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Vegane Kinderernährung und Beikost

Vegane Kinderernährung - Mädchen mit Wassermelone
© Lana K – Shutterstock

Nach einer veganen Ernährung der Mutter während Schwangerschaft und Stillzeit stellt sich für viele vegane Eltern die Frage, wie sie eine rein pflanzliche Bei- und Familienkost umsetzen. Eine vegane Kinderernährung sehen viele Familien durchaus berechtigt als Herausforderung an. Mit einem fundierten Hintergrundwissen und Lust an gesunder Ernährung ist es jedoch möglich, auch Säuglinge und Kleinkinder ausgewogen vegan zu ernähren. Der folgende Artikel gibt eine Einführung, was dabei zu beachten ist.

Die Haltung der Ernährungsorganisationen

Namhafte Ernährungsorganisationen wie z. B. die amerikanische Academy of Nutrition and Dietetics (A.N.D.), der weltweit größte Zusammenschluss von Ernährungsfachleuten, weisen darauf hin, dass eine gut geplante rein pflanzliche Ernährung auch für besondere Lebenssituationen wie z. B. Schwangerschaft, Stillzeit und Kindheit geeignet ist. Dieser Position schließen sich die australische und die kanadische Ernährungsorganisation an. Auch die staatliche britische Gesundheitsversorgung, der National Health Service, informiert Eltern ohne Vorbehalte über eine vegane Kinderernährung.

In ihrer Stellungnahme zu veganer Ernährung empfiehlt hingegen die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) die vegane Kinderernährung sicherheitshalber nicht, »da sich mit dem Verzicht auf jegliche tierische Lebensmittel das Risiko für Nährstoffdefizite und damit das Risiko für Gesundheitsstörungen erhöht«. Wer sich dennoch für eine vegane Kinderernährung entscheidet, soll laut DGE unbedingt vier Punkte beachten: Vitamin-B12-Nahrungsergänzung, regelmäßige ärztliche (Blut-)Kontrollen, eine nährstoffreiche Ernährung und fachgerechte Beratung.

Die Haltung der DGE gegenüber einer veganen Ernährung hat sich damit inzwischen gewandelt: Das Institut für alternative und nachhaltige Ernährung (IFANE) kommentiert die derzeitige »Nicht-Empfehlung« der DGE als »etwas anderes, als davon abzuraten oder gar davor zu warnen – wie es in der Vergangenheit geschehen ist.« Prof. Claus Leitzmann, Mentor des IFANE und Koryphäe der vegetarischen Vollwerternährung, weist in einem Kommentar zur DGE-Position auf das Interesse von VeganerInnen an gesunder Ernährung hin: »Die DGE ist sehr vorsichtig in ihren Empfehlungen (…). Aber die Wirklichkeit zeigt, dass die Veganer gut informiert sind, und gerade wenn sie ihre Kinder auch vegan ernähren, das in der Regel auch richtig machen.«

Begrenzte Studienlage

Leider gibt es insgesamt erst wenige wissenschaftliche Untersuchungen zu vegetarisch, geschweige denn vegan ernährten Kindern. Eine uneinheitliche Studienlage erschwert – ähnlich wie bei veganen Schwangeren – grundsätzliche Aussagen. Außerdem ist zu beachten, dass ein Großteil der Studien – gerade zu veganen Kindern – aus den 1970ern bis 1990ern stammen. Heute sind deutlich mehr Informationen zur veganen Ernährung über Bücher und Medien sowie vegane Produkte und Nahrungsergänzungsmittel verfügbar.

Ein deutsches Projekt sucht deshalb bis Ende 2017 noch TeilnehmerInnen: Die VeChi-Studie (Vegetarian and Vegan Children Study) des IFANE, der Fachhochschule des Mittelstands (FHM) und der DONALD-Studie läuft seit Oktober 2016 und vergleicht die Nährstoff- und Energiezufuhr veganer, vegetarischer und mischköstlich ernährter Kleinkinder im Alter von 1-3 Jahren. Außerdem werden für die VeChi-Youth-Studie, die im Herbst 2017 startet, TeilnehmerInnen im Alter zwischen 6 und 18 Jahren gesucht.

