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Wir erzeugen Fleisch

Beil © Marcel Mende – fotolia.com

Als hätte die Fleischindustrie noch nicht ausreichend viele Verbände und Lobbygruppen, haben sich jetzt der Bauernverband, der Verband der Fleischwirtschaft und ein Dutzend weitere Verbände zusammengeschlossen, um den »WIR erzeugen Fleisch e.V.« zu gründen, der seine Aufgabe darin sieht, die »Kommunikation mit Verbrauchern und Medien [zu] forcieren«.

Konkret heißt das, Behauptungen aufzustellen, die wir nicht unkommentiert lassen können:

  • »Der Tierschutz in Deutschland wird sehr streng gehandhabt [mit Bezug auf das Tierschutzgesetz]«. Falsch. Zum einen haben das Tierschutzgesetz und die entsprechenden Verordnungen erhebliche Mängel, zum anderen brechen die Massentierhalter regelmäßig (und ungestraft) einzelne Gesetze wie z.B. das Verbot der routinemäßigen Amputationen, die ohne Betäubung durchgeführt werden.
  • »Die Haltungsbedingungen für die einzelnen Tiere haben sich durch den technischen Fortschritt und neue wissenschaftliche Erkenntnisse ständig verbessert«. Technischer Fortschritt und wissenschaftliche Erkenntnisse werden vor allem genutzt, um die Kosten zu senken. Verschlechtert hat sich z.B. die Haltung von Masthühnern, denen jetzt noch weniger Platz zur Verfügung gestellt wird als früher. Nennenswerte Verbesserungen (praktisch nur bei den Legehennen zu erkennen) kommen vor allem durch den Druck von Tierschützern zustande. Außerdem verschweigen die Fleischerzeuger, dass die Überzüchtung der Tiere in den letzten Jahrzehnten immer weiter fortgeschritten ist und nach ihrem Willen auch noch weiter fortschreiten soll. Wenn das Qualzuchtverbot im Tierschutzgesetz nicht so schwammig formuliert wäre, müssten die meisten gängigen Zuchtlinien verboten werden. Siehe insbesondere Puten und Masthühner.
  • »Für Landwirte ist praktizierter Tierschutz ein elementarer Bestandteil der Nutztierhaltung. Tiere werden als Mitgeschöpfe betrachtet…«. Falsch. In der industrialisierten Nutztierhaltung geht es um die kostenoptimierte Fleischproduktion mit dem Ziel, die Tiere unabhängig von ihrem Wohlbefinden möglichst schnell und ohne hohe Verlustraten bis zum Schlachtgewicht zu mästen. Nur mit viel Fantasie kann man es als »Tierschutz« bezeichnen, wenn man dafür sorgt, dass bis zur Schlachtreife möglichst wenige Tiere sterben. Tierschutz hört für die industriellen Tierhalter meistens dort auf, wo Mehrkosten keine mindestens ebensogroßen Mehreinnahmen gegenüberstehen.
  • »Hohe Kontrolldichte«. Falsch. Veterinärämter und das selbstgeschaffene QS-System kontrollieren nur etwa ein Drittel aller Betriebe pro Jahr. Im Umkehrschluss heißt das, dass die einzelnen Betriebe im Schnitt nur ca. alle drei Jahre kontrolliert werden – und das auch noch in aller Regel vorangekündigt.
  • »Die schmerzfreie Schlachtung der Tiere besitzt höchste Priorität«. Falsch. Siehe die hohen Fehlbetäubungsraten.
  • »Keine Kompromisse beim Verbraucherschutz«. Falsch. Siehe z.B. den Missbrauch von Antibiotika.
  • »Fleisch gehört zu einer ausgewogenen Ernährung«. Falsch. Laut der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) essen die Deutschen nicht nur viel zu viel Fleisch; die fleischlose Kost wird zudem von DGE-Wissenschaftlern uneingeschränkt empfohlen. Laut der größten US-Expertenorganisation ADA kann die vegetarische und vegane Ernährung sogar helfen, diverse Volkskrankheiten zu heilen.
  • »Vegetarier leben länger«. Richtig. Wie sich dieses Statement auf die Webseite der Fleischlobby verlaufen hat, verstehen wir zwar nicht, aber immerhin wird dann noch versucht, die erhöhte Lebenserwartung auf einen auch ansonsten gesünderen Lebensstil zu schieben. Dabei kommen viele Studien zum Ergebnis, dass Vegetarier und Veganer auch dann länger leben, wenn man den Faktoren wie sportliche Aktivität und Rauchen herausrechnet.
  • »Die Rolle der […] Fleischerzeugung im Zusammenhang mit dem Klimawandel [wird] maßlos überschätzt«. Es mag sein, dass die Schätzung, dass die Fleischproduktion 51% der vom Menschen erzeugten Treibhausgase ausmacht, in der Tat zu hoch gegriffen ist. Trotzdem mahnen immer mehr Umweltexperten, den Fleischkonsum mindestens zu reduzieren.
  • Die Fleischproduktion sei nicht für den Welthunger verantwortlich. Der Hunger hat zwar viele Ursachen, da aber 80% der weltweiten Sojaernte und mehr als ein Drittel der Getreideernte in Tier- statt in Menschenmägen landen, wobei durch die Veredelungsverluste nur ein Bruchteil der Kalorien für den menschlichen Konsum übrig bleibt, kann man nicht leugnen, dass das zum Welthunger beiträgt.
  • Abschließend empfehlen wir noch einen Blick ins Impressum des Verbands: »Der WIR erzeugen Fleisch e.V.  übernimmt keinerlei Gewähr für die Aktualität, Korrektheit, Vollständigkeit oder Qualität der bereitgestellten Informationen.«

Wir würden uns sehr wundern, wenn der Verband wirklich sein Ziel erreichen sollte, das Image des Fleischkonsums aufzupolieren. Zu überwältigend sind die Argumente, die für eine pflanzliche Ernährung sprechen.

Eine ausführliche Kritik an der verbreiteten pseudowissenschaftlichen Argumentationsweise der Agrarindustrie finden Sie hier.

Initiative Transparente Zivilgesellschaft