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Masthuhn-Kampagne

Masthühner - Masthuhn-Kampagne
© Vipavlenkoff – Shutterstock
Die Masthuhn-Kampagne haben wir ins Leben gerufen, um den rund
Hühnern zu helfen, die jedes Jahr in Deutschland gemästet und geschlachtet werden. Das sind mehr als 80 % aller geschlachteten Landtiere. Trotz einer wachsenden Bedeutung der vegetarischen und veganen Ernährungsformen sowie der Absicht vieler Menschen, weniger Fleisch zu essen, ist diese Zahl relativ konstant (2010 lag sie bei 591 Mio.). Da eine deutliche Reduktion der Masthuhnzahlen durch Überzeugungsarbeit bei VerbraucherInnen nicht absehbar ist, sehen wir uns in der Verantwortung, die Leiden dieser Tiere, so weit wie es uns möglich ist, zu lindern. Deshalb haben wir gemeinsam mit 25 Tierschutz- und Tierrechtsorganisationen aus ganz Europa die Masthuhn-Kampagne ins Leben gerufen. Ziel der Kampagne ist es, die wichtigsten Bereiche anzugehen, die für die enormen Leiden in der Hühnermast verantwortlich sind. Dazu haben wir die Europäische Masthuhn-Forderung entwickelt, die wir an Unternehmen aus der Lebensmittelwirtschaft herantragen.

Die Masthuhn-Forderung im Detail

Die Kriterien der Masthuhn-Kampagne liegen deutlich über dem tierschutzrechtlich vorgeschriebenen Niveau und auch deutlich über den Standards der »Initiative Tierwohl« (ITW), aus der einiges Fleisch stammt, das in Supermärkten und Discountern verkauft wird. Die folgende Tabelle zeigt die wesentlichen Unterschiede:

Standard in DE »Initiative Tierwohl« Masthuhn-Forderung
Besatzdichte 39kg/m² (bis zu 26 Tiere/m²) 35kg/m² (bis zu 23 Tiere/m²) 30kg/m² (bis zu 20 Tiere/m²)
Auslauf nein nein nein
Vorgreifen unbegrenzt unbegrenzt max. 1x
Einschränkung der Überzüchtung nein nein ja
Tageslicht teilweise, 20 Lux teilweise, 20 Lux ja, 50 Lux
Sitzstangen nein nein 2m/1.000 Tiere
Pickmöglichkeiten nein Ein Gegenstand für ca. 3.000 Tiere Zwei Gegenstände für 1.000 Tiere
Betäubung ohne Kopfüberhängen nein nein ja
Audits von Dritten nein ja ja

Bevor wir in die Details gehen: Die Kriterien der Masthuhn-Kampagne bedeuten einen deutlichen Schritt in die richtige Richtung. Anhand des Wissensstandes in den Bereichen Tierschutz und Tiergesundheit wäre noch weit mehr zu fordern, aber die Realität erlaubt keine beliebig großen Schritte. Daher haben wir gemeinsam mit den anderen Organisationen einen Kompromiss entwickelt, der das Maximum dessen abbildet, was wir derzeit für erreichbar halten.

Besatzdichte

Studien zeigen, dass man die Besatzdichte auf 25kg/m² senken müsste, um gewisse Krankheitszustände – schmerzhafte Entzündungen beispielsweise – zu vermeiden und Bewegungsfreiheit zu ermöglichen. Die 30kg/m² sind ein Schritt in diese Richtung, der aus der Abwägung zwischen Kosten und Nutzen gewählt wurde.

Auslauf

Auch hier macht die Kampagne einen Kompromiss: Wintergärten und Auslaufflächen erfordern teure Umbaumaßnahmen und werden häufig nicht genehmigt. Da es uns darum geht, die Forderungen als neuen Mindeststandard zu etablieren, können wir keinen Auslauf fordern.

Vorgreifen

Als Vorgreifen bezeichnet man den Vorgang, im Laufe der Mast einen Teil der Hühner einzufangen und zum Schlachthof zu transportieren. Dies bedeutet sowohl für die eingefangenen als auch für die im Stall verbleibenden Tiere viel Stress. Angewendet wird die Maßnahme, um mehr Tiere in einem Stall mästen zu können. Die Kampagne ruft dazu auf, aufs Vorgreifen zu verzichten und erlaubt es maximal ein Mal pro Mastdurchgang.