Ausgewählte Befunde überwiegend vegetarisch ernährter Kinder

  • Das Wachstum vegetarischer Kinder ist meistens vergleichbar mit dem von mischköstlich ernährten Kindern. Tendenziell waren vegetarisch und vegan ernährte Kinder etwas leichter und kleiner, was allerdings nicht unbedingt negativ bewertet werden muss (siehe hierzu die ausführliche Studienübersicht von Keller und Müller).
  • Ein günstiges Ernährungsmuster zeigte sich für britische überwiegend vegetarisch lebende Vorschulkinder bei der Menge und Qualität von Fetten, bei Cholesterin sowie der Zufuhr von Kohlenhydraten, Protein und Natrium. Die Versorgung mit den Vitaminen A und E war bei den vegetarisch lebenden Kindern teilweise besser. Die Spiegel für Zink, Eisen, Vitamin B12 und Vitamin D im Blut waren vergleichbar mit denen von mischköstlich ernährten Kindern. Die Eisenspeicherwerte waren allerdings bei vegetarischen Kindern niedriger. Die Studie kommt zu dem Schluss, dass eine gesunde vegetarische Ernährung von Kindern möglich ist.
  • Eine Untersuchung mit Kindern zwischen 2 und 18 Jahren verzeichnete ebenfalls geringere Eisenspeicherwerte für VegetarierInnen und ein häufigeres Auftreten von Eisenmangel. Wir raten deshalb, die Eisenversorgung sicherheitshalber bei vegan-vegetarischer Kinderernährung über regelmäßige Blutuntersuchungen (Hämoglobin- und Ferritinwert) zu beobachten.
  • Eine weitere Studie fand angemessene Blutwerte bei vegetarischen Kindern (2 bis 10 Jahre) bezüglich Homocystein, Folat und Vitamin B12. Die fünf untersuchten veganen Kinder waren nicht ausreichend mit Vitamin B12 versorgt. Auch wenn die Zahl der untersuchten veganen Kinder sehr gering ist, gebührt dem Thema Vitamin B12 wie bei Erwachsenen höchste Aufmerksamkeit.
  • Vegetarische britische Kinder (7 bis 11 Jahre) erreichten häufiger die Zufuhrempfehlungen für Vitamine und Mineralstoffe. Die Eisenversorgung im Blut (Hämoglobin) war zwar geringer als die von mischköstlich ernährten Kindern, aber im Normbereich. Neben Eisen fiel Zink als kritischer Nährstoff auf.
  • Weitere Ergebnisse polnischer Kinder (5 bis 11 Jahre) zeigten Blutkonzentrationen im Normbereich bei verschiedenen Nährstoffen (inklusive Eisen) bei vegetarischer Kost, allerdings zu wenig Vitamin D.

Vegan ernährte Kinder

Studien mit rein vegan ernährten Kindern liegen nur aus zwei Projekten aus Großbritannien und den USA aus den 1970er und 1980er Jahren vor. Eine ausführliche Studienübersicht fasst die Befunde zusammen: Die Nährstoffzufuhr veganer Kinder entsprach meist den Empfehlungen. Bei der Energie- und Kalziumzufuhr sowie der Aufnahme von Vitamin D, B2 und B12 erreichten die Kinder die Referenzwerte teilweise nicht. Vegane Kinder nahmen mehr Ballaststoffe und mehrfach ungesättigte Fettsäuren sowie weniger gesättigte Fettsäuren zu sich. Es zeigte sich eine altersgerechte Entwicklung.

Erstes Lebensjahr: Von Anfang an pflanzlich

Vom ersten Stillen bzw. der ersten Flasche bis hin zur ersten Mahlzeit am Familientisch vergeht eine intensive Phase, in der Kinder schrittweise und behutsam an feste Nahrung herangeführt werden. Dies nennt man Beikostalter. Gewisse Grundsätze sind sowohl bei mischköstlicher als auch bei veganer Beikost zu beachten.

