Jetzt helfen Ferkel

ZEIT-Titelgeschichte: Lasst das!

Zeitungen © mearicon – fotolia.com
Die Wochenzeitung »DIE ZEIT« bildet auf ihrer aktuellen Titelseite (Nr. 33 / 2010) zwei Stücke Fleisch ab und schreibt in großen Lettern »Lasst das!«. Der Untertitel lautet: »Seine höhere Intelligenz gibt dem Menschen nicht das Recht zum Fleischverzehr«.

Auf drei ganzen Seiten widmet sich die ZEIT dann dem Fleischkonsum. Oder besser: dem Vegetarismus. ZEIT-Redakteurin Iris Radisch schreibt auf die Frage, wer wen warum töten darf: »Die Entscheidung ist bereits gefallen. Der Mensch genießt das Recht auf leibliche Unversehrtheit. Das Recht des Tieres, das wir ihm einräumen, besteht demgegenüber darin, vor dem Zerstückelt- und Ausgenommenwerden durch einen Metallbolzen, der ihnen den Schädel spaltet, betäubt oder an einem Haken aufgehängt durch ein elektrisches Wasserbad gezogen zu werden. […] Es ist die Grundlagen dessen, was wir als Normalität bezeichnen. Aber was, wenn wir uns einfach geirrt haben? Ist es möglich, dass, was seit Jahrtausenden als normal gilt, dennoch ein ungeheures Unrecht ist?«

Diese Frage bejaht die Autorin und nimmt sich daraufhin die Rechtfertigungen von Fleischessern vor: Das Fleischessen liege in der Natur des Menschen, heißt es oft. »Seit Jahrtausenden ist der Mensch damit beschäftigt, die rohen Sitten seiner Urahnen zu zähmen und zu kultivieren«, schreibt die Autorin. »Ein Vorgang, den man Zivilisation nenn und der uns immerhin schon so weit gebracht hat, Zeitung zu lesen, zum Mond zu fliegen und von der Unsitte des angeblich besonders schmackhaften Menschenfleischverzehrs abzulassen […]. Warum sollten wir ausgerechnet an der Fleischtheke in der Steinzeit stehen bleiben?«

Auch der angeblich so viel höheren Intelligenz der Menschen widmet sich Iris Radisch. Sie beschreibt eindrucksvoll, dass Tiere schlichtweg anders intelligent sind als Menschen und stellt die provozierende Frage: »Und was, wenn die Evolution noch eine Ehrenrunde dreht und eine Spezies hervorbringt, die uns für zu dumm hält und uns deswegen einsperrt und auffrisst?«

Und auch auf das Totschlagargument, man könne nun mal nicht alles perfekt machen, hat die Autorin eine Antwort: »Es ist unmöglich, in unserem Zusammenleben mit den Tieren alles richtig zu machen. Doch gibt uns das noch lange nicht das Recht, alles falsch zu machen«.

Initiative Transparente Zivilgesellschaft