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Fehlender Brandschutz in der Massentierhaltung: ein kalkulierter Gesetzesbruch

Feuer in einer Massentierhaltung
Feuer in einer Massentierhaltung © storm – fotolia.de
»Schweinestall brannte bis auf die Grundmauern nieder« – so oder so ähnlich lauten regelmäßig Meldungen lokaler Medien. Solche Brände stellen für die Tiere eine erhebliche Gefahr dar, ein noch grausameres Schicksal zu erleiden als es ohnehin für sie vorherbestimmt wurde: Werden sie nicht rechtzeitig gerettet, so können sie im Feuer verbrennen oder durch die Rauchgasentwicklung ersticken. Selbst bei einer Rettung sind Verbrennungen und Rauchgasvergiftungen oft so schlimm, dass die Tiere noch Stunden nach dem Brand euthanasiert werden müssen. Sie können in Stresszustände und Panik verfallen, die teilweise so gravierend sind, dass sie zum Tod führen. Allein in den letzten Jahren starben laut eines vom Deutschen Tierschutzbund und vom BUND in Auftrag gegebenen Gutachtens von Prof. Dr. Bernhard Hörning mindestens 15.000 Schweine bei 50 Bränden.

Die Rettungsmaßnahmen gestalten sich schwierig: In Panik drängen sich etwa Schweine zusammen, schreien aus Leibeskräften und wehren sich sogar gegen auf ihre Rettung abzielende Gewalteinwirkungen. Tiere, die ihr Gebäude nur von innen kennen, weil sie es nie verlassen haben, flüchten in die gewohnte Umgebung zurück – selbst, wenn diese brennt. Bei Massentierhaltungsanlagen sind darüber hinaus die Laufwege meist länger und die Tiere in der Regel durch fehlende Bewegung nicht gewohnt, nennenswerte Strecken zurückzulegen.

Die Brandschutzregelungen der Länder lassen die Genehmigung des Baus von Ställen nur dann zu, wenn im Brandfall die Rettung von Menschen und Tieren möglich ist. Auch die Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung sowie das Immissionsschutzgesetz kennen entsprechende Vorgaben. Die gesetzlichen Vorgaben sind damit eindeutig: Die Rettung aller Tiere muss ermöglicht werden. Dazu muss ein ausreichender Brandschutz gewährleistet sein (siehe §3 II Nr. 1 Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung). Hierfür sind die Betreiber verpflichtet, den neuesten Stand der Technik bei Brandverhütungsmaßnahmen einzusetzen, wie etwa feuerfeste Materialien, Sprinkleranlagen, Brandmauern und feuerfeste Türen. Getreu des in der Massenproduktion verbreiteten Mottos, überall Kosten zu sparen, wo es nur geht, werden diese Investitionen jedoch nicht getätigt. Doch entgegen vieler Tierschutzbestimmungen, die sich leider häufig als sehr biegsam erwiesen haben, liegt hier ein klarer Gesetzesbruch vor.

Um das Gesetz einzuhalten und die Überlebenschancen der Tiere im Brandfall zu erhöhen, dürften bewegungsarme Haltungssysteme wie etwa Kastenbuchten nicht umgesetzt werden. Die Tiere dürften nicht nur an ihren (Groß-)Stall, sondern auch an die Stallumgebung gewöhnt sein. Bei ständig zugänglichen Ausläufen etwa könnten sie sich selbst in Sicherheit bringen. Kleine Tierhaltungsanlagen mit kurzen Laufwegen, kleinen Tiergruppen und geringen Gesamtbeständen steigern die Überlebenschancen der Tiere wesentlich. Mit den üblichen Massentierhaltungsanlagen ist ein gesetzlich gebotener, effektiver Brandschutz jedenfalls unvereinbar. Nimmt man den Brandschutz wirklich ernst, dürften auch keine überzüchteten Tiere eingesetzt werden, die sich am Ende der Mast kaum noch bewegen können. In diesem Sinne hoffen wir, dass das Gutachten von Prof. Hörning dazu beiträgt, dass die klaren Brandschutzbestimmung bei der Frage, ob der Bau neuer Mastställe genehmigt wird, endlich regelmäßig berücksichtigt werden.

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