Die ersten Lebensmonate

In den ersten Lebensmonaten ist Muttermilch die beste Nahrung für das Kind. Wer eine vegane Kinderernährung plant, aber nicht stillen kann oder möchte, sollte sich intensiv mit den verfügbaren Säuglingsmilchnahrungen auseinandersetzen. Soja- und andere pflanzliche Drinks aus dem Supermarkt sind keine adäquate Säuglingsnahrung, ebenso wie übliche Kuhmilch. Säuglingsmilchnahrung ist speziell abgestimmt und mit Zusätzen angereichert. Eine wichtige Grundlage für einen gesunden Stillprozess und hochwertige Muttermilch ist außerdem die gesunde Ernährung der Mutter während der Stillzeit. So enthält die Milch ausreichend Nährstoffe.

Ob sojabasierte Säuglingsmilchnahrung als vegane Alternative zu handelsüblichem Pulver auf Kuhmilchbasis ab der Geburt angemessen ist, wird in Deutschland oft kontrovers diskutiert. Eine Studie der American Academy of Pediatrics und eine weitere internationale Untersuchung kamen hingegen zu dem Ergebnis, dass auch Soja-Säuglingsmilchnahrungen sicher und geeignet sind. In Deutschland sind nur sehr wenige solcher Produkte erhältlich (z. B. dieses nahezu vegane Pulver*, das jedoch leider tierliches Vitamin D3, keine optimale Nährstoffzusammensetzung und recht viel Zucker enthält). Aus Frankreich gibt es sojafreie Produkte auf Mandel- und Reisbasis ab dem ersten Lebenstag (1). Eltern können zum Beispiel dieses Reisprodukt* verwenden, sollten jedoch – ebenso beim Sojaprodukt – pflanzliche Docosahexaensäure (DHA) ergänzen. Die Entscheidung oder Tatsache, ob und wie Eltern Alternativen zu Muttermilch geben (müssen), sollten sie individuell, informiert und mit ärztlichem Rat angehen. Mehr zum Thema vegane Säuglingsmilchnahrung gibt es in diesem Artikel.

Mit der Beikost starten

Wenn die Eltern dazu bereit sind, das Kind gesund ist sowie seinen Kopf halten kann und am besten viel Zeit und Ruhe vorhanden sind, können Eltern mit der Einführung der Beikost beginnen (2). Dieser Start kann frühestens ab dem fünften, spätestens zum Anfang des siebten Monats ganz individuell erfolgen. Die Nationale Stillkommission empfiehlt Müttern in Deutschland, vier bis sechs Monate voll zu stillen und auch danach weiterzustillen. Ab dem siebten Monat reicht die Versorgung allein über die Muttermilch nicht mehr aus. Zu Beginn ergänzt die Beikost die Muttermilch bzw. die Alternative, später wird immer weniger Milch und mehr Brei verzehrt.

Bei veganer Kost sollten möglichst noch zwei Muttermilch-Mahlzeiten bis zum Ende des ersten Lebensjahres gegeben werden. Dies gilt auch für Alternativen. Bis zu diesem Zeitpunkt werden auch drei bis dreieinhalb Breimahlzeiten eingeführt. Vier Monate sollten mindestens ausschließlich gestillt werden. In der veganen Kinderernährung kann Muttermilch auch weit über das erste Lebensjahr viele Vorteile mitbringen. Das Ende der Stillzeit bestimmen Mutter und Kind ganz individuell (1).