Überzüchtung

Die in der Standard-Hühnermast (inkl. ITW) eingesetzten sog. Hybridlinien sind aus unserer Sicht Qualzuchten: Das Wachstum der Tiere ist so schnell, dass ihre Skelette und inneren Organe überfordert sind. Zudem sind sie darauf gezüchtet, so große Brustmuskeln zu bekommen, dass viele Tiere ihr Gleichgewicht nicht mehr halten können. Die Masthuhn-Kampagne unterbindet dies. Allerdings können hier die Hybridlinien für die Mast aus einer Kreuzung von stark und weniger stark überzüchteten Tieren entstehen. Insofern kann die Kampagne das Problem nicht lösen, dass sich unter den Elterntieren Qualzuchten befinden können.

Tageslicht

Ställe, die vor 2009 genehmigt wurden, müssen den Tieren keinerlei Tageslicht bieten. Dahingegen müssen neuere Ställe zwar über Fenster verfügen, aber meistens kommt nur sehr wenig Tageslicht in die Ställe. Zum Vergleich: Die üblichen 20 Lux entsprechen in etwa Mondlicht, während die 50 Lux der Forderung zumindest so hell sind, dass man eine Zeitung lesen könnte. Dies ist relevant, weil Hühner unter 50 Lux ihr normales Verhaltensrepertoire kaum ausleben.

Sitzstangen & Pickmöglichkeiten

Hühner sitzen sehr gerne erhöht und Picken gehört zu ihren Grundbedürfnissen. Unter den Bedingungen der Masthuhn-Forderung können die Tiere beides zumindest in gewissen Maßen ausleben.

Betäubung & Schlachtung

Der gesetzliche Standard und die »Initiative Tierwohl« erlauben die Betäubung im Elektrowasserbad. Dazu werden die Hühner kopfüber in Haltebügel gehängt, was oft zu Knochenbrüchen und anderen Verletzungen führt. Dann werden die Tiere mit dem Kopf durch ein Elektrowasserbad gezogen, das sie betäuben soll – eine Methode, die besonders häufig zu Fehlbetäubungen führt. Die Kampagne unterbindet das Kopfüberhängen und reduziert die Fehlbetäubungen deutlich. Die am meisten verbreitete Alternative zum Elektrowasserbad, die zweistufige CO2-Betäubung, ist zwar weniger problematisch, aber auch sie führt zu Schmerzen und Stress.

Audits

Die Forderungen schreiben eine jährliche Kontrolle der Standards durch unabhängige Dritte vor.

Zeitrahmen

Die Unternehmen müssen die Kriterien bis spätestens 2026 komplett umgesetzt haben. Allerdings legen wir deutschen Unternehmen nahe, schneller zu sein. Das Jahr 2026 wurde gewählt, damit die Frist auch für Länder in Süd- und Osteuropa, wo der Tierschutz meist hinterher hinkt, realistisch zu sein.

Erfolge der Masthuhn-Kampagne

Um eine stets aktuelle Liste der Erfolge zu sehen, besuchen Sie die Seite »Chicken Watch« und wählen Sie dort ggf. den gewünschten Kontinent sowie »Issue: Broiler« aus.

Kampagne gegen IKEA

Derzeit fordern wir IKEA auf, die Masthuhn-Forderung zu erfüllen. Allerdings haben wir die Kampagne pausiert, da sich IKEA handlungsbereit gezeigt hat. Momentan geht es nur noch um eine Formulierung zu einem Kriterium. Wenn es gelingt, diesen Punkt zu klären, können wir IKEA als Erfolg führen. Ansonsten müssen wir die Kampagne wieder aufnehmen.

Weitere Kampagnen gegen Unternehmen

Da sich mit Unilever, Nestlé, Danone (außerhalb von Deutschland ist das Thema Hühnerfleisch relevant) und Dr. Oetker einige der größten Lebensmittelhersteller entschieden haben, die Forderung zu erfüllen, werden wir nach und nach Kampagnen gegen Lebensmittelhersteller führen, die sich weigern, dem Vorbild der anderen Unternehmen zu folgen.

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