Tierversuche
»Eine der schwersten Fragen unseres Verhaltens zur Kreatur ist mit der modernen Wissenschaft aufgekommen. Versuche am Tier setzen uns instand, Beobachtungen über die Funktionsweise des Lebens und die Krankheits- und Heilungsvorgänge anzustellen und dadurch in unserer Kenntnis der Mittel der Erhaltung des Lebens und der Meisterung des Schmerzes bereichert zu werden. Das Beginnen an sich, so grauenhaft es in manchem sein mag, ist berechtigt, weil das Leben, das wir opfern, und der Schmerz, den wir bereiten, tausend und tausendfach wiedergebracht werden durch Leben, das dadurch erhalten, und Weh, das dadurch überwunden wird. Aber auch hier darf uns niemals das Bewusstsein der Verantwortung verlassen. Wer den Beruf zu solchen Forschungen hat, muss sich in jedem einzelnen Falle fragen, ob das, was er mit der wehrlosen Kreatur unternimmt, wirklich einen Zweck hat und ob er alles getan, um den Schmerz, wo es geht, auszuschalten. Anders ist er ebenso schuldig wie die, die ohne Beruf in Gedankenlosigkeit töten und peinigen, mag er auch vorgeben, sich auf den Dienst der Wissenschaft berufen zu können. Niemals kann diese die viele Misshandlung, die heute in ihrem Namen begangen wird, rechtfertigen. Dies gilt besonders von der Kreatur, die massenhaft Lehr- und Demonstrationszwecken geopfert wird, wo ein [einziger] Versuch viele und oft auch eine Beschreibung genügen würde. Das wissenschaftliche Gewissen muss zugleich ein sittliches sein.
Diejenigen aber, die die Wohltat der Narkose, der Operationen und so vieler helfenden und lindernden Mittel an sich oder ihren Nächsten erfahren, müssen gegenwärtig haben, dass wir dies alles nicht nur den forschenden Menschen, sondern auch dem Tier verdanken, das es uns in seinem Leiden erworben hat.«
»Diejenigen, die an Tieren Operationen oder Medikamente versuchen oder ihnen Krankheiten einimpfen, um mit den gewonnenen Resultaten Menschen Hilfe bringen zu können, dürfen sich nie allgemein dabei beruhigen, dass ihr grausames Tun einen wertvollen Zweck verfolge. In jedem einzelnen Falle müssen sie erwogen haben, ob wirklich Notwendigkeit vorliegt, einem Tiere dieses Opfer für die Menschheit aufzuerlegen. Und ängstlich müssen sie darum besorgt sein, das Weh, soviel sie nur können, zu mildern. Wie viel wird in wissenschaftlichen Instituten durch versäumte Narkosen, die man der Zeit und Müheersparnis halber unterlässt, gefrevelt! Wie viel auch dadurch, dass Tiere der Qual unterworfen werden, nur um Studenten allgemein bekannte Phänomene zu demonstrieren!«
Diese Zitate stammen aus dem Buch “Ehrfurcht vor den Tieren”, das Sie auch über unseren Buchshop bestellen können.