Babybrei: Aller guten Dinge sind drei

Eine schrittweise Einführung der Beikost ist wichtig, um dem Kind sowohl psychisch als auch körperlich genug Zeit zur Umstellung zu geben. Das überwiegende Selbstkochen der Breie ist für die vegane Kinderernährung Pflicht: Die Zutaten sollten vollwertig, frisch und nährstoffreich sein (2). Offizielle Empfehlungen zum Beikostbeginn werden in Deutschland vom Forschungsinstitut für Kinderernährung (FKE) im »Ernährungsplan für das 1. Lebensjahr« vorgegeben. An diesem orientieren sich auch die drei folgenden Breie für das erste Lebensjahr, allerdings in einer rein pflanzlichen Version (1):

  1. Gemüse-Kartoffel-Getreide-Brei: Zuerst wird der Brei nur mit Gemüsemus (z. B. Karotten) und Raps- oder mit DHA angereichertem Leinöl hergestellt und zwischen zwei Milchmahlzeiten gegeben. Hat sich das Kind an die erste Beikost gewöhnt, kann man langsam Kartoffeln und etwas später Getreide oder Hülsenfrüchte hinzufügen. Dann lassen sich auch die Gemüsesorten variieren und Hafer- durch Hirseflocken oder Linsen ersetzen. Diesen Brei sollten Eltern mittags anbieten und bis zur Einführung des nächsten Breis mindestens einen Monat warten.
  2. Obst-Getreide-Brei: Vormittags oder nachmittags wird nach einer gewissen Gewöhnungszeit zusätzlich zum Gemüse-Kartoffel-Getreide-Brei ein Brei aus Obst und Getreide mit Raps- bzw. mit DHA angereichertem Leinöl oder Mandelmus als Zwischenmahlzeit gegeben. Dies kann ohne schrittweise Ergänzung der Zutaten erfolgen, da das Kind nun an Brei gewöhnt ist.
  3. Getreide-Brei: Im letzten Schritt erhält das Kind zusätzlich zu den beiden Breien morgens oder abends einen Brei aus sojabasierter Säuglingsmilchnahrung mit Dinkelgrieß. Alternativ eignet sich ein mit Kalzium angereicherter Haferdrink mit Dinkelgrieß und etwas Mandelmus, wenn noch drei ausreichend große Mahlzeiten Muttermilch gegeben werden.

Das Tempo, wann Kinder eine gesamte Mahlzeitportion schaffen und auch wann ein neuer Brei eingeführt wird, ist individuell verschieden. Weitere Tipps zur praktischen Umsetzung des Beikostbeginns sowie konkrete Rezeptideen gibt es im Buch »Vegane Ernährung – Schwangerschaft, Stillzeit und Beikost«.

Exkurs: Baby-Led-Weaning

Baby-Led-Weaning ist das selbstständige Greifen und Verzehren von stückigen Lebensmitteln vom Familientisch durch den Säugling. Dazu gibt es noch keine Studien, die eine Überlegenheit gegenüber den klassischen Breien belegen. Mit einem Alter von etwa zehn bis zwölf Monaten ist allerdings auch bei der Beikost der schrittweise und spielerische Übergang zur Familienkost angesagt.

Kleinkinder: Vegane Ernährung am Familientisch

Je nach individuellem Fortschreiten gehen die Breie mehr und mehr in Familienkost über. Natürlich schließt ein Beikoststart mit Breien nicht aus, dass das Kind auch schon vorher ab und zu Lebensmittel vom Familientisch ausprobiert, z. B. Obststücke oder Brot. Für den Einstieg in die Familienkost eignen sich z. B. zerdrücktes Obst und Gemüse oder auch Reis, Kartoffeln und Nudeln. Außerdem können Eltern kleine Portionen normaler Gerichte vor dem Salzen beiseite nehmen und dem Kind zum Probieren geben.

Bananen, Dinkelgebäck und Vollkornzwieback eignen sich ideal als Zwischenmahlzeiten, die nun vormittags und nachmittags eingeführt werden. Morgens und/oder abends bevorzugen einige Kinder häufig noch eine Brei- und/oder Stillmahlzeit. Diese kann z. B. mit Zwieback oder Brot zum Knabbern ergänzt werden, während die Eltern selbst essen.

