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Fische in Aquakultur

Körperliche Leiden und Schäden in der Aquakultur

Die Intensivhaltung in der Aquakultur macht die Fische anfällig für verschiedene Arten von Krankheiten und Parasitenbefall, was vor allem auf hohe Besatzdichten und stressgeschwächte Immunsysteme zurückzuführen ist. In der jüngeren Vergangenheit führte der Ausbruch von Krankheiten u. a. bei Züchtungen von atlantischem Lachs in Chile und Garnelen in Lateinamerika zu gravierenden Problemen, was mit einer teilweisen bis vollständigen Auslöschung der Zuchtfarmen einherging.

Unter folgenden Körperschäden und Krankheiten leiden Fische in der Aquakultur besonders:

  • Flossenverletzungen durch das ständige Reiben an Artgenossen, den Begrenzungen der Haltungseinrichtung sowie durch aggressive Verhaltensweisen
  • Katarakt (Trübung der Augenlinse) und damit verbundene Blindheit
  • Zuwachs an angeborenen Missbildungen, insbesondere der Wirbelsäule und des Herzens
  • Erhöhte Anzahl an Viruserkrankungen und bakteriellen Infektionen
  • Parasitenbefall, z. B. durch die Seelaus (siehe Exkurs)

Exkurs: Meeresläuse

Seeläuse in Aquakultur
© Alexandra Morton / farmedanddangerous.org

Überfüllte Gehege im offenen Meer bieten natürlichen Parasiten wie Seeläusen eine ideale Möglichkeit, sich zu vermehren und auszubreiten. Dies stellt eine große Gefahr für wildlebende Lachse dar, die vorbeischwimmen und von Seeläusen befallen werden. Werden die Fische in den Gehegen nicht gegen die Läuse behandelt, dann sind schwere und sogar tödliche Verletzungen wahrscheinlich. Dies kann sogar dazu führen, dass bei lebenden Lachsen Teile des Schädels offenliegen können.

Gängige Behandlungsmethoden gegen Seeläuse sind ein Bad der Tiere in umweltschädlichen, chemischen Substanzen und die Verwendung von Wasserstoffperoxid, das zu starken Reizungen oder sogar zum Tod der Fische führen kann. Seeläuse sprechen jedoch häufig »schlechter« darauf an und werden weniger empfindlich, v. a. gegen Wasserstoffperoxid. Der Einsatz von Lippfischen, die die Meeresläuse fressen, endet für die Lippfische oft tödlich, weil diese wiederum oft von Lachsen gefressen werden oder schlichtweg verhungern.

Tötung der Fische

Die seit dem 01.01.2013 geltende EU-Verordnung (EG) Nr. 1099/2009 über den Schutz von Tieren zum Zeitpunkt der Tötung schreibt zwar vor, dass »die Tiere von jedem vermeidbaren Schmerz, Stress und Leiden verschont« werden sollen, jedoch werden keine konkreten Vorschriften für die Betäubung und Tötung von Fischen gegeben. Den EU-Mitgliedstaaten bleibt es stattdessen freigestellt, Vorschriften auf nationaler Ebene zu erlassen. In Deutschland gilt für Fische wie auch für alle anderen Wirbeltiere die Tierschutz-Schlachtverordnung, die vorschreibt, dass Fische nur unter Betäubung und Vermeidung von Schmerzen getötet werden dürfen. Als zulässige Betäubungs- und Tötungsmethoden werden darin der Kopfschlag, die elektrische Durchströmung, die Verabreichung eines Betäubungsmittels und die Betäubung mit Kohlendioxid (nur bei Lachsartigen) benannt.

