland etwa 620.000 Gänse geschlachtet. Der Schlachtzeitraum erstreckt sich vom Spätsommer bis in den Winter und findet im Dezember seinen Höhepunkt.

Vor dem Transport zum Schlachtbetrieb erhalten die Gänse üblicherweise 8 bis 24 Stunden lang kein Futter. Der Nahrungsentzug soll verhindern, dass Mageninhalt und Kot die Tierkörper beim Schlachten und Zerlegen durch verunreinigen. Beim Einfangen und Verladen in kleine Transportkäfige können die Tiere leicht verletzt werden. Gerade, wenn sie in Panik geraten. So können etwa die feinen Flügelknochen brechen.

Im Schlachtbetrieb kommen die Tiere direkt aus den Transportkäfigen kopfüber ans Schlachtband. Ein unvorsichtiger Umgang mit den schweren Mastgänsen kann zu starkem Flügelschlagen und schmerzhaften Knochenbrüchen führen.

Das Schlachtband transportiert die Gänse zu einem stromdurchfluteten Wasserbecken, in das ihre Köpfe für ca. 4 Sekunden eintauchen. Die Stromspannung soll zur Bewusstlosigkeit führen. Allerdings ist dieses Verfahren bei einem Teil der Gänse nicht erfolgreich: Entweder weil sie nicht richtig aufgehängt sind oder aufgrund einer zu geringen Länge nicht oder nur unzureichend in das Becken eintauchen.

Die Tötung erfolgt meist maschinell per Schnitt in die Halsschlagadern. Unzureichend betäubte Gänse können durch heftiges Flügelschlagen Knochenbrüche und Blutergüsse erleiden und die Dauer des Ausblutens verlängern. Diese Gänse sind im anschließenden Brühbad, das das Rupfen erleichtern soll, noch bei Bewusstsein.

Gesetze und Empfehlungen

© Animal Equality

Das Tierschutzgesetz gilt auch für Gänse und verbietet beispielsweise die Zwangsfütterung (Stopfen). Für die Haltung von Gänsen gelten ansonsten die allgemeinen Anforderungen der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung. Die Verordnung berücksichtigt allerdings nicht die besonderen Bedürfnisse der Gänse.

Der Europarat hat mit seiner Empfehlung in Bezug auf Hausgänse von 1999 Vorgaben zur Aufzucht und Haltung erstellt und Haltungsformen ohne Einstreu oder Auslauf verboten. Die Empfehlung stellt jedoch nur einen Kompromiss aller beteiligten EU-Länder in Sachen Tierschutz dar. Die formulierten Mindeststandards sind vor allem aufgrund der unterschiedlichen wirtschaftlichen Interessen zurückhaltend formuliert.

Teils lässt die Empfehlung sogar folgenschwere Ausnahmen zu. So ist beispielsweise der Zugang zu Bademöglichkeiten für Gänse nicht zwingend notwendig, wenn »ein solcher Zugang nicht möglich ist«. Stattdessen soll den Gänsen Wasser mindestens in dem Maße zur Verfügung stehen, dass sie ihren Kopf unter Wasser tauchen können.

Obwohl das Badeverhalten essenziell für das Wohlbefinden von Gänsen ist, wird den Tieren also nur ein Wasserangebot zugestanden, das kaum als Bademöglichkeit gelten kann. In der Empfehlung fehlen außerdem konkrete Vorgaben im Hinblick auf die Besatzdichte oder das Stallklima. Zudem erlaubt das Dokument sogar explizit die Tötung unerwünschter Gänseküken.

Die Empfehlung der EU verbietet zwar, lebenden Gänsen Federn und Daunen auszureißen, da dies dem Wohlergehen der Tiere unnötig schadet. Das »Raufen«, das ebenfalls mit Schmerzen und Leiden verbunden ist, ist in der EU allerdings nach wie vor erlaubt.

Vermeidbarkeit und Forderungen

Um Gänsen ein artgerechtes Leben bieten zu können, müssten folgende Voraussetzungen geschaffen werden:

  • Ständiger Zugang zu sauberen Bademöglichkeiten
  • Täglicher Weidezugang
  • Keine Lebendfedergewinnung durch Rupfen oder Raufen
  • Aufnahme von konkreten Mindeststandards in die Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung
  • Kein Import und Verkauf von Stopfleberprodukten
  • Keine Käfighaltung

Was Sie tun können

Essen Sie kein Gänsefleisch, keinen Schmalz und keine Produkte, die Stopfleber enthalten, wenn Sie nicht zu den beschriebenen Zuständen beitragen wollen. Auf Produkte aus Biohaltung auszuweichen, ist nicht automatisch eine gute Lösung, da auch hier die oben beschriebenen Problematiken nicht auszuschließen sind. Zudem bleibt das ethische Problem des unnötigen Tötens bestehen. Kaufen Sie außerdem keine Feder- und Daunenprodukte und greifen Sie stattdessen zu synthetischen Alternativen. So unterstützen Sie weder den Lebendrupf noch die Mast oder die Stopfleberproduktion.

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