Grundlagen der veganen Kinderernährung

Wenn die Mahlzeiten schließlich komplett in die Familienkost übergehen, gleicht sich die Ernährung von Kindern und Erwachsenen immer mehr an. Wer eine vegane Kinderernährung über die gesamte Kindheit plant, sollte sich nach Dr. Markus Keller von der FHM fundiertes Ernährungswissen aneignen sowie auf folgende Punkte achten (2):

  • Abwechslungsreiche und vollwertige Lebensmittel
  • Ausreichende Zufuhr an Nahrungsenergie
  • Höhere Proteinzufuhr als bei mischköstlich ernährten Kinder (wegen der geringeren biologischen Wertigkeit des pflanzlichen Proteins)
  • Sichere Versorgung mit den besonders bei veganer Ernährung kritischen Nährstoffen Kalzium, Eisen, Zink, Jod, Vitamin B2, Vitamin D, langkettigen Omega-3-Fettsäuren (DHA) sowie Vitamin B12 (siehe nächster Abschnitt)

Nährstoffe: Kritisches in der veganen Bei- und Familienkost

  • Vitamin D ist am besten über Nahrungsergänzungsmittel aufzunehmen, da die Produktion über die Haut hierzulande nur in den Sommermonaten (März-Oktober) funktioniert. Unabhängig von der Ernährungsweise empfehlen Fachleute für Kindergesundheit in Deutschland, Säuglingen 400-500 I. E. Vitamin D pro Tag ab der zweiten Lebenswoche als Nahrungsergänzungsmittel zu verabreichen. Die von den Krankenkassen in diesem Fall bezahlten Vitamin-D3-Präparate sind allerdings meist nicht vegan. Da Vitamin D3 im Gegensatz zum pflanzlichen D2 vermutlich besser vom Körper verwertet werden kann, ist für VeganerInnen Vitamin D3 aus Flechten* geeignet.
  • Jod wird unabhängig von der Ernährungsweise zu wenig aufgenommen: Über ein Viertel der deutschen Bevölkerung gilt als unterversorgt. In der Beikost wird generell auf Salz und damit auch auf Jodsalz verzichtet. Da bei veganen Gerichten außerdem Milch und Fisch wegfallen, sollten Mütter in der Stillzeit Nahrungsergänzungsmittel einnehmen. So ist die Muttermilch ausreichend mit Jod angereichert. Alternativ können von den Müttern entsprechende Mengen Nori-Algen verzehrt werden (Packungsangabe zum Jodgehalt beachten). Auch im Getreidebrei eignen sich Nori-Algen. Die Zubereitung mit einer sojabasierten Säuglingsmilchnahrung mit Jod ist eine weitere Möglichkeit (1).
  • Omega-3-Fettsäuren nehmen Säuglinge über das den Breien hinzugefügte Raps- oder Leinöl auf. Allerdings ist die körpereigene Umwandlungsrate in Docosahexaensäure (DHA) begrenzt. Eltern sollten Kindern diese wichtige Omega-3-Fettsäure direkt über Mikroalgen, z. B. aus mit DHA angereichertem Öl* oder Nahrungsergänzungsmitteln, verabreichen.
  • Eisen aus pflanzlichen Lebensmitteln wird nicht so gut wie aus Tierprodukten aufgenommen. Hier helfen eisenreiche Grundzutaten (z. B. Hirse, Kürbiskerne, Haferflocken), Einweichen (eventuell auch Garen) und der Verzehr zusammen mit Vitamin-C-haltigen Lebensmitteln (z. B. Orangensaft) (1).
  • Kalzium wird ebenfalls durch Einweichen oder Garen besser aufgenommen. Beispielsweise sind Mandelmus, Kichererbsen, Fenchel und kalziumreiches Mineralwasser geeignete pflanzliche Kalziumquellen (1).
  • Einweichen, Garen oder der Verzehr mit Säurehaltigem hilft außerdem bei der Aufnahme von Zink aus Vollkorngetreide und Hülsenfrüchten. Beispiele sind Hafer, Amaranth, Linsen und Cashewkerne (1).

