Stierkampf und andere “Sportarten”

»Wann wird es dahin kommen, dass die öffentliche Meinung keine Volksbelustigung mehr duldet, die in Misshandlung von Tieren bestehen!«

»Auf das Tier angewandt, heißt die Ehrfurcht vor dem Leben zunächst: Das Töten des Tieres sei kein Schauspiel und kein Sport! Kein Schauspiel: Ich sehe mich noch immer an einem strahlenden Herbstsonntage auf dem großen Platz in Barcelona. In hellen Gewändern, mit flatternden Spitzenkopftüchern fuhren Frauen und Mädchen alle nach einer Richtung: zur Arena! Um zu sehen, wie wütende Stiere armen Maultieren mit den Hörnern den Bauch aufschlitzten und dann selber, unter dem Jubel der Menge, endlich zu Tode gequält zu werden.«

»Aber immer müssen wir uns bewusst bleiben, dass Töten etwas Furchtbares ist und wir es nur ausführen, weil wir einem Müssen gehorchen. Es wir die Zeit kommen, wo man nicht mehr verstehen wird, dass heute noch Jagd als edler Sport gilt.

Mit aller Macht müssen wir uns dagegen wehren, dass Belustigungen und Spiele, bei denen Tiere gequält und getötet werden, bei uns geduldet werden oder, wie es immer mehr geschieht, wieder in Aufnahme kommen.«

»In der [Zeitschrift] Atlantis, die ich hier, im Urwalde, regelmäßig und mit großem Interesse lese, findet sich ein Bericht über Versuche, die zur Zeit gemacht werden, um die seit langem verlassene Jagd mit Jagdfalken aufs Neue in Mode zu bringen. Er schließt mit dem Satze:  >Das schöne, alte Jagdspiel, einst das fürstliche Jagdvergnügen par excellence, beginnt ein romantischer Sport zu werden.<

Als Naturfreund gestehe ich, dass ich das Wiederaufleben dieser grausamen Jagdart auf arme Vögel bedauern muss und die Hoffnung hege, dass es ihr nicht gelingen werde, sich wieder einzubürgern. Ist der in Wirklichkeit ein Naturfreund, der an dem traurigen Schauspiel der Misshandlung und Tötung des schwachen Vogels durch den starken seine Freude hat und durch Abrichtung von Raubvögeln Sorge trägt, dass es ihm möglichst oft geboten werde? Und was ist denn >romatisch< an diesem >Sport<? Dass die Menschen einer früheren, in vieler Hinsicht gedankenlos unmenschlichen Zeit ihn betreiben?

Diese Jagdart wurde verlassen, als die Menschen im Aufklärungszeitalter nachdenklich wurden und das Grausige nicht nur der Tortur, sondern auch noch vieler anderer, bis dahin nicht genugsam empfundener Grausamkeit einsahen. Heute hingegen beginnen wir langsam wieder so weit zu sein, dass Bräuche, die als unvereinbar mit wahrer Menschlichkeit für immer aufgegeben schienen, Aussicht haben, wieder in Aufnahme zu kommen. [...]

Die Falkenjägerei glaubt sich überdies noch dadurch empfehlen zu können, dass sie im Gewande des Sports und in dem der Freude an der Natur auftritt. Beide trägt sie zu Unrecht, Sport ist Leibesübung, aber nicht: zusehen, wie ein Schwacher von einem Starken gequält wird und ihm zur Beute fällt. Naturfreund ist derjenige, der sich mit allem, was in der Natur lebt, innerlich verbunden weiß, an dem Schicksal der Geschöpfe teilnimmt, ihnen, soviel er nur kann, aus Leid und Not hilft und nach Möglichkeit vermeidet, Leben zu schädigen oder zu vernichten. [...]

Unter den Einwänden, die die Menschlichkeit von den Liebhabern grausamer Gebräuche zu hören bekommt, steht in erster Linie der, dass die Natur selber voller Grausamkeiten sei. Gewiss, aber dies nimmt die Schuld nicht von mir, wenn ich aus Gedankenlosigkeit oder Freude an einem Kampfesschauspiel das schon bestehende Weh und Leid noch mehre.«

»Gegen die Grausamkeit, die in den Geschöpfen der Natur ist, vermögen wir nichts. Wir selber aber, als solche, die wissend geworden sind, dürfen uns nicht Tiere abrichten, dass sie uns mit ihrem grausamen Morden auf Kosten ihrer armen Opfer Schauspiele bereiten. Unsere Bestimmung ist nicht, dass wir auf die Grausamkeit der Natur eingehen und uns mit ihr verbünden, sondern dass wir ihr eine Grenze setzen, soweit unser Wirken reicht. [...]

Darum muss der denkende Mensch sich gegen alle grausamen Veranstaltungen auflehnen, mögen sie noch so sehr im Herkommen verwurzelt und mit Nimbus umgeben sein. Wahres Menschentum ist ein zu kostbares geistiges Gut, als dass man etwas davon an die Gedankenlosigkeit preisgeben dürfte.

Nur wenig von der vielen Grausamkeit, die von Menschen geübt wird, kommt wirklich auf Kosten grausamer Triebe. Das meiste davon fließt aus übernommener Gewohnheit und aus Gedankenlosigkeit. Die Grausamkeit hat also keine sehr festen, aber weit verzweigte Wurzeln. Darum macht es so viel Mühe, sie auszurotten. Aber die Zeit muss kommen, wo die Gewöhnung und Gedankenlosigkeit geschützte Nichtmenschlichkeit der vom Denken verfochtenen Menschlichkeit erliegen wird.

Arbeiten wir daran, dass sie kommt.«

»Es ist eine Schande, dass allenthalben immer noch Hetzjagden veranstaltet werden, zu denen in den südlichen Ländern noch Stierkämpfe und so manche andere grausame Belustigungen kommen.«

»Wir wollen nicht weiterhin diesen törichten und gemeinen Sport hinnehmen. Wir verachten ihn und können nicht anders, als diese naive Unmenschlichkeit zu verurteilen. Zu lange schon haben wir geschwiegen und geschehen lassen, was nicht geschehen durfte. In dem kommenden Kampf gegen die Unmenschlichkeit werden wir siegen, mag er sich auch noch so lange hinziehen. Wir wollen nicht, dass unsere Jugend dem Geiste der naiven und gemeinen Unmenschlichkeit des Stierkampfsportes aufwächst. Wir wollen in unserem Lande gesunde Luft einatmen, nicht die schmutzige des Stierkampfsportes. Aux armes, citoyens!«

Diese Zitate stammen aus dem Buch “Ehrfurcht vor den Tieren”, das Sie auch über unseren Buchshop bestellen können.


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