Details


Die Kriterien der Masthuhn-Initiative liegen deutlich über dem tierschutzrechtlich vorgeschriebenen Niveau und auch deutlich über den Standards der »Initiative Tierwohl« (ITW), aus der einiges Fleisch stammt, das in Supermärkten und Discountern verkauft wird. Die folgende Tabelle zeigt die wesentlichen Unterschiede:

Standard in DE »Initiative Tierwohl« Masthuhn-Initiative
Besatzdichte 39kg/m² (bis zu 26 Tiere/m²) 35kg/m² (bis zu 23 Tiere/m²) 30kg/m² (bis zu 20 Tiere/m²)
Auslauf nein nein nein
Vorgreifen unbegrenzt unbegrenzt max. 1x
Einschränkung der Überzüchtung nein nein ja
Tageslicht teilweise, 20 Lux teilweise, 20 Lux ja, 50 Lux
Sitzstangen nein nein 2m/1.000 Tiere
Pickmöglichkeiten nein Ein Gegenstand für ca. 3.000 Tiere Zwei Gegenstände für 1.000 Tiere
Betäubung ohne Kopfüberhängen nein nein ja
Audits von Dritten nein ja ja

 

Bevor wir in die Details gehen: Die Kriterien der Europäischen Masthuhn-Initiative bedeuten einen deutlichen Schritt in die richtige Richtung. Anhand des Wissensstandes in den Bereichen Tierschutz und Tiergesundheit wäre noch weit mehr zu fordern, aber die Realität erlaubt keine beliebig großen Schritte. Daher haben wir gemeinsam mit den anderen Organisationen einen Kompromiss entwickelt, der das Maximum dessen abbildet, was wir derzeit für erreichbar halten.

Besatzdichte

Studien zeigen, dass man die Besatzdichte auf 25kg/m² senken müsste, um gewisse Krankheitszustände – schmerzhafte Entzündungen beispielsweise – zu vermeiden und Bewegungsfreiheit zu ermöglichen. Die 30kg/m² sind ein Schritt in diese Richtung, der aus der Abwägung zwischen Kosten und Nutzen gewählt wurde.

Auslauf

Auch hier macht die Kampagne einen Kompromiss: Wintergärten und Auslaufflächen erfordern teure Umbaumaßnahmen und werden häufig nicht genehmigt. Da es uns darum geht, die Kriterien als neuen Mindeststandard zu etablieren, können wir keinen Auslauf fordern.

Vorgreifen

Als Vorgreifen bezeichnet man den Vorgang, im Laufe der Mast einen Teil der Hühner einzufangen und zum Schlachthof zu transportieren. Dies bedeutet sowohl für die eingefangenen als auch für die im Stall verbleibenden Tiere viel Stress. Angewendet wird die Maßnahme, um mehr Tiere in einem Stall mästen zu können. Die Kampagne ruft dazu auf, aufs Vorgreifen zu verzichten und erlaubt es maximal ein Mal pro Mastdurchgang.

Überzüchtung

Die in der Standard-Hühnermast (inkl. ITW) eingesetzten sog. Hybridlinien sind aus unserer Sicht Qualzuchten: Das Wachstum der Tiere ist so schnell, dass ihre Skelette und inneren Organe überfordert sind. Zudem sind sie darauf gezüchtet, so große Brustmuskeln zu bekommen, dass viele Tiere ihr Gleichgewicht nicht mehr halten können. Die Masthuhn-Kampagne unterbindet dies. Allerdings können hier die Hybridlinien für die Mast aus einer Kreuzung von stark und weniger stark überzüchteten Tieren entstehen. Insofern kann die Kampagne das Problem nicht lösen, dass sich unter den Elterntieren Qualzuchten befinden können.

Tageslicht

Ställe, die vor 2009 genehmigt wurden, müssen den Tieren keinerlei Tageslicht bieten. Dahingegen müssen neuere Ställe zwar über Fenster verfügen, aber meistens kommt nur sehr wenig Tageslicht in die Ställe. Zum Vergleich: Die üblichen 20 Lux entsprechen in etwa Mondlicht, während die 50 Lux der Masthuhn-Initiative zumindest so hell sind, dass man eine Zeitung lesen könnte. Dies ist relevant, weil Hühner unter 50 Lux ihr normales Verhaltensrepertoire kaum ausleben.

Sitzstangen & Pickmöglichkeiten

Hühner sitzen sehr gerne erhöht und Picken gehört zu ihren Grundbedürfnissen. Unter den Kriterien der Masthuhn-Initiative können die Tiere beides zumindest in gewissen Maßen ausleben.

Betäubung & Schlachtung

Der gesetzliche Standard und die »Initiative Tierwohl« erlauben die Betäubung im Elektrowasserbad. Dazu werden die Hühner kopfüber in Haltebügel gehängt, was oft zu Knochenbrüchen und anderen Verletzungen führt. Dann werden die Tiere mit dem Kopf durch ein Elektrowasserbad gezogen, das sie betäuben soll – eine Methode, die besonders häufig zu Fehlbetäubungen führt. Die Kampagne unterbindet das Kopfüberhängen und reduziert die Fehlbetäubungen deutlich. Die am meisten verbreitete Alternative zum Elektrowasserbad, die zweistufige CO2-Betäubung, ist zwar weniger problematisch, aber auch sie führt zu Schmerzen und Stress.

Audits

Die Europäische Masthuhn-Initiative schreibt eine jährliche Kontrolle der Standards durch unabhängige Dritte vor.

Zeitrahmen

Die Unternehmen müssen die Kriterien bis spätestens 2026 komplett umgesetzt haben. Allerdings legen wir deutschen Unternehmen nahe, schneller zu sein. Das Jahr 2026 wurde gewählt, damit die Frist auch für Länder in Süd- und Osteuropa, wo der Tierschutz meist hinterher hinkt, realistisch ist.

Wortlaut

Den Originalwortlaut der Kriterien finden Sie auf dieser Seite.

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