Lebenswichtiges Vitamin B12

Vitamin B12 kommt praktisch nicht in pflanzlichen Lebensmitteln vor und muss von Mutter und Kind über Nahrungsergänzungsmittel aufgenommen werden. Der Säugling hat nur begrenzte Reserven nach der Geburt. Während des Stillens klappt die Versorgung zum Beispiel gut mit Tropfen*, die auf die Brustwarze geträufelt und dann vom Kind aufgenommen werden (2). Später bieten sich Tabletten zum Kauen oder Auflösen an.

Mehrzufuhr an Protein

Protein ist im Wachstum besonders wichtig. Hier bietet sich eine Kombination verschiedener pflanzlicher Proteinquellen wie Sojaprodukte und Hülsenfrüchte in einer Mahlzeit oder über den Tag verteilt an. Dies kann z. B. über Kartoffeln mit Linsen wie im Gemüse-Kartoffel-Brei geschehen. Daraus entsteht eine teilweise gleich hohe oder sogar höhere biologische Wertigkeit als für tierliches Protein (1).

  • Keller empfiehlt, veganen Ein- bis Zweijährigen etwa ein Drittel mehr Proteine als in den generellen Empfehlungen zu geben, z. B. durch besonders proteinreiche Mahlzeiten. Dies hängt vor allem mit der etwas geringeren Wertigkeit und Verdaulichkeit pflanzlichen Proteins im Vergleich zu tierlichem zusammen.
  • Vegane Zwei- bis Sechsjährige sollten etwa ein Viertel mehr erhalten.
  • Im Schulalter ist die Zufuhrempfehlung für Protein bei veganen Kindern um etwa 15 bis 20 Prozent gegenüber den allgemeinen Empfehlungen erhöht. Ansonsten nähert sich der allgemeine Nährstoffbedarf langsam dem von Erwachsenen an.

Gesunde Ernährung als Vorsorge

In solch wichtigen Wachstumsphasen wie der Kindheit sollten Eltern ihre Kinder mit möglichst nährstoffreichen, gesunden Lebensmitteln unterstützen. Hierzu bieten sich weniger stark verarbeitete, selbst zubereitete Lebensmittel nach den Grundsätzen der Vollwertkost an.

Wer obige Nährstoffempfehlungen beachtet und auf eine vollwertige Kost setzt, kann aus der komplett oder überwiegend pflanzlichen Ernährung großen Nutzen ziehen. Gerade im Jugend- und auch später im Erwachsenenalter hat eine ausgewogene vegane Ernährung viele Vorzüge. Jugendliche mit überwiegend pflanzlicher Ernährung haben im Vergleich zu Gleichaltrigen mit mischköstlicher Ernährung in Studien einen niedrigeren Body Mass Index (BMI) und niedrigere Cholesterinwerte. Dies ist u. a. für die Herzgesundheit und das spätere Erkrankungsrisiko (z. B. für Herz-Kreislauf-Erkrankungen) ein großer Vorteil. Bei vollwertiger, überwiegend pflanzlicher Ernährung zeigen Analysen außerdem ein um etwa 20 bis 25 Prozent geringeres Risiko für Herzkrankheiten und Diabetes bei Erwachsenen. Mehr zu den generellen Gesundheitsvorteilen veganer Ernährung gibt es im Artikel »Vegan gesund«.

Praxistipps und Weiterführendes

Regelmäßige Blutuntersuchungen

Um Defizite bei kritischen Nährstoffen aufzudecken, sind mindestens jährliche Bluttests bei veganen Kindern und Erwachsenen empfehlenswert. Neben dem kleinen Blutbild können in der Kinderarztpraxis zusätzliche Blutwerte wie Vitamin B12 und Vitamin D untersucht werden. Weitere Informationen zu einzelnen Blutwerten gibt es im Artikel »Vegan gesund« sowie in unserem Infoblatt zu Vitamin B12. Durchführung und Ergebnisse dieser Tests sollten Eltern immer mit der Ärztin bzw. dem Arzt besprechen.