  • Beim Kopfschlag tritt bei korrekter Ausführung bei den meisten Fischarten eine sofortige Bewusstlosigkeit ein, bei falsch platzierten und nicht ausreichend starken Schlägen wird der Fisch jedoch nur verletzt und blutet bei vollem Bewusstsein aus.
  • Die elektrische Durchströmung soll zur sofortigen Bewusstlosigkeit oder zum Tod führen. In der Praxis kann es bei zu geringer Stromstärke oder zu kurzer Einwirkdauer jedoch zu Fehlbetäubungen kommen. Außer bei Aalen existieren derzeit keine verbindlichen Vorgaben bezüglich der erforderlichen Stromparameter, da gesicherte Daten fehlen.
  • Die Verabreichung von Nelkenöl bzw. dessen Wirkstoff Eugenol könnte eine weniger belastende Betäubungsalternative sein, da es die Fische bei ausreichender Dosierung zuverlässig betäubt. Allerdings sind die Wirkstoffe bis jetzt nicht in der EU zugelassen.
  • Die Betäubung mit Kohlendioxid reizt die Schleimhäute und Kiemen der Fische, die in der Folge an akutem Sauerstoffmangel leiden und mit panikartigen Flucht- und Abwehrreaktionen reagieren. Die Bewusstlosigkeit tritt erst nach ca. vier bis sechs Minuten ein, jedoch werden die Fische oft schon nach zwei bis drei Minuten, sobald sie bewegungslos sind, aus dem Wasser entfernt, um sie zu entbluten. Geschieht dies fehlerhaft, werden die Fische bei vollem Bewusstsein ausgenommen.

Bei korrekter Durchführung und kurzgehaltener Zeitspanne bis zur Tötung sind der Kopfschlag, die elektrische Durchströmung und der Einsatz der Betäubungsmittel als am ehesten geeignet einzustufen, um die Fische bis zu ihrem Tod in einen anhaltenden Bewusstlosigkeitszustand zu versetzen. Allerdings sind eine weitere Erforschung und eine gesetzliche Verankerung verbindlicher Vorgaben notwendig. Von der Betäubung mit Kohlendioxid rät die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) aufgrund der beschriebenen heftigen Reaktionen und einer langen Dauer bis zum tatsächlichen Eintritt der Betäubung ab.

Doch schon Routinemaßnahmen, die der Tötung vorgeschaltet sind, werden von der EFSA als belastend bewertet: So lässt man die Tiere z. B. mehr als drei Tage (häufig sind es sogar ein bis zwei Wochen) vor der Schlachtung hungern, damit sich der Verdauungstrakt vollständig leert. Zudem treibt man die Fische auf engsten Raum (bis zu 250 kg/m3) zusammen, sodass nicht einmal mehr Schwimmbewegungen möglich sind, und lässt sie so für Stunden oder sogar Tage bis zur Tötung verharren.

Zu bedenken ist zudem, dass sich nur rund 4 % der Aquakulturen innerhalb der EU befinden – außerhalb ist die Schlachtung weit weniger reguliert und meistens ist keine Betäubung vorgeschrieben. Weit verbreitete Tötungsmethoden sind daher nach wie vor (auch innerhalb der EU):

  • Ersticken an der Luft oder auf Eis, was bis zu zwei Stunden andauern kann. Dabei können die Tiere noch bis zu 30 Minuten lang Abwehr- und Fluchtverhalten zeigen, bis sie bewegungslos, aber nicht bewusstlos werden. Werden sie nun getötet oder ausgenommen, geschieht dies bei vollem Bewusstsein. Die Lebendkühlung bedeutet zudem zusätzliches Leiden durch Kälteschock und Verlängerung der Dauer bis zum Todeseintritt. Von allen Tötungsmethoden belastet der Tod durch Ersticken die Fische am meisten.
  • Die Entblutung ohne vorhergehende Betäubung ist ebenfalls eine sehr langsame Tötungsmethode, die Minuten bis zu Stunden dauern kann. Nach dem Einschneiden der Kiemen zeigen Fische panikartige Abwehrreaktionen. Werden Fische zum Entbluten auf dem Eis gelassen, dauert es grundsätzlich länger bis der Tod eintritt. Beim automatisierten Einschnitt der Kiemen werden Fische, die zu groß, zu klein oder in nicht korrekter Position im Gerät liegen, nicht an den Kiemen, sondern an anderen Körperteilen getroffen. In diesem Fall, wie auch bei einer nicht vollständigen Ausblutung, sind Fische beim Ausnehmen teilweise noch bei Bewusstsein.

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