Qualifizierte Beratung

Neben allen Informationen aus Büchern und dem Internet ist (nicht nur) für vegane Familien eine persönliche Ernährungsberatung sinnvoll. Qualifizierte ErnährungsberaterInnen, Ärztinnen und Ärzte sowie Stillberaterinnen findet man häufig über eine Internetsuche, Empfehlungen in Foren oder Facebook-Gruppen (z. B. bei »Vegane Eltern«). Expertinnen und Experten, die sich auf die vegane Ernährung spezialisiert haben, sind hier von Vorteil. Beispielsweise bildet der Verband für Unabhängige Gesundheitsberatung e. V. (UGB) zahlreiche Fachkräfte als FachberaterInnen für Vegane Ernährung aus. Manche BeraterInnen bieten ihre Leistungen auch ortsungebunden über Telefon, Skype und E-Mail an, z. B. Carmen Hercegfi von »Vegane Familien« oder Sonja Guse.

Tipps zum Selbststudium

Bücher

  • Für die vegane Beikostplanung inklusive zahlreicher Rezepte ist »Vegane Ernährung – Schwangerschaft, Stillzeit und Beikost« von Dr. Markus Keller und Edith Gätjen als fundiertes Standardwerk empfehlenswert. Hierin sind auch Rezepte enthalten.
  • Mehr Rezepttipps für die vegan-vegetarische Familie gibt dasselbe Autorenteam in »Das genial vegetarische Familienkochbuch«.
  • Helene Holunder hat zahlreiche Rezepte in »Meine Familie isst vegan« gesammelt.
  • Das Buch »Vegane Eltern – junges Gemüse« von Corinne Matzka und Jonas Engelmann ist ein hilfreicher Praxisratgeber für den veganen Familienalltag. Es enthält auch detaillierte Informationen zu Nährstoffen und Ernährung in Schwangerschaft, Stillzeit und Kindheit.
  • Zusätzlich zu Nährstoffen und Speiseplänen ist unabhängig von der Ernährungsweise auch das Erlernen von Essen ein Thema. Dies zeigt das Buch »Lotta lernt essen« von Edith Gätjen anschaulich.

Websites

  • Wer die täglich verzehrten Nährstoffe für einen Überblick selbst berechnen möchte, findet einen ausführlichen Rechner auf der Website Cronometer.
  • Der Blog TofuFamily informiert rund ums Thema vegane Familie.

Seminar

  • Das UGB-Seminar »Vegan von Anfang an« von Edith Gätjen und Mariana Eberhard ist besonders empfehlenswert. Es dauert drei Tage und findet mehrmals im Jahr am Edersee nahe Kassel statt.

Vegane Kinderernährung: Pflanzlich ist möglich!

Dieser Artikel ersetzt keinen ärztlichen Rat oder eine Ernährungsberatung. Vielmehr soll vermittelt werden, dass eine gesunde vegane Kinderernährung möglich ist. Wer ein grundlegendes Interesse an gesunder Ernährung mitbringt, sich gerne Wissen aneignet und natürlich das Wohlergehen des Kindes als oberste Priorität ansieht, kann eine vegane Familienernährung – besonders zuhause – gut geplant angehen.

Anne Bohl

Quellen, sofern nicht im Text verlinkt

(1) Keller, M. & Gätjen, E. (2017). Vegane Ernährung – Schwangerschaft, Stillzeit und Beikost. Verlag Eugen Ulmer: Stuttgart.

(2) Keller, M. & Gätjen, E. (2015ff). Seminar Vegan von Anfang an. Verband für Unabhängige Gesundheitsberatung e. V. (UGB), Edertal.

(3) Leitzmann, C. & Keller, M. (2013). Vegetarische Ernährung (3. Aufl.). Verlag Eugen Ulmer: Stuttgart.

*Bei diesen Empfehlungen handelt es sich nicht um Werbung oder gesponserte Links, sondern lediglich um Hinweise auf leicht verfügbare, geeignete pflanzliche Produkte.

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